Habemus Gemeinsame Vergütungsregel. Halleluja!

Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V. / Bundessparte Übersetzer im Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di
————————————————————————————————————————— VDÜ – die Literaturübersetzer – Pressemitteilung [30.03.2014]

Mitgliederversammlung des Übersetzerverbandes nimmt Gemeinsame Vergütungsregeln an

Die Mitglieder des VdÜ, des Verbandes der Literaturübersetzer, haben auf ihrer gestrigen außerordentlichen Mitgliederversammlung den mit einer Gruppe von Verlagen ausgehandelten Vorschlag für eine Gemeinsame Vergütungsregel (GVR) mit deutlicher Mehrheit angenommen.
Zugleich haben die Mitglieder den Verbandsgremien des VdÜ aufgetragen, weitere Verlage zur Mitwirkung an der GVR zu gewinnen. Vergütungsregeln zweiter Klasse für Verträge mit Konzernverlagen dürfe es dabei nicht geben, so die Mitgliederversammlung.

Hinrich Schmidt-Henkel, 1. Vorsitzender des VdÜ:
„Mit dieser Vergütungsregel zeigen wir, dass eine von Sachkenntnis und gutem Willen getragene vernünftige Einigung möglich ist. Das langjährige Gezerre um die Definition von angemessener Mindestvergütung der Übersetzer ist damit einvernehmlich aufgelöst. Wir danken der Gruppe der beteiligten Verlage und gehen weiterhin auf andere Verlage zu mit der Einladung, sich der Vergütungsregel anzuschließen.“

Stephan D. Joß, Geschäftsführer des C. Hanser Verlags, München:
„Ich freue mich über diese Einigung, einen Interessensausgleich, mit der die Belange der Beteiligten weit besser geregelt sind, als jedes Gerichtsurteil es könnte. Mit der Annahme der Vergütungsregel durch den VdÜ steht die Tür für weitere Verlage offen.“

Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Bereichsleiter Kunst&Kultur bei ver.di.
„Wir haben hierin eine verlässliche, praxisorientierte Vergütungsregel, die ein solides Fundament geschaffen hat und einen Maßstab für alle Vertragsabschlüsse setzt.“

Die Erstunterzeichner: C. Hanser, München, Hanser Berlin und Nagel & Kimche, Frankfurter Verlagsanstalt (Joachim Unseld), Hoffmann & Campe Verlag, marebuch, Schöffling Verlag, Wallstein Verlag.

Diese Vergütungsregel verwirklicht erstmals für Literaturübersetzungen die Forderung der Urheberrechtsnovelle von 2002 nach gemeinsamen Regeln von Urhebern und Verwertern, mit denen eine angemessene Mindestvergütung definiert wird.
Die Beteiligten haben die GVR bei einer Pressekonferenz am heutigen Sonntag in Köln der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Text der Vergütungsregel ist bei der Pressestelle des Übersetzerverbandes erhältlich.

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Hier das Börsenblatt dazu.

UPDATE: Hier ist der Text der gemeinsamen Vergütungsregeln.

Authors and Translators

Anscheinend sind hier gerade Interviewwochen – ich habe schon wieder Fragen beantwortet, diesmal für das wunder-wunderbare Blog Authors and Translators. Ich bin wirklich stolz, dort dabeizusein, denn das ist ein Blog, das Übersetzerinnen stolz macht: was uns da an geballter Wertschätzung entgegenschlägt, haben wir sonst nie. Und es stammt von denen, von denen wir es am nötigsten brauchen, von den Autoren.
Hier geht’s zu meinem Interview.

Siri Hustvedt on Translation

„Because I have translated myself, I am deeply aware of the fact that the translator must reinvent the work in the other language. What is essential is that a book is read, not as a translation, but as a work that was written in the second language. […]
I think of the profession with profound admiration. I think of all the books I have read, which would have been unavailable to me had they not been translated into English. Without translation, my literary life would have been greatly impoverished. I would have developed another mind altogether. I also feel ashamed about the tiny number of books in translation that are brought out in the U.S. by major publishers every year. This is a sign of both American arrogance and provincialism. And yet, writers continue to write all over the world, and translation goes on. I am deeply grateful to my translators for remaking my work into their own languages.“

Siri Hustvedt bei Authors and Translators. (Was sowieso eine ganz wunderbare Sache ist, aber das sagte ich schon.)

Stipendium

Nun ist das Literaturübersetzen ja nichts, wovon man reich würde. Vorsichtig ausgedrückt. Und je schwieriger das zu übersetzende Werk ist, desto weniger ist damit Geld zu verdienen – denn auch wenn man für schwierigere Literatur möglicherweise ein etwas höheres Seitenhonorar bekommt, wird das schnell durch den höheren Arbeitsaufwand wieder aufgefressen, und mit Umsatzbeteiligung ist bei schwierigerer Literatur auch eher nicht zu rechnen. Die leichte Unterhaltung verkauft sich deutlich besser.
Aber glücklicherweise gibt es den Deutschen Übersetzerfonds (DÜF), eine segensreiche Institution, die vor allem dafür zuständig ist, Geld an Übersetzer zu verteilen. Das Geld kommt aus den Kulturstiftungen des Bundes und der Länder und wird vor allem für zweierlei ausgegeben: zum einen werden damit Fortbildungen finanziert. Seminare, die meist über vier oder fünf Tage gehen, und die für die teilnehmenden Übersetzer kostenlos sind (denn sonst würde niemand kommen, weil es schlicht niemand bezahlen könnte), inklusive Unterkunft, Verpflegung und seit einer Weile sogar der Anfahrt. Und zum anderen verteilt der DÜF Stipendien unterschiedlichster Art. Arbeitsstipendien, mit deren Hilfe man es sich erlauben kann, sich etwas mehr Zeit für eine Übersetzung zu nehmen. (Oder sich endlich einen neuen Computer zu kaufen.) Reisestipendien für Recherchereisen in das Land der Ausgangssprache. Verschiedene Sonderstipendien, die nach verstorbenen großen Kollegen mit vielen Vornamen benannt sind, mit denen man endlich mal ein paar Wochen lang gar nichts machen, die Batterien aufladen und Bücher lesen kann, oder bei denen man einen Mentor an die Seite gestellt bekommt (Stipendium für beide, super Sache!), mit dem man mal ein ganzes Buch durchsprechen kann. Und so weiter.
Diese Stipendien sind ausdrücklich nicht dazu da, dass Verlage einem sagen können: ist zwar ein schwieriges Buch, aber kannst Dich ja um ein Stipendium bewerben – es sollen ja nicht die Verlage querfinanziert werden. Aus diesem Grund erhöht es sogar die Wahrscheinlichkeit, eins zu bekommen, wenn man schon einen relativ guten Vertrag ausgehandelt hat.
Bewerbungen sind halbjährlich zum 31. März und zum 30. September möglich.

Der langen Rede kurzer Sinn: ich bewerbe mich gerade um ein Arbeitsstipendium. Meistens übersetze ich ja eher Unterhaltungsliteratur. Und selbst Unterhaltungsliteratur ist übrigens auch ausdrücklich nicht von Stipendien ausgeschlossen, es gibt wertfrei für alle Sparten Geld. Auch das jetzt zu übersetzende Buch ist vielleicht nicht die ganz abgehobene, intellektuelle Höhenkammliteratur, hat aber doch ganz eigene Anforderungen und Schwierigkeiten, einen sehr eigenen Ton, außerdem thematisch einiges, was für mich Neuland ist (häusliche Pflege! Baseball! Darts!). Dennoch gehe ich eigentlich nicht davon aus, ein Stipendium zu bekommen. Warum ich mich trotzdem bewerbe?
Abgesehen davon, dass das Nicht-damit-Rechnen auch der Enttäuschungsvorbeugung dient und ich natürlich doch ein bisschen drauf hoffe: ich nehme mir seit Jahren vor, mal wieder ein Stipendium zu beantragen (einmal hatte ich schon eins). Denn wann immer der DÜF sich bei irgendwelchen Veranstaltungen selbst vorstellt oder erklärt, was er macht, bin ich aufs Neue beeindruckt: was für eine wirklich segensreiche Einrichtung!
Ich habe viele DÜF-Seminare besucht und da wahnsinnig viel gelernt. Fürs Übersetzen braucht man zu einem Teil sicher Talent, das kann man nicht lernen, aber zum Teil eben auch Handwerkszeug. Und was ich an Handwerkszeug gelernt habe, habe ich, außer by doing, auf DÜF-Seminaren gelernt. Desweiteren bekommt man bei diesen Seminaren eine Menge Berufspraktisches von Normseite bis KSK mit, Branchengeflüster, Netzwerkelei, anders gesagt: ich bin dem DÜF wirklich dankbar.
Der DÜF bekommt sein Geld, wie oben beschrieben, von den Kulturstiftungen des Bundes und der Länder. Wenn ich es richtig im Kopf habe, jeweils für drei Jahre. Dann wird wieder neu entschieden, wieviel es für die nächsten drei Jahre gibt. Und damit es für die nächsten drei Jahre wieder Geld gibt, ist es wichtig, dass sich möglichst viele Leute um diese Stipendien bewerben. Wenn es, sagen wir, 50 Stipendien gibt, auf die sich 52 Kollegen bewerben, dann wird es beim nächsten Mal vermutlich weniger Geld geben. Wenn sich aber 200 Leute bewerben, dann wird es vielleicht ein bisschen mehr Geld von den Kulturstiftungen geben. Was natürlich in unser aller Sinne ist.

Also denke ich, man sollte sich da ruhig immer mal wieder bewerben, schon aus Prinzip, auch wenn man keins bekommt. Und so sitze ich da jetzt dran. Einzusenden sind:

- das ausgefüllte Bewerbungsformular
- Kurzbiographie, beruflicher Werdegang
- Verzeichnis der Veröffentlichungen und ggf. Auszeichnungen
- Angaben über gleichzeitige Stipendienanträge bei anderen Stellen sowie über Stipendien in den letzten drei Jahren
- kurze Charakteristik des zu übersetzenden Werks (max. 1 Seite)
- Kopie des Verlagsvertrags
- 10 Manuskriptseiten der Übersetzung
- Kopie der entsprechenden Stelle des Originals
- Kalkulation des voraussichtlichen Manuskriptumfangs und der benötigten Arbeitszeit

Das alles in siebenfacher Ausfertigung. Das ist eine Menge Papier, insgesamt ca. 200 Seiten, wenn ich mich nicht verrechnet habe. Ich geh jetzt erstmal all das, was ich schon ausgedruckt oder kopiert habe, auf sieben Stapel sortieren.

Vielleicht klappts ja doch. Drückt mir die Daumen!

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