Fundstück

Gruende

Das war meine letzte Übersetzung aus dem Japanischen, November 1999. Danach habe ich zweierlei beschlossen: 1. kein Japanisch mehr, und 2. keine Fachübersetzungen mehr zu Themen, von denen ich nichts verstehe. Also alle. Hier: Biochemie oder so. Schimmelbildung an Bambus? Puh. 4 Seiten. Ich werde das als Mahnmal aufbewahren, als „ogottogott, was ich alles versucht habe.“
Kurz darauf kam glücklicherweise die erste Buchübersetzung, Gärten auf kleinstem Raum: Ideen für die Fensterbank, Balkon, Hof und Hauseingang. Das habe ich übers Millenniumssilvester in Schottland übersetzt, ich war einunddreißig Jahre alt und habe eigentlich zum ersten Mal im Leben gemerkt, was ich machen will. Also, eine Arbeit gemacht, die mir wirklich, wirklich Spaß gemacht hat, und von der ich mehr wollte. Plötzlich wollte ich Bücher übersetzen – natürlich keine große Literatur, das würde ich ja niemals können – aber popelige kleine Gartenratgeber und so, das wollte ich.

Ihr ahnt nicht, wie froh ich bin, keine chemischen Versuchsprotokolle aus dem Japanischen mehr übersetzen zu müssen. Oder Jahresberichte von Pumpenherstellern (ebenfalls aus dem Japanischen) oder die Webseiten mittelständischer metallverarbeitender Betriebe im Sauerland ins Englische. In die Fremdsprache! Geht ja gar nicht. Nee, nee, das ist schon alles sehr richtig für mich, was ich jetzt mache.

15 Kommentare

  1. trippmadam Donnerstag, 4. April 2013 um 19:55 Uhr [Link]

    Oh ja, ich kann’s nachfühlen. Für mich sind wirtschaftswissenschaftliche Texte das Allerletzte (habe ich aber sowieso bei Tante Versicherung so gut wie nie), und vor ein paar Jahren habe ich beschlossen, von Italienisch auf Spanisch umzusteigen. Jetzt geht’s mir besser. Italienisch war nix für mich. Wenn Leute mit ihren bissfesten Nudeln angeben, aber eine windelweiche Sprache im Munde führen… (Andrea Camilleri und generell sizilianische Schriftsteller sind natürlich ausgenommen)

  2. Jenny Donnerstag, 4. April 2013 um 20:06 Uhr [Link]

    Möchte dich gerade sehr drücken.
    „[…] ich war einunddreißig Jahre alt und habe eigentlich zum ersten Mal im Leben gemerkt, was ich machen will. Also, eine Arbeit gemacht, die mir wirklich, wirklich Spaß gemacht hat, und von der ich mehr wollte.“
    Ja, ja und nochmals ja. Ich war 28. Das war der einzige Unterschied. Übersetzungen. Bitte. Immer.

  3. Christian Donnerstag, 4. April 2013 um 20:21 Uhr [Link]

    : die Webseiten mittelständischer metallverarbeitender Betriebe
    : im Sauerland ins Englische

    Jetzt bin ich neugierig.

    • Isabel Bogdan Donnerstag, 4. April 2013 um 20:41 Uhr [Link]

      Verdrängt. Irgendwas mit Schrauben. Und eine Firma für Fahrradluftpumpen.

    • Isabel Bogdan Donnerstag, 4. April 2013 um 20:42 Uhr [Link]

      Genau! SKS! Aber das war, als ich noch da wohnte, also vermutlich ca. 1998. Da war das Internet quasi noch ganz frisch und die Webseite sah ziemlich anders aus.

    • Isabel Bogdan Donnerstag, 4. April 2013 um 21:10 Uhr [Link]

      Ich hatte damals auch eine Privatkundin – eine Sekretärin aus einem der Unternehmen, die ich angeschrieben hatte, und die Gedichte für ihren Liebsten in England schrieb. Die habe ich ihr dann ins Englische übersetzt.

    • Christian Donnerstag, 4. April 2013 um 21:43 Uhr [Link]

      Ach die. Schade, ich hatte die Vorstellung hübsch gefunden, wir hätten damals zusammen gearbeitet :)

    • Isabel Bogdan Donnerstag, 4. April 2013 um 21:57 Uhr [Link]

      Kann schon sein, ich erinnere mich echt nicht mehr an die Namen. Wie hieß denn bloß dieser Schraubenherstellen? Nicht in Menden, glaube ich.
      Ach ja, und dann habe ich auch ein paar Sachen für 3L übersetzt.

  4. Christiane Quenel Donnerstag, 4. April 2013 um 21:26 Uhr [Link]

    ‚nabend,

    die Erleichterung verstehe ich vollkommen. Alles, was lebt ist besser als Schrauben. Vielleicht sollte ich nach über 20 Jahren auch wieder mein spanisch beleben. Üb ersetzen ist doch besser als die Webtexterei. – Naja, nach 20 Jahren. ;-) Also muss ich wohl bei den Webtexten über Fittings bleiben. LG Christiane

  5. Feathers McGraw Freitag, 5. April 2013 um 01:40 Uhr [Link]

    Ich platze vor Neid, dass Japanischuebersetzungen jemals eine Option waren. Ich will immer noch so gerne japanisch lernen. Habs schon ein paar mal angefangen und musste jedesmal wegen verschiedener Umstaende abbrechen. Hab mir jetzt vorgenommen im Sommer wieder anzufangen. Und Schwedisch (aber das wird einfach, das kann ich schon ein bisschen, das mach ich zur haelfte weil ich das wirklich gern richtig koennen will und zur anderen haelfte weil ich gerne ein Erfolgserlebnis hatte. Erbaermlich, ich weiss.)

    • Isabel Bogdan Freitag, 5. April 2013 um 08:40 Uhr [Link]

      Genau, total erbärmlich, sich einfach hinzusetzen und etwas zu lernen, obwohl man gar nicht muss. Während andere Leute nicht mal das benutzen, was sie – nicht etwa aus echtem Interesse, sondern eher, weil man ja irgendwas machen musste – studiert haben, sondern lieber den einfacheren Weg gehen und bei Englisch bleiben (was ich immerhin auch studiert habe, pfft).

    • Feathers McGraw Freitag, 5. April 2013 um 11:46 Uhr [Link]

      Ach naja, ich traue nur meinem Antrieb nicht so ganz. Aber freuen tu ich mich trotzdem drauf. Und uebersetzt hab ich auch, waehrende des Studiums nebenbei. Das war furchtbar. Energieindustrie-Marktforschung, z.B. zu „European Metering“. Dafuer weiss ich jetzt viel darueber wie Stromzaehler in Irland funktionieren.

  6. Kiki Freitag, 5. April 2013 um 08:46 Uhr [Link]

    Ich darf mal eben erwähnen, wie toll ich Euch Übersetzer finde, ja? Danke.

  7. Mit Bleistift denken | Percanta Freitag, 5. April 2013 um 18:27 Uhr [Link]

    [...] erzählt ein bisschen von Zwischenstationen auf dem Weg zu ihrem Beruf als Literaturübersetzerin. Vor allem aber zeigt sie uns dabei ein altes, gründlich bearbeitetes Blatt, eine Manuskriptseite, a... (Unlesbar war er vor dieser gründlichen Bearbeitung auch schon, für mich jedenfalls.) [...]

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