María Sonia Cristoff aus Buenos Aires war in Leipzig, Rayk Wieland (Hamburg/Shanghai) war in Patagonien. Und jetzt waren sie beide auf der Buchmesse und haben mit Sabine Erlenwein vom Goethe-Institut über ihre Erfahrungen und ihre Blogs gesprochen, gedolmetscht von Friederike von Criegern (Percanta). Letztere beeindruckt mich sehr, wie mich Dolmetschen immer beeindruckt. Sie sieht so konzentriert aus, und so klug und schön. Wenn man sie sieht. Streckenweise macht die Kameraführung ja ziemlich deutlich, für wie wichtig die Dolmetscherin gehalten wird. Da ist die linke Bildhälfte leer, rechts sitzt María Sonia Cristoff, und man weiß, dass noch weiter rechts Friederike sitzt und spricht oder liest, man hört ihre Stimme, sieht sie aber nicht. Und zwar nicht aus Platzgründen. Dabei könnte das Gespräch ohne sie gar nicht stattfinden. (Und wer Cristoffs Buch übersetzt hat, wird natürlich auch nicht erwähnt. Es war Peter Kultzen.)
… bekommt den Literatur-Nobelpreis 2010. Ich habe dazu keine Meinung, weil ich nichts von ihm gelesen habe. Allerdings hätte ich möglicherweise auch keine Meinung, wenn ich etwas gelesen hätte – Nobelpreis ist mir irgendwie eine Nummer zu groß für eine Meinung. In sofern bin ich immer froh, wenn ihn jemand bekommt, zu dem ich gar keine Meinung haben kann. Hätte zum Beispiel Philip Roth ihn bekommen, dann hätte ich eine Meinung haben müssen, weil ich was von ihm gelesen habe. Neenee, das ist schon besser so.
Herzlichen Glückwunsch, Señor! Was soll ich denn mal lesen?
„Translators also suffer from a lack of status, a situation reflected in the fact that only two of the Society of Authors‘ seven winners work as translators full time. Translation is considered by many universities to be insufficiently significant or original to add lustre to an academic CV, while publishers routinely sweep evidence of translation off the covers of books. „It’s weird,“ says Allen. „There’s no stigma attached to being an actor rather than a playwright, or a pianist rather than a composer, but there’s this horrible stigma attached to being a translator.“ Translations are often seen as second best because they are interpretations of an author’s work, but as Allen says, „It’s like saying ‚I‘m not going to see Hamlet because Shakespeare’s not playing it‘.“
„Natürlich frage ich mich oft, was die Unterschiede zwischen dem Schreiben und Übersetzen sind. Eins ist es auf jeden Fall nicht: Ich glaube nicht, dass Übersetzen einfacher ist als Schreiben. Es ist nur mit weniger Angst behaftet, ich muss mich beim Übersetzen nicht davor fürchten, dass der ganze Aufbau, die Personnage, die Handlung falsch ist. Es gibt ein Original, und wenn da etwas nicht stimmt, kann ich mich – nicht immer ganz ohne kollegiale Häme – zurücklehnen und sagen: „Bitte, Autor, wenn Du unbedingt willst…“ Doch das macht das Übersetzen nicht einfacher, denn der Vorteil der lediglich sprachlichen und nicht kompositorisch-inhaltlichen Verantwortung wird dadurch aufgehoben, dass man eben auch nur das Sprachliche gestalten kann und einem das allerwichtigste Gestaltungsmittel, das dem Schriftsteller die Arbeit erleichtert, nicht zur Verfügung steht: Das Streichen. Als Autor muss ich nur das ausdrücken, was ich auch ausdrücken will und was sich in meiner Sprache ausdrücken lässt. Als Übersetzer muss ich alles ausdrücken können. Und da sich das Streichen nicht nur auf Sätze beschränkt, sondern ganze Kapitel, Handlungsstränge, Figuren betreffen kann, bin ich als Autor ein Mensch, der seine Personen mit utilitaristisch kühlem Blick beäugt, sich bei jedem Charakter fragt: ‚Nutzt Du meinem Text oder soll ich Dich löschen?‘ Als Übersetzer sehe ich die Personen als gegeben an, nehme die Menschen so, wie sie sind und versuche, das Beste daraus zu machen. Der wichtigste Unterschied zwischen dem Schreiben und Übersetzen liegt für mich also nicht in der unterschiedlichen Schwierigkeit, sondern darin, dass ich beim Übersetzen ein netterer Mensch bin.“