Das ist jetzt schon der zweite „wieder zu Hause“-Eintrag innerhalb von zweieinhalb Wochen. Soll heißen: jetzt bin ich auch aus dem Krankenhaus zurück, es kann Weihnachten werden. Vorgestern früh wurde ich operiert, heute Vormittag war ich wieder zu Hause, und demnächst habe ich dann hoffentlich einen schlanken Fuß, der wieder voll einsatzfähig ist. Im Moment liege ich noch auf dem Sofa und lasse mich bedienen; es schmerzt auch noch ganz gut. Aber aus irgendeinem Grund habe ich den Ehrgeiz, so wenig Medikamente wie möglich zu nehmen – schon immer gehabt, von daher ist es wahrscheinlich albern, denn ich bin so gesund, dass ich überhaupt nie irgendwas nehme, mein normaler Medikamentenkonsum beträgt ca. zwei Aspirin pro Jahr. Ich könnte also jetzt eigentlich mal reinhauen, aber nö. Geht ja auch so. Ich habe Ibuprofen aus dem Krankenhaus mitbekommen, davon soll ich morgens und abends eine nehmen. Ansonsten habe ich schöne Wörter mitgebracht: Großzehengrundgelenk, Vorfußentlastungsschuh, Unterarmgehstützen. Die Unterarmgehstützen muss ich jetzt zwei Wochen lang benutzen, dann noch weitere vier Wochen den Vorfußentlastungsschuh. Mein reiner Materialwert dürfte ein bisschen gestiegen sein, ich habe jetzt hochwertiges Metall im Fuß. Ein Teil davon wird wieder rausgezogen, da möchte ich noch gar nicht drüber nachdenken.
Übrigens war ich im wahrscheinlich tollsten Krankenhaus der Stadt, einer Privatklinik, die freundlicherweise ein Sonderabkommen mit meiner Krankenkasse hat, sodass ich als Kassenpatientin schön frisch gepressten Orangensaft zum Frühstück bekam und so wunderbar umsorgt wurde, wie es eigentlich in jedem Krankenhaus sein sollte. Danke, Klinik Fleetinsel, das war wirklich toll. Sensationelle Narkose auch, ich habe überhaupt nichts mitbekommen und bin ganz sanft aufgewacht und war dann ruckzuck wieder voll da. Jetzt hoffe ich, dass sich spätestens nach ein paar Monaten herausstellt, dass die Operation genauso toll war und alles gut ist – und dann komme ich mit dem anderen Fuß wieder. Und spreche vorher mit meiner Zimmergenossin den Termin ab, ich hatte nämlich die beste Zimmergenossin, die man sich wünschen kann, wir machen das gerne wieder zusammen. Frische Luft, viel kichern, wenig jammern, viel Internet, wenig fernsehen. So soll das sein.
Und so sitze ich hier jetzt auf dem Sofa, versuche, ein bisschen zu schreiben, und rufe ansonsten gelegentlich sowas wie „Schaaatz, ich hätte so gern noch ein Glas Apfelschorle“ oder „ob du mir wohl mein Stromkabel holen würdest“ oder „machst Du mir noch einen Kühlakku für den Fuß fertig?“ Und dann kommt der beste Ehemann von allen und tut, was ich möchte, das ist schon alles ziemlich wunderbar. Und wo ich den Muskelkater vom Krückenlaufen kriegen werde, weiß ich auch schon.
Am 6. Dezember ist Wolfgang Herrndorfs Blog „Arbeit und Struktur“ als Buch erschienen. Hier zwei Artikel dazu: Einmal Felix Müller in der Berliner Morgenpost, und dann Kathrin Passig im SZ-Magazin; da geht es eigentlich weniger um das Buch, sondern vielmehr über die Unmöglichkeit selbstbestimmten Sterbens (und das, obwohl man gar nicht sterben möchte).
Ebenfalls gestorben ist Peter Urban, der große Übersetzer russischer Literatur. „Und die russische Literatur im deutschsprachigen Raum ist verwaist, sie verlor einen ihrer besten Freunde, Beschützer und Botschafter“, schreibt Oleg Jurjew im Tagesspiegel.
Eugen Gomringer hingegen ist ganz kregel und hat eine neue Webseite. Vielleicht die weltcoolste Webseite eines Achtundachtzigjährigen, man kann stundenlang damit spielen: A Gomringer Z.
Überraschung! Hoffmann und Campe hat einen neuen Verlag gegründet, den Atlantik-Verlag.
Hier ist noch eine tolle Idee für Weihnachten: Verschenkt doch mal ein Buch! Zum Beispiel an einen Gefangenen.
Solche Meldungen machen mich wirklich immer wieder aufs Neue fassungslos: Indien hat die Homosexualität verboten. Ich verstehe es einfach wirklich nicht. Nicht im Geringsten. Was zwei Leute im Bett zusammen machen, ist ganz allein deren Angelegenheit (solange es im gegenseitigen Einvernehmen geschieht, logisch). Es geht einfach nie-man-den etwas an. Lasst einander doch einfach in Ruhe. Was bildet so ein Staat sich eigentlich ein, was bilden diese hasserfüllten Eiferer sich eigentlich ein, dass sie ihren eigenen Lebensentwurf für den einzig richtigen halten und andere verbieten? MANN, regt mich das auf. Als nächstes verbieten wir dann blonde Haare, oder wie? HAB ICH SCHON GESAGT, DASS MICH DAS AUFREGT? Mir war so.
Es gibt aber, was das angeht, auch gute Nachrichten: In England und Wales wird es ab 29. März 2014 gleichgeschlechtliche Ehen geben. Nicht mehr nur so etwas Halbgares wie unsere „eingetragenen Partnerschaften“, sondern richtig. „Marriage is one of our most important institutions, and from 29 March 2014 it will be open to everyone, irrespective of whether they fall in love with someone of the same sex or opposite sex.“ (Equalities Minister Maria Miller / BBC)
Die ZEIT über sogenannte Sumangali-Mädchen in Spinnereien in Indien. „Auf zehn mal zehn Fuß sollten nicht mehr als zwölf Menschen leben und sich eine Toilette, ein Waschbecken, einen Eimer und einen Becher teilen. Das ist ein Vorschlag für eine Verbesserung!“
Und noch ein bisschen härterer Tobak: Shannon Jensen hat die Schuhe von Kriegsflüchtlingen südlich der Sahara fotografiert. The long walk. Puh.
Zum Schluss noch etwas Schönes:
Die kenn ich, die kenn ich! Voilá, meine Kollegin Ulrike. Portraitiert von der unvergleichlichen Smilla Dankert. Smillas Blog ist eines der wenigen, die ich seit Jahren konstant gerne lese. Sie spricht auf der Straße einfach Leute an, fotografiert sie und fragt sie ein bisschen aus – anfangs ging es vor allem um Kleidung, aber dann wurden es ganz schnell wunderbare kleine Portraits der unterschiedlichsten Menschen. Immer mit einem besonders liebevollen Blick und tollen Bildern. Ich hätt mich das gar nicht getraut (was! für! ein! Quatsch!), aber Ulrike hat Smilla einfach gefragt, ob sie sie fotografieren möchte, und Smilla hat ja gesagt. Sehr schön auch, dass Eddie mit im Portrait ist, das gehört in dem Fall so. Ich kenne kein Frauchen, das so gleichbleibend freundlich mit seinem Hund spricht wie Ulrike, und keinen Hund, der so sensationell gehorcht wie Eddie.
Und eine Balanceübung. Unfassbar. Bitte weitergucken, auch wenn das Geschnaufe nervt.
Writers Against Mass Surveillance
560 Autorinnen und Autoren aus aller Welt, darunter fünf Nobelpreisträger, haben einen Aufruf zur Verteidigung der Demokratie und gegen die Überwachung und das Ausspionieren privater Daten unterzeichnet, der heute in beinahe 30 Zeitungen weltweit erscheint. Wow. Danke, Juli Zeh, Ilja Trojanow, Eva Menasse und alle anderen! Das muss eine irre Arbeit gewesen sein.

Eine der tragenden Säulen der Demokratie ist die Unverletzlichkeit des Individuums. Doch die Würde des Menschen geht über seine Körpergrenze hinaus. Alle Menschen haben das Recht, in ihren Gedanken und Privaträumen, in ihren Briefen und Gesprächen frei und unbeobachtet zu bleiben.
Dieses existentielle Menschenrecht ist inzwischen null und nichtig, weil Staaten und Konzerne die technologischen Entwicklungen zum Zwecke der Überwachung massiv missbrauchen.
Ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei; und eine Gesellschaft unter ständiger Beobachtung ist keine Demokratie mehr. Deshalb müssen unsere demokratischen Grundrechte in der virtuellen Welt ebenso durchgesetzt werden wie in der realen.
Bitte hier entlang zur FAZ.
Und hier noch ein paar weitere Links.
Ebenfalls bei der FAZ gibt es auch ein Interview mit Juli Zeh und Ilja Trojanow,
und einige Autorinnen und Autoren begründen, warum sie unterschrieben haben.
Interview mit Eva Menasse im Deutschlandradio.
Und mit Ilja Trojanow im Deutschlandfunk.
Sascha Lobo schreibt im Spiegel zum gleichen Thema.
Hier der Aufruf im Guardian und im Standard.
Und einen Tag später ein Bericht über die Pressekonferenz in der ZEIT.
Ilija Trojanow hat selbst noch im Freitag etwas dazu geschrieben.
Und das Wichtigste: Hier kann man den Aufruf ebenfalls unterschreiben.
Jetzt bin ich seit gut einer Woche wieder in Hamburg. Ein paar Tage habe ich zum Ankommen gebraucht, so ein Monat China scheint überraschenderweise doch ein bisschen anstrengend zu sein. Dann war alles mögliche zu erledigen, ich musste einen Bericht über diesen Monat fürs Goethe-Institut schreiben (fertig, aber noch keine Reaktion), ich habe mir endlich einen neuen Laptop gekauft (heute abgeholt, hurra!), meine alte Tante zum Geburtstag im Krankenhaus überrascht (im Ruhrgebiet), habe mir ein neues Handy bestellt, ein irre langes Interview gegeben, dessen Abschrift ich jetzt noch überarbeiten muss, ein paar bestellte Bücher verschickt (möchte noch jemand? Dann bitte schnell eine Mail!), die ersten Weihnachtsgeschenke besorgt …
… und weil so ein Monat in China mir nicht aufregend genug ist fürs Jahresende, begebe ich mich nächsten Montag noch kurz ins Krankenhaus und lasse mir einen Fuß operieren. Nix Schlimmes (Hallux Valgus, falls das von Interesse sein sollte), eine Routinesache, hoffe ich, und dann soll bitte alles gut sein. Nach zwei Tagen komme ich schon wieder raus und werde die Feiertage schöööön zu Hause auf dem Sofa verbringen, den Fuß hochlegen und mich vom lustigen Mann bekochen und betüddeln lassen. Was natürlich bedeutet, dass ich alle Weihnachtsgeschenke diese Woche besorgen muss und auch sonst alles erledigen, was mit Herumlaufen zu tun hat. Strammes Programm also, und nebenbei, so ganz nebenbei, besteht ja auch immer noch der Plan, vor Weihnachten 120 Romanseiten an meine Agentin zu schicken. Denn: Is a book written yet? Aktueller Stand sind 102 Seiten (oder 104, je nachdem, wie man das rechnet *hust*). Ich hatte mir ja eingebildet, wenn ich einen ganzen Monat in China bin und da ganz normal wohne und zwei Tage die Woche an die Uni gehe, dann kann ich auch weiterschreiben und halt normal arbeiten. War natürlich Quatsch, ich habe das Dokument nicht mal geöffnet. Jetzt habe ich es mir ausgedruckt und lese es mit ein bisschen Abstand und einem Stift in der Hand noch mal durch, das ist ganz gut. Plan also: Diese Woche noch Dinge erledigen und ein bisschen am Pfau arbeiten, nächste Woche dann zackzack, kurz operieren lassen und dann nur noch mit dem Kopf arbeiten und den Fuß hochlegen. Geschenke bis Sonntag, 120 Seiten bis Weihnachten. Denn mal los.