Fundstück
Der wahre Übersetzer muss der Dichter des Dichters sein und ihn also nach seiner und des Dichters eigner Idee zugleich reden lassen können.
(Novalis)
Der wahre Übersetzer muss der Dichter des Dichters sein und ihn also nach seiner und des Dichters eigner Idee zugleich reden lassen können.
(Novalis)
Der Unterschied zwischen anscheinend und scheinbar ist anscheinend ziemlich schwierig, und viele beherrschen ihn nur scheinbar, nämlich gar nicht. Also:
Anscheinend bedeutet, dass etwas den Anschein hat, so oder so zu sein – und dann ist es in Wirklichkeit wahrscheinlich auch so.
Scheinbar hingegen heißt, dass es nur so scheint, als sei etwas so oder so, tatsächlich ist aber gerade das Gegenteil der Fall. Alles klar?
Immer schön die Probe mit „nur“ machen. Wo scheinbar das richtige Wort ist, ergibt nur scheinbar ebenfalls Sinn. Wo es sich aber um eine Vermutung handelt, muss es anscheinend heißen.
Und dann möchte ich kein „Wo ist denn Peter?“ – „Der ist scheinbar krank.“ mehr hören. Peter ist nämlich anscheinend krank, sonst wäre er ja hier. Scheinbar krank war das Kind, das nicht in die Kita wollte und einfach mal einen Tag zu Hause bleiben musste, obwohl es in Wahrheit pumperlgesund war.
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Hier nochmal die Buchempfehlung für solche und andere Fälle: Duden Band 9. „Sprachliche Zweifelsfälle: Das Wörterbuch für richtiges und gutes Deutsch.“ Das Gute ist: man kann das alles prima verstehen, auch ohne schlimm viel Ahnung von Grammatik zu haben. Kostet 30,00 €.
mal angenommen, Ihr sitzt in der Bahn oder im Bus. Irgendwo in Eurer Nähe sitzt jemand, der ein Buch liest und ab und zu kichert. Was macht Ihr dann? Guckt Ihr denjenigen komisch an? Nee, oder? Ihr denkt: „Scheint ja ein lustiges Buch zu sein.“ Und umgekehrt ist das genauso: wenn Ihr selbst etwas Lustiges lest und zwischendurch kichern müsst, dann guckt Euch auch niemand komisch an. Die denken nämlich alle keineswegs, dass Ihr einen an der Waffel habt, sondern die denken, dass Ihr wohl etwas Lustiges lest. Und wenn man denkt, „scheint ja ein lustiges Buch zu sein“, dann versucht man höchstens, einen Blick aufs Cover zu erhaschen, weil man es vielleicht selbst lesen möchte. Aber Ihr werdet nicht komisch angeguckt. Ehrlich nicht.
Ihr könntet dann auch aufhören, das in Kundenrezensionen zu behaupten. Danke.
Eure Isa
[Wer sowas über mein Buch behauptet hat, für den gilt das natürlich nicht. Denn alles, was über mein Buch Nettes behauptet wurde, ist gut, schön und wahr! Außer – naja, ihr wurdet wahrscheinlich auch nicht wirklich komisch angeguckt. Höchstens neidvoll.]
Kiki über Flüchtlinge im Allgemeinen und im Speziellen. Aus leider gegebenem Anlass, denn was da gerade in Berlin passiert, ist wirklich nicht zu fassen. Da werden frierenden, hungernden Menschen nachts bei Bodenfrost die Decken und Isomatten weggenommen. Habt Ihr noch nicht mitbekommen? Weil die Medien nicht darüber berichten? Das ist, genau: ebenfalls nicht zu fassen.
Und hier noch ein interessanter Artikel im Spiegel zum Stammtischgerede von „Die kommen alle nur her, weil sie hier wie die Made im Speck leben“ und „Wir können uns das auch nicht mehr leisten“ und „Das werden immer mehr“. Nichts davon ist nämlich wahr.
Man kann dem Buch jetzt vorwerfen, dass es keine „richtige“ Geschichte erzählt. Und man kann mir vorwerfen, dass ich sowieso in Martina verliebt bin. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum es überhaupt nichts ausmacht, dass das Buch keine „richtige“ Geschichte hat. Es hat nämlich wohl eine, und zwar die echte Martina-Geschichte, das reicht ja wohl. Wie Martina nämlich nach der Schule mehr oder weniger aus Versehen Sekretärin wird, oder weil ihr nichts anderes einfällt, sie dann als Assistentin der Geschäftsführung in New York im Musikbusiness arbeitet, schließlich nach München zurückkehrt und es dort ohne Kinder, Kerl und Karriere als Texterin versucht. Mehr „Geschichte“ braucht eine Kink nicht, um ihren wundervollen Sprachwitz zu entfalten. Der ist nämlich so, dass die Geschichte eh wurscht ist, man liest einfach immer weiter, weil das einen Sound hat und ein Tempo und eben diesen speziellen Kink-Witz. Und außerdem hat sie eindeutig nicht nur Witz, sondern auch noch recht:
Da lob ich mir das Kleid. Kleider sind die iPhones unter den Klamotten, man sollte jeden Tag dankbar sein, eine Frau zu sein. Reinschlüpfen, bam, Holly Golightly. Im besten Fall. Im schlimmsten Fall bum, Beyoncé.
Kleider! Tragt mehr Kleider! Sag ich ja auch immer. Und Formulierungen wie: irgendwas sei ihr zu laut, sie möge laut nur, wenn’s Musik ist, die merke ich mir doch gleich für mein eigenes Repertoire.
Soll heißen: das ist wirklich alles ein ganz großer Spaß. Und wenn man Martina vorher schon mochte, mag man sie hinterher noch mehr.
Und hey, Martina, um die letzte Frage zu beantworten, die ganz hinten: Aber hallo will ich ’n Kaffee!
Martina Kink: Bad Hair Years. Heyne Taschenbuch, 8,99 €
E-Book 7,99 €
[Die Links führen zum Webshop der Buchhandlung Osiander. Wenn Ihr es dort bestellt, werde ich ganz schnell ganz reich.]