Das Gute am Herbst ist ja das Essen. Also zum Beispiel Birnen. Hier kommt das leckerste Herbstessen der Welt. Mit Birnen.
Kräuter-Käsespätzle mit Zwiebel-Birnen-Schmelze
Rezept von hier, in Details leicht abgewandelt. Ich hatte für sechs Personen für die Spätzle:
9 Eier
800 gr Mehl
Wasser nach Gefühl (250 ml?)
1 Topf Petersilie
Ein paar Blätter Salbei
Ein paar Zweige Thymian
Salz
Jede Menge geriebener Käse (z.B.Bergkäse)
Die Kräuter grob hacken und mit den Eiern zusammen mit dem Pürierstab zu einer ekligen grünschäumenden Masse verquirlen. Diese Masse zum Mehl geben, Pfeffer und Salz dazu mit den Knethaken und Wasser nach Gefühl zu einem einigermaßen zähen Teig verarbeiten. In manchen Rezepten steht, man solle das mit einem Holzlöffel und Muskelkraft machen – keine Ahnung, warum, die Spätzle wurden mit Maschinenkraft genauso gut. Den Teig eine halbe Stunde stehenlassen, damit das Mehr ausquellen kann. In kochendes Salzwasser hobeln, ein paar Minuten kochen lassen, mit der Schaumkelle in eine große Auflaufform transferieren und geriebenen Käse drüberstreuen (z.B. Bergkäse). Verfahren etappenweise wiederholen, bis der Teig verbraucht ist. Es kann ruhig ein bisschen Kochwasser mit in den Spätzle sein, sonst werden sie schnell trocken. Noch mehr Käse drüberstreuen und bei 150°C in den Ofen stellen. „Für sechs Personen“ bedeutete übrigens, dass wir heute nochmal für uns zwei genug übrig hatten. Wahrscheinlich ist die Faustregel „Pro Person 100gr Mehl und ein Ei, und dann noch ein Ei für die Götter“ ganz vernünftig. Allerdings wäre dann heute nix mehr übrig gewesen.
Während im Ofen der Käse zwischen den Knöpfle schmilzt und die ganze Sache schon unfassbar gut duftet, ein paar respektable Zwiebeln (in Ringen oder so) in nicht zu wenig Butter anbraten, bis sie hübsch braun sind, dann ordentlich Birnen in mundgerechten Stückchen dazugeben und vier Minuten mitbraten. Gehackte Mandeln drüberstreuen, wenn’s beliebt – ich halte die jetzt nicht für dringend nötig, aber kann man machen. Vorsichtig mit Salz und Pfeffer würzen. (Die Mengenangaben da drüben bei Essen & Trinken sind viel zu wenig. Mehr Zwiebeln, mehr Birnen!)
Ehrlich, die gekräuterten Käsespätzle sind schon Rock‘n'Roll. Aber diese Zwiebel-Birnen-Nummer dazu ist Heavy Metal. Wenn Ihr versteht, was ich meine. Das gibt’s demnächst dauernd, glaube ich.
Dazu gab es, und auch das war super: Feldsalat mit Birnenspalten und gebackenem Ziegenkäse. Vor dem Backen etwas Honig auf den Käse geben – woarrr. (Vinaigrette: Balsamico, Olivenöl, Senf, Honig, Pfeffer, Salz.)
Und nächstes Mal gibt es zum Nachtisch Holunderbirnen. Yeah, Birnen!

1 Zwiebel
125 gr Perlgraupen (das ist für 2 Personen nicht irre viel. Reicht bei kleinerem Hunger so gerade.)
Weißwein
Brühe
1 Kohlrabi
Bärlauch
Schnittlauch
Käse
Zwiebel würfeln und anschwitzen. Perlgraupen dazugeben, mit Weißwein ablöschen. Brühe dazu, unter ständigem Rühren köcheln lassen. Immer wieder etwas Brühe nachschütten, wie bei anderem Risotto auch. Kohlrabi würfeln und dazugeben. Mit etwas Bärlauch und etwas mehr Schnittlauch würzen. (Vorsicht – nicht so viel, dass es den Kohlrabigeschmack totmacht.) Weiterköcheln, bis die Brühe aufgesogen ist und die Graupen weich sind. Am Ende geriebenen Käse unterrühren; ich hatte einen Rest Parmesan und noch irgendeinen anderen, weicheren. Mit Pfeffer und Salz abschmecken. Boah, lecker.
Die Supermarktkette „Netto“ mischt aus Wasser, Weizeneiweiß und Mehl eine Pampe an, färbt sie mit Rote-Bete-Saft fleischfarben, würzt mit etwas Paprika nach und mischt dieses „schnittfeste Wasser“ (Foodwatch) unter Hackfleisch. Nicht unter das gute, frisch durch den Wolf gedrehte Hackfleisch, sondern unter das billige, fettreiche aus der Selbstbedienungstheke. Und zwar 30% Pampe zu 70% schlechtem Hack, und zu sehen ist: nichts. Sieht aus wie Hack. Alsdann schreiben sie als Produktbezeichnung drauf: „Zubereitung aus Hackfleisch gemischt mit pflanzlichem Eiweiß“ und behaupten, das habe 30% weniger Fett. Dabei sind es natürlich nur 30% weniger Fleisch, und zwar sehr fettiges Fleisch. Insgesamt hat das Zeug immer noch mehr Fett als gutes, frisches Hack. Dafür ist die Netto-Pampe dann aber auch ein bisschen teurer; genau wie viele „Light“-Produkte, in denen gute Zutaten durch Wasser und irgendwelche Zusatzstoffe ersetzt werden, um sie ein bisschen teurer zu machen. Guten Appetit!
Netto gehört übrigens zu Edeka. Wir erinnern uns: „Wir lieben Lebensmittel.“
Mehr dazu bei Foodwatch.
Ich habe es getan. Und ich würde es wieder tun.
Einmal, als wir in Schottland waren, machten wir einen Ausflug nach Stonehaven, eine eigentlich nicht weiter bemerkenswerte Kleinstadt an der Ostküste. Dort gibt es aber einen Musikladen, der auf Folk-Instrumente spezialisiert ist, da wollte der Mann unbedingt hin. Die beste Schwägerin von allen war dabei, wir setzten den Mann in dem Musikladen ab, die Schwägerin und ich machten einen Strandspaziergang. Auf dem Rückweg kamen wir an diesem Schild vorbei:

„Da!“, rief ich, „da! Guck! Da!“ Die Schwägerin legte die Stirn in Falten und sagte so was wie „Hm?“
Ich erklärte.
Irgendwann hatte ich in einer Reportage über Ernährung in Großbritannien von dieser Spezialität erfahren: Deep Fried Mars Bar. Was soviel bedeutet wie: Frittiertes Mars. Ja, der Schokoriegel. Ja, frittiert. Im Backteig. Wie! geil! ist das denn! Da war ich tausend Mal in Schottland gewesen und das war komplett an mir vorbeigegangen.
So war es in der Sendung natürlich nicht gedacht, dass man schon beim Zugucken „wie geil ist das denn“ quiekt, es sollte vielmehr abschreckend wirken und quasi den Gipfel der schlechten Ernährung darstellen. Eine Schokobombe auch noch in Fett zu backen, also wirklich.
Wenn man dann plötzlich rein zufällig vor dem Birthplace of the World Famous Deep Fried Mars Bar steht, ist natürlich vollkommen klar, was zu tun ist. Wir gingen also erst in den Musikladen, den Mann abholen, und mit ihm wieder zurück zum Birthplace. Es war 14.00 Uhr, und in der Sekunde, in der wir vor dem Laden standen, drehte von innen eine Frau den Schlüssel um und schloss ab. Mittagspause. Bis 17.00 Uhr. So lange wollten wir nun nicht noch in Stonehaven herumtrödeln. Schade.
Ein Jahr später wussten wir Bescheid und fuhren früh genug nach Stonehaven. Vergewisserten uns der Öffnungszeiten, gingen erst in den Musikladen und dann rechtzeitig zum Birthplace of the World Famous Deep Fried Mars Bar. Wo wir ohne Zögern zwei Weltberühmte Frittierte Mars bestellten.
Der Fritteur nahm zwei Mars aus der Verpackung, tauchte sie in Backteig und warf sie in eine Fritteuse. Nach uns kam ein Mann und bestellte Fish and Chips. Der Fritteur nahm ein Stück Fisch, tauchte es in denselben Eimer mit Backteig und warf ihn in dieselbe Fritteuse. Nicht nur in dieselbe, sondern auch noch gleichzeitig. Wir schluckten. Und verstummten.
Frittier, frittier.

(Wir Foodstylisten nennen diese Art der Präsentationsästhetik „Reduktion auf das Wesentliche“.)
Wir ließen uns die frittierten Mars einpacken und gingen damit an den Strand. Wir rechneten damit, dass Schokopampe mit Fett und Fischgeschmack möglicherweise nicht die kulinarische Entdeckung des Jahrhunderts sein würde. Aber was soll ich sagen: es schmeckte überhaupt nicht nach Fisch. Kein Stück. Sondern sehr, sehr lecker. Logisch, Schokolade halt. Warm. Herrlich weich und klebrig und karamellfädenzieherig. Und schokoladig. Wie es sein kann, dass das nicht nach Fisch schmeckt, ist mir nicht klar. Aber tut es nicht. Es schmeckt nach warmer, weicher Schokopampe. Mit Karamell. Und Teig drumherum. Unfassbar lecker.
Ich würde es jederzeit wieder tun.
