Die große Zeitschriftenverblüffung (Medienouting III)

Zeitschriften – auch so ein Thema. Auch sowas, womit ich nicht aufgewachsen bin, auch sowas, was ich nicht kann, wo ich einfach kein Verhältnis zu habe. Ich habe nie Zeitschriften gelesen, obwohl ich auch da die Faszination irgendwie verstehen kann. Aber mehr mit dem Kopf, als dass ich sie nachfühlen würde. Und jetzt hat mich in letzter Zeit dreierlei verblüfft, was ich erzählen möchte.

1. Literaturen
Stimmt gar nicht, dass ich nie Zeitschriften gelesen hätte. Ich habe sogar eine abonniert, und zwar schon seit Jahren: die „Literaturen“. Von vorn bis hinten gelesen habe ich sie meistens nicht, eher drin herumgelesen. Oft war es ganz interessant, nicht immer meine Meinung, aber oft auch schöne Anregungen oder Abregungen (as in: ich wusste dann nach Lektüre einer Besprechung, dass ich das Buch nicht lesen will). Und nach vielen Jahren Literaturen-Lektüre kommt plötzlich die Meldung: Literaturen gehört jetzt zu Cicero, und Cicero kommt jetzt immer mit. Da war ich verblüfft. Schicken sie mir einfach zwei Zeitschriften, obwohl ich nur eine bestellt habe. Und dann wurde Literaturen immer kleiner und dünner und erscheint immer seltener, nur noch viermal im Jahr, und der Cicero kommt auch ohne Literaturen. Mag ja ein gutes Blatt sein, aber das ärgert mich, ich habe es nämlich nicht bestellt und muss es trotzdem bezahlen. Also habe ich gekündigt, und meine Kündigungsfrist beträgt: ein Jahr. Bis September bekomme ich das Blatt jetzt also noch.

2. Frauenzeitschriften
Versuche ich höchstens einmal im Jahr, normalerweise bin ich in 10 Minuten damit durch, das ist irgendwie alles nicht meins. Neulich habe ich mal wieder eine gelesen, die ich hier jetzt nicht nenne, denn ich muss mich dringend darüber lustigmachen, das fasziniert mich jetzt nämlich wirklich schon seit ein paar Monaten: Da gab es einen Artikel mit „20 Tipps für entspannteres Reisen“. Einer der Tipps lautete: „Überflüssiges Gepäck“. Unter dieser Überschrift stand dann nicht etwa, man sollte doch mal überlegen, ob man das wirklich alles braucht, oder sowas Allgemeines, sondern es gab zwei Unterpunkte, die offenbar stellvertretend für überflüssiges Gepäck stehen sollten. Nämlich erstens die Schmuckhülle für den Reisepass. Die sehe zwar vielleicht hübsch aus, sei aber in manchen Ländern sogar verboten. Und zweitens – ich denke mir das nicht aus, es stand ernsthaft in dieser Zeitschrift: Duftkerzen. Denn, mal ehrlich, wenn es im Urlaub genauso rieche wie zu Hause, dann brauche man ja gar nicht erst wegzufahren. Das stand da! Im Ernst! Das macht mich total fertig, da steht ernsthaft in einer Zeitschrift, man würde entspannter reisen, wenn man keine Duftkerzen mit in den Urlaub nimmt! Ich kann mich gar nicht beruhigen. (Ganz abgesehen davon, dass ich, wenn es bei mir zu Hause nach Duftkerzen röche, sowieso dauernd wegfahren würde.) Wie um alles in der Welt kommt man auf sowas! Duftkerzen! Und Schmuckhüllen für den Reisepass! Entspanntes Reisen ohne DUFTKERZEN!

3. Brigitte MOM
Für Brigitte MOM bin ich nun wirklich eindeutig nicht die Zielgruppe. Ich kenne aber jemanden, der dort schreibt, und der fragte neulich im Bekanntenkreis herum nach bestimmten Geschichten, und da kannte ich jemanden, und dann kannte ich noch jemanden, der jemanden kannte, und so habe ich also quasi Geschichten vermittelt und deswegen ein Exemplar der Brigitte MOM geschickt bekommen. Und wo sie schon mal dawar, habe ich sie mit in die Badewanne genommen, und dann habe ich verblüffenderweise fast das ganze Heft gelesen, und zwar mit großem Spaß. Ich weiß ja nicht, wie Mütterzeitschriften sonst so sind, aber dieses Heft kam mir unglaublich entspannt vor. Da werden keine Wettbewerbe im Supermuttersein ausgerufen, sondern genau das Gegenteil propagiert: lockermachen. Sehr angenehm. Lieblingsstelle: da gibt es eine Doppelseite über das Autofahren mit Kindern. Denen dabei schon mal schlecht wird. Drei Kinder unterschiedlichen Alters werden befragt, was sie bei Übelkeit im Auto machen. Ganz kurz nur, jeder einen Satz. Die beiden Älteren lenken sich ab. Eine bildet Wörter aus den Buchstaben auf den Nummernschildern der anderen Autos; einer guckt in die Wolken – „das hilft zwar nicht, ist aber schön“; und der dritte, der Jüngste, drei Jahre alt, sagt: „Wenn mir im Auto so richtig schlecht wird, dann kotze ich. Das hilft.“ Groß-ar-tig!

9 Kommentare

  1. Motorisiert | Percanta Dienstag, 13. November 2012 um 14:05 Uhr [Link]

    [...] es geht darum, warum man wann im Leben nicht gelesen hat oder was für ein Nichtverhältnis zu Zeitschriften besteht oder dass man keine Filme guckt. Ich hätte auch etwas zu Leselücken zu sagen oder zu [...]

  2. lihabiboun Dienstag, 13. November 2012 um 16:00 Uhr [Link]

    oh daß es doch nicht röche. Nirgendwo! nach!! Duftkerzen!!! Nicht zuhause und nicht auf Reisen. Superungesund sind die eh. Doch sooo ein schöner Konkunktiv … seufz.

  3. kid37 Dienstag, 13. November 2012 um 22:01 Uhr [Link]

    Sie brauchen einfach eine gute Programmzeitschrift ,-)

  4. Uschi aus Aachen Dienstag, 13. November 2012 um 23:20 Uhr [Link]

    (1.) Das habe ich auch mal erlebt mit einem von mir nicht gewollten Zeitschriftenpärchen, war ich sehr sauer drüber…
    (2.) Gut gegrinst gerade – ich kenne diese Zeitschrift und bin über eben jene Duftkerze auch gestolpert. Zum Kullern!

  5. Claudia Fahlbusch Mittwoch, 14. November 2012 um 00:41 Uhr [Link]

    Brigitte Mom? Das erstaunt mich nun doch sehr. Ich hab sie einmal gelesen und danach nie wieder. Da stand nichts drin, was ich nicht schon wusste (als Mutter eines Elfjährigen). Ich mag Brigitte und Brigitte woman, die kauf ich immer mal, nicht im Abo, aber am Kiosk – aber Brigitte Mom? Gut, viel Weltbewegendes steht in den andern beiden Brigitte-Erzeugnissen auch nicht drin, aber ich finde sie ganz unterhaltsam, irgendwie.
    Also wenn ich Zeitschriften empfehlen müsste/dürfte, dann wären es folgende: http://www.oya-online.de/home/index.html und http://www.wir-menschen-im-wandel.de/. Da drin stehen eine Menge Dinge, die mich wirklich interessieren. Und die, wie ich finde, schon wichtig sind. Ganz im Gegensatz zu Duftkerzen.

  6. Frau-Irgendwas-ist-immer Mittwoch, 14. November 2012 um 13:19 Uhr [Link]

    Hier gibt es 2 Gartenzeitschriften im Abo.
    Eine biologisch/ökologisch richtig und wertvoll und eine die nur alle 2 Monate erscheint und mehr in Richtung ‚Duftkerzen‘ tendiert … und beide Zeitschriften lese ich von hinten nach vorne und umgekehrt und dann werden sie weitergereicht an liebe Gartennachbarn.

  7. Woanders – heute über Duftkerzen, Autofahren, demente Großmütter und anderes | Herzdamengeschichten Dienstag, 20. November 2012 um 06:25 Uhr [Link]

    [...] über Frauenzeitschriften. Man achte auf die Duftkerzen und hinterfrage dann weise das eigene Verhalten. Wenn man noch kann, [...]

  8. tina Mittwoch, 21. November 2012 um 00:06 Uhr [Link]

    also auch wenn das jetzt vermutlich kein aufruf zu zeitschriftenempfehlungen ist muss ich doch eine loswerden: lesen Sie doch gelegentlich mal die fire & knives. kommt nur viermal im jahr und ich bin jedes mal begeistert. schöne texte über essen im weitesten sinne, keine rezepte.

  9. Isabel Bogdan Donnerstag, 29. November 2012 um 13:51 Uhr [Link]

    NEU: Gerade von Patschbella darauf hingewiesen worden: Es gibt DUFTKERZEN-REISESETS! Wahnsinn.

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