Für mich ist Lyrik sowas wie Pralinen

Für mich ist Lyrik sowas wie Pralinen.
Sie kommen hübsch verpackt daher,
im Leinenband mit Lesebändchen,
goldgeprägtem Pappkarton.
Für mich ist Lyrik sowas wie Pralinen.
Man staunt sie erstmal eine Weile an.
Und dann probiert man eine.

Vielleicht zergeht sie auf der Zunge,
überrascht mit ganz speziellen Noten,
die sich erst nach und nach entfalten,
sie ist vielleicht ein wenig bitter
und vielleicht ein wenig süß
und vielleicht ein wenig herb,
man genießt das, man entdeckt, man staunt.
(Außer es ist überraschend Marzipan drin, dann ist es natürlich Mist.)

Für mich ist Lyrik sowas wie Pralinen.
Die erste war womöglich gut
womöglich sogar wundervoll
womöglich auch nur ganz okay,
und man isst noch eine.
Doch bei der zweiten Schokokugel
schmeckt man schon nicht mehr ganz so gründlich hin,
da entgehen einem schon die feineren Nuancen.
Aber lecker ist es immer noch.
Für mich ist Lyrik sowas wie Pralinen.

Die dritte isst man dann noch schneller,
und ab der vierten ist es Völlerei,
da verschleimt die klebrigsüße Schokolade
einem schon den Kopf.
Bei der achten spätestens wird einem schlecht,
und man weiß genau:
man hätte einfach nur die eine essen sollen,
denn die war wirklich gut.
Die achte war das sicher auch,
der achten tut man schrecklich Unrecht,
das hat sie nicht verdient.
Für mich ist Lyrik sowas wie Pralinen.

Ich möchte sie in ganz, ganz kleinen Häppchen.*
Und Marzipan geht gar nicht,
das tut ja nur so tiefsinnig und edel,
in Wahrheit ist es plumpe Augenwischerei,
süß und klebrig und igitt,
da hilft auch dunkle Schokolade drumherum nichts.
Geht mir weg mit eurem Marzipan,
Bedeutungshuberei macht mich allergisch.
Für mich ist Lyrik sowas wie Pralinen.

[*Außer sie ist von Nora Gomringer und wird mir von ihr vorgelesen. Aber dazu später mehr.]

Neues Projekt

Okay, ich habs mir anders überlegt. Ich mache was ganz anderes. Kurzentschlossen. Hier schon mal der Klappentext für mein neues Buch „Die Backwarenbande und die Suche nach dem goldenen Keks“.

Unbekannte haben den goldenen Keks von der Fassade der Keksfabrik geklaut. Und irgendwie hat da schon so lange niemand mehr hingeguckt, dass die Polizei nicht mal herausbekommt, wann genau das passiert ist. Ojemine! Das geht dem alten Fabrikbesitzer Herrn Plätzchen ganz schön auf den Keks. Er sagt, wer den Keks zurückbringt, bekommt tausend Euro Belohnung! Aber dann bekommt Herr Plätzchen auch noch einen Erpresserbrief, angeblich von Krümelmonster. In dem Brief steht, dass Herr Plätzchen ganz viele Kekse an das Kinderkrankenhaus spenden soll, und zwar die mit Vollmilchschokolade, nicht die mit Zartbitter, und auch nicht die ohne Schokolade. Und die tausend Euro soll er dem Tierschutzverein geben. Dann bekommt er den goldenen Keks zurück.
Benjamin „Brösel“ Knösel, Hobbydetektiv seit dem denkwürdigen Fall des verschwundenen Backbuchs aus Onkel Bernd „das Brot“s Küchenschrank, denkt nicht lange nach. Er sagt seinen Freunden Kuchen und Torte Bescheid, und dann macht sich die Backwarenbande auf die Suche nach dem geheimnisvollen Keksdieb. Werden sie dem schlechtgelaunten Keksfabrikanten den goldenen Keks zurückbringen können und die tausend Euro Belohnung erhalten? Oder wird die Backwarenbande sich an diesem Keks die Zähne ausbeißen? Und wer steckt eigentlich hinter „Krümelmonster“?

Ein ganz großer Spaß für Erstleser. Verpackt in eine spannende und lustige Geschichte, wird hier die Frage gestellt, was eigentlich eine Straftat ist, und ob Gut und Böse sich immer so leicht auseinanderhalten lassen.

Erscheint voraussichtlich im Herbst 2013.

Hiermit beantrage ich Titelschutz für „Die Backwarenbande und die Suche nach dem goldenen Keks“.

Bewerbungen von Illustratoren (bitte mit aussagekräftigem Entwurf) nehme ich noch entgegen.

Neues Kindermädchen

Hurra! Ich habe ein neues Kindermädchen. Bisher bin ich schon ganz happy mit Freedom, das allerdings inzwischen Geld kostet. Ich habe es schon ewig auf dem Computer, da war es noch kostenlos. Freedom lässt einen für eine bestimmte, selbstgewählte Zeit nicht ins Internet. Wenn ich vorankommen muss, mache ich das manchmal, meistens stelle ich nur 15 oder 20 Minuten ein, mehr traue ich mich nicht. Höchstens manchmal eine halbe Stunde. Und dann merke ich plötzlich, wie viel man in einer halben Stunde schaffen kann – verblüffend.

Jetzt gibt es noch etwas Ausgefeilteres (und Kostenloses): selfcontrol. Damit schmeißt man sich nicht gleich komplett aus dem Internet, sondern sperrt nur bestimmte Seiten. Man erstellt eine Blacklist von Seiten, auf die man dann für eine bestimmte Zeit nicht kommt. „Safari kann die Seite facebook.com nicht öffnen, da Safari keine Verbindung zum Server facebook.com aufbauen konnte“. Und das beste ist: Firefox kann dann auch nicht mehr. Ansonsten geht das Internet aber, man kann also schön weiter recherchieren, aber eben nicht auf die Zeitfresserseiten gehen. Da könnte ich glatt mal längere Zeiträume ausprobieren. Zwei Stunden kein Facebook! Oder … womöglich … fünf! Crazy shit.

(Gefunden bei Schreibberatung.)

Tilman Rammstedt

RammstedtBankberaterBerühmte erste Male: Ich habe ein Interview geführt. Und zwar gleich mit dem hochverehrten Tilman Rammstedt über sein aktuelles Buch „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“. Danke sehr, Sir! Zu lesen ist das Interview im CULTurMAG.

Tilman liest übrigens neben vielen anderen großartigen Autoren nächsten Donnerstag, dem 7. Februar, auf der ham.lit. Das ist eine wunderbare Veranstaltung im Übel und Gefährlich, wo den ganzen Abend im Halbstundentakt auf drei großen Bühnen gelesen wird. Und zum Abschluss gibts Musik, diesmal vom Jeans Team. Die Hautevolee der jungen bis mittelalten Literaturszene ist da, es ist immer stockduster, man sieht niemanden, es ist rappelvoll, und man landet dann auch immer mal bei Autoren, die man gar nicht so toll findet und hört hinterher, dass man zu einem ganz anderen hätte gehen sollen, und alle sind da und man könnte lauter tolle Leute treffen, wenn man sie denn sehen würde. Und das ist immer alles ein großer Spaß. Tilman Rammstedt fängt an, gleich um halb acht.

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