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Geht doch!

Immer, wenn Galeria Karstadt-Kaufhof-Horten gerade mal wieder pleite ist und alle über die „Verödung der Innenstädte“ jaulen, denke ich: Verödung? Geht mal bitte nach Geschäftsschluss in eine klassische Fußgängerzone, öder geht es doch nicht. Und während der Geschäftszeiten: wie öde ist bitte Shoppen? Dinge kaufen, die wir in den allermeisten Fällen nicht brauchen? Niemand spricht miteinander, jeder macht sein Ding, aber alle auf einmal. Das soll „nicht öde“ sein? Das, was typischerweise als „Innenstadt“ bezeichnet wird, ist doch der Inbegriff von Ödnis. Da passiert überhaupt nichts, da laufen nur Leute durcheinander und konsumieren.
Und jedes Mal denke ich bei diesen Kaufhauspleiten: Ist doch super. Reißt die hässlichen Kästen ab und macht Orte hin, an denen Menschen sein möchten. Eine Grünfläche. Irgendwas mit Wasser. Ein Café, eine Buchhandlung, einen Blumenladen drumherum. Einen Spielplatz, und zwar einen amtlichen, für alle Altersgruppen. Einen Skaterpark. Vielleicht eine kleine Kita mit angeschlossenem Seniorenheim, weil sich die Kombination als super entpuppt hat. Eine Werkstatt zum Dinge-Selberreparieren, eine Mitkochküche, eine Bücherei. Kunst. Kunst!
Gestern war ich ENDLICH zum ersten Mal im Jupiter. Das ist das ehemalige Karstadt-Sport-Gebäude am Anfang der Mönckebergstraße. Wie toll ist das bitte? Ich bin total begeistert! Ein paar einzelne kleine Lädchen von Hamburger Labels. Jede Menge Kunst. Eine Hip-Hop-Schule, es läuft Musik, Menschen tanzen, sie üben Choreographien oder einzelne Moves. Mehr Kunst. Eine Open Lab Microfactory (mal nachgucken, was genau das ist). Ein Stockwerk nur für Kinder. Dachterrasse, Café, mehr Musik. Fantastischer Ausblick über die Stadt.
GEHT DOCH! Bitte unbedingt beibehalten und in anderen Städten und anderen Kaufhäusern nachmachen!

Und ich -

Und dann kommt noch etwas Neues! Eine Anthologie mit Texten von 20 Frauen über Wendepunkte im Leben. Herausgegeben von Maria-Christina Piwowarski, das heißt, logisch wird es super.
Mit Beiträgen von Gabriele von Arnim, Zsuzsa Bànk, Marica Bodrožić, Isabel Bogdan, Ann Cotten, Mareike Fallwickl, Julia Friese, Olya Grjasnowa, Claudia Hamm, Stefanie Jaksch, Rasha Khayat, Christine Koschmieder, Jarka Kubsova, Daria Kinga Majewski, Maria-Christina Piwowarski, Judith Poznan, Slata Roschal, Caca Savic, Clara Schaksmeier und Simone Scharbert.
Ganz schön illustre Gesellschaft, ich freu mich sehr, dabeisein!

Klappentext:

Unsere Leben verlaufen längst nicht so linear, wie Bücher sie oft erzählen. Spätestens in der Lebensmitte verlieren sich viele Menschen im Dickicht vergangener und zukünftiger Möglichkeiten, finden sich plötzlich in Sackgassen wieder, wo eigentlich Weggabelungen sein sollten. Insbesondere Frauen sehen sich mit gesellschaftlichen Hindernissen konfrontiert, wenn sie von vorgezeichneten Pfaden abweichen und einen Neuanfang wagen.

Die Anthologie Und ich – erzählt von Momenten des Innehaltens, in denen alles auf den Kopf gestellt wird, um am Ende wieder geradegerückt zu werden. 20 Autorinnen schildern darin ganz unterschiedliche Lebenswege, die früher oder später jedoch alle in einem Wendepunkt mündeten, in einer alles verändernden Entscheidung. 20 Texte, die inspirieren und ermutigen, aber auch verstören und aufrütteln. Und die zeigen, dass es nie zu spät ist, dem eigenen Leben eine neue Richtung zu geben.

»Von geraden Straßen muss man irgendwann abbiegen, um glücklich dort anzukommen, wo man nicht hinwollte. Die Geschichten dieser wunderbaren Anthologie erzählen davon.« Gabriele von Arnim

Erscheint am 26. September bei Ullstein.

Ba-da-bing

FERTIG. Mit dem Buch. Ich muss das jetzt noch mal hinschreiben, damit ich es glaube:

Der neue Roman ist fertig.

Er ist gestern in Satz gegangen. Und ich übe mich im Loslassen und Ausatmen.

Ist das nicht toll? Also, das Cover jetzt? Das Buch – keine Ahnung. Das Cover hat wieder Barbara Thoben gestaltet, die auch schon das tolle Pfaucover gemacht hat, und ich bin sehr glücklich damit. Diesmal gibt es keine Glanzfolie, sondern einen Lack, ich bin sehr gespannt, wie das dann in Echt aussehen wird. Die Verlagsvorschau ist auch raus, man kann sie hier angucken.

Isabel Bogdan überrascht mit einem Roman über eine Frau, die nach einem Schicksalsschlag um ihr Leben läuft.

Eine Ich-Erzählerin wird nach einem erschütternden Verlust aus der Bahn geworfen und beginnt mit dem Laufen. Erst schafft sie nur kleine Strecken, doch nach und nach werden Laufen und Leben wieder selbstverständlicher. Konsequent im inneren Monolog geschrieben, zeigt dieser eindringliche Roman, was es heißt, an Leib und Seele zu gesunden. Isabel Bogdan, deren Roman »Der Pfau« ein großer Bestseller wurde, betritt mit diesem Buch neues Parkett.

Eine Frau läuft. Schnell wird klar, dass es nicht nur um ein gesünderes oder gar leichteres Leben geht. Durch ihre Augen und ihre mäandernden Gedanken erfährt der Leser nach und nach, warum das Laufen ein existenzielles Bedürfnis für sie ist. Wie wird man mit einem Verlust fertig? Welche Rolle spielen Freunde und Familie? Welche Rolle spielt die Zeit? Und der Beruf? Schritt für Schritt erobert sich die Erzählerin die Souveränität über ihr Leben zurück.

Isabel Bogdan beschreibt mit großem Einfühlungsvermögen und einem ganz anderen Ton den Weg einer Frau, die nach langer Zeit der Trauer wieder Mut fasst und ihren Lebenshunger und Humor zurückgewinnt.

Erscheinungstermin ist der 12. September. Und die ersten Lesungsanfragen kommen auch schon; hier sind schon mal die ersten Termine, das wird laufend aktualisiert. Wenn das so weitergeht, werde ich im Herbst wieder ganz schön viel unterwegs sein. Aber vorher übersetze ich noch fix die nächste Jane Gardam.
Dann schnalle ich mich wohl mal wieder an, hm? Wenn ich mit Ausatmen fertig bin.

Nachtrag zum Weltfrauentag

Meine Lieblingsfarbe ist blau. Ich hasse Autofahren, kann aber gut einparken und Karten lesen. Ich trage meist Röcke und Kleider, weil ich mich darin schön fühle (und weil Hosen mir zu kurz sind). Ich kann ganz gut rechnen und logisch denken. Ich habe ungefähr genausoviele Freundinnen wie Freunde. Ich kann die Bohrmaschine bedienen, und manchmal macht es mir sogar Spaß. Ich finde mich ein bisschen zu moppelig. Ich kann auf den Fingern pfeifen, allerdings brauche ich dafür vier Finger, und die sind dann vollgesabbert. Ich bin seit 30 Jahren mit demselben Mann zusammen und finde das immer noch gut und richtig so. Keiner von uns wäre je auf die Idee gekommen, unser gemeinsamer Haushalt wäre mein Job. Meine Sportarten sind Laufen und Tanzen und Dingeausprobieren. Ich neige nicht zu Neid und Eifersucht oder dazu, mich mit anderen zu vergleichen. Man kann mir im Laden beim Anprobieren sagen, dass eine Klamotte an mir nicht gut aussieht, ohne dass ich beleidigt wäre. Ich kümmere mich um alles, was mit Geld und Formularen zu tun hat, allerdings nicht gerade aus Begeisterung. Ich lungere zu viel im Internet herum und muss meinem Mann immer bei Technikproblemen helfen. Ich bedaure es bis heute, dass ich es für das Sachenmachenbuch nicht auf den Baggerplatz geschafft habe, wo man mit großem Gerät Sandberge verschieben kann. Ich mag schöne Kleider, und ich mag meine rotlackierten Fußnägel im Sommer. Ich schäme mich für meine Bildungslücken und mein politisches Desinteresse. Ich habe keine Kinder, und das tut mir weh. Ich bin super darin, Dinge super zu finden. Ich bin auch besser im Leutemögen als im Nichtmögen. Wenn ich einen Knopf annähe, geht der nie wieder ab, aber es sieht schlimm aus. Das eingerissene Innenfutter meiner Handtasche habe ich neulich mit Paketklebeband geflickt, das wird vermutlich nicht lange halten. Ansonsten vermeide ich Handarbeiten. Ich bin diejenige, bei der die Freunde und Freundinnen ihren Liebeskummer abladen und der sie ihre Affären gestehen. Ich schlafe gern lange. Ich kann gut Struktur in Dinge bringen. Ich habe immer ein Taschenmesser in der Handtasche. Ich habe gern Gäste, am liebsten gleich die ganze Bude voll, verkünstele mich aber nicht beim Kochen. Ich habe viele Jahre weitgehend unbemerkt zu Hause vor mich hin übersetzt und dann einen überraschenden Erfolg gehabt und diese Welle mit großer Freude gesurft. Mein Mann und ich wurden unabhängig voneinander immer wieder gefragt, wie das denn für ihn sei. (Wir haben die Frage beide nicht ganz verstanden – er freut sich natürlich, was denn sonst.) Ich gehe gern aus, auch mit meinen männlichen Freunden zu zweit allein. Das scheint gelegentlich Leute zu irritieren, und das irritiert mich wiederum. Ich esse gern. Ich halte mich nicht für besonders schön, aber auch nicht für besonders unschön, und ich habe kein Problem damit, mich vor anderen auszuziehen, in der Sauna oder am See. Was ich an mir schön finde, sind meine Haare, aber ich kann nicht besonders gut damit umgehen, und es nervt mich, wenn sie mir ins Gesicht hängen. Ich bade gern in natürlichen Gewässern. Ich flirte gern. Ich mag feste Umarmungen.
Ich habe noch nie etwas nicht getan, weil ich eine Frau bin.

Ich finde, dass wir endlich mit dem Männer-Frauen-Ding aufhören und über Menschen reden sollten.

(Mit Dank an Ruth Löbner für die Anregung auf Facebook.)

Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.

Ach ja, Tagebuchbloggen! Finde ich ja bei anderen immer total interessant, bei mir selbst sterbenslangweilig. Die langweiligste Geschichte ist die von heute.
Dann tut mir also der Fuß ein bisschen weh, der rechte, der operierte. Als wäre mir etwas draufgefallen, als hätte ich da einen blauen Fleck oder sowas, aber es ist nichts draufgefallen. Macht ja auch alles nix, sowas behandle ich normalerweise mit Ignorieren, und der rechte Fuß jault ja eh gelegentlich. Oder um es mit meiner Tante Ingrid zu sagen: Was von allein gekommen ist, wird auch von allein wieder gehen. So schlimm ist es nicht, und ich neige ja nicht so zum Jammern.
Sondern laufe lieber eine Runde, das hilft ja bekanntlich gegen alles. Nur gegen Fußschmerzen dann halt doch nicht, eher im Gegenteil, zum Ende der Runde tut es dann doch wieder mehr weh. Und dann ziemlich. Und das hört auch übers Wochenende nicht auf und wird nicht besser. Der Fuß ist geschwollen. Am Montag Mittag rufe ich bei der Lieblingsärztin („Physikalische und Rehabilitative Medizin“) an; fünf Minuten nach Ende der Telefonsprechzeit. Dienstag beginnt die Telefonsprechzeit erst um 12, und an dem Nachmittag geht nichts mehr. Mittwoch morgen könne ich kommen, „sonst erst wieder ab April“.
Ich verlege also gleich zwei Mittwochmorgentermine und bin heute um halb neun da. Als erste. Komme trotzdem erst um neun dran, das ist nett, denn zufällig kommt auch gerade eine Freundin zu derselben Ärztin, und ich freu mich sehr, sie zu treffen. Wir sind jetzt in dem Alter, in dem man sich zufällig im Wartezimmer trifft, scheint’s.
Die Ärztin sagt das gleiche, was auch schon mein medizinisch nicht sehr bewanderter Kopf und Dr. Google gesagt haben: Verdacht auf Stressfraktur. Ermüdungsbruch. Ich soll ein Röntgenbild machen lassen, und nein, das geht nicht hier. Auch wenn sie in der Fachklinik mit drin ist, aber da dürfen nur Operateure Röntgenbilder machen. Bescheuert, aber so steht’s geschrieben. Ich muss woanders hin. Wenn man auf dem Bild nichts sieht, MRT-Termin ausmachen. Wenn man was sieht, dann zum Orthopäden (wieso kann ich nicht zu ihr zurück? Weil der Orthopäde … ich hab’s schon vergessen). Ob sie einen kennt, frage ich. Ja, sagt sie, Dr. S., da sei ich doch auch schon mal gewesen. Ach, und wenn ich schon dabei sei, solle ich auch gleich mal meine Knochendichte messen lassen, von wegen Osteoporose. Und im Übrigen könne das auch ein Gichtanfall sein, ob mit meiner Harnsäure alles in Ordnung sei? – Äh keine Ahnung? – Es sehe auch nicht nach Gicht aus, sagt sie.
Ich fahre also mit der U-Bahn zu Dr. S., wo man mich gleich wieder wegschickt, auf der Überweisung stehe ja „Radiologie“. Aber da steht auch erstmal Röntgen, sage ich, und ich wurde doch hier schon mal geröntgt. Ja, schon, aber sie seien keine Radiologen. Ich müsse also … gut 10 Minuten Fußweg, Spitzenidee mit meinem Fuß.
In der radiologischen Praxis warte ich wieder eine Weile. Und dann ist auf den Bildern nichts zu sehen. Um einen Termin fürs MRT auszumachen, muss ich bitte noch hoch in den vierten Stock. Für die Knochendichtemessung können wir auch hier einen Termin machen, der ist dann allerdings nicht hier, sondern in Altona. HERRGOTTNOCHMAL! Ich habe jetzt einen Termin Anfang Februar zur Knochendichtemessung in Altona. Und am Montag einen zum MRT in der Stadt.
Was ich bis Montag mit meinem inzwischen doch beschissen schmerzenden Fuß machen soll – keine Ahnung. Ich habe der Superärztin gemailt, mal sehen, was sie antwortet. Schmerzmittel, hochlegen, nicht rumlaufen, schätze ich. Ich will aufn Arm.

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