Anderswo

- Unfassbar: Ilja Trojanow durfte trotz Visum und Einladung und allem nicht in die USA einreisen. Ohne Begründung. Zur Erinnerung: Ilja Trojanow schrieb zusammen mit Juli Zeh das Buch Angriff auf die Freiheit – Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte und setzt sich auch sonst engagiert gegen Überwachung ein.
Der PEN protestiert und verlangt Aufklärung, und Michael Krüger äußert sich im Deutschlandradio dazu (hier zum Nachhören).

- Janee, ist klar, Herr Professor: „Toronto literature professor and Giller prize-shortlisted author David Gilmour has found himself at the eye of a literary storm after declaiming in an interview that he doesn’t teach books written by women or Chinese authors, because he’s only interested in „serious heterosexual guys“.

- Ulrich Greiner hält den deutschen Buchpreis eher für Zirkus.

- Die Herren Günter Grass und Botho Strauß haben eine Meinung zu Facebook und dem ganzen Scheißdreck.

- Vattenfall will die Lesetage nicht fortsetzen. Die Vattenfall-Lesetage waren ein Lesefestival hier in Hamburg, das seit 15 Jahren jedes Frühjahr stattfand. In den letzten Jahren gab es zunehmend Gegenveranstaltungen und vor allem Kritik daran, dass ein Atom- und Kohlegigant sich mit Kultursponsoring weißwäscht. Wie wäre es denn, wenn Naturstrom oder Greenpeace da einsprängen? Das wäre doch eine schöne Idee.

- Im rbb-Kulturradio durften anlässlich des Internationalen Übersetzertags Hörer sagen, was sie von einer guten literarischen Übersetzung erwarten. Und meine Kollegin Katrin Harlaß ist im Studio.

Anderswo

- Eine Gruppe von Autoren um Juli Zeh wollte im Bundeskanzleramt einen offenen Brief abgeben, den fast 70.000 Leute unterschrieben haben, darunter eine ganze Reihe prominenter Autoren (noch vor der Wahl). In dem Brief wird Kanzlerin Merkel aufgefordert, endlich wirklich gegen die Ausspähung der Bürger vorzugehen. Es war überraschenderweise niemand da, der die Unterschriften hätte entgegennehmen und mit den Autoren sprechen können. Nicht mal das. Wer möchte, kann den Brief ebenfalls noch unterschreiben.

- Zehn Jahre nach seinem Ersterscheinen ist Michael Weins‘ Roman „Goldener Reiter“ noch einmal neu in wunderschöner Aufmachung bei mairisch erschienen. Er hat aus diesem Anlass ein Nachwort dazu geschrieben, und er will die Wahrheit sagen, unbedingt. Großen Respekt dafür, Michael Weins.

- Thalia schließt 20 Filialen, unter anderem die in Hamburg, Große Bleichen. Zufällig weiß ich von anderen Buchhandlungen in der Gegend, dass sie ganz gut laufen. Es liegt also nicht nur daran, dass die Leute lieber im Internet kaufen.

- Jo Lendle hat es sich mal angeguckt und einen Tag lang ein Praktikum in einer Buchhandlung gemacht. Fast bin ich ein bisschen neidisch. Eigentlich wollte ich das für „Sachen machen“ auch machen, aber dann ist aus dem Tag in der Buchhandlung eine Nacht in der Buchhandlung geworden, was natürlich auch super war. Vielleicht mache ich das mit dem Tag ja auch noch mal. (Tipp Nr. 24: Bei der Anzahl der Tipps nicht so genau mitzählen. Hihi.)

- Was man ebenfalls sofort nachmachen möchte: To go out drinking with German writers. Katy Derbyshire war diesmal mit Clemens Meyer trinken.

- Wow: Über 180 Autoren des Suhrkampverlags drohen damit, den Verlag zu wechseln, wenn der Einfluss Barlachs nicht deutlich reduziert wird. Man möcht fast sagen: Boah, ey.

Anderswo

- Weltbild scheint kurz vor der Insolvenz zu stehen. Bricht mir jetzt, ehrlich gesagt, nicht so richtig das Herz.

- Oder vielleicht doch nicht.

- Einige Autoren veröffentlichen eine Deklaration zur digitalen Zukunft unserer Literatur.

- Katy hat die Leseproben aus den 10 Titeln der Longlist für den deutschen Buchpreis gelesen. Ich habe mir das Leseprobenheftchen auch geholt, aber schnell aufgegeben; sie waren mir zu kurz, ich hatte bei allen das Gefühl, mein Urteil sei ungerechtfertigt, und ich wollte immer nicht so schnell schon wieder in den nächsten Text springen. Am Mittwoch wird die Shortlist veröffentlicht.

- Im Mairisch-Blog schreibt Stefanie Ericke-Keidtel den fünften Teil der Reihe „Was macht eigentlich ein Verlag?“: Pressearbeit.

- Sascha Lobo weiß, was Leser wollen.

- Was bestimmt interessant wäre: Der Buchreport Zukunftstag. Der wendet sich aber leider „an einen exklusiven Teilnehmerkreis und ist auf 50 Teilnehmer beschränkt“. Preise: Verlage 1.150 € zzgl. MwSt.; Dienstleister 1.350 € zzgl. MwSt. Janee, klar.

- Smilla Dankert ist in Brügge auf eine Milonga geraten. Ihre Bilder machen, dass man sofort Tango lernen möchte. (Ach, wär ich 10 cm kürzer …)

- Und Jeannine Platz ist mit einem Containerschiff gefahren. Das möchte man dann ebenfalls sofort auch.

Anderswo

- Anatol Stefanowitsch über Schnitzel: Lustig ist das Rassistenleben, faria, faria, ho! (Kommentare besser nicht lesen, da kriegt man nur wieder Plack.)

- Aus dem Tagebuch der Groschenromanautorin Anna Basener: Ich habe jetzt eine Woche, um aus dem Entwurf 100 Manuskriptseiten hochadlige Herzchirurgie zu machen. Der Druck ist groß, das Pensum noch größer und der erste Satz ein Arschloch. Jaja, motivier mich doch.

- Jetzt dürfen die Leichtathletinnen sich nicht mal mehr die Fingernägel so lackieren, wie sie wollen. Fingernägel in Regenbogenfarben verstoßen gegen die Regeln. Das sagt zumindest der Leichtathletik-Weltverband. Sagt der LEICHTATHLETIK-WELTVERBAND! Nicht etwa die Russen. Das macht mich alles so wütend.

- Dafür ist das hier vielleicht der schönste Zeitungsartikel der Welt: Mendener Möpse rennen wie Sprintstar Usain Bolt. Ich weiß gar nicht, welcher Satz mein Lieblingssatz ist, vielleicht „Beim Mopsrennen in Menden rannten 65 knautschige Vierbeiner um die Wette“? Knautschige Vierbeiner! Oder eher „Weitere Sonderpreise in Form von Pokalen gingen an […] Julia Bürmann als erfolgreichste Trainerin, weil sie zwei Möpse im Rennen hatte“? Oder doch „So einfach gestaltete sich die Realität indes nicht“? Oder „Der am weitesten gereiste Mops war ein portugiesisches Findelkind“? Ich kann mich nicht entscheiden, ein Satz funkelt schöner als der nächste. Lest am besten selbst: Auf die Plätze, fertig – und ab geht der Mops!

Ansonsten: viel Deprimierendes gelesen in den letzten Tagen. David Miranda, Haasenburg, Asylbewerberhetze in Berlin, und so weiter. Alle bekloppt, und zwar wirklich. Mag ich gerade alles nicht verlinken.

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