Neulich war ich mit Herrn Buddenbohm essen. Es gab Knoblauch. Als „Gruß aus der Küche“ kam tatsächlich eine komplette Knoblauchknolle, oben einmal sauber aufgeschnitten und im Ofen geröstet. Das war ganz schön lecker. Wir haben sie zu zweit aufgegessen, natürlich haben wir sie vorher fotografiert und sofort ins Internet gestellt, wo uns niemand glaubte, dass das tatsächlich Knoblauch war, und schon gar nicht, dass wir ihn essen würden. Also futterte ich auch noch schnell die letzten kleinen Zehen raus, damit wir noch ein Bild der leeren Häutchen posten konnten.
Dann gab es „normales“ Essen, und als ich hinterher nach Hause kam, sagte der lustige Mann: Oh, gab’s was mit Knoblauch? Nein, sagte ich, es gab Knoblauch. Mein Mann lachte nur noch, es klang allerdings ein wenig verzweifelt.
Am nächsten Morgen, als er die Wohnung verließ, sagte er, ich solle unbedingt ganz dringend gut durchlüften, wenn ich aufgestanden sei, es sei wirklich furchtbar. Der Arme. Und ich Arme, ich fühlte mich irgendwie verkatert, ausgedörrt, ich hatte leichte Kopfschmerzen und mir war ein bisschen übel; vom eigenen Knoblauchatem wahrscheinlich, sehr seltsames Gefühl. Ich hatte zwei Gläser Wein getrunken, kein Grund für einen solchen Kater.
Was ich abends beim Essen komplett vergessen hatte: Ich hatte morgens einen Arzttermin. Habe mich also erstmal entschuldigt, dass ich so stinke. Der Arzt lachte und meinte, das sei ja auch lecker. Eine ganze halbe Knolle allerdings sei ein strammes Programm, ich solle mal den Mund aufmachen und die Zunge rausstrecken. Ich versuchte, dabei nicht auszuatmen. Ja, sagte er, total ausgetrocknet, kein Wunder, Knoblauch wirke noch stärker dehydrierend als Alkohol. Ob ich einen Kater hätte?
Das hatte ich nicht gewusst. Ich wusste nur, dass Knoblauch gesund ist, aber nicht, dass er ungesund ist. Famous first times: Ich hatte tatsächlich einen veritablen Knoblauchkater. Was es alles gibt.
Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V. / Bundessparte Übersetzer im Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di. PRESSEMITTEILUNG
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Übersetzerbarke 2015 an Elke Schmitter
Die Übersetzerbarke des Verbands deutschsprachiger Literaturübersetzer geht 2015 an die Literaturkritikerin und Autorin Elke Schmitter. Die Barke ist ein undotierter Preis in Form eines jährlich eigens neugeschaffenen Kunstwerks und zeichnet Persönlichkeiten des literarischen Lebens aus, die sich für die Sache der Literaturübersetzer stark machen.
Elke Schmitters offener und präziser Blick auf die Weltliteratur nimmt Themen, Komposition und sprachliche Gestaltung der von ihr besprochenen Werke wahr; überdies gehört sie zu den besonderen Literaturkennern, die im Falle übersetzter Werke mitreflektieren und ebenso floskelfrei-anschaulich wie kritisch beschreiben können, wie der Text ins Deutsche gebracht wurde. Ihre diesbezügliche Sprachsensibilität stellt sie seit Jahren auch bei Vorträgen zum Thema Übersetzen sowie durch ihre Mitgliedschaft in der Stipendienjury des Deutschen Übersetzerfonds unter Beweis.
Ob als Feuilletonistin für die taz, Die Zeit und die Süddeutsche Zeitung oder seit 2001 als Kulturredakteurin beim Spiegel – seit mehr als zwanzig Jahren demonstriert Elke Schmitter mit großer Differenziertheit und Selbstverständlichkeit, dass die Betrachtung des übersetzerischen Schaffens zur Literaturkritik gehört und diese weiterbringt.
Für ihr konstruktives und inspirierendes Wirken wird sie am 14. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse im Zentrum für Literatur, Politik und Übersetzung „Weltempfang“ mit der Übersetzerbarke 2015 ausgezeichnet.
Die unabhängige Jury, bestehend aus Christiane Buchner, Frank Heibert und Tobias Scheffel, und der gesamte VdÜ gratulieren Elke Schmitter ganz herzlich!
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VdÜ Pressestelle
c/o Maria Hummitzsch / Nadine Püschel
presse@literaturuebersetzer.de – http://www.literaturuebersetzer.de

Irgendwo ins grüne Meer
Hat ein Gott mit leichtem Pinsel,
Lächelnd, wie von ungefähr,
Einen Fleck getupft: Die Insel!
Und dann hat er, gutgelaunt,
Menschen diesem Fels gegeben
Und den Menschen zugeraunt:
Liebt die Welt und lebt das Leben!
James Krüss
Heute wäre James Krüss 89 geworden. Herzlichen Glückwunsch, Du Guter!
Ich war gerade zwei Tage auf Deiner Insel, es war so herrlich wie immer, sie hat wieder dieses Blau gemacht, das sie so gut kann.

Das Größte zuerst, alles andere ist danach nicht mehr so wichtig:
Martin Greenfield gilt als einer der besten Schneider der Welt. Seit mehr als sechzig Jahren kleidet er Stars und Präsidenten in den USA ein. Die Macht von Kleidung erkannte er schon in seiner Jugend – als Gefangener in Auschwitz.
Hier geht es zum Interview im SZ-Magazin. Was für ein wahnsinnig tolles Interview. Lest das. Ehrlich.
Gestern Abend gab es im Schloss Bellevue einen Empfang zu Ehren der Literarischen Übersetzer. Ich möchte zu Protokoll geben, dass ich beleidigt bin, ich war nämlich nicht eingeladen. Katy war aber da, und so fand sie es. Und die Rede von Herrn Gauck ist auch online.
Uuuuuund: Die Teilnehmerinnen am diesjährigen Wettlesen um den Bachmannpreis sind veröffentlicht! Da sind schon ein paar ziemliche Namen dabei. Außerdem sind es zehn Frauen und vier Männer. Huch! Ich hab schon wieder Flug und Hotel gebucht, weil ich das letztes Jahr so toll fand, und freu mich sehr.
KiWi-Verleger Helge Malchow ist 65 geworden, und Kerstin Gleba hat eine Rede gehalten.
Tom Hillenbrand hat zehn Tipps fürs Schreiben. Irgendwann werde ich Regel vier auch noch kapieren. Beziehungsweise umsetzen. Kapiert habe ich sie schon. Eigentlich.
Marc Degens sucht einen Literaten, und zwar einen bestimmten, er hat aber nur ein Foto von ihm. Kann ihm jemand helfen? Wer kennt diesen Mann?
Es gibt wieder ein Literarisches Quartett im ZDF: Volker Weidermann, Christine Westermann und Maxim Biller, dazu kommt jeweils ein Gast. Losgehen soll es irgendwann im Herbst. Ich bin gespannt.
Ein Gastbeitrag von Susanne Dirkwinkel
„Es ist kompliziert“: Dieser Satz beschreibt die Beziehung zwischen mir und meinem Klavier wohl immer noch am besten. Wir arbeiten daran, dass es weniger kompliziert wird und deswegen geht es diese Woche in die Werkstatt.
In der Zwischenzeit kann ich die Geschichte dazu erzählen.
Klavierunterricht war in meinem Falle eine freiwillige Angelegenheit. Ein ausdrücklicher Wunsch sogar. Der erste Unterrichtsversuch war zwar eine Katastrophe und das erste Instrument kein Klavier, sondern ein Zustand in Form einer elektronischen Heimorgel. Aber irgendwann stiegen meine beiden Schwestern mit ein, ein echtes Klavier kam ins Haus und wir zu einem richtigen Lehrer.
Das ging so bis zur Oberstufe. Dann, nach dem Abitur, kam ein großes, schwarzes Loch. Kein Klavier mehr, kein Unterricht mehr; keine nennenswerte Verbindung mehr zum aktiven Musizieren. Zehn Jahre lang.
Bis zu dem Tag, an dem ein Freund zu mir diesen Satz sagte: „Ich finde, in jedem Haushalt sollte ein Instrument stehen.“ „Klick!“, machte es bei mir, und von jetzt auf gleich wollte ich wieder ein Klavier haben.
Ich fing an zu suchen und fand. Es war Liebe auf den ersten Ton. Aber es war kompliziert, denn etwas war unterbrochen zwischen meinem Kopf und meinen Händen. Ich konnte nicht spielen, was ich hören wollte. Das hatte nichts mit übertriebenem Ehrgeiz zu tun. Alles, was ich wollte, war, mich ausdrücken können und mir selbst nicht wehtun dabei. Das klappte nicht. Egal, was ich versuchte.
Über lange Zeit blieb das so, und es gab immer wieder Phasen, in denen ich monatelang keinen Ton spielte. Dennoch, nie wäre mir in den Sinn gekommen, das Klavier wieder wegzugeben. Ich ahnte: Es ist eine Frage des richtigen Zeitpunkts und es fehlt noch etwas. Eines Tages finde ich es vielleicht.
Und dann, am 30. Jahrestag des Starts der Voyager 1-Mission, saß ich mit Frau F. im Planetarium und sah einer nicht ganz unprominenten Dame dabei zu, wie sie am Flügel mein Lieblingsklavierstück zerholzte. Ich hatte das Stück lange nicht gehört und noch länger nicht versucht, es zu spielen. Trotzdem sprang während dieser fragwürdigen Performance ein ebenso ketzerischer wie absurder Satz in meinen Kopf: „Das könntest du besser!“ Technisch nie, aber vom Gefühl her.
Wenige Minuten später sahen wir eine Projektion der Voyager 1-Sonde an der Sternenkuppel und hörten dazu ein Musikstück, das absolut perfekt dazu passte und mir anschließend tagelang nicht mehr aus dem Kopf ging. Ich bemühte meinen damaligen Kontakt beim Planetarium, bekam Interpret und Titel genannt und begab mich auf die Suche. Ich stellte sehr schnell fest, dass die gehörte Version des Stücks mit dem treffenden Titel „Numero Uno“ offenbar nur auf einer CD enthalten war. Ein Blick auf die Tracklist: Ok, Du hast mich. Es gibt noch mehr davon? Gekauft.
Lieferung abwarten. Anhören. Nochmal anhören. Und nochmal. Und wieder. Dabei bei einem der Stücke wieder einen Satz im Kopf haben. Einen, den ich jahrelang nicht gedacht hatte. „Ob es dazu wohl Noten gibt?“
Es gab. Rund drei Wochen nach dem Abend im Planetarium versuchte ich mich zum ersten Mal an Ludovico Einaudis „Le Onde“.
Dann hat es, und hier muss ich abkürzen, noch einmal 5 Jahre und 10 Monate gedauert, bis der letzte Knoten platzte, ich es endlich mit Schwung durchspielen konnte und bis aus Tastengestolper so etwas wie Musik wurde. Diesmal mit einem „Klick“, der, wenn es dort ein Ohr dafür gibt, vermutlich irgendwann noch im interstellaren Raum zu hören sein wird. Da ist Voyager 1 nämlich gerade.
Dummerweise ist es genau deshalb immer noch ziemlich kompliziert. Aber wir arbeiten dran, mein Klavier und ich, und wenn es aus der Werkstatt kommt, geht das auch endlich 24/7. Den Nachbarn zum Trotze.
Fortsetzung folgt.