Bevor ich wieder Gemüseberatung erbitte: wer war das? Wer von Euch hat beim Gut Wulksfelde eine Gemüsekiste bestellt und angegeben, dass die Empfehlung von mir kam? Wir hatten eine Packung Kekse in der Kiste, mit dem Aufkleber „Danke für die Empfehlung“. Ich empfehle das Gut ja immer gern, aber sonst wusste ich immer, wem ich die Kekse verdanke. Diesmal keine Ahnung. Jedenfalls: jippie!
Ansonsten war unter anderem ein Romanesco drin. Was mach ich denn damit? Vorschläge? Habe ich noch nie gegessen, ich mache in solchen Fällen meist erstmal eine pürierte Suppe (was bei diesem künstlerisch wertvollen Gemüse fast schade wäre) oder Risotto. Aber da gibt’s doch bestimmt noch andere Ideen.
Zweitens: ein Maiskolben. Kann man den im Ganzen in die Pfanne legen? Oder kochen? Grillen ist gerade nicht geplant.
„Also, Sie haben jeden Tag tote Tiere, ja?“
„Was soll denn die Frage, bitte schön?“
„Also, haben Sie oder nicht?“
„Jetzt kommen Sie mir nicht auf die Tour!“
Könnte von Loriot sein. Ist es aber nicht. Es stammt vielmehr aus der Reportage über den Geflügel-Großproduzenten Wiesenhof, die gestern Abend in der ARD lief. Man wird davon ausgehen können, dass die Zustände in anderen Großmastanlagen nicht anders sind, Wiesenhof hier also stellvertretend für die gesamte industrielle Fleischproduktion steht.
Wer es gestern verpasst hat, kann den Bericht hier in der Mediathek sehen. Grauenvolle Bilder, teilweise zu wenig erklärt, wie ich finde, aber seht es Euch trotzdem an. Und dann möchte ich den Satz „Aber 12,- € ist einfach zu viel für ein Huhn“ bitte nicht mehr hören.
NACHTRAG: Noch so ein Satz, mit dem ich in dem Zusammenhang immer Schwierigkeiten habe, ist: „Aber das weiß man doch längst.“ Na und? Du weißt das. Ich auch. Wer es wissen wollte, weiß es. Aber sehr, sehr viele Leute, inklusive ich selbst bis vor zwei Jahren, machen absichtlich die Augen zu, weil sie es nicht wissen wollen. Und irgendwann machen sie sie vielleicht mal auf. Dass etwas bekannt ist, bedeutet ja nicht, dass es jedem bewusst ist, und ist überhaupt kein Grund, mit dem Aufklären aufzuhören.
auspressen. Das ergab bei mir heute 445 ml Saft. Den habe ich mit
200 gr Rohrohrzucker
aufgekocht und in eine Flasche gefüllt. Das ist alles. Und das ist unfassbar lecker. Erstmal gieße ich es mit Leitungswasser auf, weil gerade nix anderes da ist. Ich wette, mit eiskaltem Mineralwasser ist es noch erfrischender, und ich wette außerdem, dass es mit Weißwein oder Sekt ganz prima schmecken wird, und drittens wette ich, dass man es auch sehr gut mit heißem Wasser aufgießen kann. Viertens nehme ich an, dass es in Flaschen abgefüllt und dicht verschlossen eine Weile hält. Aber so‘n halber Liter Sirup geht hier bestimmt schnell weg, ich werde das also nicht ausprobieren, sondern in den nächsten Tagen wegtrinken. Hat insgesamt 10 Minuten gedauert. Nennt mich Küchengöttin.
NACHTRAG: Ein Drittel des Saftgewichts in Zucker reicht dicke.
Cola gegen Diabetes. Wenn man bei KFC einen „Mega-Jug“ Zuckerwasser kauft – ich weiß nicht genau, wie groß der ist. Hier steht „half a gallon“, und in meinem Wörterbuch steht, ein gallon sei in den USA 3,79 liter. Half a gallon sind also knapp zwei Liter, kann das sein? In den USA kann das sein, dass man zum billigen Burger 2 Liter Cola trinkt, hm? – wenn man also bei KFC für 2,99 $ knapp zwei Liter Zuckerwasser kauft, spenden sie davon einen Dollar an die Diabetes-Forschung. „Help us find a cure!“
Diabetes 1 natürlich. Das ist was total anderes als die Diabetes 2, die man von dem Zeug bekommt. Deswegen ist das auch voll überhaupt gar nicht zynisch.
*
Foodwatch verleiht wieder den „Goldenen Windbeutel“ für die schamloseste Werbelüge. Nominiert ist dieses Jahr unter anderem „nimm2“, im Video zur Windbeutelaktion sagt Foodwatch „das freut die Kinder“, dass da Vitamine drin sind. Storck behauptet jetzt, ihre Werbung richte sich gar nicht an Kinder. Is klar.
*
Hamburg wird jetzt Fairtrade-Stadt. Das ist an sich natürlich begrüßenswert, auch wenn man das ein oder andere da sicher hinterfragen könnte. Um Fairtrade-Stadt zu sein, muss eine Stadt beispielsweise eine bestimmte Menge an Geschäften haben, die fair gehandelte Produkte anbieten. Ist in Hamburg kein Problem, denn Budni, Rossmann und Rewe haben sowas im Programm, da braucht man sich also nicht weiter drum zu kümmern. Zumindest nicht, um überhaupt erstmal dieses Siegel zu bekommen. Ob das Siegel nun tatsächlich etwas für den fairen Handel bringt oder eher gut fürs Image der Stadt ist, sei einmal dahingestellt, denn das Anliegen ist natürlich grundsätzlich ein Gutes. Fairen Handel setzt man nicht ruckzuck um, da fängt man eben an mit „gibt’s schon bei Budni“ und kann dann von da aus weitermachen.
Total bescheuert allerdings ist der Claim „Hamburg mal fair“. (Das ist ein Aktionsbündnis, das es schon länger gibt und das jetzt irgendwie in dieser Fairtrade-City-Sache aufgegangen ist oder so.) Hallo? Zur Abwechslung sind wir heute vielleicht mal fair, kaufen zwei Pfund fairen Kaffee fürs Gewissen, aber ab morgen machen wir wieder wie immer, ja? Ächz.
Was ich jetzt auf der Webseite nicht finden kann, aber gestern im Radio gehört habe: dass nämlich auch ein paar Restaurants auf den Zug aufspringen und jetzt fair gehandelte Gerichte mit Lebensmitteln aus Afrika anbieten, und zwar, Achtung, anschnallen: zwei Gerichte zum Preis von einem. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: fair gehandelt zum halben Preis.
Man kann gar nicht so oft mit dem Kopf gegen die Wand bollern, wie das doof ist.