Ein Geschenk!
Vielen Dank, liebe Anna, für Etwas von den Wurzelkindern von Sibylle von Olfers. So ein schönes Buch. Ich hatte es schon mal, habe es dann aber verschenkt, und seitdem habe ich es mir wieder gewünscht. Weil diese Bilder so zauberhaft sind, Sibylle von Olfers war vor hundert Jahren anscheinend die Kinderbuchautorin und –illustratorin; „Etwas von den Wurzelkindern“ ist 1906 erschienen und heute immer noch wunderschön. Und in der 91. Auflage. Danke sehr!
3rd Annual Burns Supper
Ergänzung: Matthias Koitzsch macht auch mit Musik. In den letzten Jahren gab es auf Wunsch immer noch ein kleines Whisky-Tasting, und es war immer sehr, sehr toll. Und Oliver Trifics selbstgemachter Haggis ist sowieso der Knaller. Mehr zum Burns Supper gibt es hier. Bitte direkt im Trific anmelden!
Film: Vincent will Meer
Demnächst werde ich mir selbst unheimlich: ich habe schon wieder ferngesehen.
Vincent (Florian David Fitz) leidet unter dem Tourettesyndrom. Nachdem seine Mutter sich totgesoffen hat, steckt sein Vater (Heino Ferch), der längst von der Mutter getrennt ist, ihn in eine Einrichtung – ein Heim oder so? Dort teilt er sich das Zimmer mit dem Zwangsneurotiker Alex (Johannes Allmayer) und lernt die anorektische Marie (Karoline Herfurth) kennen. Die drei klauen das Auto der Therapeutin (Katharina Müller-Elmau), und dann geht eine Roadstory los: nach Italien wollen sie, ans Meer. Mit ohne Geld, erstmal, und ihnen auf den Fersen sind die Therapeutin und Vincents Vater.
Ich mach’s kurz: ja, schöner Film. Liebeswerte Figuren, sehr gute Schauspieler, die ihre jeweiligen psychischen Krankheiten sehr gut darstellen, mittelrasante Story, ich hab nix zu meckern, aber irgendwie isses auch nicht die große Begeisterung. Irgendwie bleibt das Gefühl, ich hätte in der Zeit auch was „Sinnvolles“ tun können. Ein Buch lesen, zum Beispiel, das dann möglicherweise auch nicht toller gewesen wäre, aber bei einem Buch hat man, also: habe ich mehr das Gefühl, dass es trotzdem zu was gut war. Das fehlt mir bei Filmen noch. Aber ich fange ja auch erst an.
NACHTRAG wegen ganz vergessen. Bechdel-Test:
Zwei Frauen: Ja
Die miteinander reden: Hm, jein? Also, nur ganz kurz, glaube ich.
Über was anderes als Männer: Auch jein, glaube ich. Halt kurz über Maries Krankheit. Aber kein echtes Gespräch.
[Was mich jetzt echt beeindruckt hat, das war mir tatsächlich nicht so klar: wie oft da Werbung kommt, und wie lang die jeweils geht. Völlig irre. Und dann ist es zu einem beträchtlichen Prozentsatz Werbung fürs Abnehmen und für Partnervermittlungen. Jaja, für Euch Fernsehgucker ist das nix Neues, ne? Schon gut.]
Film: The Sound of Music
Du lieber Himmel. Was! Für! Ein! Kitsch! Herrlich.
Die junge Salzburger Novizin Maria (Julie Andrews) kann sich nicht so richtig ins Klosterleben einfügen, dazu tollt sie viel zu gern in den Bergen herum, in der freien Natur, singt und tanzt und lacht, tirili, der kleine Wildfang. Die weise Mutter Oberin schickt sie daher zum dem verwitweten Kapitän von Trapp (Christopher Plummer), als Kindermädchen für seine sieben Kinder. Der Käpt’n lässt die Kinder nach Pfeiftönen antanzen, sich der Größe nach aufstellen und ihre Namen aufsagen, und er ist überhaupt ein ganz furchtbarer Typ.
Der Rest ist zu quasi hundert Prozent vorhersehbar: Maria erobert die Herzen der wirklich ganz entzückenden Kinder im Sturm, und das des Vaters wird auch spontan ganz weich, als sie den Kindern das Singen beibringt.
Dummerweise ist der Herr Papa aber auch gerade dabei, sich eine neue Frau und Mutter für die Kinder zu angeln. Maria haut deswegen nochmal kurz ab – denn, huch! Sie wird plötzlich immer ganz rot, wenn der Käpt‘n sie so ansieht, und weiß gar nicht, was da mit ihr los ist – und vergräbt sich im Kloster, wo die weise Mutter Oberin ihr aber sagt, dass das Kloster doch kein Versteck sei, in das man vor seinen Problemen fliehen könnte. Man müsse sich denselben vielmehr stellen. Also geht Maria zurück, die Braut des Käpt’n tritt verständnisvoll den Rückzug an, und dann wird ganz groß und in Weiß geheiratet und alle könnten glücklich sein bis an ihr Lebensende, wenn – Überraschung – wenn es nicht die dreißiger Jahre wären und Österreich sich Deutschland anschlösse. An der Stelle sind bestimmt schon mehr als anderthalb Stunden rum, der Film könnte zu Ende sein, aber dann kommt verblüffenderweise noch ein bisschen Politik und Spannung hinterhergeklappert: Käpt’n von Trapp wird zur Wehrmacht eingezogen und soll „morgen“ in Bremerhaven seinen Dienst antreten. Das kommt aber gar nicht in Frage, Trapp ist ein ausgesprochener Anti-Nazi, also muss die ganze Familie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion fliehen. Und so wird die ganze Sache zum Ende hin doch noch richtig spannend. Und dann ist der Film urplötzlich zu Ende. Nach 165 Minuten, die hauptsächlich aus triefendem Kitsch und viel Musik bestehen. Sehr geil, man kann sich da so richtig schön drin suhlen.
Auf Deutsch trägt der Film übrigens den unsäglichen Titel „Meine Lieder – meine Träume“ und ist eher unbekannt. Zumindest im Verhältnis zu den USA, wo jedes Kind jedes Lied mitsingen kann; läuft anscheinend jedes Jahr zu Weihnachten auf allen Kanälen, es besteht eine große kollektive Liebe zu diesem Film. Die zum Beispiel auch in Übersetzungen immer wieder durchkommt, ich weiß nicht mehr, wie oft in „meinen“ Büchern schon auf den Film angespielt wurde. Die Hälfte der Zeit habe ich es wahrscheinlich nicht bemerkt (nämlich immer dann, wenn es nicht ausdrücklich dabeistand). Der ein oder andere erinnert sich vielleicht an das hier – jeder Amerikaner kennt dieses Lied, ich hätte es nicht bemerkt, wenn ich nicht aufmerksame Blogleserinnen hätte. Sowas soll mir fürderhin nicht mehr passieren, denn ich werde jetzt immer sofort diese Melodie im Kopf haben.
Der Film (und das dazugehörige Musical) beruhen übrigens auf einer wahren Geschichte, kann man alles schön in der Wikipedia nachlesen. (Noch deutlich ausführlicher in der englischsprachigen.) Wieder ein Stück Bildung nachgeholt.
Und das Beste ist: es gibt Mitsing-Vorführungen! Mit Verkleiden!
Vielleicht übernehme ich mal die schöne Sitte von Anke, Filme dem Bechdel-Test zu unterziehen, und der geht so:
1. Es muss mehr als eine Frau eine tragende Rolle spielen. (Ja)
2. Frauen müssen miteinander sprechen. (Ja)
3. Und zwar über etwas anderes als einen Mann. (Nein.)
PS: Irgendwie musste ich an die Heidelberger Romanze mit Lilo Pulver und O.W. Fischer denken. Das ist auch triefender Kitsch, läuft aber in Heidelberg regelmäßig im Kino und ist Kult unter Studenten. Großer Spaß.