Alan Bennett (Ingo Herzke): Schweinkram

BennettSchweinkramAch, herrlich, Kinder! Ich bin ja sowieso Bennett-Fan (und Herzke-Fan), aber jetzt bin ich auch noch Schweinkram-Fan, denn das ist einer seiner besten. Wie gewohnt bei Wagenbach in einem schmalen Bändchen in rotem Leinen, und zwar diesmal, passend zur letzten Woche in diesem kleinen Kuschelblog, mit zwei unziemlichen Geschichten: Mrs. Donaldson erblüht, und Mrs. Forbes wird behütet. Beide ganz wundervoll.
Mrs. Donaldson hat nach dem frühen Tod ihres Mannes weniger Geld als gedacht und muss irgendwie Geld reinkriegen. Das tut sie auf zweierlei Weisen: sie vermietet ein Zimmer an ein Studentenpärchen, und sie nimmt einen Job im Krankenhaus an, wo sie jungen Medizinstudenten verschiedenste Krankheiten vorspielen muss. Die Studenten führen unter der Oberaufsicht eines Arztes erstmal ein Anamnesegespräch mit ihr, dann untersuchen sie sie. Wie es zugeht, dass Mrs. Donaldson schließlich erblüht, verrate ich natürlich nicht. Aber es kommt überraschend, und es ist herrlich.
Und Frs. Forbes in der anderen Geschichte ist eine alte Zicke, wird aber trotzdem von allen behütet – vor allem von ihrem über alles geliebten Sohn, aber auch von Mann und Schwiegertochter. Dabei haben alle gleichermaßen ihre Geheimnisse, und so geheim sind die gar nicht mal. Dafür aber ziemlich ungehörig, nach gängigen Maßstäben.
Ich mochte die erste Geschichte schon sehr, und die zweite fast noch mehr, weil da ein paar richtig gute Lacher drin sind. Beide Geschichten sind voll mit Sex, aber ohne jegliche Pornografie, sie sind sehr Bennett, mit Distanz und Ironie wie immer, mit diesem wundervollen Humor und vor allem: so wohltuend entspannt gegenüber dem Thema. Auch wenn nicht alle Figuren von Anfang an entspannt sind. Aber am Ende wollen sie natürlich alle nur das eine. Herrlich, ganz wunderbar. Geht hin und kauft dieses Buch und lest und habt Spaß!

Alan Bennett (Ingo Herzke): Schweinkram. Wagenbach, 139 Seiten, 15,90 €.

Wir müssen reden!

WLB

WIR MÜSSEN REDEN!
Mündliches in der Übersetzung

Lesung mit Ingo Herzke, Annette Kopetzki, Miriam Mandelkow, Friederike Meltendorf und Eva Profousová

1. März 2013, 20 Uhr
Ort: Kulturetage Altona
Große Bergstraße 160, 22767 Hamburg
Eintritt 5 Euro, für VdÜ-Mitglieder frei

Was haben ein englischer Elfjähriger auf der Flucht, eine Sizilianerin im Beichtstuhl und ein russischer Anarcho gemeinsam? Sie müssen reden, und zwar auf Deutsch.

Fünf Übersetzerinnen lassen laute und leise, wütende und verzagte Figuren aus englischen, italienischen, amerikanischen, russischen und tschechischen Romanen zu Wort kommen und umkreisen dabei verschiedene Aspekte des Übersetzens gesprochener Sprache wie Slang, Dialekt, Jugendsprache und Flüche – eine Suche.

Autoren: Alan Bennett, Andrea Camilleri, DJ Stalingrad, Tom Kelly, Pier Paolo Pasolini, Richard Price, Jaroslav Rudis, Jáchym Topol, David Vann und andere.

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne, gefördert von der Robert Bosch Stiftung und dem Verband deutschsprachiger Übersetzer (VdÜ).

Anderswo

- Bräuchte ich einen Schlafplatz in Zürich, und hätte ich sehr viel Geld, dann würde ich dieses Hotel buchen. Was für eine Bibliothek! (Liebes Hotel B2, ich bin ja durchaus käuflich. Ladet mich doch ein, ich bleibe zwei-drei Tage und gucke mir die Bibliothek und das Hotel und die Stadt an, und dann schreibe ich, wie toll es ist. Hm?)

- Ein Fotoprojekt zu den Orten, an denen 1933 Bücher verbrannt wurden: verbrannte Orte. Dasselbe Projekt bei den Krautreportern – man kann das Projekt auch finanziell unterstützen.
Unabhängig davon: Das Blog von Birgit Ebbert über die Bücherverbrennung.

- Thematisch passend: eine App zu den Hamburger Stolpersteinen (gibt es bestimmt auch für andere Städte), mit der man über verschiedene Suchfunktionen Informationen zu den jeweiligen Personen findet, Biografien, weitere Stolpersteine in der Straße und so weiter. Ich finde das Projekt „Stolpersteine“ ja sensationell gut. Man kann übrigens auch Patenschaften für einzelne Stolpersteine übernehmen, mehr dazu hier.

- Hübsch: Pantone-Notizbücher

- Calvin and Hobbes lovingly inserted into 13 real world backgrounds

- Zoe Beck über Amazon.

- Katy hat ein neues Blog: In which she goes out drinking with German writers. Going dutch with German writers. Wundervolle Idee, ich bin sehr gespannt. Und ein bisschen neidisch, man sollte wahrscheinlich sowieso viel öfter mit Autoren trinken gehen. („To go dutch“ heißt übrigens, dass man getrennt bezahlt.)

Lyrikpostkarte

Ich bin natürlich nicht die einzige, die sich gerade um Lyrik bemüht – Anne Schüssler hat nämlich etwas ganz Tolles angefangen, sie bedichtet Postkarten. Das heißt, sie schreibt Gedichte über das, was vorne drauf ist, und verschickt die Karten dann. Die erste ging an Kiki, und die zweite habe ich bekommen! Hurra! Vielen Dank, Anne!
Vorne drauf ist, sehr schön passend zum lyrischen Thema der letzten Tage, Köhlers Schwein von Michael Sowa. Und gedichtet hat Anne natürlich Limericks, das wäre ja quasi gar nicht anders gegangen. Gleich drei Stück!

sowaschwein

I
Ein sportliches Ferkel aus Bergheim,
das wollte viel lieber ein Fisch sein.
Drum sprang es ins Wasser
doch wurd es nur nasser
und metamorphierte zum Schwimmschwein.

II
Eine ehrgeiz‘ge Sau aus Neuwilen,
der die Wettbewerbsregeln missfielen,
trainierte doch heiter,
schwamm schneller und weiter,
und träumt nachts von olympischen Spielen.

III
Ein Altbademeister aus Lahr,
der wusste nicht, wie ihm geschah,
als vom Einmeterbrett
sehr grazil und adrett
ein Schwein in den See sprang, echt wahr!

(Es spräche vermutlich rein gar nichts dagegen, wenn auch da noch jemand mitspielen wöllte. Wo ihr gerade so schön in Schwung seid und ich arbeiten muss.)

Liebes Tagebuch,

das ist ja der Wahnsinn. Da bemüht man sich geschlagene acht Jahre lang um gepflegte Blog-Konversation, und kaum legt man, Verzeihung, die Titten auf den Tisch, da geht es hier rund. Über dreihundert Kommentare in zwei Tagen: unfassbar. Und noch viel unfassbarer ist die Qualität der Kommentare – ich habe tatsächlich keinen einzigen Kommentar wegmoderiert, es war kein Totalausfall dabei (und kaum habe ich das geschrieben, da macht sich die zweite über Dicke lustig. Deswegen sei hier nochmal ausdrücklich gesagt, dass ich das nicht möchte).
Und irgendwie rührt es mich geradezu, wie kann man denn so wundervolle Kommentatoren haben? Bei denen es in über dreihundert Sexkommentaren immer noch gesittet zugeht? Ich glaube wirklich, ich habe die besten Blogleser der Welt. Vielen Dank Euch allen.
Vor lauter Limericken habe ich dann gar nichts zum Tag der Muttersprache geschrieben, der gestern war (nicht, dass ich wüsste, was ich hätte schreiben wollen), und nichts zum Tod von Otfried Preußler. Claus Ast vom Skizzenblog hat das schönste Bild dazu gezeichnet, dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen:

danke_otfried_preussler

Im nicht-virtuellen Leben passiert gerade nicht so viel. Ich muss Mitte März ein Buch abgeben, und natürlich habe ich am Anfang wieder eher langsam losgelegt mit der Übersetzung, sodass ich das Tempo jetzt anziehen muss, ich sitze also bis spät nachts am Schreibtisch. Danach lese ich kein Buch mehr, und Filme gucke ich schon gar nicht, sondern falle nur noch ins Bett. Sämtliche Pläne – ein Buch pro Woche, ein Film pro Woche, jeden Tag etwas wegwerfen – liegen auf Eis, aber das kommt dann alles wieder. Das übliche: Wenn ich das Buch abgegeben habe, dann! Was ich dann alles schaffe! Und dann wird es auch Frühling. Bitte. Danke.
Vorangegangen ist es mit dem Thema Blogwerbung: Ab 9. März wird da oben rechts die erste Werbung zu sehen sein, und zwar absolut meine Wunschwerbung, ich freu mich sehr!
Und jetzt weiter im Text.

Twitter