Split, Tag 18

Der Tag fängt damit an, dass eine der Terror-Möwen mir im Anflug auf den Tisch kackt, direkt vor meiner Nase, während wir einander anbrüllen. Zum Glück neben den Laptop. Das ist unser Ritual geworden: wenn wir uns nicht einig sind, wer zuerst da war, dann brüllen wir einander ein bisschen an. Das werde ich zu Hause geradezu vermissen, zu Hause schimpfe ich auf dem Balkon nur gelegentlich ein bisschen mit den Tauben, wenn sie einen Platz zum Nisten suchen, aber sie schimpfen nicht zurück. Und niemand brüllt.

Terror-Möwe im Landeanflug, allerdings am Abend. Sie ist deutlich entspannter als morgens.

Nachdem wir das geklärt haben, sitze ich mal wieder bis zum Nachmittag auf der Terrasse, es ist wirklich hochsommerlich, ich schwitze und arbeite so vor mich hin, und am Nachmittag treffe ich mich nochmal mit Doris und wir gehen baden. Ich bin total bescheuert, dass ich das nicht jeden Tag gemacht habe, irgendwie fand ich es allein doof, aber heute waren wir an einem Strand bzw. auf einer Betonfläche, wo es nicht einsam war, sondern ordentlich was los, und natürlich kann ich auch, wenn ich allein bin, eine freundlich aussehende ältere Dame mit Kreuzworträtselheft fragen, ob sie kurz auf meine Sachen aufpasst, solange ich im Wasser bin. Und natürlich kann ich auch etwas später auf die Sachen eines stark gebräunten, sehr großen Muskelmannes aufpassen. Face it, Isa: du bist jetzt selbst eine freundlich aussehende ältere Dame, wenn auch ohne Kreuzworträtselheft. Das Wasser ist so herrlich, beim Reingehen nur noch kurz kalt, aber dann einfach wunderbar frisch, es gibt leichte Wellen, wir schwimmen zu den Vögeln, von denen wir nicht wissen, ob es Kormorane sind oder vielleicht doch Pinguine, für Kormorane sind sie eigentlich etwas zu klein. Doris spricht glücklicherweise Kroatisch, und die freundliche Kreuzworträtseldame sagt ihr, dass es keine Kormorane sind, sondern *kroatischer Name mit vielen Konsonanten*.
Ich habe nur noch drei Tage, Doris reist morgen mit ihrer Reisegruppe weiter. Ich will zusehen, dass ich es auch allein an den Strand schaffe. Bzw. auf den Beton.

Von Doris gelernt: der heiße Scheiß auf dem Kosmetikmarkt sind künstliche Sommersprossen, fake freckles. Ich google am Abend, was es da für verschiedene Methoden gibt, und lese: „Künstliche Sommersprossen können überall im Gesicht angebracht werden, typischerweise in der mittleren Gesichtshälfte zwischen den Wangen.“ Ich schätze, „mittlere Gesichtshälfte zwischen den Wangen“ wird mich heute Nacht wachhalten.

Ebenfalls heute gelernt: Kapern! Ich hatte keine Ahnung, wie Kapern wachsen. So wachsen sie.

Rose Peach Lemon. Schmeckt so edel wie es klingt!

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