Das war meine letzte Übersetzung aus dem Japanischen, November 1999. Danach habe ich zweierlei beschlossen: 1. kein Japanisch mehr, und 2. keine Fachübersetzungen mehr zu Themen, von denen ich nichts verstehe. Also alle. Hier: Biochemie oder so. Schimmelbildung an Bambus? Puh. 4 Seiten. Ich werde das als Mahnmal aufbewahren, als „ogottogott, was ich alles versucht habe.“
Kurz darauf kam glücklicherweise die erste Buchübersetzung, Gärten auf kleinstem Raum: Ideen für die Fensterbank, Balkon, Hof und Hauseingang. Das habe ich übers Millenniumssilvester in Schottland übersetzt, ich war einunddreißig Jahre alt und habe eigentlich zum ersten Mal im Leben gemerkt, was ich machen will. Also, eine Arbeit gemacht, die mir wirklich, wirklich Spaß gemacht hat, und von der ich mehr wollte. Plötzlich wollte ich Bücher übersetzen – natürlich keine große Literatur, das würde ich ja niemals können – aber popelige kleine Gartenratgeber und so, das wollte ich.
Ihr ahnt nicht, wie froh ich bin, keine chemischen Versuchsprotokolle aus dem Japanischen mehr übersetzen zu müssen. Oder Jahresberichte von Pumpenherstellern (ebenfalls aus dem Japanischen) oder die Webseiten mittelständischer metallverarbeitender Betriebe im Sauerland ins Englische. In die Fremdsprache! Geht ja gar nicht. Nee, nee, das ist schon alles sehr richtig für mich, was ich jetzt mache.
Ich habe mal wieder ein Interview geführt, diesmal mit Susann Pásztor: Bitte hier entlang. Ich finde diese Interviews super, man sollte überhaupt viel mehr Menschen darüber ausfragen, was sie so machen und wie sie es machen. Das macht Spaß und ist immer total interessant.
Am Freitag, dem 5. April, lesen Maximilian und ich in Rindchens Weinkontor in Eppendorf, Christoph-Probst-Weg 3. Eintritt 7,50.
Herr Buddenbohm wird verdursten, weil er gar keinen Wein mag, und ich werde kichern, weil ich seinen Wein mittrinken muss. Es wird also alles gewohnt seriös.
Dokumentarfilm über Harry Belafonte. Oder anders gesagt: Dokumentarfilm über Harry Belafontes Kampf gegen Rassismus, Hunger und andere himmelschreiende Ungerechtigkeiten auf der Welt.
Ich war ja vor genau einem Jahr schon schwer beeindruckt von Harry Belafonte, und mit Musik hatte das wenig zu tun. Wobei ich seine Musik auch mag.
Um Musik geht es auch im Film eher am Rande. Die Musik hat Harry Belafonte berühmt gemacht, und weil er berühmt ist, kann er sich für anderes einsetzen. So kämpfte er an der Seite Martin Luther Kings (den er immer noch respektvoll „Dr. King“ nennt) für die Gleichberechtigung der Schwarzen in den USA, unter anderem auch durch Fernsehauftritte mit weißen Künstlern zusammen, die immer wieder für Skandale sorgten (Petula Clark hat ihn berührt! Öffentlich, im Fernsehen!), überzeugte Bobby Kennedy, trommelte Märsche zusammen, wurde diskriminiert, natürlich, stellte riesige Konzerte für Frieden und Bürgerrechte auf die Beine, stellte sich zusammen mit Sidney Poitier dem Klan entgegen und sorgte dafür, dass auch in den Südstaaten schwarze Wähler registriert werden konnten. Er hat in Südafrika mit Nelson Mandela gekämpft, und er hat sich gegen den Hunger in Äthiopien engagiert. Und. so. weiter, die Liste ist quasi endlos.
Harry Belafonte ist 1927 geboren, berühmt wurde er Anfang der 50er Jahre, und seitdem hat sein politisches und soziales Engagement nicht nachgelassen. Heute arbeitet er mit Menschen in Gefängnissen und kämpft gegen die immer noch anhaltende Kriminalisierung von Schwarzen in den USA.
Seit 60 Jahren macht dieser Mann Musik und engagiert sich, er kämpft und kämpft und kämpft für Gerechtigkeit, erreicht unfassbar Großartiges, und dann kämpft er weiter, weil es nicht reicht, weil es nie reichen kann, weil die Ungerechtigkeit auf der Welt immer noch himmelschreiend ist und er das nicht zulassen kann. Es macht ihn wütend, und dann tut er etwas, er hat Ideen, er kannte schon immer einflussreiche Politiker und Künstler, und er lässt sich nicht verbiegen, lässt sich nichts einreden, lässt sich keinen Maulkorb verpassen. Ich hatte schon bei der Lesung vor einem Jahr das Gefühl, dass seine auffallend aufrechte Körperhaltung (der Mann ist 86!) mit seiner geistigen Haltung einhergeht.
Und bei allem Engagement und aller gerechten Wut hat er es irgendwie geschafft, nicht verbittert zu werden. Der Mann strahlt immer noch, er lächelt, er verströmt eine Freundlichkeit, die einem ans Herz geht, und er sagt (aus dem Gedächtnis zitiert): Ich bin immer optimistisch, ich habe immer Hoffnung, und Hoffnung ist das, was die Welt am dringendsten braucht.
Wie geht das, wie kann jemand, der dermaßen diskriminiert und erniedrigt wird, so positiv bleiben und so stark, und immer weitermachen? Keine Ahnung.
Man hat zwischendurch übrigens kurz den Eindruck, dass seine Familie bei all dem politischen Aktivismus ein bisschen zu kurz gekommen ist. Um hier wenigstens noch irgendetwas Negatives über den Mann zu sagen.
Ich habe keine Ahnung, ob das nach irgendwelchen Filmkunst-Kriterien ein „guter Film“ ist. Wahrscheinlich schon, denn er verwebt sehr geschickt Belafontes musikalische Karriere mit seinem politischen Engagement. Mich hat der Film jedenfalls sehr bewegt. Sehr. Die Bilder aus dem Kampf um Bürgerrechte, Bilder von Diskriminierung, brutalen Prügeleien, von Ungerechtigkeiten und Gewalt, Bilder von verhungernden Kindern in Äthiopien und all das haben mich wirklich fassungslos gemacht. Natürlich wusste ich das alles, aber es noch mal geballt zu sehen, hat mich wirklich erschüttert, ich habe nicht nur einmal geweint. Und mitten in all dem Elend steht dieser imponierende Mann mit dem umwerfenden Lächeln und der Hoffnung und der Aufrichtigkeit und nicht zuletzt der Musik; ein Mann, dessen Hoffnung auch Hoffnung für wahrscheinlich Hunderttausende bedeutet.
Mir egal, ob das pathetisch klingt. Ein bewegender, erschütternder Film über einen großen Mann. Guckt ihn euch an.
- Tobias Becker im Spiegel über die Schwierigkeiten der Einzelhändler in Zeiten des Interntes.
- „Indien ermordet seine Frauen: Ehefrauen werden verbrannt, Witwen verstoßen, Mädchen sterben an systematischer Unterernährung. Westliche Ökonomen haben erstmals die schreckliche Bilanz gezogen: Über zwei Millionen Tote pro Jahr.“ Georg Blume in der ZEIT.
- Das Nuf über ihre alte Schulfreundin Handan und das deutsche Ausländerrecht.
- Verleger Alexander Fest in der ZEIT über „seinen“ Autor Georg Klein, der in diesen Tagen 60 wird. Schon fast eine Liebeserklärung. (Note to myself: mal wieder was von Georg Klein lesen.)