Anderswo

- Weltbild scheint kurz vor der Insolvenz zu stehen. Bricht mir jetzt, ehrlich gesagt, nicht so richtig das Herz.

- Oder vielleicht doch nicht.

- Einige Autoren veröffentlichen eine Deklaration zur digitalen Zukunft unserer Literatur.

- Katy hat die Leseproben aus den 10 Titeln der Longlist für den deutschen Buchpreis gelesen. Ich habe mir das Leseprobenheftchen auch geholt, aber schnell aufgegeben; sie waren mir zu kurz, ich hatte bei allen das Gefühl, mein Urteil sei ungerechtfertigt, und ich wollte immer nicht so schnell schon wieder in den nächsten Text springen. Am Mittwoch wird die Shortlist veröffentlicht.

- Im Mairisch-Blog schreibt Stefanie Ericke-Keidtel den fünften Teil der Reihe „Was macht eigentlich ein Verlag?“: Pressearbeit.

- Sascha Lobo weiß, was Leser wollen.

- Was bestimmt interessant wäre: Der Buchreport Zukunftstag. Der wendet sich aber leider „an einen exklusiven Teilnehmerkreis und ist auf 50 Teilnehmer beschränkt“. Preise: Verlage 1.150 € zzgl. MwSt.; Dienstleister 1.350 € zzgl. MwSt. Janee, klar.

- Smilla Dankert ist in Brügge auf eine Milonga geraten. Ihre Bilder machen, dass man sofort Tango lernen möchte. (Ach, wär ich 10 cm kürzer …)

- Und Jeannine Platz ist mit einem Containerschiff gefahren. Das möchte man dann ebenfalls sofort auch.

Neu! Jetzt offiziell alt!

Alsterlaufseniorin Der Alsterlauf ist am Sonntag, dem 8. September, also übermorgen. Startschuss ist um zehn Uhr in der Steinstraße, ich werde vermutlich etwa 70 Minuten bis zum Ziel am Ballindamm brauchen. Mein persönliches Ziel ist: Ankommen. Wenn möglich laufend. Und am allerliebsten ohne zwischendurch ein paar Schritte zu gehen. Schaumermal. Ich freue mich jedenfalls, wenn jemand an der Laufstrecke steht und mir lustige Bemerkungen über meine Gesichtsfarbe hinterherruft oder wahlweise ein Wasser reicht (stilles, bitte).

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Seit Tagen nicht gebloggt. Almut Klotz ist tot, Wolfgang Herrndorf ist tot, Krebs ist ein Arschloch.
Ich wusste nicht, dass Almut krank ist; ich wusste, alle wussten, dass Wolfgang stirbt. Es macht keinen Unterschied, es haut mich um, beides. Ich kannte sie beide, nicht besonders gut, aber immerhin. Wolfgang kenne ich virtuell quasi schon ewig, wir waren beide von Anfang an im Forum der höflichen Paparazzi; seit ich im Internet herumhänge, war er immer da. Ich hatte immer ein bisschen Angst vor ihm, beziehungsweise Angst, nicht zu genügen, Angst, dass er mich doof und uncool findet, ich habe zu wenig Nabokov gelesen. Was für ein Quatsch. Was für ein Quatsch. Denn in Wahrheit hat er immer nur versucht, Meinungen aus mir herauszuholen, er wollte immer über Bücher sprechen, und warum man was gut findet und was nicht.
Er war mehrfach bei Kaffee.Satz.Lesen, hinterher sind wir immer essen gegangen, die Gespräche waren immer intensiv, und immer wollte ich hinterher endlich Nabokov lesen und habe es doch nicht getan. Almut war auch mehrfach bei Kaffee.Satz.Lesen, vor Almut hatte ich keine Angst, das ging gar nicht, sie war so ein durch und durch freundlicher und zugewandter Mensch, genauso interessiert wie Wolfgang auch, und genauso beeindruckend, aber auf eine ganz andere Weise.
Und dann überlege ich, ob ich jetzt etwas dazu schreibe, dass sie tot sind, es kommt mir nicht richtig vor, gar nichts dazu zu sagen, als wäre nichts passiert, aber genauso wenig kommt es mir richtig vor, etwas zu sagen, denn was soll ich sagen, ich kannte ja beide kaum, wer wäre ich, öffentlich um sie zu trauern, und der Tod macht mich sowieso sprachlos und hilflos. Was ist das überhaupt alles für eine Scheiße.

Eins, was ich aber doch öffentlich sagen möchte, ist dies: Wenn man Wolfgangs Blog in den drei Jahren seiner Krankheit verfolgt hat, dann hatte man immer das Gefühl, dass er die besten Freunde hat, die man sich wünschen kann. Die für ihn da waren, wenn er sie brauchte, die ihn in Ruhe ließen, wenn er in Ruhe gelassen werden wollte, die mit ihm an seinen Büchern arbeiteten und ihn dabei nicht schonten, sondern extrakritisch waren, weil das genau das war, was er brauchte und wollte. Die seine Entscheidungen und Wünsche akzeptiert und ihn ganz offensichtlich durch diese Zeit getragen haben. Ich fand es beim Bloglesen immer ein bisschen tröstlich, dass ich das Gefühl hatte, er ist in dem ganzen Elend so gut aufgehoben bei seinen Freunden, wie man es nur sein kann. Der Trost, den ich daraus gezogen habe, ist natürlich piepegal und tut nichts zur Sache, deswegen wäre es vielleicht auch nicht angebracht, dass ich dafür etwa „danke“ sage. Aber ich wünsche allen in vergleichbaren Situationen genau solche Freunde wie diese. Ihr seid toll.

Das letzte Wort in Wolfgangs Blog, der ganze letzte Eintrag, ist vom 20. August und lautet: Almut. Vielleicht sitzen sie längst zusammen irgendwo und trinken ein Bier und haben es gut. Was für einen Quatsch man sich so ausdenkt, weil es irgendwie tröstlich wäre.

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