Mal wieder. Diesmal bin ich zum Arbeiten hier, zusammen mit Adelhaid, die schon alles Wesentliche geschrieben hat. Wir müssen jeweils Bücher schreiben oder übersetzen, es ist reichlich zu tun, und hier lenkt uns nichts ab, außer vielleicht wir uns gegenseitig oder der Wind oder das Meer oder die Robben oder die Basstölpel. Es sind nämlich überraschenderweise noch ein paar hier, ich dachte, die sind längst weg. Und Wind ist auch, er hat uns fast von den Klippen gepustet. Fotografieren fast unmöglich, weil es einem entweder die Kamera aus der Hand haut oder die Vögel plötzlich in unmögliche Richtungen verschwinden. Wir legen uns mit dem ganzen Körper in den Wind und lachen, das ist einfach so toll. Die Basstölpel sind noch toller, sie bewegen die Flügel kaum, breiten sie nur aus und halten sich und bewegen sich offenbar nur mit winzigen Korrekturen in der Flügelstellung. Wenn es so windig ist wie heute, nehmen sie die Füße zu Hilfe, sie sind meist angelegt, aber plötzlich werden sie dann ausgefahren und gespreizt, um dem Wind zu trotzen. Toll!

Ansonsten möchte ich zu Protokoll geben, dass es eine recht schaukelige Überfahrt war und dass auf dem Schiff reichlich und lautstark und dann auch olfaktorisch nicht mehr ignorierbar gespuckt wurde, aber nicht von mir. Und auch nicht von Adelhaid.
Das Wetter könnte in den nächsten Tagen meinetwegen noch ein bisschen schöner werden, heute war es grau und nieselig. Zwischen all der Arbeit wollen wir natürlich auch mal zur Düne rüber. Aber soll auch tatsächlich schöner werden! Und gearbeitet werden muss auch tatsächlich. Die Ansage lautet: „Hauptsache, das Buch wird fertig“, was allerdings für Adelhaid gilt. Für mich nicht, ich habe zwei Bücher dabei, eins zu schreiben, eins zu übersetzen, und die werden hier beide nicht fertig, das ist mal sicher.
Und: ich habe schon wieder das schöne Zimmer im schönen Hotel. Diesmal vergesse ich nicht wieder, Fotos zu machen.
Fenster auf: Mücken.
Fenster zu: Ersticken.
[Als ich heute zu Hause den Koffer wieder aufmachte, schlug mir eine Zitronenduftwolke entgegen, vom Mücken-Abschreck-Spray, mit dem ich mich mehrmals pro Nacht einrieb. Es hat geholfen, so hatte ich morgens nur fünf neue Stiche statt dreißig, und es hat mir vor allem nicht die ganze Nacht im Ohr gesummt und mich wachgehalten. In der ersten Nacht hätte ich fast geweint vor lauter Jucken und Summen und Nichtschlafenkönnen. Meine Kill Skills sind beträchtlich gestiegen in der kurzen Zeit, ich kann jetzt einhändig im Dunkeln Mücken im Flug fangen. Die Stiche jucken sehr, bei mir allerdings schlimmer als beim Mann, und sind auch hartnäckig, sie fangen immer wieder neu an zu jucken. Und das Gesumm. Zehn Stiche allein an der linken Hand. Gegen Ende des Urlaubs endlich irgendwo diese Dinger gefunden, die auf Japanisch Katorisenko heißen, immer lief ich durch die Supermärkte und Touristenläden und murmelte Katorisenko, wir brauchen Katorisenko, sonst kann ich fast kein Wort Japanisch mehr, aber Katorisenko, sowas Wichtiges, aber ich konnte ja nicht gut eine griechische Supermarktangestellte fragen, ob sie Katorisenko haben. Mosquito Coils! Super Zeug. Ein anderes schlimmes Tier war der sogenannte Raketenwurm, ein Tausendfüßler, der eines Abends durch unser Bad flanierte und der ungefähr 15 cm lang war und in einer Ritze verschwand. Sonst stelle ich mich nicht besonders an, was Insekten angeht, aber 15 cm sind verdammt lang. Und er hatte verdammt viele Beine. Um mich nicht so zu ekeln, stellte ich mir vor, er solle an all seinen Füßen winzige Steppschuhe tragen, er könnte dann ganz allein Riverdance tanzen, aber bitte nicht in meiner Nähe. Später hoffte ich sehr, er möge nicht ins Bett kommen. Wir sagten uns, dass die Ritze, in der er verschwunden war, sehr eng war, und das er da bestimmt nicht mehr rauskommt, denn dann hätte er irgendwo wenden müssen, das ging bestimmt nicht. Bestimmt steckte er kopfunter im Badezimmerfußboden fest und kam nie wieder raus, der Arme. Außerdem hätte ich ihn mit den Steppschuhen auf den Bodenfliesen sicher gehört, und so konnte ich dann doch beruhigt schlafen.]

Jetzt bin ich wieder hier. Demnächst mehr; erstmal Rollkragenpullover und Federbetten entmotten. Und so einen Temperatursturz von 20°C muss man auch erstmal verkraften. Ich glaub, ich fliege gleich wieder weg, das ist doch Kokolores hier. (Mehr Bilder: Klick aufs Foto.)
Mittwoch
Schönes Wetter! Und dazu die Hoffnung, dass ein Teil der Ostertouristen schon abgereist und ein Teil der Seligsprechungstouristen noch nicht angekommen ist. Also wieder zum Kolosseum / Forum Romanum / Palatin, mit kleinem Umweg über die Basilika di San Giovanni in Laterano, die eigentliche Bischofskirche Roms und ehemalige Papstkirche.


Auf dem Weg von dort zum Kolosseum will ich Batterien für die Kamera kaufen. „Acht Euro“, sagt der Kioskbesitzer, und mir entfährt ein „uff“. Da blitzt er mich böse an und sagt „si no le vole, arrivederci“ (oder so ähnlich, ich kann kein Italienisch), nimmt mir die Batterien wieder ab und macht eine entsprechende Handbewegung. Hui! Ein paar Türen weiter kaufe ich Batterien für 2,50 €.
Am Kolosseum ist immer noch irre viel los, aber am Forum Romanum / Palatin geht’s. Wir stehen ein bisschen an, und dann verbringen wir den Großteil des Tages auf dem sonnigen Hügel mit den alten Steinen. Vielleicht hätten wir doch einen Audioguide nehmen sollen, um ein bisschen mehr zu verstehen, was für alte Steine das überhaupt sind. Stattdessen lassen wir uns treiben, wie meistens, und nehmen wahrscheinlich viel zu wenig wahr. Aber wir sind schließlich im Urlaub. Vom Palatin aus hat man wieder herrliche Blicke über Rom. Im Sonnenschein sieht es gleich nochmal so schön aus, und immer thront über allem der Petersdom. Erwähnte ich schon, dass er riesig ist?





Nachmittags fängt es wieder an zu regnen, da flüchten wir schnell ins Hotel, weil wir sowieso kaum noch laufen können (bzw. ich), und machen ein Nachmittagsschläfchen. War schlau, währenddessen schüttet es nämlich so richtig. Das Kolosseum schenken wir uns, wir wären ohnehin nicht mehr aufnahmefähig.
Geschäftsidee: Fußbad- und -massagestationen an touristisch relevanten Punkten. Zehn Minuten Fußbad 5,- €, zwanzig Minuten Fußmassage (nur in Kombination mit vorherigem Bad) 15,- €. Braucht nichts besonders Aufwändiges oder Schickes zu sein, eine einfache Waschschüssel und einfaches Duschgel oder Seife, meinetwegen sogar Papierhandtücher zum Abtrocknen. Es braucht auch kein Einzelzimmer zu sein, kann ja sogar unter freiem Himmel stattfinden, Hauptsache, es ist fließend warmes Wasser vorhanden. Vielleicht ein bequemer Liegestuhl, das wäre schön. Einfache Creme oder Öl für die Massage. Nebenan ein Stand mit frischen Socken. Ich wär sofort dabei, ich hätte mir das wahrscheinlich täglich gegönnt. Es müsste doch auch lukrativer sein als diese schäbigen Regenschirme, Sonnenbrillen, Fake-Designertaschen und Glibberspielzeuge, die da in großen Mengen verkauft werden.
Donnerstag
Schon wieder schönes Wetter, strahlend blauer Himmel. Eigentlich wollten wir ja noch ins Maxxi, das am Dienstag geschlossen hatte, aber es ist zu schön, um ins Museum zu gehen. So gehen wir stattdessen in den Park der Villa Borghese, gucken zur Abwechslung mal von oben auf die Stadt (wunderschön!), flanieren und schlendern ein bisschen, genießen die Sonne und essen Eis (Gelati, gelati! Hätte irgendjemand außer uns tatsächlich „Gelati, gelati!“ gerufen, dann wären wir wahrscheinlich vor Lachen gestorben).



Und dann gehen wir schon früh nach Hause, packen unsere Sachen und hübschen uns ein bisschen auf, denn der Abend wird mit zwei weiteren kulinarischen Highlights verbracht:
Einem wine tasting bei vinoroma. Das fällt eindeutig unter „Sachen machen“ und wird dann an entsprechender Stelle erzählt.
Danach gehen wir (schon etwas Wein im Kopp) noch mit Hande und ihrem Mann essen, in einer kleinen Trattoria im Monti-Viertel (L’Asino d’Oro, Via del Boschetto 73), wo wir lauter tolle Dinge essen, die wir noch nie gegessen haben. Und natürlich welche, die wir schon gegessen haben. Nudeln mit Entenleber, Darm vom Milchlamm, ein anderes grünes Fadengemüse als das von neulich, ein weiteres grünes, diesmal rucolaartiges rohes Gemüse mit Anchovisoße, Wildschwein in Kakaosoße, was mit winzigen Oktopussen, ich schreibe mal wieder nicht mit und fotografiere nicht (und habe folglich schon wieder die Hälfte vergessen), denn dazu ist das alles viel zu wunderbar, und wir müssen dauernd oh und ah und boah machen, weil das alles unfassbar lecker ist, und uns unterhalten und plappernplappernplappern und kichern und den nächsten Gang aussuchen, denn wir bestellen alles zusammen und teilen. Oh, und trinken Wein. Zu kalt, wenn man den Kellner fragt. Und am Ende essen wir keinen Nachtisch mehr, und nicht mal ein Abschiedseis bei unserer Lieblingsgelateria Old Bridge um die Ecke, so kaputt und satt und müde und glücklich sind wir, und außerdem müssen wir am nächsten Morgen früh raus. Arrivederci, Roma – we’ll be back. Denn wir waren nicht im Kolosseum und nicht im Maxxi und nicht im Pantheon und nicht alles mögliche, und wir haben bei Hande nicht die Wein-und-Käse-am-Mittag-Verkostung besucht, auch keinen Sparkling Saturday und vor allem nicht die My Rome Food Tour. Das werden wir alles nachholen müssen.
