Blauer Himmel! Nachdem es gestern den ganzen Tag geschüttet hat, ist es heute wieder blau. Ich trete mit meinem ersten Kaffee auf die Terrasse und werde sofort von einer höchst ungehaltenen Möwe attackiert, die auch gleich ihre Kumpels herbeischreit. Ich glaube, sie haben ein Nest auf dem Dach, und sie sind erstens riesig, und zweitens not amused, dass ich jetzt auch hier wohne. Wenn man unter dem Vordach bleibt, sehen sie einen von oben nicht, aber sobald ich unter dem Dach hervortrete, machen sie Alarm und sind wirklich furchteinflößend. Der lustige Mann schreibt, ich soll einen Besen nehmen und ihnen zeigen, was eine Harke ist. (So hat er das in den letzten Tagen gemacht, es hat mal besser, mal schlechter funktioniert.)
Alida schreibt, die Möwenbabys sind so dumm, sie sind auch schon mal in die Wohnung gekommen. Ich habe noch kein Möwenbaby gesehen, und das ist vermutlich auch besser so. Für uns beide.
Ich arbeite an bisschen an meinem Nebenprojekt. Erwähnte ich, dass ich schlimme Angst vor dem leeren Blatt habe? Ich weiß, dass das self-fulfilling ist. Trotzdem prokrastiniere ich erstmal mit dem anderen Projekt, das übrigens ganz lustig wird, und immerhin habe ich etwas Kleines dafür fertigbekommen. Es wird aber noch ein bisschen dauern, bis ich davon erzählen kann.
Ich kurbele die Markise ein Stück raus, sie läuft ziemlich schräg nach unten, das schützt mich hinreichend vor den Killermöwen, und ich kann draußen Yoga machen.

Links liegt immer ein dickes Kreuzfahrtschiff. Jeden Tag ein anderes.

Es zieht sich doch wieder ein bisschen zu. Ich drehe ich meine Runde durch die Stadt; ein paar Schritte gehen, aufs Meer gucken, Eis essen, einkaufen, aufregender wird es auch heute nicht. Was übrigens wirklich bemerkenswert ist: es gibt immer und überall Sitzbänke, in ausreichender Menge auch für größere Touristenmassen. Und Mülleimer. Und Geldautomaten, ich glaube, es gibt ungefähr doppelt so viele Geldautomaten wie Eisdielen, und das will wirklich was heißen. An jeder Ecke eine Eisdiele, alle paar Meter ein Geldautomat. Und eine Sitzbank. Oder viele.
Als ich wieder nach Hause komme, hat das Killerkommando sich einigermaßen abgeregt, ich sitze ein bisschen draußen, koche mir ein Abendessen, und dann ist der Tag auch schon wieder rum.

Eis: Dunkle Schokolade. Fast schwarz, der Wahnsinn.
Um kurz nach vier steht der lustige Mann auf und nimmt um fünf den Bus zum Flughafen. Ab jetzt bin ich allein. In den letzten sieben Tagen sind wir im Durchschnitt 17.000 Schritte pro Tag gegangen, das werde ich nicht beibehalten können, und auch nicht wollen, denn ich bin ja zum Arbeiten hier. Passenderweise regnet es, ach was, es schüttet! Und hört gar nicht mehr auf. Es ist grau und kalt, ich sitze in der Wohnung und habe nichts zu berichten. Allerdings habe ich erfahren, dass jemand zu Hause krank ist und sich täglich meine Einträge vorlesen lässt, dass er das liebt und dass ich bitte mehr schreiben soll. Also werde ich schreiben, auch wenn ich nichts zu erzählen habe, ist doch klar. (Grüße gehen raus an alle, die krank sind.)
Irgendwann am Nachmittag lässt der Regen nach, und ich gehe einkaufen. Dann drehe ich schlauerweise mitsamt meinen Einkäufen noch eine Runde durch die Stadt, hole mir das Eis des Tages (Prioritäten!), und dann schüttet es wieder, ich habe zwar einen Schirm dabei, stelle mich aber trotzdem lieber einen Moment unter. Ich stehe am Katzenplatz. Der Katzenplatz heißt mit Sicherheit anders, den Namen habe ich ihm gegeben, weil dort auf einer etwas erhöhten Grünanlage ein paar kleine Katzenhäuschen stehen und die Katzen auch gefüttert werden. Bei dem Wetter sind nicht mal die Katzen da, vielleicht sind sie in ihren Häuschen, ich gucke nicht nach.
Mir ist kalt, die Wohnung liegt aber im fünften Stock, und oben ist einem dann doch wieder warm. Magie!

Foto von einem anderen Tag mit anderem Wetter.
Ich werde sehen, wie es mit dem Bloggen läuft. Ich bin jetzt nicht mehr im Urlaub oder auf Reisen, ich bin nicht mehr hier, um Dinge zu unternehmen und zu erleben, sondern um am Schreibtisch zu sitzen. Was genau ich da tue, weiß ich selbst noch nicht, und das ist mal wieder das Problem: das Anfangen mit einem neuen Roman ist für mich das Schwierigste. Wenn man erstmal Figuren hat und weiß, wohin die Geschichte gehen soll, dann geht es irgendwie, dann sind Zähigkeit und Sitzfleisch gefragt. Aber das Anfangen macht mir wirklich Probleme, ich habe schlimme Angst vor dem leeren Blatt.
Ich fange wieder an zu bloggen, um wieder ins Schreiben zu kommen. Ich habe gute Vorsätze. Yoga. Lesen. Schreiben.
Wolf Haas hatte seine Reihe von Brenner-Krimis mit einem sensationellen Kniff abgeschlossen (wird nicht verraten), mit dem glasklar war, dass wirklich Schluss ist. Aber irgendwann kam doch noch ein Band, und dann noch einer … Ich war ein bisschen ungehalten, ich fand, wenn man eine Sache beendet hat, dann soll man dazu stehen, Erfolg hin oder her. Aber dann! Dann las ich ein Interview, in dem er gefragt wurde, warum er denn nach diesem Ende doch noch einen weiteren Band geschrieben hat. Und Wolf Haas sagte, ACHTUNG: „Weil mir noch einer eingefallen ist.“ Sen-sa-tio-nell! Als würde einem kurz mal eben, quasi aus Versehen, ein Roman einfallen! Da war ich dann doch wieder versöhnt.

Eis: Zitrone. Von Hajduk, wo man eigentlich eine Schokoglasur angeboten bekommt, aber der ansonsten sehr freundliche Herr hat nicht gefragt. Pffft!
Mein neunter Tag in Split ist der siebte für den Mann, und sein letzter. Wir gehen gemütlich frühstücken und sind dann plötzlich beide so unfassbar müde, dass wir eine Art spätes Vormittagsschläfchen halten. Am Nachmittag gehen wir nochmal auf die Halbinsel Marjan, diesmal auf der Nordseite, wir laufen eine ganze Weile am Wasser entlang auf einer Straße, die einmal eine Straße war und jetzt nur noch für Fußgänger und Radfahrer frei ist, wie herrlich! Es geht unter Pinien oder Kiefern hindurch, rechts immer das Meer. Das Wetter ist ein bisschen unentschlossen, warm, kalt, ziemlich windig, Schatten, Sonne, dies, das. Wir sind genauso unentschlossen, wollen wir baden, wollen wir nicht, es ist so windig, bestimmt zu kalt. Aber dann merken wir, dass der Wind immer aus derselben Richtung kommt und wenn wir da jetzt gleich um die Ecke biegen, dann ist da kein Wind. Und kaum Leute, es war wohl mal eine großräumig angelegte Strandbar mit Zugang ins Wasser und allem, ist jetzt aber eine recht verlassene Baustelle, aber der Wasserzugang ist natürlich noch da. Wir baden, und logisch ist es wunderbar, was denn sonst. Beim Rausgehen sagt der Mann: „Da hinten schwimmt was. Was Großes“, und deutet vage in Richtung des Stegs. Ich gucke, und: DELFINE! Gar nicht so weit weg, gleich hinter dem Steg, das sind ganz eindeutig und unzweifelhaft Delfine, mindestens drei Stück! Wie toll ist das bitte? Wir sind quasi mit Delfinen geschwommen!



Auf dem Rückweg kehren wir in Alidas Lieblingscafé ein (denn, alte Regel: immer schön tun, was Alida sagt, macht man nie was falsch) und ich esse eine krasse Buttercremetorte. Dann nach Hause, duschen, ein letztes Mal in die Stadt, Abendessen suchen. Wenn man etwas Vegetarisches möchte, ist das nicht so einfach, die allermeisten Restaurants haben entweder gar nichts oder Gemüserisotto. („Gemüse“ unspezifisch.) Manche haben zur Auswahl auch noch Spaghetti mit Tomatensoße oder griechischen Salat. Erstaunlich. Heißer Tipp: „Veg Plant Based“ am Katzenplatz.

Eis: Fior di Latte-Blaubeere
Es war schon wieder herrliches Wetter, und wir sind mit dem Schiff in die Stadt Hvar auf der Insel Hvar gefahren. Hvar ist „die schönste Insel der Welt“, oder zumindest „das St. Tropez der Adria“. Was soll ich sagen: stimmt. Es ist sagenhaft schön, sehr herausgeputzt auch, es gibt elegante und coole Strandbars, das Städtchen ist schmuck, das Wasser glasklar, oben drüber thront eine Festung, unten dümpeln kleine Yachten im Hafen herum, und ich glaube, wir haben die allerbeste Jahreszeit erwischt. Warm und sonnig genug zum Baden, aber noch keine Hochsaison, es ist noch nicht so voll. Wir gehen am Meer entlang und trinken einen Kaffee in einer schicken Strandbar, dann erklimmen wir die Festung, von der aus man mal wieder einen spektakulären Blick über die nächstgelegenen Inseln hinweg hat. Blau, blau, blau, so weit das Auge reicht. Man kann einfach immer mal wieder irgendwo sitzen- oder stehenbleiben und eine Weile gucken. Sonst nichts. Und riechen, es duftet überall nach Pinien, nach Jasmin oder nach einem Baum, der laut Google Lens Chinesischer Klebsame heißt.








Wir gehen wieder runter, stromern ein wenig durch die Stadt und steigen noch auf den Uhrenturm und besichtigen das alte Theater: tatsächlich das älteste öffentliche Theater Europas, 1612 eröffnet. Verrückt! Auf so einer kleinen Insel! Ich hätte eher auf Paris oder London oder so getippt. Und was ist mit den griechischen und römischen Theatern, waren die nicht öffentlich? Hm. Und hübsch ist es! (Die jetzige Inneneinrichtung ist allerdings geringfügig jünger.)



Und dann gehen wir in die andere Richtung am Meer entlang bis zu einem kleinen Badestrand. Man gewöhnt sich an die Wassertemperatur, es ist – natürlich! – herrlich.
Irgendwie sind wir schon wieder 22.000 Schritte gelaufen, und so viel Sonne und frische Luft machen seltsamerweise müde. Zu Hause müssen wir uns richtig aufraffen, um nochmal rauszugehen und uns etwas zu essen zu suchen.


Eis: Pfefferminz mit Schokostückchen
Kulturtag! Die Wettervorhersage hat ausnahmsweise recht: Es ist grau und ziemlich frisch, 16°C. Wir gehen schön frühstücken und dann ins Museum. Es gibt Gemälde ab dem 14. Jahrhundert, ist das nicht immer wieder irre, dass so alte Dinge immer noch da sind? Wie toll ist das bitte! Emotional erreichen Märtyrer und Heilige und halbnackte Frauen mich meist eher nicht so, aber bei den modernen Sachen sind ein paar tolle dabei. Mich beeindrucken zum Beispiel die Gastarbeiter-Zeichnungen von Dragutin Trumbetaš oder die Fotoserie „Compassion“ von Zlatko Koplja. Den „Raucher“ von Ivo Šebalj halte ich für einen Kiffer, aber hey. Toll ist er!




Wir machen kurz Mittagspäuschen zu Hause, und dann scheint, ZACK!, die Sonne und wir packen die Badesachen ein und gehen ans Meer. Dort angekommen, kommt es mir plötzlich doch wieder sehr kalt vor, aber, alte Regel: wenn man erstmal drin ist, ist es super. Ist einfach immer so. Das allwissende Internet sagt, die Wassertemperatur liege aktuell bei 17°C, ich sage zum Mann, Eisbaden sei ja auch der heiße Scheiß, und er sagt, das sei doch kein Eisbaden, also sage ich, es ist mindestens Arschkaltbaden. Quasi Einsteigereisbaden für Memmen. Danach ein zum Kleid passendes Getränk.



Am Abend gehen wir ins Ballett, „Le Corsaire“ von Adolphe Adam (das ist der, der auch Giselle komponiert hat). Es war sehr bunt und sehr voll auf der Bühne, aber ich fürchte, wir sind von Hamburg auch echt verwöhnt. Nicht, dass wir dort dauernd ins Ballett gingen, aber wenn, dann ist es halt fantastisch.


Eis: Salzkaramell mit Schokoglasur.