Takis Würger: Der Club

JA! Jajaja! Endlich mal wieder bis mitten in der Nacht noch auslesen müssen und dann mit Herzklopfen im Bett liegen. Was für ein Spannungsaufbau! Dabei fängt es so leise und zart an mit der Geschichte eines Jungen, Hans, der seine Eltern verliert und ins Internat kommt. Nach dem Abitur verschafft seine Tante Alex ihm einen Studienplatz in Cambridge, wo sie Professorin ist. Im Gegenzug soll er in einem Club etwas für sie herausfinden, weiß aber nicht mal, was eigentlich. Und in so einen Club in Cambridge spaziert man auch nicht einfach so rein, sondern da muss man die richtigen Leute kennen und eingeladen werden und so weiter. Clubs für die reichen Söhne reicher Väter, Frauen sind bestenfalls schmückendes Beiwerk, Clubs fürs Leben, „man kennt sich“ und schanzt einander die wichtigen Posten in Wirtschaft und Politik zu. Alles höchst elitär und männerbündisch. Einige dieser Clubs sind offiziell, es gibt eigene Clubblazer und -fliegen, die man aber nur unter bestimmten Bedingungen tragen darf, und was auf jeden Fall hilft, ist, außerdem im Boxclub zu sein. Glücklicherweise ist Hans sowieso Boxer, und außerdem hat er Charlotte an seiner Seite, die aus den entsprechenden Kreisen stammt und ebenfalls ein Interesse daran hat, dass er etwas herausfindet. Auch sie sagt ihm zunächst nicht, worum genau es geht, verhilft ihm aber zum Eintritt in den Club. Und dann gibt es noch einen geheimen Club, dessen Mitglieder auf der Rückseite ihrer Fliegen einen Schmetterling eingestickt haben, aber das weiß niemand. Und spätestens beim Aufnahmeritual für diesen speziellen Club wird es dann richtig ekelhaft. Und eben so, dass man es kaum aushält, weil man nicht möchte, dass das passiert, was passiert – dabei ist nichts davon besonders explizit geschildert, aber man fühlt sich so nah dran, dass man am liebsten eingreifen möchte. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass die Figuren so plastisch sind, es gibt wechselnde Perspektiven, hauptsächlich die von Hans, aber auch alle anderen kommen zwischendurch immer mal wieder als Ich-Erzähler zu Wort, manche mehr, manche weniger. Dadurch lässt einen gar nichts kalt, keine Figur ist einem egal. Man mag sie, man verachtet sie, man möchte sie in den Arm nehmen oder schütteln und manchmal beides. Großartig ist das, ich bin wirklich begeistert.
UND! Es ist in gestreifte Seide in den Clubfarben gebunden! Und hat ein Lesebändchen. Ausdrückliche Leseempfehlung auch für Männer, die sonst nicht viel lesen.

Takis Würger: Der Club. Kein und Aber, 240 Seiten, 22,- €. Auch als Hörbuch und E-Book.

Hier ein Bericht von Takis Würger über seine eigene Zeit in Cambridge.
Und hier ein Gespräch im Deutschlandradio.

16 Kommentare

  1. Falk Schreiber Dienstag, 25. April 2017 um 13:54 Uhr [Link]

    Danke.

  2. Marie Velden Dienstag, 25. April 2017 um 13:46 Uhr [Link]

    Das hofffe ICH ja nicht. Denn der Name, ich gebs zu, der irritiert mich tatsächlich. Ich habe nämlich immer wieder „Der Würger Club“ gelesen.

  3. Falk Schreiber Dienstag, 25. April 2017 um 13:45 Uhr [Link]

    Ist das eigentlich ein Künstlername?

  4. Hannah S. Fricke Dienstag, 25. April 2017 um 14:16 Uhr [Link]

    Die Selbstmarketing ist natürlich eine oft unterschätzte Faktor.

  5. Isabel Bogdan Dienstag, 25. April 2017 um 13:43 Uhr [Link]

    Ja! Schon gleich der erste Satz.

  6. Marie Velden Dienstag, 25. April 2017 um 13:45 Uhr [Link]

    Genau. Da hatte er mich schon!

  7. Isabel Bogdan Dienstag, 25. April 2017 um 14:19 Uhr [Link]

    Die Selbstmarketing hat ins Schule nicht aufgepasst, scheint’s.

  8. Jörg Bernardy Dienstag, 25. April 2017 um 14:40 Uhr [Link]

    Autoreleichte Anwendung: die Selbstvermarketing musse gar nichtse machen außer „Ich heiße …“ sagen, immer wieder.

  9. Meike Rensch-Bergner Dienstag, 25. April 2017 um 15:03 Uhr [Link]

    Danke, ich freue mich immer über Lesetipps von dir.

  10. Isabel Bogdan Dienstag, 25. April 2017 um 13:47 Uhr [Link]

    Glaube nicht, aber ich stelle auch in letzter Zeit eine Häufung ungewöhnlicher Namen im Literaturbetrieb fest, vor allem bei den Männern. Angefangen hat es mit Timur Vermes. Nis-Momme Stockmann. Tijan Sila. Takis Würger.

  11. Stefanie Ericke-Keidtel Dienstag, 25. April 2017 um 13:52 Uhr [Link]

    Ist es nicht, wenn der Autor mich nicht angeschwindelt hat. ;) Auch kein griechischer Hintergrund. Nur lustige Eltern.

  12. Isabel Bogdan Dienstag, 25. April 2017 um 14:02 Uhr [Link]

    Tijan Sila ist Bosnier, und Nis-Momme Stockmann kommt von Föhr, das sind alles prima Gründe für Namen. Und überhaupt sind googelbare Namen super für die Selbstmarketing.

  13. Takis Würger Dienstag, 25. April 2017 um 13:53 Uhr [Link]

    Ich heiße Takis Würger.

  14. Marie Velden Dienstag, 25. April 2017 um 13:41 Uhr [Link]

    Ich hab schon reingelesen. Und will es haben! Es rührt sofort an. Ab der ersten Zeile.

  15. Isabel Bogdan Donnerstag, 27. April 2017 um 09:25 Uhr [Link]

    Das mit den Kommentaren von Facebook klappt jetzt so halbwegs. Nur in der falschen Reihenfolge. Muss man halt puzzeln.

  16. LiFe Donnerstag, 27. April 2017 um 13:06 Uhr [Link]

    Ein Lob an einem Verlag, der unbekannte Autoren fördert!

Kommentieren:

Pflichtfeld

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Twitter