Spaziergang

… zwischen Yachthafen und Alfred-Wegener-Institut.
Ich, Blick nach links: Hach! Boote!
Sie, Blick nach rechts: Guck! Naturwissenschaftler!

*

Etwas später, hundert Meter weiter:

Helgoland, Tag 1: Wind

Mal wieder. Diesmal bin ich zum Arbeiten hier, zusammen mit Adelhaid, die schon alles Wesentliche geschrieben hat. Wir müssen jeweils Bücher schreiben oder übersetzen, es ist reichlich zu tun, und hier lenkt uns nichts ab, außer vielleicht wir uns gegenseitig oder der Wind oder das Meer oder die Robben oder die Basstölpel. Es sind nämlich überraschenderweise noch ein paar hier, ich dachte, die sind längst weg. Und Wind ist auch, er hat uns fast von den Klippen gepustet. Fotografieren fast unmöglich, weil es einem entweder die Kamera aus der Hand haut oder die Vögel plötzlich in unmögliche Richtungen verschwinden. Wir legen uns mit dem ganzen Körper in den Wind und lachen, das ist einfach so toll. Die Basstölpel sind noch toller, sie bewegen die Flügel kaum, breiten sie nur aus und halten sich und bewegen sich offenbar nur mit winzigen Korrekturen in der Flügelstellung. Wenn es so windig ist wie heute, nehmen sie die Füße zu Hilfe, sie sind meist angelegt, aber plötzlich werden sie dann ausgefahren und gespreizt, um dem Wind zu trotzen. Toll!

Ansonsten möchte ich zu Protokoll geben, dass es eine recht schaukelige Überfahrt war und dass auf dem Schiff reichlich und lautstark und dann auch olfaktorisch nicht mehr ignorierbar gespuckt wurde, aber nicht von mir. Und auch nicht von Adelhaid.
Das Wetter könnte in den nächsten Tagen meinetwegen noch ein bisschen schöner werden, heute war es grau und nieselig. Zwischen all der Arbeit wollen wir natürlich auch mal zur Düne rüber. Aber soll auch tatsächlich schöner werden! Und gearbeitet werden muss auch tatsächlich. Die Ansage lautet: „Hauptsache, das Buch wird fertig“, was allerdings für Adelhaid gilt. Für mich nicht, ich habe zwei Bücher dabei, eins zu schreiben, eins zu übersetzen, und die werden hier beide nicht fertig, das ist mal sicher.

Und: ich habe schon wieder das schöne Zimmer im schönen Hotel. Diesmal vergesse ich nicht wieder, Fotos zu machen.

Nächtliches Dilemma

Fenster auf: Mücken.
Fenster zu: Ersticken.
 
 

    [Als ich heute zu Hause den Koffer wieder aufmachte, schlug mir eine Zitronenduftwolke entgegen, vom Mücken-Abschreck-Spray, mit dem ich mich mehrmals pro Nacht einrieb. Es hat geholfen, so hatte ich morgens nur fünf neue Stiche statt dreißig, und es hat mir vor allem nicht die ganze Nacht im Ohr gesummt und mich wachgehalten. In der ersten Nacht hätte ich fast geweint vor lauter Jucken und Summen und Nichtschlafenkönnen. Meine Kill Skills sind beträchtlich gestiegen in der kurzen Zeit, ich kann jetzt einhändig im Dunkeln Mücken im Flug fangen. Die Stiche jucken sehr, bei mir allerdings schlimmer als beim Mann, und sind auch hartnäckig, sie fangen immer wieder neu an zu jucken. Und das Gesumm. Zehn Stiche allein an der linken Hand. Gegen Ende des Urlaubs endlich irgendwo diese Dinger gefunden, die auf Japanisch Katorisenko heißen, immer lief ich durch die Supermärkte und Touristenläden und murmelte Katorisenko, wir brauchen Katorisenko, sonst kann ich fast kein Wort Japanisch mehr, aber Katorisenko, sowas Wichtiges, aber ich konnte ja nicht gut eine griechische Supermarktangestellte fragen, ob sie Katorisenko haben. Mosquito Coils! Super Zeug. Ein anderes schlimmes Tier war der sogenannte Raketenwurm, ein Tausendfüßler, der eines Abends durch unser Bad flanierte und der ungefähr 15 cm lang war und in einer Ritze verschwand. Sonst stelle ich mich nicht besonders an, was Insekten angeht, aber 15 cm sind verdammt lang. Und er hatte verdammt viele Beine. Um mich nicht so zu ekeln, stellte ich mir vor, er solle an all seinen Füßen winzige Steppschuhe tragen, er könnte dann ganz allein Riverdance tanzen, aber bitte nicht in meiner Nähe. Später hoffte ich sehr, er möge nicht ins Bett kommen. Wir sagten uns, dass die Ritze, in der er verschwunden war, sehr eng war, und das er da bestimmt nicht mehr rauskommt, denn dann hätte er irgendwo wenden müssen, das ging bestimmt nicht. Bestimmt steckte er kopfunter im Badezimmerfußboden fest und kam nie wieder raus, der Arme. Außerdem hätte ich ihn mit den Steppschuhen auf den Bodenfliesen sicher gehört, und so konnte ich dann doch beruhigt schlafen.]

Ich war mal kurz weg.

Jetzt bin ich wieder hier. Demnächst mehr; erstmal Rollkragenpullover und Federbetten entmotten. Und so einen Temperatursturz von 20°C muss man auch erstmal verkraften. Ich glaub, ich fliege gleich wieder weg, das ist doch Kokolores hier. (Mehr Bilder: Klick aufs Foto.)

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