Gastbeitrag: Von wegen vegan (2)

von Jenny Merling, die seit fünf Tagen versucht, sich vegan zu ernähren und vom ersten Tag schon hier berichtet hat.

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Die letzten Tage waren überraschenderweise völlig problemlos und entspannt, was das Essen anging.

Ich habe Sojamilch für mich entdeckt, die sich geschmacklich tatsächlich sehr von Getreidedrinks unterscheidet und mir endlich wieder Kaffee (nach Isas Text zum Thema natürlich nicht mehr ganz ungetrübt, trotz Bio- und fair-trade-Siegel) und Oatmeal ermöglicht haben. Vielen, vielen Dank für die Tipps, was Süßigkeiten, Sojamilch und Brotaufstriche angeht. Über diese Inspiration haben der Mann und ich uns sehr gefreut und zumindest in Bezug auf die Sojamilch hat es sich auch schon sehr gelohnt. (Habe damit gestern auch einen Pudding gekocht, der natürlich nicht 100% wie ein mit Kuhmilch hergestellter geschmeckt hat, aber wirklich in Ordnung war. Und vor allem brennt Sojamilch natürlich sehr viel schwerer an als „normale“ Milch. Für mich als notorische Milchanbrennerin bzw. Topf-aus-Panik-zu-früh-von-der-Platte-Nehmerin herrlich.)
Außerdem habe ich Soja-Fruchtjoghurt probiert und als lecker befunden. Und an dieser Stelle würde ich auch gern ein kurzes Loblied auf die veganen Brotaufstriche singen, die ja von vielen eher abgelehnt werden. Fast alle, die ich bis jetzt probiert habe, fand ich toll. Ich hab mich bei DM durch’s Alnatura-Angebot gegessen und kann sowohl die Sorte „Toskana“ als auch „Paprika-Nuss“ und sowieso alles mit „Curry“ im Namen empfehlen. Ganz ehrlich. Schmecken (zumindest mir) wie diese mediterranen Aufstriche, die man sich beim Türken oder Griechen auf dem Markt kauft. Davon mehr oder weniger zu leben – kein Problem für mich! Aber das nur nebenbei.

Ich habe bis auf meinen Süß-Appetit am Anfang, den ich ja dann auch stillen konnte, nichts vermisst die letzten Tage. Ich hatte keinen Heißhunger auf irgendwas, was nicht vegan war. Da wir uns vorher mit Lebensmitteln gut ausgestattet hatten, habe ich gegessen, wenn ich Hunger hatte, und war’s hinterher auch zufrieden. Eine wirkliche Umstellung war nur am ersten Tag zu spüren, danach habe ich nicht mehr oder weniger ans Essen gedacht als sonst. Was natürlich auch der Kürze der Zeit geschuldet sein kann, weil ja heute erst mein 5. veganer Tag war. Das kann sich noch ändern.
Ich hatte also das Gefühl, meine Probleme hätten sich mit dem Kauf von Sojamilch und ein paar veganen Süßigkeiten eigentlich erledigt, und war positiv gespannt darauf, wie es dann die nächsten Wochen werden würde.

Bis ich heute beim Yoga zusammengebrochen bin. (Ja, der neue Absatz war aus Gründen der Dramatik. Danke für das kollektive Aufstöhnen.)
Natürlich war es nicht sooo schlimm, aber es war auch nicht gut, und es hat mich vor allem sehr nachdenklich gemacht.
„Zusammengebrochen“ nicht im Bezug auf meinen Kreislauf, sondern eher wörtlich: Eben war ich noch auf Händen und Knien, im nächsten Moment lag ich unfreiwillig auf dem Boden und hatte das so nicht geplant. Es gibt ja in solchen Fällen manchmal diesen kurzen Moment, in dem man sich denkt: „puh, ich komm nicht mehr hoch“, aber gleichzeitig weiß man genau, na klar komm ich wieder hoch, wenn ich will. Es ging bei mir dann aber leider über diesen Moment hinaus, ich lag da und dachte, „nein, ich komme wirklich nicht wieder hoch“. Weder der Gedanke daran, dass das gerade ein bisschen peinlich war, da einfach rumzuliegen, während der Rest des Kurses weiter Übungen macht, noch pure Willenskraft haben mich hochbekommen. Ich hatte einfach das Gefühl, überhaupt kein bisschen Kraft mehr zu haben. Von einem Moment auf den anderen. Das hatte ich noch nie, nicht mal in meiner allerersten Yoga-Stunde. Arme und Beine haben einfach nachgegeben und ich lag dann also da. Irgendwann ging es mir doch wieder ein bisschen besser und ich hab mich aus dem Kurs und nach Hause geschleppt. Jetzt scheint auch alles wieder in Ordnung zu sein. Aber es hat mir Angst gemacht.

Auf dem Weg nach Hause habe ich darüber nachgedacht, woran es wohl liegen könnte. Natürlich gibt es verschiedenste mögliche Gründe, gestern Abend ist es ganz schön spät geworden, man hat mal einen schlechten Tag etc. Nur habe ich so was eben noch nie erlebt, auch nicht an „schlechten“ Sporttagen. Und da kam mir auf einmal das Wort „Mangelernährung“ in den Sinn. Natürlich lebe ich erst seit 5 Tagen vegan, da kann also noch nicht viel Schlimmes passiert sein, ich bin ja nicht schon seit 18 Wochen auf einem Schiff unterwegs und habe außer Zwieback nichts zwischen die Zähne gekriegt. Will das Ganze also nicht dramatisieren. Aber ich muss mir eingestehen, dass ich an dieses Vegan-Experiment vollkommen ohne Vorbereitung herangegangen bin, ich habe vorher nicht überlegt/mich informiert, worauf ich achten muss, ob ich überhaupt auf etwas achten muss.
Im Zuge dieser Überlegungen fiel mir auch auf, dass ich diese Woche fast nicht übersetzt habe. Montag ging es noch, ab Dienstag war es aufgrund von Konzentrationsmangel schlichtweg nicht möglich. Ich hatte zum Glück noch „leichtere“ Arbeiten wie Korrekturlesen, die ich stattdessen machen konnte, aber Übersetzen war einfach nicht drin. Ich habe es versucht, aber kaum einen Satz zustande bekommen. Da dachte ich mir dann auch nur, na ja, schlechter Tag, hat man mal, morgen geht’s wieder besser. Ging’s nur leider nicht. Und heute fiel mir dann auf, dass da vielleicht ein Zusammenhang bestehen könnte zwischen der neuen Ernährung und dem Fehlen von körperlicher und geistiger Kraft.

Ich bin davon nicht überzeugt und wahrscheinlich hatte das alles eine ganz andere Ursache und nichts mit meiner Ernährung zu tun. Normalerweise würde ich das einfach die nächste Woche noch beobachten und versuchen, herauszufinden, ob es nur eine Durchhängerwoche war, die man ja mal haben kann, oder ob ich tatsächlich von irgendetwas zu wenig aufgenommen habe, um dann zu sehen, wie ich diese Dinge durch mehr Vitamine/Eisen/was weiß ich kompensieren kann. Nur habe ich für meine aktuelle Übersetzung einen so engen Zeitplan, dass ich mir nicht noch ein, zwei Wochen aus- und herumprobieren leisten kann. Ich muss jeden Tag eine bestimmte Anzahl Seiten übersetzen und daran lässt sich leider nichts ändern.
Weshalb ich das Projekt „Veganer Monat“ hiermit abbreche. Wenn ich wieder einen normaleren Arbeitsplan habe, der nicht sieben Tage die Woche Übersetzen vorsieht, und ich mir auch mal eine Woche leisten kann, in der ich nicht alles schaffe, was ich schaffen wollte/musste, werde ich das Experiment wieder aufnehmen. Davor aber auf jeden Fall recherchieren, worauf ich achten muss.

Danke für die Kommentare und Komplimente und Tipps. Wenn es soweit ist, werde ich hier bei Isa dann wieder berichten.

11 Kommentare

  1. Jakob Samstag, 13. April 2013 um 08:44 Uhr [Link]

    Oh Oh, das klingt aber gar nicht gut :( Ich würde mich sehr freuen, vom zweiten Versuch zu lesen:)

    Eine Quelle für Sport und Vegetarismus bzw Veganismus ist http://www.nomeatathlete.com/

    • Jenny Samstag, 13. April 2013 um 10:50 Uhr [Link]

      Danke für den Link!

  2. Stephan Samstag, 13. April 2013 um 08:46 Uhr [Link]

    Gute Entscheidung. (Yoga ist grausam ;-D ich bin, als ich einmal in meinem Leben richtig fit war, mit Marathonlaufen und allem Quatsch, in meiner ersten Bikram-Stunde zusammengeklappt) Wünsche Dir schnelle Genesung, Kraft & Konzentration.

    • Jenny Samstag, 13. April 2013 um 10:51 Uhr [Link]

      > Wünsche Dir schnelle Genesung, Kraft & Konzentration.
      Danke!!

  3. Kai Schreiber Samstag, 13. April 2013 um 10:26 Uhr [Link]

    Das Experiment ist löblich, und es aufzuschreiben auch, aber bitte wirklich das nächste Mal vorher ein wenig informieren, vor allem, wenn das Ergebnis veröffentlicht werden soll. Nach fünf Tagen des Weglassens einiger Zutaten hat man ganz bestimmt keine Mangelerkrankung, das ist ein Auswuchs des verbreiteten magischen Denkens über tierische Nahrungsmittel. Die sind ernährungsphysiologisch in mancher Hinsicht besser, in vieler anderer schlechter als pflanzliche, sie sind ökologisch und ethisch fragwürdig, aber eines sind sie nicht: eine Zaubersubstanz, deren Weglassen ungeheure und unmittelbare Folgen hat, und deren Anwesenheit organische Substanzen erst zu Nahrung macht. Wenn ich raten müsste, würde ich beim Zusammenbruch auf Unterzuckerung tippen, die Fixierung auf Süßes im Text legt das auch nahe. Oder halt was ganz anderes. Aber bestimmt nicht das Weglassen tierischer Nahrungskomponenten.

  4. Tamara Samstag, 13. April 2013 um 22:51 Uhr [Link]

    Kann da Kai nur zustimmen. Heißhunger auf Süßes kann Bedürfnis nach Eiweiß bedeuten, sprich, Hülsenfrüchte, Tofu, Seitan etc. Falls Du keine oder nur wenige eiweißhaltigen Lebensmittel gegessen hast und wenig Getreide (beinhaltet auch Eiweiß), könnte ich mir vorstellen, dass deine Schwächegefühl daher kommt. Leinsamen sind gut fürs Hirn (Omega-3-Fettsäuren). Für einen guten Überblick schau mal hier: http://vebu.de/einstieg/ernaehrungspyramide

  5. Sandra Montag, 15. April 2013 um 10:08 Uhr [Link]

    Ich habe Anfang des Jahres mit meinem Schatz eine 2-monatige vegane und zuckerfreie Darmsanierung gemacht. Die ersten Wochen habe ich mich auch relativ schwach gefühlt, hatte Verdauungsprobleme (weil mein Darm mit der natürlichen und gesunden Nahrung nicht mehr viel anfangen konnte) und hatte nicht die Energie, Sport zu machen.
    Der Körper beginnt recht schnell mit der Entgiftung. Wir haben reichlich Basenpulver genommen und viel getrunken, um die Stoffwechselabbauprodukte auszuscheiden. Eiweiß habe ich in Form Eines Shakes aus Hanfprotein oder Süßlupinenprotein zu mir genommen. Sojamilch, TK-Heidelbeeren oder Himbeeren und eine Banane dazu. Sehr lecker! Ich würde auch den Verdacht einer Mangelernährung ausschließen. Bestimmt nicht nach so kurzer Zeit und wenn man vegan ist, nimmt man wahrscheinlich durch viel Gemüse und Obst weit mehr
    Vitamine auf als nötig. So gesund habe ich jedenfalls noch nie gegessen.
    Nach der anfänglichen schwachen Phase kam der Energieschub. Der Stoffwechsel lief fantastisch und Sport ging auch wieder. Kaffee am Nachmittag war nicht mehr nötig und morgens war ich fast jeden Tag vor dem Weckerklingeln wach. Nach den letzten Wochen, in denen wir uns wieder relativ normal ernährt haben, versuche ich wieder, die Ernährung auf vegan umzustellen. Ich weiß jetzt, wie gut die Verdauung funktionieren kann und wie fit ich während der Darmsanierung war. Und das fühlt sich ganz anders an als mit „normaler“ Nahrung. Ach, und krank waren wir seitdem auch nicht mehr. Viele Grüße! Sandra

    • Jenny Montag, 15. April 2013 um 13:39 Uhr [Link]

      Wow, das klingt ja wirklich gut.
      Ich glaube ja auch nicht, wortwörtlich unter Mangelernährung gelitten zu haben, erstens nicht nach so kurzer Zeit und zweitens hab ich nach einem Blick auf die Seite, die Tamara verlinkt hat, auch festgestellt, dass ich mich eigentlich super ernährt hatte in der Woche. Aber ich hatte vorher nicht darüber nachgedacht, dass eine Ernährungsumstellung für den Körper eben auch Stress bedeutet (auch wenn es ihm auf lange Sicht vielleicht besser geht), und im Moment habe ich einfach nicht die Gelegenheit, meinem Körper die nötige Zeit zum Sich-Umstellen zu geben und darauf zu warten, dass die Energie wiederkommt.
      Dass ihr so gute Erfahrungen mit einer veganen Phase gemacht habt, macht aber Mut. Will es ja sowieso noch einmal machen, und hab nach deinem Kommentar noch mehr Lust drauf. :)

  6. Tendenziell monothematisches Webgedöns | Ach komm, geh wech! Dienstag, 16. April 2013 um 10:26 Uhr [Link]

    [...] Von wegen vegan (2) [...]

  7. dee Mittwoch, 17. April 2013 um 16:14 Uhr [Link]

    Hi – in Anbetracht der Anzahl von Leistungssportlern die sich vegan ernähren, schätze ich Deinen Schwächeanfall als ein temporäres Problem ein. Die Umstellung dauert möglicherweise ein bisschen. Ich ernähre mich seit 4 Monaten vegan und habe schon vorher Kampfsport gemacht. Kein Schwachgefühl soweit.

    Viel Erfolg :)

    • Jenny Montag, 22. April 2013 um 10:24 Uhr [Link]

      Ja, davon gehe ich ja auf jeden Fall auch aus. Ich bin mir sicher, dass man sich vegan ernähren kann und trotzdem Sport und sowieso alles machen kann. Und es ist ja auch nicht mal sonderlich schwer. Es hat sicher nur an der Umstellung gelegen und wäre von allein wieder weggegangen, aber ich hatte eben im Moment leider nicht die Zeit, das abzuwarten.
      Aber danke fürs Mutmachen!

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  • Tendenziell monothematisches Webgedöns | Ach komm, geh wech!

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