Wip (work in progress)

New York, heute.
Eine junge Frau und ein junger Mann haben sich gerade in einer Kneipe kennengelernt, sie flirten kurz, dann geht sie gleich mit zu ihm nach Hause. Wo sie erstmal ein bisschen Smalltalk machen. Er so:

„Bist du New Yorkerin?“
„Nein, ich komme aus Kielce in Polen – wo der polnische Rap herkommt“, sagte Anna. „In Polen nennen sie uns scyzoryki, die Springmesser. And you don’t wanna fuck with us.“
Ben lachte.
Well, I’m always up for a challenge.“

Funktioniert auf Deutsch nicht so richtig. Zwar kann man „ficken“ auf Deutsch inzwischen auch in der Bedeutung „fertigmachen“ benutzen, aber „Und uns fickt man nicht so einfach“ kommt in dem Kontext nicht recht rüber, es ist zu eindeutig. Ich brauche also eher etwas in Richtung

„Mit uns legt man sich nicht an.“
„Aber vielleicht hin?“

Bisschen an den Haaren herbeigezogen. 
 

„Wir lassen uns nichts gefallen.“
„Darauf würde ich es ankommen lassen.“

Funktioniert zwar, klingt zumindest nach einem plausiblen Gespräch, ist mir aber zu brav. Zu wenig zweideutig.
 

„Uns fickt man nicht ins Knie.“
„Aber woandershin?“

Hilfe!

26 Kommentare

  1. Mocca Montag, 29. Oktober 2012 um 15:29 Uhr [Link]

    Vielleicht „Uns legt man nicht aufs Kreuz“?

  2. Anne Montag, 29. Oktober 2012 um 15:30 Uhr [Link]

    „Aufs Kreuz legen“ klingt leicht altmodisch, oder? Da ließe sich zumindest noch ein bisschen was Zweideutiges draus basteln.

  3. Isabel Bogdan Montag, 29. Oktober 2012 um 15:32 Uhr [Link]

    Ja, finde ich auch – von der Idee her gut, aber bisschen altmodisch.
    „Wir lassen uns nicht reinlegen.“ – „Aber hin?“

  4. Anne Montag, 29. Oktober 2012 um 15:38 Uhr [Link]

    Wie wär’s mit: „In Polen nennen sie uns scyzoryki, die Springmesser. Und das hat seinen Grund.“

    „Weil ihr so messerscharf seid?“

  5. Isabel Bogdan Montag, 29. Oktober 2012 um 15:39 Uhr [Link]

    Yeah! Super Idee. Danke!

    „In Polen nennen sie uns scyzoryki, die Springmesser. Und zwar mit Recht.“
    „Weil ihr so scharf seid?“

  6. Anne Montag, 29. Oktober 2012 um 15:40 Uhr [Link]

    Yeah!

  7. Isabel Bogdan Montag, 29. Oktober 2012 um 15:41 Uhr [Link]

    Jetzt muss ich nur hoffen, dass der Satz „I‘m always up for a challenge“ nicht später noch eine andere Bedeutung bekommt. Also, seine wörtliche Bedeutung nicht noch eine Rolle spielt.

  8. ichichich Montag, 29. Oktober 2012 um 19:06 Uhr [Link]

    „Uns kommt man besser nicht zu nahe.“
    „Ich versuche es trotzdem.“

  9. giardino Montag, 29. Oktober 2012 um 19:48 Uhr [Link]

    „Mit uns willst du lieber nicht aneinandergeraten.“
    „Mit dir alleine schon.“

    „Keine, mit denen du in ein Handgemenge geraten möchtest.“
    „Oh, ein Handgemenge mit dir würde ich riskieren.“

  10. Helge Montag, 29. Oktober 2012 um 20:49 Uhr [Link]

    „Uns macht man besser nicht dumm an.“
    „Dich würde ich gerne anmachen.“

  11. Helge Montag, 29. Oktober 2012 um 20:51 Uhr [Link]

    “Uns macht man besser nicht dumm an.”
    „Ich will nicht euch anmachen, sondern nur dich.“

  12. Stephan Montag, 29. Oktober 2012 um 20:53 Uhr [Link]

    Mist, zu spät. Vielleicht muß es gar nicht so explizit sein, und die Leserin denkt sich ihr Teil einfach:

    „Mit uns möchte man nicht näher zu tun haben.“
    oder „Uns sollte man nicht zu nahe kommen.“

  13. Stephan Montag, 29. Oktober 2012 um 20:54 Uhr [Link]

    Nach Belieben ein „besser“ einsetzen.

  14. Isabel Bogdan Montag, 29. Oktober 2012 um 21:17 Uhr [Link]

    Wow, ihr seid super. Danke!

  15. Frische Brise Montag, 29. Oktober 2012 um 21:42 Uhr [Link]

    Finde ich echt interessant.
    Mehr davon!

  16. Isabel Bogdan Montag, 29. Oktober 2012 um 21:57 Uhr [Link]

    Ja, das muss ich unbedingt wieder öfter machen.

    • Kat Montag, 29. Oktober 2012 um 22:11 Uhr [Link]

      jaaa!!!

  17. Woanders – heute mal sehr journalismuslastig | Herzdamengeschichten Dienstag, 30. Oktober 2012 um 06:25 Uhr [Link]

    [...] Und drüben bei Isa ein kleiner Einblick in die Arbeit der literarischen Übersetzung. Kommentare mitlesen, lohnt sich. [...]

  18. Christian Dienstag, 30. Oktober 2012 um 07:06 Uhr [Link]

    Ich bin natürlich wie immer hoffnungslos zu spät, aber hat sich da im Deutschen nicht die passive Form (Passiv immer doof, ich weiß) „wir lassen uns nicht so leicht ficken“ etabliert?
    „Herausforderung angenommen“ wäre dann in meiner Welt die korrekte Antwort.

    • Isabel Bogdan Dienstag, 30. Oktober 2012 um 08:31 Uhr [Link]

      Hm, naja, mir ist das mit dem Ficken immer noch zu wenig etabliert, um in diesem Zusammenhang zweideutig zu sein. Weil ja eh klar, ist, dass die Szene darauf hinausläuft. Es klingt, als würde sie wirklich jetzt sagen, dass sie übrigens nicht mit ihm schlafen wird.
      Und „Herausforderung angenommen“ kommt mir auch arg gepflegt vor. Ich würde eher zu „Da würde ich es drauf ankommen lassen“ greifen.
      Mir gefällt immer noch Annes Idee mit Messer und scharf am besten, dicht gefolgt von ichichichs „zu nahe kommen“ (mit Antwort „da würde ich es drauf angekommen lassen“).

  19. Christian Dienstag, 30. Oktober 2012 um 11:27 Uhr [Link]

    Und wieder was übers Übersetzen gelernt:
    Das Gefühl dafür zu haben, was für Sprache wann schon so mehrheitsfähig ist, dass Spielchen damit gehen. Auch außerhalb des jawl kleiner »Kenn ich doch«-Blase :)
    Ist total logisch, aber man (das kleine Leserlein) denkt nicht drüber nach.

    • Isabel Bogdan Dienstag, 30. Oktober 2012 um 11:36 Uhr [Link]

      Naja – ich habe natürlich auch nicht „das“ Gefühl dafür, sondern nur „mein“ Gefühl. Aber dem vertraue ich halt. Was einer der Gründe dafür ist, dass zwei Übersetzungen desselben Texts sehr unterschiedlich ausfallen können. Weil eben jeder ein anderes Gefühl hat. Deswegen hole ich gern mal die Gefühle anderer Leute ein, zum Beispiel hier im Blog. Da merkt man dann mal wieder, dass man an ein paar Stellen vielleicht auch mal vom eigenen Gefühl abrücken muss. Etwa bei der Frühstücksflockenfrage.
      (vgl. „Vielleicht stimmt was mit deinem Gefühl nicht.“)

  20. Dieter Dienstag, 30. Oktober 2012 um 12:42 Uhr [Link]

    „In Polen nennen sie uns scyzoryki, die Springmesser. Und uns verarscht man besser nicht“.
    Ben lachte.
    „Nun, wenn die Herausforderung an die Tür klopft, mach ich auf“

    Das ist jetzt arg frei, aber „fuck with us“ mit „verarschen“ oder „herumspielen, Blödsinn machen“ zu übersetzen finde ich inhaltlich passend. Ist vom Klang natürlich sehr weit weg, und es gibt die Beobachtung, daß den Angelsachsen beim Fluchen der Penis wichtiger, und den Deutschen der Hintern. Ich bin gespannt, wie Du das lösen wirst.

  21. Andra Mittwoch, 31. Oktober 2012 um 08:46 Uhr [Link]

    Also „ficken“ hat auf Deutsch mittlerweile durchaus die selbe Bedeutung. Zumindest in Österreich sagt man „und dann bist du der g‘fickte“ wenns „und dann hat er dich reingelegt“ heissen soll.

  22. jubil Mittwoch, 31. Oktober 2012 um 16:21 Uhr [Link]

    Mir fallen nur total bemühte oder aber total unanständige Sachen sein.
    So in die Richtung:
    „Uns kommt man besser nicht in die Quere.“
    „Ich find schon ’ne andere Stelle.“

    „Uns kommt man besser nicht blöd.“
    „Wenn ich mir Mühe gebe, kommen wir bestimmt ganz gut.“

    „Mit uns ist nicht zu spaßen.“
    „Aber Spaß könnte ich mit dir schon haben?“

    Na ja …

  23. slowtiger Donnerstag, 1. November 2012 um 12:36 Uhr [Link]

    „Uns fickt man nicht!“
    „Wirklich niemand?“

    Keine Zeit für lange Sätze auf dieser Straße da!

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