… sprechen über das Übersetzen im Allgemeinen, das Neuübersetzen von Klassikern im Besonderen und Rosemarie Tietzes Neuübersetzung der Anna Karenina im Speziellen, und zwar hier. Und Rosemarie Tietze ist super, wie immer.
„Es ist die Stärke der Übersetzungen, dass sie die großen Klassiker der Weltliteratur durch immer neue Deutungen am Leben halten.“
Ich lese gerade Gunnhild Øyehaug (Ebba Drolshagen): „Ich wär gern wie ich bin“. Tolles Buch mit ineinander verschachtelten und nebeneinandergestellten Geschichten, sprachlich sensationell (d.h. toll übersetzt) – blöderweise bin ich irgendwie steckengeblieben und wusste dann nicht mehr, wer wer ist, und als ich letzte Woche vom Seminar zurückfuhr, war ich so erschöpft, dass ich keine Lust hatte, mich wieder reinzulesen.
Darum habe ich mir am Bahnhof noch schnell „Soul Kitchen“ von Jasmin Ramadan gekauft, weil ich was Leichtes wollte; es erzählt die Geschichte VOR dem gleichnamigen Film von Fatih Akin und war, wenn ich mich recht erinnere, ganz gut besprochen worden. Kurzfassung meiner Meinung: Geschichte ganz gut, sprachlich und erzählerisch aber eher platt. Etwas ausführlichere Besprechungen der beiden Bücher kommen dann noch. Wenn ich endlich zum Weiterlesen komme.
Ein Gespen Stöckchen geht um im Bloggerland: die Bücherfragenliste. Nun schreibe ich hier ohnehin über alle Bücher, die ich lese, und einen Teil dieser Fragen kann ich gar nicht beantworten, aber sei’s drum. I‘ll do my very best. Und verlinke dann, wenn ich etwas beantwortet habe, jeweils hier den entsprechenden Eintrag.
Wenn ich mit dieser Übersetzung fertig bin, dann mache ich wieder Sport, ich fange endlich wieder an zu laufen und melde mich in der Muckibude an und mache Rückengymnastik und vielleicht Yoga oder so, und schwimmen gehen könnte ich auch mal, und überhaupt mein Fit-und-Well-Programm wieder aufnehmen. Und endlich ein Schlafsofa aussuchen und hier mal alles gründlich aufräumen und saubermachen, das ist ja langsam schon also wirklich, und den Kleiderschrank ausmisten, und das Bad, und die Rumpelecken, und den Balkon winterfertig machen, die Balkonmöbel auf den Boden bringen, und die Speisekammer könnte man auch mal. Und dann koche ich immer ganz tolle Sachen und backe Kuchen und fange mit dem nächsten Buch aber wirklich rechtzeitig an und arbeite von Anfang an konzentriert, und Weihnachtsgeschenke kaufe ich dieses Jahr auch rechtzeitig, oweia, Weihnachten ist ja auch schon wieder, wir haben noch gar nicht überlegt, was wir machen, es ist immer etwas schwierig, den Eltern beizubringen, dass wir am liebsten einfach zu Hause bleiben würden, müssen wir also noch mal drüber nachdenken und das mit den respektiven Familien abklären, aber um Geschenke kümmere ich mich dieses Jahr wirklich rechtzeitig, ab November habe ich ja Zeit. Und dann verabreden wir uns auch endlich mit R+I und mit A+F und mit Dings und Bums und allen anderen, und dann muss ich mal mit Merlix in die Kaschemme wegen der Lesung, und eigentlich wollte ich doch auch noch ein paar Tage mit F nach Helgoland, was ist eigentlich aus der Idee geworden? Und K will uns schon lange besuchen kommen, darauf freue ich mich schon sehr, und J wollte vielleicht auch, wäre natürlich doof, wenn sie ausgerechnet an den Wochenenden kämen, an denen ich den Sportbootführerschein mache, aber vielleicht muss es ja auch kein Wochenende sein. Die Steuer mache ich dann auch, und ach ja, für die Lesung muss ich natürlich erstmal eine Geschichte schreiben, sonst habe ich nichts zu lesen, und dann neue Texte übers Übersetzen für ein neues Magazin (jippie!), und das Beste ist, dann habe ich auch endlich Zeit für das hier. Ich freu mich!
… geht an Melinda Nadj Abonji für „Tauben fliegen auf“. Herzlichen Glückwunsch!
„Melinda Nadj Abonji erzählt, aus der Perspektive der Tochter Ildiko, die Geschichte einer ungarischen Familie aus der serbischen Vojvodina, die sich eine Existenz in der Schweizer Gastronomie gründet. Sie erzählt es mit einer eigenen und äußerst lebendigen Stimme, zunächst noch mit dem Blick des Kindes auf die Welt, dem alles neu ist und sich doch von selbst versteht, dann der jungen Frau, die allmählich die Brüche in und zwischen diesen sehr verschiedenen Welten wahrnimmt, immer aber mit einer großen Empathie und Humanität. Was als scheinbar unbeschwerte Balkan-Komödie beginnt, wenn die Familie mit einem klapprigen braunen Chevrolet die sommerliche Reise in die alte Heimat antritt – darauf fallen bald die Schatten der Geschichte und der sich anbahnenden jugoslawischen Kriege. So gibt das Buch ,Tauben fliegen auf’ das vertiefte Bild eines gegenwärtigen Europa im Aufbruch, das mit seiner Vergangenheit noch lang nicht abgeschlossen hat“, so die Begründung der sieben Jury-Mitglieder.
Ich habe das Buch nicht gelesen, kann also nichts dazu sagen, außer: war Melinda Nadj Abonji nicht die Heulsu Dame, die, nachdem sie beim Bachmannpreis vor ein paar Jahren nichts gewonnen hatte, ans Mikro trat und die Ungerechtigkeit der Welt im Allgemeinen und des Bachmannpreises im Besonderen beklagte? Ah, genau, das war sie (danke, Aleks). Äh, nun ja. Allerdings sollte man Leuten vielleicht nicht ihre gekränkten Reaktionen von Vorgestern vorwerfen, denn das hat ja nichts damit zu tun, dass das bestimmt ein toller Roman ist.
Immerhin heißt die Protagonistin Ildiko, und ich habe heute morgen diesen meinen Text in diese tolle Maschine eingegeben, und dabei kam heraus, dass ich schreibe wie Ildiko von Kürthy. Da war ich erst ein bisschen, äh, dings, nachdem aber dieselbe Maschine behauptete, dieser Text sei geschrieben wie von Franz Kafka und der Lotterlebentext wie Charlotte Roche, war ich versöhnt. Oder, naja.
Wo war ich? Buchpreis. Von den Buchpreisträgern der letzten Jahre gelesen habe ich Arno Geigers „Es geht uns gut“ (2005), das fand ich, glaube ich, so ganz okay, aber nicht herausragend. „Die Mittagsfrau“ von Julia Franck (2007) fand ich sprachlich irgendwie unzulänglich, sodass ich schon keinen Blick mehr für den Inhalt hatte, erinnere mich aber an einzelne Szenen, die offenbar doch ganz eindringlich waren. Außerdem war ich dem Buch sowieso schon nicht wohlgesinnt, weil ich in dem Jahr wollte, dass Katja Lange-Müller den Preis bekommt. Und schließlich „Du stirbst nicht“ von Kathrin Schmidt (2009), das hat mich schon beeindruckt, wurde dann aber immer zäher, sodass ich es schließlich nicht mal zu Ende gelesen habe.
Man könnte, wenn man wollte, ein System erkennen: dass ich den Preisträger nämlich nur in ungeraden Jahren lese. Mal sehen. Es gab auf der diesjährigen Shortlist Bücher, die mich mehr interessieren, allerdings ohne dass ich das triftig begründen könnte. Und ich lasse mich natürlich auch gern eines Besseren belehren. Hat jemand das Buch schon gelesen?
NACHTRAG: Hier gibt es eine Leseprobe, und hier einen Artikel von FOCUS-Redakteur und Jury-Mitglied Jobst-Ulrich Brand „über eine kleine Sensation und ein großes Buch“. Klingt wirklich spannend. Und wieder eins mehr auf dem Wunschzettel.