Raus aus die Kartoffeln

Hier blühen die Kartoffelfelder, es sieht wunderschön aus. Warum kenne ich den Anblick aus Deutschland nicht? Werden die Kartoffeln bei uns geerntet, bevor sie blühen? Oder bin ich nur zu wenig auf dem Land unterwegs? Oder woran liegt das?

Kartoffelfeld

And on a rather unrelated note: Geschäftsidee!
Sortenreine Kartoffelchips. Von Linda mit Meersalz bis zur La Ratte mit Fleur de Sel. Weil, Chips nur mit Salz, da bin ich Puristin. Da geht doch was?

Liebes Tagebuch,

wir sind immer noch sehr damit beschäftigt, nichts zu tun. Jeden zweiten Tag laufen wir immerhin. Fällt das unter „was tun“? Keine Ahnung, ist auch egal. Ich arbeite auch manchmal, aber da kommt seitenzahlmäßig nicht so richtig viel bei rum. Zwischenstand: 68 Seiten. Ich habe meiner Agentin gesagt, sie bekommt Ende Juli 80 Seiten, nun ja. Eigentlich wollte sie 120, jetzt weiß ich nicht mal, ob ich 80 schaffe, aber hey, es geht weiterhin voran, aber weiterhin eben langsam. Außerdem muss ich ja auch dauernd nichts tun, und es ist noch ziemlich viel nichts übrig, das noch getan werden muss. Und jetzt sind schon vier Wochen rum, es ist doch erschreckend, wie schnell die Zeit immer vergeht.
Ich habe einen langen Blogeintrag über das Folkfestival in Stonehaven geschrieben, den ich noch nicht online gestellt habe, weil ich hoffe, dass er vielleicht fürs CulturMag interessant ist. Das hat aber Sommerpause für den Rest des Monats, da habe ich noch keine Antwort. So oder so, der Bericht kommt dann entweder hier oder dort.
Das Wetter ist weiterhin sensationell, wir erledigen das ganze stressige Nichtstun also weiterhin draußen, baden im Bach, lassen uns von Pferdebremsen auffressen, machen Lagerfeuer und Spaziergänge und sitzen viel einfach in der Sonne, der Mann mit einem Instrument, ich mit dem Laptop (arbeiten! Ehrlich!), und lassen uns von einer grantigen Gans anquaken oder den Pfauen anschreien oder halten Schwätzchen mit unseren Freunden, und es ist ein Frieden.
Bald sind wir wieder zu Hause, dann müssen wir wieder „richtig“ arbeiten. Statt im Bach zu baden. Aber wenn der Sommer dann in Hamburg noch so ist wie jetzt in Schottland, dann ist es mir recht. Die Schotten sagen, so einen Sommer hatten sie schon seit ewigen Jahren nicht, und das muss dann halt auch gebührend begangen werden.

Baden

Wünsche

Am Freitag schreib ich hier: „Desweiteren möchte ich zu Protokoll geben, dass ich ein dringendes Bedürfnis verspüre, Puffins zu sehen. Und Wale, bitte. Wenn das nicht geht, dann wenigstens Delfine. Danke.“

Keine Puffins gesehen. Aber heute waren wir am Strand, es war herrlich, knallwarm und alles, nur das Meer nicht, das war unfassbar kalt, der coole Gatte ist trotzdem reingegangen, ich nur bis zu den Knien, dann wieder raus. Etwas später wurden plötzlich Rufe am Strand laut, Delfine! Es war eine ganze Menge Tiere, die immer wieder sprangen – wenn man bedenkt, wie flach es dort reinging, relativ nah am Strand eigentlich, aber dann doch zu weit weg für die Kamera, und auch eindeutig zu weit weg, um wirklich etwas zu sehen, außer: da sind einige große Tiere, die immer wieder springen. Mehr war nicht zu erkennen, außer dass sie mir sonderbar schwarz vorkamen für Delfine. Außerdem habe ich natürlich immer zu spät abgedrückt, wenn sie schon wieder im Wasser waren, ich habe X Bilder vom Meer gemacht, auf denen man halt nur das Meer sieht. Das einzige Bild, das überhaupt irgendetwas hergibt, ist das hier:

Orka

Ich flippe aus. WIR HABEN ORKAS GESEHEN! Glaube ich. Jedenfalls werde ich das fürderhin behaupten. Hach. Orkas! Einfach so! Am Strand bei St. Cyrus! Laut Seawatch Foundation ist das gar nicht so unwahrscheinlich. Aber dann halt irgendwie doch. Boah, wow.

Liebes Tagebuch,

das war in den letzten zwei Wochen der Blick aus meinem Homeoffice. Also, aus der Hollywoodschaukel, in der ich zum Schreiben saß.

HomeofficeView1

Ja, das sind Pfauen da auf der Wiese. Irgendwann werden sie auch bestimmt besser zu erkennen sein und Konturen gewinnen. (Hey, ich versuche gerade, mich selbst als Autorin zu sehen, da wird wohl mal eine platte Metapher drin sein.)

Jedenfalls: jetzt bin ich kurz anderswo, und der neue Blick aus dem neuen Homeoffice ist dieser hier.

HomeofficeView2

Das gibt metaphorisch jetzt leider gar nichts her, das Meer kommt in meinem Buch bisher nicht vor, auch kein Hafen, keine Boote und noch nicht mal wirklich der Sommer. Der könnte aber womöglich noch kommen, das weiß ich noch nicht. Dann würde ich ihn wahrscheinlich im Winter beschreiben, wenn ich weiterhin so vorankomme wie bisher. Bisher ist im Buch Winter. Sommer ist aber im wirklichen Leben reichlich, es ist warm und sonnig und herrlich, und deswegen muss ich auch dauernd draußen sein und spazierengehen und im Bach baden und Pfauen gucken, und das noch zusätzlich zu dem ganzen Stress mit Freunde besuchen und Lagerfeuer machen und Grillen und auf Sessions gehen und all das.
Jetzt sind wir in Stonehaven zum Folk Festival, das den Mann noch einen Tick mehr interessiert als mich, er ist gerade unterwegs, weil in den ersten Pubs die ersten Sessions losgehen. Und ich sitze im Hotel mit diesem Blick, vom nahegelegenen Pub dringt Livemusik herein, und ich denke, soll ich wirklich jetzt diese Winterszene weiterschreiben, soll ich schreiben, wie kalt es ist und wie sehr alle frieren, und dass es schneit, oder gehe ich raus, setze mich in die Sonne und höre Musik? Was ich hier für Opfer bringe, man macht sich keine Vorstellung! Und alles für die Kunst!

Zwischenstand: 63 Seiten. Mir ist aufgefallen, dass ich zwei meiner Hauptfiguren noch nicht besonders gerne mag. Das ist doof, die muss ich noch näher kennenlernen, um mehr Verständnis für ihre Macken zu kriegen. Nix ist blöder, als seine Figuren nicht zu mögen. Ich mag sie auch nicht *nicht*, aber ich habe sie halt noch nicht so richtig lieb. Gleichzeitig ahne ich, dass ich auch an den bisherigen Sympathieträgern im Laufe der Zeit noch Macken feststellen werde. Und: ich habe noch keine Ahnung, was der Lord und die Lady für welche sind. Wie alt sie sind, wie sie drauf sind und so weiter. Aber so langsam gewinne ich das Vertrauen, dass es mir irgendwann einfach klar sein wird. Wahrscheinlich muss ich einfach nur noch mehr Shortbread essen.

Desweiteren möchte ich zu Protokoll geben, dass ich ein dringendes Bedürfnis verspüre, Puffins zu sehen. Und Wale, bitte. Wenn das nicht geht, dann wenigstens Delfine. Danke.

Gill Hornby (Andrea O’Brien): Mutter des Monats

hornby - mutter des monats 12-10-19.inddDie Mütter von St. Ambrose geben wirklich alles. Sie engagieren sich für die Schule ihrer Kinder, sie sind jeden Morgen dort, um die Kinder abzuliefern und nachmittags noch einmal, um sie abzuholen, dann besprechen sie, was noch alles zu tun ist, für die Schule, für die Kinder, eigentlich für das ganze Dorf, für die Gemeinschaft. Und alle haben sich natürlich wahnsinnig lieb und sind eine große Familie. Unangefochtene Königin des ganzen ist Bea, die zwar immer ungeheuer beschäftigt ist, aber trotzdem alle Fäden in der Hand hält. Alle anderen Mütter sehen zu ihr auf, wünschen sie sich als beste Freundin und tun alles, um ihr zu gefallen.
Bis sie irgendwann nach und nach doch damit aufhören und stattdessen lieber anfangen, selbst zu denken. Wir begleiten diese Horde von Müttern durch ein Schuljahr, in dem geliebt und gelitten wird, Ehen auseinandergehen, große und kleine Tragödien passieren und hinterher die ein oder andere etwas gelernt hat.
Ich gehöre eindeutig nicht zur Zielgruppe, fand es aber trotzdem wirklich nett zu lesen. Locker-fluffige Strandlektüre, witzig und bissig, und wenn man den Mütterwettbewerb aus eigener Anschauung kennt, ist es bestimmt noch lustiger.

Gill Hornby (Andrea O’Brien): Mutter des Monats. KiWi, 9,99 €
Auch als E-Book.

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