María Sonia Cristoff aus Buenos Aires war in Leipzig, Rayk Wieland (Hamburg/Shanghai) war in Patagonien. Und jetzt waren sie beide auf der Buchmesse und haben mit Sabine Erlenwein vom Goethe-Institut über ihre Erfahrungen und ihre Blogs gesprochen, gedolmetscht von Friederike von Criegern (Percanta). Letztere beeindruckt mich sehr, wie mich Dolmetschen immer beeindruckt. Sie sieht so konzentriert aus, und so klug und schön. Wenn man sie sieht. Streckenweise macht die Kameraführung ja ziemlich deutlich, für wie wichtig die Dolmetscherin gehalten wird. Da ist die linke Bildhälfte leer, rechts sitzt María Sonia Cristoff, und man weiß, dass noch weiter rechts Friederike sitzt und spricht oder liest, man hört ihre Stimme, sieht sie aber nicht. Und zwar nicht aus Platzgründen. Dabei könnte das Gespräch ohne sie gar nicht stattfinden. (Und wer Cristoffs Buch übersetzt hat, wird natürlich auch nicht erwähnt. Es war Peter Kultzen.)
Da wundere ich mich immer, ob es denn wirklich keine Blogs von Literaturübersetzern gibt (außer meinem und Katys) oder ob ich sie nur noch nicht gefunden habe, denn eigentlich müssten Übersetzer doch halbwegs schreiben können und sowieso am Computer sitzen und anfällig für Prokrastination und sowas sein, aber bislang scheint es nicht viel zu geben. Aber da! Ein Licht! Kollegin Christiane Bergfeld bloggt! Offenbar mit Spezialgebiet Nonsense und Nursery Rhymes, was ich natürlich sehr begrüße. Willkommen im Club, Madame!
Och nöööö. Das ewige Problem mit diesen Bücher- und sonstigen Umfragen. Ich kann Lieblingsdingse nicht leiden, ich habe auch kein Lieblingsessen. Mal muss es Sushi sein, mal Schokolade, dann wieder Gemüseeintopf. Dass ich gern Tim und Struppi lese, tut meiner Begeisterung für David Grossman ja keinen Abbruch.
Die Autoren, die mich in den letzten paar Jahren am nachhaltigsten beeindruckt haben, sind wahrscheinlich Wolf Haas, Tilman Rammstedt, Jenny Erpenbeck, Anette Pehnt, Gerbrand Bakker. Oh, und Alan Bennett. Und die nenne ich deswegen, weil ich von ihnen mindestens zwei Bücher gelesen habe. Wenn ich die dazunehme, von denen ich nur eins, ach, lest doch am besten gleich hier.
Oder um es mit Frau Sopran zu sagen: „Lieblingsbuch“ ist so 1985. Ihr dürft mir aber gern erzählen, was Euer Lieblingsbuch ist. Wenn Ihr eins habt.
Als nächstes lese ich die hier. Und die hier. Und dann beantworte ich die Frage im Jahr 2016 wieder.
Konkret freue ich mich aus dem fotografierten Stapel gerade am meisten auf Mariana Lekys Herrenausstatterin und Sascha Lobos Strohfeuer. Das werden vermutlich die nächsten beiden.
… bekommt den Literatur-Nobelpreis 2010. Ich habe dazu keine Meinung, weil ich nichts von ihm gelesen habe. Allerdings hätte ich möglicherweise auch keine Meinung, wenn ich etwas gelesen hätte – Nobelpreis ist mir irgendwie eine Nummer zu groß für eine Meinung. In sofern bin ich immer froh, wenn ihn jemand bekommt, zu dem ich gar keine Meinung haben kann. Hätte zum Beispiel Philip Roth ihn bekommen, dann hätte ich eine Meinung haben müssen, weil ich was von ihm gelesen habe. Neenee, das ist schon besser so.
Herzlichen Glückwunsch, Señor! Was soll ich denn mal lesen?