F. W. Bernstein

Bilanz

Hab keine Romane geschrieben;
keine einzige Sinfonie.
Mein Umsturz ist Stückwerk geblieben;
wie meine Tanztheorie.

Nicht eine Kathedrale!
Kein Dachgeschoß ausgebaut!
Und wenn ich mal male,
wird’s Mist.

Nie im Puff und keine Visionen,
kein Sieg, keine Oper, kein Mord.
Kein Starkult und keine Millionen,
kein Hit, kein Hut, kein Rekord.

Nobelpreis? Nix draus geworden.
Kein Kriegsheld, Konzernherr, null Orden.
Tor des Monats, Befreiungskampf, Geige?
Macht? Schönheit? Genie? – Fehlanzeige.

Nur dieses kleine Gedicht.
Reicht das nicht?

(F. W. Bernstein: „Die Gedichte. Das heißt in diesem Falle alle.“ Verlag Antje Kunstmann.)

Nein, das reicht nicht. Wir hätten noch mehr davon gewollt. Ja, NOCH mehr.
Ach Mann. Ist mal genug gestorben jetzt, ja? Danke. Bitte hört damit auf.

1 Kommentar

  1. LiFe Freitag, 21. Dezember 2018 um 21:58 Uhr [Link]

    Um dem bitteren Ernst der Welt die Stirn zu bieten nützen absurde tiefgründige Reime.
    Seine Elchen, die er gezeichnet hatte fand ich soooo schön. Unvergessen.

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