Kamila ist Polin und erst seit Kurzem in den USA, ihr Englisch ist nicht immer ganz sicher. Sie lernt in einer Kneipe einen Typen kennen, der sie fragt, warum sie hier ist. Sie sagt nicht die Wahrheit, sondern:
Instead she says, „I on my honey month“, and hopes she rememberes the word correctly.
„Your honey month? You mean honeymoon?“ She glances down, embarrassed. She notices the man’s nails, bitten down to the quick.
„Honey month, huh? I barely lasted a week when my ex-wife and I flew down to St. Thomas. God knows what an entire month would have done! We‘d have probably flown back with divorce papers ready. It would have saved us a few years.“
Hm! Zwar gibt es das deutsche Wort „Honigmond“, aber das wird, glaube ich, so wenig benutzt, dass „Honigmonat“ wirklich zu sehr an den Haaren herbeigezogen klingt. Also was mit Flitterwochen oder Hochzeitsreise. Die Flitterwochen sind im Deutschen sowieso immer Plural – ich habe kurz überlegt, ob ich sie in den Singular setze, „Ist meine Flitterwoche“, dann könnte er sagen, dass er auch nur eine Flitterwoche hatte und dann halbwegs wörtlich weiterübersetzen. Oder sie sagt halt „Flittermonat“. Gefällt mir aber beides nicht so richtig, im Moment ist das meine Lösung:
Stattdessen sagt sie: „Mache ich hier Flatterwochen“, und hofft, dass sie sich das Wort richtig gemerkt hat.
„Flatterwochen? Sie meinen Flitterwochen?“ Sie schaut betreten nach unten. Seine Fingernägel sind abgekaut bis zum Rand.
„Flatterwochen ist gut. Ich war mit meiner Exfrau damals nur eine Woche in auf St. Thomas, aber die Flatter habe ich erst ein paar Jahre später gemacht. Hätte ich mal früher drauf kommen können, das hätte uns ein paar Jahre erspart.“
Weiß noch nicht, wie happy ich damit bin. Oder ob ich doch noch auf „Flitterwoche“ oder „Flittermonat“ gehe.
„Da für die Ernährung eines Kalbes eine Produktion von ca. 8 kg Milch pro Tag ausreicht, war der Organismus von Kühen ursprünglich auf diese Menge eingestellt. Heute gibt es Hochleistungskühe, die täglich 50 kg Milch geben.“ (Wikipedia) Kein Wunder, dass die so abgemagern.
Anna trennt sich von Ben. Sie sagt ihm, dass es vorbei ist. Ben versucht, die Situation ein bisschen aufzulockern und macht einen Witz, er sagt:
„Banana split, huh?“ Ben Anna split.
Funktioniert auf Deutsch nicht recht, weil vielleicht nicht jeder weiß, was „split“ bedeutet (nämlich: aufspalten, abspalten, zerteilen, deswegen heißt das banana split auch banana split, weil die Banane der Länge nach zerteilt wird. Und hier halt, weil Ben und Anna sich trennen.)
Ich schätze, das muss ich so stehenlassen und erklären. Im Moment steht da:
Er zündete sich eine Zigarette an und versuchte, die Situation aufzulockern. „Banana split, hm?“ Ben Anna split. Ben Anna getrennt.
Da habe ich die Erklärung quasi einmal auf Englisch stehenlassen und sie dann nochmal auf Deutsch wiederholt, damit man es auch versteht. Ich schätze, besser geht’s nicht.
In der letzten „Deutschstunde“ ging es um den und das Pony, und da drängt sich doch gleich das nächste Thema auf: mehrere dieser Kleinpferde oder Stirnfransenfrisuren nennt man Ponys. Das Wort Pony stammt aus dem Englischen, ebenso wie andere Wörter auf -y, die wir ins Deutsche übernommen haben: Hobby, Party, Baby. Im Englischen wird das -y im Plural zu einem -ie-: hobbies, parties, babies. Das hier ist aber keine Englisch- sondern eine Deutschstunde, und auf Deutsch wird der Plural regelmäßig gebildet, auch bei aus dem Englischen übernommenen Wörtern, also durch einfaches Anhängen eines -s: Ponys, Hobbys, Partys, Babys.
Gleiches gilt übrigens auch für die flektierten Formen eingedeutschter englischer Verben: wenn wir statt wiederverwerten recyceln sagen, dann lautet die Vergangenheitsform: recycelt. Und nicht recycled. Oder bei Twitter: der followt mir nicht. Nicht: followed, das ist nämlich Englisch. (Und zudem die Vergangenheitsform. Und ja, das ist natürlich sowieso ein doofes Wort, weil man ebensogut folgen sagen kann, aber darum geht es gerade nicht.)
Also: eingedeutschte Wörter sind Wörter, die zwar woanders herkommen, aber wie deutsche Wörter benutzt und behandelt werden.
Wer sich nicht die ganze Studie angucken will, hier die Quintessenz aus dem Vorwort:
Welches Bild zeigt sich nach dieser Erhebung? Knapp die Hälfte der Literaturübersetzer arbeitet in Vollzeit und bestreitet ihr Einkommen nur daraus. Drei von vier sind weiblich, zwei von drei sind 46 Jahre oder älter, und im Schnitt übersetzen sie rund 1100 Normseiten pro Jahr. Was verdient nun eine Literaturübersetzerin, die gut im Geschäft ist?
Wenn sie voll arbeitet, keine Auftragslücken kennt, mit jedem vierten Vertrag eine Beteiligung realisiert, jedes zweite oder dritte Jahr ein Stipendium zugesprochen bekommt, von der VG Wort einen überdurchschnittlichen Anteil erhält und sich pro Jahr durch ein oder zwei Gutachten oder Lesungen noch ein wenig etwas hinzuverdient, bringt sie es unserer Erhebung zufolge auf einen Jahresumsatz von 24 000 Euro. Davon gehen rund ein Drittel in Betriebsausgaben (Büro, Arbeits- und Kommunikationsmittel, beruflich bedingte Reisen, Bücher und Nachschlagewerke etc.). Das verbleibende Bruttoeinkommen von 16000 Euro, also 1333 Euro monatlich, schmälert sich nach Abzug der Sozialversicherungen und der privaten Vorsorge (mindestens Riester- oder Rürup-Rente) um ein Viertel, bleiben ihr also noch rund 1000 Euro netto im Monat – ein Betrag, der ziemlich genau mit den Durchschnittszahlen der Künstlersozialkasse übereinstimmt.
So sieht’s aus. (Es gibt da ein paar Ausreißer, die ich mir nicht erklären kann. Irgendwer steckt angeblich 2000,- € im Monat in eine zusätzliche Rentenversicherung; der hat doch sicher „Monat“ mit „Jahr“ verwechselt, oder? Oder: einer der Vollzeitübersetzer übersetzt angeblich pro Jahr 91 Seiten. In Vollzeit nicht mal zwei Seiten pro Woche, das muss schon die ganz schwierige Lyrik sein. Und leben kann man davon auch dann nicht, wenn man – wie der nächste Ausreißer – 45,- € pro Seite bekommt.)
„Klar wird, dass das Literaturübersetzen auf dem deutschsprachigen Markt ökonomisch ein unattraktiver, um nicht zu sagen ruinöser Beruf bleibt, dem der Nachwuchs auszugehen droht“, fasst der Verband die Ergebnisse zusammen. Zudem bestehe Anlass zur Sorge, ob das „hohe Maß an Professionalität“ und die daraus resultierende „Qualität unserer Übersetzungskultur unter diesen Bedingungen erhalten bleiben können“.
„Vor zehn Jahren trat eine Novelle des Urheberrechts in Kraft, die ausdrücklich die Kreativen stärken sollte“, sagt Hinrich Schmidt-Henkel, der erste Vorsitzende des VdÜ. Seither seien Übersetzungen für die Verlage immer billiger geworden, da leichte nominelle Erhöhungen der Seitenhonorare bei weitem nicht Schritt hielten mit dem Kaufkraftverlust. Und: „Immer noch praktiziert die Mehrheit der Verlage bei der Vertragsgestaltung das Recht des Stärkeren.“
Übrigens passt das alles genau mit dem zusammen, was ich neulich schon schrieb, wo es aber hauptsächlich auf meinen eigenen Erfahrungen basierte: Über Geld reden.