S-Bahn (TMI)
Wir setzen uns in die S-Bahn, uns gegenüber auf dem Vierersitz sitzen ein junger Mann und eine junge Frau. Ob sie zusammengehören? Weiß man nicht. Alter und Styling lassen es möglich erscheinen, sie reden aber nicht miteinander.
Die Frau hat eine Medikamentenpackung in der Hand. VAGISAN steht drauf, in großen, roten Buchstaben auf weißem Grund, gut zu erkennen bis ans Ende des Wagens. Sie steckt die Packung nicht etwa verschämt in ihre Tasche, sondern betrachtet sie eingehend von allen Seiten. Auf allen Seiten steht groß und leuchtend VAGISAN und ein bisschen Kleingedrucktes. Der Mann tippt in sein Telefon, ruft jemanden an. „Na, alles fit?“ – „… im Schritt?“, denke ich und bekomme nur durch übermenschliche Anstrengung keinen Lachanfall.
Die Frau holt den Beipackzettel aus der Packung, verschließt die Packung umständlich wieder und steckt sie in ihre Handtasche. Der Mann beendet sein Telefonat. Die Frau liest den Beipackzettel, von unserer Seite aus sind prima die Zeichnungen zu erkennen, was man wo wie weit einführen soll. Der junge Mann macht den nächsten Anruf: „Na, alles fit?“ Sie liest den Beipackzettel, er sagt in sein Telefon: „Da kneif ich doch nicht gleich den Schwanz ein.“
Ich starre konzentriert aus dem Fenster.
Die Frau wirft den Beipackzettel in den S-Bahn-Mülleimer. Ich bin nicht sicher, ob das eine gute Idee ist.
Sie ruft ebenfalls jemanden an. „Na, alles klar?“
Wir steigen aus.
[vgl. Otto.]

