Schon wieder schönes Wetter! Schon wieder keine Möwen auf der morgendlichen Terrasse. Nachdem ich hier gestern übers Nichtvorankommen und Prokrastinieren gejammert hatte – genauer gesagt, ca. 30 Sekunden nachdem ich das hier veröffentlicht hatte – schrieb mir die gute E., sie würde mir jetzt sagen, was ich morgen, also heute, zu tun hätte, nämlich ihr eine sehr, SEHR lange Mail schicken, in der ich ihr alles erzähle, was ich schon weiß. Wer meine Figur ist, wie sie tickt, was sie macht, wo es hingehen soll, und so weiter. Kurz drauf erzählte ich A. per Whatsapp von dieser Nachricht, und A. sagte, sie wolle das unter allen Umständen ebenfalls sehen. Also habe ich mich heute Vormittag hingesetzt und alles zusammengeschrieben. Ein halbfertige Expose weiter ausgeführt mit neuen Ideen, ein angefangenes erstes Kapitel nochmal frisch aufgebügelt und den beiden den ganzen Klumpatsch geschickt.
Der Plan war, dann mein Eis essen zu gehen, aber dann gewitterte es plötzlich und ich dachte, dann machste eben erstmal Yoga, und zwar drinnen. Das hat aber auch nicht geklappt, weil ich plötzlich müde war und stattdessen mit Buch im Bett gelandet bin. Habe aber nicht geschlafen, sondern tatsächlich gelesen, bzw. gehört. Was ich da lese, hängt übrigens mit Projekt drei zusammen, das ich noch nicht wirklich sehe; das wäre etwas, was wir zu zweit machen würden. Aber vielleicht fällt uns ein anderes ein. Das immerhin habe ich auch den beiden anderen Beteiligten (Co-Autorin und Agentin) geschrieben, da mache ich jetzt erstmal einen halben Haken hinter und verschiebe das weitere Nachdenken auf später. Denn immerhin stehen ja erstmal ein neuer Roman und Projekt zwei auf der Liste.
Dann ab in die Stadt, Eis essen und herumlaufen. Einmal bog ich aus einer Gasse auf einen markanten Platz ein (den ich dort auch erwartet hatte), mit mir trat ein deutsches Paar auf den Platz, und die Frau sagte: „Hä? Wieso sind wir denn jetzt wieder hier?“, und der Mann: „Keine Ahnung. Sind wir nicht vorhin von da irgendwo gekommen?“ und deutete vage irgendwohin. Die Frau: „Ich versteh’s überhaupt nicht.“ Und er: „Ich auch nicht.“ Ich dachte: I feel you.
Es ist irre, diese Stadt – die Innenstadt, die Altstadt – ist wirklich nicht groß, aber sehr eng und verwinkelt. Ich dachte, so langsam habe ich es raus, aber heute bin ich doch wieder durch Gassen gekommen, durch die ich in den letzten 13 Tagen noch nicht gegangen bin. Glaube ich. Also habe ich noch ein paar Bilder von Gassen gemacht.














Eis: Salzkaramell
Heute ist zum ersten Mal so ein richtiger Mittelmeer-Sommertag, wie man sich das vorstellt. Nicht richtig heiß, aber herrlich warm und einfach den ganzen Tag blau. Ich glaube, die Möwen brüten doch nicht auf meinem Dach. Als ich heute Morgen rauskam, waren sie nicht da, ich konnte ganz unbehelligt auf die Terrasse, auch unter dem Dach hervor. Keine Möwe, nirgends. Irgendwann kam eine, setzte sich oben auf die Satellitenschüssel und plapperte ein bisschen vor sich hin, aber kein Geschrei, keine Aggression, nichts. Ich glaube, es geht einfach darum, wer zuerst sein Handtuch hinlegt, und heute war ich das. Wenn sie nach mir kommen, ist es okay, dass ich da bin. Ich werde das weiter beobachten.
„Habe wieder begonnen, morgens nackt ein wenig zu turnen.“ Thomas Mann, Tagebuch, 20. Juli 1934
Ich bin nicht Thomas Mann, ich habe angezogen geturnt und auch nicht wirklich morgens, aber draußen, das macht mir große Freude. Gegenüber ist zwar ein Haus, aber das ist erstens ein bisschen entfernt, zweitens habe ich noch nie eine Bewegung hinter den Fenstern bemerkt, ich glaube nicht, dass irgendjemand mir zuguckt. Und wenn, dann stört es vermutlich keinen großen Geist. Der Terrassenfußboden ist uneben und hart, ich habe mir tatsächlich extra eine Reise-Yogamatte gekauft, die natürlich eher dünn ist, aber es ist trotzdem so schön, es draußen zu machen!
Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse. Blöd, wenn man beschlossen und auch noch verkündet hat, täglich zu bloggen, denn dann muss man das ja auch einhalten, auch wenn nichts passiert. Die Ankündigung mit dem täglichen Eis war schlau, weil ich mir sonst zutraue, auch mal die Wohnung gar nicht zu verlassen, und das wäre wirklich bescheuert. Aber so habe ich eine Eisverpflichtung meinen Leser:innen gegenüber und muss einmal am Tag raus, das ist gut für mich. Ich versuche außerdem, mir für jeden Tag ein paar kleine Aufgaben zu geben, das Hauptprojekt, das Nebenprojekt, ein drittes, angefragtes Ding, über das ich nochmal nachdenken muss. Lesen. Turnen (angezogen). Bisschen was recherchieren. Sonst prokrastiniere ich ganze Tage weg, da bin ich schlimm. Hier gibt es einen ganzen Artikel darüber, warum Autor:innen besonders schlimm prokrastinieren, er ist allerdings hinter einer Bezahlschranke, und ich kann ihn nicht lesen. Ich habe noch neun Tage hier, und dann muss ich mit irgendeinem Ergebnis oder zumindest einem nennenswerten Schritt nach Hause kommen. Morgen, morgen wird hier SO RICHTIG was passieren, morgen bin ich fleißig und konzentriert und werde einen kreativen Durchbruch haben, aber sowas von, ischwör!


Eis: Joghurt-Waldfrucht.
Blauer Himmel! Nachdem es gestern den ganzen Tag geschüttet hat, ist es heute wieder blau. Ich trete mit meinem ersten Kaffee auf die Terrasse und werde sofort von einer höchst ungehaltenen Möwe attackiert, die auch gleich ihre Kumpels herbeischreit. Ich glaube, sie haben ein Nest auf dem Dach, und sie sind erstens riesig, und zweitens not amused, dass ich jetzt auch hier wohne. Wenn man unter dem Vordach bleibt, sehen sie einen von oben nicht, aber sobald ich unter dem Dach hervortrete, machen sie Alarm und sind wirklich furchteinflößend. Der lustige Mann schreibt, ich soll einen Besen nehmen und ihnen zeigen, was eine Harke ist. (So hat er das in den letzten Tagen gemacht, es hat mal besser, mal schlechter funktioniert.)
Alida schreibt, die Möwenbabys sind so dumm, sie sind auch schon mal in die Wohnung gekommen. Ich habe noch kein Möwenbaby gesehen, und das ist vermutlich auch besser so. Für uns beide.
Ich arbeite an bisschen an meinem Nebenprojekt. Erwähnte ich, dass ich schlimme Angst vor dem leeren Blatt habe? Ich weiß, dass das self-fulfilling ist. Trotzdem prokrastiniere ich erstmal mit dem anderen Projekt, das übrigens ganz lustig wird, und immerhin habe ich etwas Kleines dafür fertigbekommen. Es wird aber noch ein bisschen dauern, bis ich davon erzählen kann.
Ich kurbele die Markise ein Stück raus, sie läuft ziemlich schräg nach unten, das schützt mich hinreichend vor den Killermöwen, und ich kann draußen Yoga machen.

Links liegt immer ein dickes Kreuzfahrtschiff. Jeden Tag ein anderes.

Es zieht sich doch wieder ein bisschen zu. Ich drehe ich meine Runde durch die Stadt; ein paar Schritte gehen, aufs Meer gucken, Eis essen, einkaufen, aufregender wird es auch heute nicht. Was übrigens wirklich bemerkenswert ist: es gibt immer und überall Sitzbänke, in ausreichender Menge auch für größere Touristenmassen. Und Mülleimer. Und Geldautomaten, ich glaube, es gibt ungefähr doppelt so viele Geldautomaten wie Eisdielen, und das will wirklich was heißen. An jeder Ecke eine Eisdiele, alle paar Meter ein Geldautomat. Und eine Sitzbank. Oder viele.
Als ich wieder nach Hause komme, hat das Killerkommando sich einigermaßen abgeregt, ich sitze ein bisschen draußen, koche mir ein Abendessen, und dann ist der Tag auch schon wieder rum.

Eis: Dunkle Schokolade. Fast schwarz, der Wahnsinn.
Um kurz nach vier steht der lustige Mann auf und nimmt um fünf den Bus zum Flughafen. Ab jetzt bin ich allein. In den letzten sieben Tagen sind wir im Durchschnitt 17.000 Schritte pro Tag gegangen, das werde ich nicht beibehalten können, und auch nicht wollen, denn ich bin ja zum Arbeiten hier. Passenderweise regnet es, ach was, es schüttet! Und hört gar nicht mehr auf. Es ist grau und kalt, ich sitze in der Wohnung und habe nichts zu berichten. Allerdings habe ich erfahren, dass jemand zu Hause krank ist und sich täglich meine Einträge vorlesen lässt, dass er das liebt und dass ich bitte mehr schreiben soll. Also werde ich schreiben, auch wenn ich nichts zu erzählen habe, ist doch klar. (Grüße gehen raus an alle, die krank sind.)
Irgendwann am Nachmittag lässt der Regen nach, und ich gehe einkaufen. Dann drehe ich schlauerweise mitsamt meinen Einkäufen noch eine Runde durch die Stadt, hole mir das Eis des Tages (Prioritäten!), und dann schüttet es wieder, ich habe zwar einen Schirm dabei, stelle mich aber trotzdem lieber einen Moment unter. Ich stehe am Katzenplatz. Der Katzenplatz heißt mit Sicherheit anders, den Namen habe ich ihm gegeben, weil dort auf einer etwas erhöhten Grünanlage ein paar kleine Katzenhäuschen stehen und die Katzen auch gefüttert werden. Bei dem Wetter sind nicht mal die Katzen da, vielleicht sind sie in ihren Häuschen, ich gucke nicht nach.
Mir ist kalt, die Wohnung liegt aber im fünften Stock, und oben ist einem dann doch wieder warm. Magie!

Foto von einem anderen Tag mit anderem Wetter.
Ich werde sehen, wie es mit dem Bloggen läuft. Ich bin jetzt nicht mehr im Urlaub oder auf Reisen, ich bin nicht mehr hier, um Dinge zu unternehmen und zu erleben, sondern um am Schreibtisch zu sitzen. Was genau ich da tue, weiß ich selbst noch nicht, und das ist mal wieder das Problem: das Anfangen mit einem neuen Roman ist für mich das Schwierigste. Wenn man erstmal Figuren hat und weiß, wohin die Geschichte gehen soll, dann geht es irgendwie, dann sind Zähigkeit und Sitzfleisch gefragt. Aber das Anfangen macht mir wirklich Probleme, ich habe schlimme Angst vor dem leeren Blatt.
Ich fange wieder an zu bloggen, um wieder ins Schreiben zu kommen. Ich habe gute Vorsätze. Yoga. Lesen. Schreiben.
Wolf Haas hatte seine Reihe von Brenner-Krimis mit einem sensationellen Kniff abgeschlossen (wird nicht verraten), mit dem glasklar war, dass wirklich Schluss ist. Aber irgendwann kam doch noch ein Band, und dann noch einer … Ich war ein bisschen ungehalten, ich fand, wenn man eine Sache beendet hat, dann soll man dazu stehen, Erfolg hin oder her. Aber dann! Dann las ich ein Interview, in dem er gefragt wurde, warum er denn nach diesem Ende doch noch einen weiteren Band geschrieben hat. Und Wolf Haas sagte, ACHTUNG: „Weil mir noch einer eingefallen ist.“ Sen-sa-tio-nell! Als würde einem kurz mal eben, quasi aus Versehen, ein Roman einfallen! Da war ich dann doch wieder versöhnt.

Eis: Zitrone. Von Hajduk, wo man eigentlich eine Schokoglasur angeboten bekommt, aber der ansonsten sehr freundliche Herr hat nicht gefragt. Pffft!
Mein neunter Tag in Split ist der siebte für den Mann, und sein letzter. Wir gehen gemütlich frühstücken und sind dann plötzlich beide so unfassbar müde, dass wir eine Art spätes Vormittagsschläfchen halten. Am Nachmittag gehen wir nochmal auf die Halbinsel Marjan, diesmal auf der Nordseite, wir laufen eine ganze Weile am Wasser entlang auf einer Straße, die einmal eine Straße war und jetzt nur noch für Fußgänger und Radfahrer frei ist, wie herrlich! Es geht unter Pinien oder Kiefern hindurch, rechts immer das Meer. Das Wetter ist ein bisschen unentschlossen, warm, kalt, ziemlich windig, Schatten, Sonne, dies, das. Wir sind genauso unentschlossen, wollen wir baden, wollen wir nicht, es ist so windig, bestimmt zu kalt. Aber dann merken wir, dass der Wind immer aus derselben Richtung kommt und wenn wir da jetzt gleich um die Ecke biegen, dann ist da kein Wind. Und kaum Leute, es war wohl mal eine großräumig angelegte Strandbar mit Zugang ins Wasser und allem, ist jetzt aber eine recht verlassene Baustelle, aber der Wasserzugang ist natürlich noch da. Wir baden, und logisch ist es wunderbar, was denn sonst. Beim Rausgehen sagt der Mann: „Da hinten schwimmt was. Was Großes“, und deutet vage in Richtung des Stegs. Ich gucke, und: DELFINE! Gar nicht so weit weg, gleich hinter dem Steg, das sind ganz eindeutig und unzweifelhaft Delfine, mindestens drei Stück! Wie toll ist das bitte? Wir sind quasi mit Delfinen geschwommen!



Auf dem Rückweg kehren wir in Alidas Lieblingscafé ein (denn, alte Regel: immer schön tun, was Alida sagt, macht man nie was falsch) und ich esse eine krasse Buttercremetorte. Dann nach Hause, duschen, ein letztes Mal in die Stadt, Abendessen suchen. Wenn man etwas Vegetarisches möchte, ist das nicht so einfach, die allermeisten Restaurants haben entweder gar nichts oder Gemüserisotto. („Gemüse“ unspezifisch.) Manche haben zur Auswahl auch noch Spaghetti mit Tomatensoße oder griechischen Salat. Erstaunlich. Heißer Tipp: „Veg Plant Based“ am Katzenplatz.

Eis: Fior di Latte-Blaubeere