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SAMSUNG CAMERA PICTURESIhr erinnert Euch an Zhu Yingchun, Chinas berühmtesten Buchdesigner? Sein schönstes Buch hatte ich im November nicht bekommen. Beziehungsweise den Moment verpasst, in dem ich noch danach hätte fragen können. Daraufhin habe ich dem besten Jan von allen ein bisschen Geld dagelassen, und er hat das Buch später für mich gekauft. Dummerweise war Zhu Yingchun an dem Tag nicht da, sodass Yan extra noch einmal hingegangen ist, um es mir auch noch signieren zu lassen. Ich freu mich wirklich sehr, das ist ein wunderschönes Buch, tolles Papier, tolle Zeichnungen, und es gibt nur tausend Stück davon, ich zähle das also jetzt zu meiner Altersvorsorge. Und dann war noch ein Kalender für 2014 dabei, ein Geschenk von Herrn Zhu. Vielen Dank dafür! Und danke, Yan! Du hast was gut, weißt Du ja.

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Die Bilder sind nicht total unterbelichtet (okay, es sind schlechte Bilder, ich kann es halt nicht). Hier wird ein Tag am See gezeigt; die Doppelseiten sehen alle fast gleich aus, aber die ersten Seiten sind noch fast schwarz, dann wird es heller, schließlich ganz hell, und dann wieder dunkel. Die meisten Seiten haben also irgendeine Schattierung von Grau. Es verändern sich nur Kleinigkeiten: Aus dem Schilfgras fliegen Vögel weg, eine Spinne spinnt ein Netz, das Boot dreht sich ganz langsam, ein paar Enten schwimmen vorbei. Sehr schön, sehr beruhigend, sehr entschleunigt.

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Nunu Kaller: Ich kauf nix

KallerNixNunu Kaller war schon halb auf dem Weg in die Shoppingsucht. Zumindest war sie so weit, dass sie sich damit selbst auf die Nerven ging, und so hat sie sich ein Jahr Auszeit verordnet: sie hat beschlossen, ein Jahr lang keine Klamotten zu kaufen. Ihr kluger Freund hat sie außerdem ermuntert, sich in dieser Zeit mit den Herstellungsbedingungen konventionell produzierter Kleidung zu beschäftigen. Über dieses Jahr hat sie ein Blog geführt, und daraus ist nun dieses Buch entstanden.
Ehrlich gesagt: als KiWi die Werbung da rechts gebucht hat, dachte ich, nun ja, so ein Blogger-Selbsterfahrungsbuch, ich sehe ein, dass sie das für meinen Werbeplatz ausgesucht haben, aber muss ich das wirklich lesen? Shoppingsucht hatte ich nie (im Gegenteil, ich hasse Shoppen, schon immer. Wohl liebe ich neue Kleider!), und mit den Abgründen der Textilindustrie habe ich mich sowieso schon immer wieder beschäftigt. In sofern passt es hier natürlich auch hin, und natürlich habe ich reingelesen.
Und dann fand ich es so charmant geschrieben, dass ich Nunu Kaller spontan auf Facebook kontaktiert und ihr die Blogwerbung gezeigt habe. Was soll ich sagen – wir haben ein bisschen gechattet und uns gleich gemocht (doch, das geht nach ein paar Zeilen), und dann habe ich das Buch in zwei oder drei Rutschen durchgelesen. Weil es wirklich Spaß macht und oft so schön selbstironisch ist. Dass ich es so zügig weggelesen habe, kann allerdings auch daher kommen, dass ich dauernd das Gefühl hatte, das auch schon alles selbst gedacht zu haben. Mit Ausnahme der Shoppingsucht und des erklärten Verzichts, aber ansonsten passierte uns ungefähr das gleiche: je mehr ich über die Zustände in der Textilindustrie wusste, desto weniger wollte ich an diesem System teilnehmen. Erst piepst nur irgendwas im Kopf leise „eigentlich sollte man das nicht kaufen“, aber dann kommt das Gefühl irgendwann nach und sagt sehr entschieden: Nein. Man will dann gar nicht mehr.
Oder die Szene „ich will gar nicht missionieren, aber es beschäftigt mich halt so!“ – die habe ich gleich dem lustigen Mann zum Lesen rübergereicht, weil ich mich so erwischt fühlte. Er hat nur „tja“ gesagt und gelacht. Hihi.
Oder dieses Gefühl der Überforderung, weil man gerne alles so richtig wie möglich machen würde, aber dauernd daran scheitert. Weil es eben nicht so einfach ist.
Was mir hingegen vollkommen abgeht, ist der Wunsch, Dinge selbst zu machen. Nunu versucht es mit unterschiedlichem Erfolg mit Nähen und Stricken – für mich vollkommen unvorstellbar, ich weiß genau, was dabei rauskäme.
Und dann sind natürlich auch noch eine ganze Menge Informationen eingestreut. Zwar habe ich mich auch immer wieder mit dem Thema befasst, aber vieles wusste ich trotzdem nicht. Etwa, wie die Firma Monsanto indische Baumwollbauern durch ihre skrupellosen Geschäftsmethoden in den Selbstmord treibt. Und zwar nicht ein paar einzelne, sondern 250.000 Bauern. Zweihundertfünfzigtausend! Oder dass die Deutschen im Jahr 2011 geschlagene sechs Milliarden Kleidungsstücke gekauft haben, das sind im Schnitt 75 Kleidungsstücke pro Person. In einem Jahr. Wer um alles in der Welt kauft so viele Klamotten? (Ich weiß es: ein Teil meiner Facebookfreundinnen, die sich gleich geoutet haben. 75 Kleidungsstücke jedes Jahr! Wahnsinn.)

Kurzfassung: das Tolle an dem Buch ist, dass Nunu Kaller das Thema natürlich ernst nimmt, sich selbst aber nicht. Dass ihr trotz aller fürchterlichen Erkenntnisse der Humor nicht abhandenkommt. Deswegen macht das so einen Spaß. Ich würde jedenfalls sehr gern ein Gurkengesöff mit ihr trinken gehen. Irgendwann machen wir das mal.

Es liegt bei jedem selbst, ein kritischer Konsument zu werden. Vor mir, nur weil ich an Sprechdurchfall leide und permanent reden muss über das, was mich bewegt, gibt’s nix zu beweisen. (S. 235)

Nunu Kaller bekommt im Regal einen Platz zwischen Mascha Kaléko und Wladimir Kaminer.

Nunu Kaller: Ich kauf nix. KiWi Taschenbuch, 8,99. Auch als E-Book.
(Partnerlinks zur Buchhandlung Osiander. Wenn Ihr es dort kauft, macht ihr mich unermesslich reich.)

Geschenke

Wow. Letzte Woche kam plötzlich eine Mail von einer Dame vom Carlsen-Verlag. Sie habe auf meinem Wunschzettel ein Buch gesehen, das sie mir gern schicken würde, und ich solle doch auch noch mal auf die Webseite des Verlags gucken, ob ich sonst noch irgendetwas gern hätte. Ich guckte kurz auf die Webseite und war überfordert. Das schrieb ich ihr, und dass ich beispielsweise den Flix und Andreas Steinhöfel mag. Und dann kam das hier.

Carlsen

Elf Bücher. Einfach nur so, weil jemandem mein Blog gefällt. Und alle Bücher sehen so aus, dass ich sie spontan gerne lesen möchte, da hat sich also wirklich jemand Gedanken gemacht und nicht nur irgendwas zusammengeschmissen. Danke, Frau Rechenberg, danke, Carlsen-Verlag! Sehr!

Shortlist deutscher Buchpreis

shortlist_dbp2013_D(c)Petra_Gass Die Shortlist für den deutschen Buchpreis ist da! Und so sieht sie aus:
Mirko Bonné: Nie mehr Nacht
Reinhard Jirgl: Nichts von euch auf Erden
Clemens Meyer: Im Stein
Terézia Mora: Das Ungeheuer
Marion Poschmann: Die Sonnenposition
Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como

„Welcher der sechs Romane mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wird, erfahren Autoren und Öffentlichkeit erst am Abend der Preisverleihung, am 7. Oktober 2013 im Frankfurter Römer.“

Deutscher Buchpreis

Dies ist die Longlist für den deutschen Buchpreis:

Mirko Bonné: Nie mehr Nacht (Schöffling & Co., August 2013)
Ralph Dutli: Soutines letzte Fahrt (Wallstein, März 2013)
Thomas Glavinic: Das größere Wunder (Hanser, August 2013)
Norbert Gstrein: Eine Ahnung vom Anfang (Hanser, Mai 2013)
Reinhard Jirgl: Nichts von euch auf Erden (Hanser, Februar 2013)
Daniel Kehlmann: F (Rowohlt, September 2013)
Judith Kuckart: Wünsche (DuMont, März 2013)
Olaf Kühl: Der wahre Sohn (Rowohlt Berlin, September 2013)
Dagmar Leupold: Unter der Hand (Jung und Jung, Juli 2013)
Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren (C. H. Beck, Januar 2013)
Clemens Meyer: Im Stein (S. Fischer, August 2013)
Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2013)
Terézia Mora: Das Ungeheuer (Luchterhand, September 2013)
Marion Poschmann: Die Sonnenposition (Suhrkamp, August 2013)
Thomas Stangl: Regeln des Tanzes (Droschl, September 2013)
Jens Steiner: Carambole (Dörlemann, August 2013)
Uwe Timm: Vogelweide (Kiepenheuer & Witsch, August 2013)
Nellja Veremej: Berlin liegt im Osten (Jung und Jung, Februar 2013)
Urs Widmer: Reise an den Rand des Universums (Diogenes, August 2013)
Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como (Blumenbar, März 2013)

Ich habe keins davon gelesen. Meyerhoff liegt seit langem auf dem Stapel; von Kehlmann, Timm und Kuckardt habe ich andere Bücher gelesen, Clemens Meyer will ich endlich mal, von Urs Widmer und Terezia Mora habe ich auch was auf dem Stapel. Na, und so weiter. Ein Lesebuch mit Leseproben aus allen Titeln soll es ab nächste Woche „in zahlreichen Buchhandlungen“ geben. Ich werde versuchen, eins zu bekommen und reinzugucken. Die Shortlist von sechs Titeln wird am 11. September veröffentlicht. Ich tippe auf Meyer, Mora, Kehlmann, Timm, Widmer, Bonné vielleicht, Glavinic vielleicht.

[Frauen zählen: 14:6]

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