Arbeit

Was einem auch passieren kann: da ist man mit einer Übersetzung quasi fertig und schickt ein paar Tage vor der Abgabe noch drei letzte Fragen an den Autor. Der Autor antwortet, dass diese Fragen doch eigentlich geklärt seien, es gebe ja inzwischen eine neue Version seines Buchs, ob ich die nicht bekommen hätte? Er hänge mir die neuste Fassung noch mal an, die Änderungen in Rot markiert.
Ich mache das Dokument auf und kriege die Motten: auf jeder Seite Rot. Rufe also im Verlag an und sage: hey, ich bin quasi fertig. Nur habt Ihr mir nicht gesagt, dass ich nicht die aktuelle Version als Vorlage habe. Kann man auch nicht ahnen, denn ich hatte erstens ein fertiges, in GB bereits erschienenes Buch als Vorlage – die Änderungen wurden jetzt für die Taschenbuchausgabe in GB und die amerikanische Ausgabe vorgenommen, weil das ganze als Trilogie angelegt ist – und zweitens war der deutsche Verlag kurz vor pleite und die Mitarbeiter suchten sich einer nach dem anderen neue Jobs, da war also viel Wechsel. Da kann sowas schon mal untergehen.
Die in dem Moment für mich zuständige Lektorin sagte also: lass den Stift fallen, schick mir, was Du hast, und schick vor allem eine Rechnung, ich habe keine Ahnung, wie lange wir überhaupt noch zahlen können.
Habe ich gemacht, habe mein Geld bekommen und dann die Daumen gedrückt, dass der Verlag es irgendwie schafft. (Und meine Übersetzung mit ihm.) Das war letztes Jahr im Frühjahr.
Im Spätherbst wurde der Verlag endlich von einem anderen gekauft, und es kann weitergehen. Jetzt soll es doch bald erschienen, ich möge bitte einen Kostenvoranschlag für die Mehrarbeit machen. Ich sauge mir irgendeine Zahl aus den Fingern, keine Ahnung, wie lange ich dafür brauche, und nu sitz ich hier. Die Änderungen im Original sind zwar rot gekennzeichnet – aber natürlich nur da, wo etwas hinzugefügt oder verändert wurde. Wo etwas gestrichen wurde, steht einfach nur nichts, und das bedeutet: ich muss tatsächlich nochmal Satz für Satz meine fast ein Jahr alte Übersetzung mit dem neuen Original vergleichen. Und ich sag Euch: das macht echt keinen Spaß. Aber zum Glück ist es ein tolles Buch, das immer noch Spaß macht. Machen würde. Wenn es nicht so lästig wäre. Seufz.

17 Kommentare

  1. Anne Dienstag, 10. Januar 2012 um 13:22 Uhr [Link]

    Fforde? Wenn’s geheim ist, einfach nicht beantworten, die Frage.

  2. Isabel Bogdan Dienstag, 10. Januar 2012 um 13:24 Uhr [Link]

    Ja, Fforde. Ist vermutlich nicht geheim, es kann ja auch niemand direkt was dafür, ist halt dumm gelaufen. (Und wie pleite Eichborn war, stand ja allenthalben in diversen Zeitungen, ist also auch nicht geheim.)

  3. Anne Dienstag, 10. Januar 2012 um 13:33 Uhr [Link]

    Immerhin richtig geraten – na ja, war jetzt auch nicht so schwer. Aber das mit den Änderungen hat mich irritiert, obwohl du das ja erklärt hast. Trotzdem seltsam, dass ein veröffentlichtes Buch dann noch mal so deutlich geändert wird.

    So oder so, das muss ich auch noch lesen.

  4. rebhuhn Dienstag, 10. Januar 2012 um 15:30 Uhr [Link]

    ich hab‘ null ahnung vom übersetzen – aber es gibt ganzganz bestimmt ein tool zum vergleichen von texten, auch auf auslassungen hin [schnell mal für mac gegoogelt, da nur pc-ahnung – du hast mac, nicht?]. und du hast doch sicher die alte und [jetzt ja auch] die neue version in originalsprache digital vorliegen? … sollte dann nicht mehr so ganz furchtbar mühselig sein. :)

  5. Isabel Bogdan Dienstag, 10. Januar 2012 um 15:48 Uhr [Link]

    Nee, das alte Original habe ich nur als Buch. Auf Papier.
    Bin jetzt auch schon zu zwei Dritteln durch. „Schon“.

  6. Jürgen Dienstag, 10. Januar 2012 um 16:14 Uhr [Link]

    Du hast mein vollstes Mitgefühl. Seit einige Verlage meinen, die Übersetzung müsse zeitgleich mit dem Original erscheinen, schicken sie mir zum Übersetzen oft eine erste Fassung. Die Folgen sind nicht unähnlich. Leider ist es den betreffenden Verlagen bislang nicht eingefallen, mich um einen Kostenvoranschlag für die Mehrarbeit zu bitten. Sollte ich vielleicht mal anregen.

  7. Isabel Bogdan Dienstag, 10. Januar 2012 um 16:16 Uhr [Link]

    Ja, das kenne ich auch, dass man aus einem Manuskript übersetzt und dann plötzlich noch Änderungen kommen. Oder der Abgabetermin für die Übersetzung schon steht, dann ist aber doch noch kein übersetzungsreifes Original da. Oderoder.
    Allerdings kann man dann wirklich drüber reden, wie das vergütet wird.

  8. Kiki Dienstag, 10. Januar 2012 um 17:16 Uhr [Link]

    Warm ums Herz wird mir ja bei solchen Lektorinnen. Die könnte man ja abknutschen in solchen Momenten, das es sowas noch gibt! *schneuz*

  9. giardino Dienstag, 10. Januar 2012 um 22:42 Uhr [Link]

    Oh, schön, die Drachentötergeschichte. Da hab ich mich schon letztes Jahr drauf gefreut!

  10. Kat Mittwoch, 11. Januar 2012 um 08:36 Uhr [Link]

    Halte durch.
    Solltest du Superwurst, Alstereis oder Topfbrot brauchen, sag bescheid ich komm vorbei.

  11. Isabel Bogdan Mittwoch, 11. Januar 2012 um 11:03 Uhr [Link]

    Oh, wie süß, danke! Geht schon.

  12. Julian Mittwoch, 11. Januar 2012 um 12:25 Uhr [Link]

    Mir ging es bei meiner e r s t e n Übersetzung so, dass die Lektorin sagte: „Finde ich ja mutig von dir, den Kapitelübergang zu verschieben. Aber gefällt mir! Nur, es fehlen drei Seiten.“ Wie peinlich! Und dann stellte sich raus, ich hatte eine Vorabversion. Glücklicherweise hingen die drei Seiten zusammen und waren nicht als Einzelwörter verstreut …

  13. Isabel Bogdan Mittwoch, 11. Januar 2012 um 15:06 Uhr [Link]

    Super, bei der ersten ist man ja auch schon richtig schön abgebrüht und steckt sowas locker weg. Hihi.

  14. die vom zwischenbericht Dienstag, 17. Januar 2012 um 18:37 Uhr [Link]

    oh mensch, was für ein unnötiger stress.
    heisst das nun für die geneigte leserin, dass sie das erscheinen der nächsten (anglophonen) version abwarten sollte, bevor sie sich der thursday-reihe annimmt? danke für eine empfehlung!

  15. Isabel Bogdan Mittwoch, 18. Januar 2012 um 13:04 Uhr [Link]

    Nee, das ist nicht die Thursday-Reihe, sondern die Drachentöterin. Auf Englisch „The Last Dragonslayer“ – die Taschenbuchausgabe, die im Herbst 2011 erschienen ist, sollte die Änderungen drinhaben. Die alte Hardcoverausgabe nicht. Ist aber auch nicht sooo wichtig, denke ich. Wann die deutsche Ausgabe erscheint, weiß ich jetzt noch gar nicht. Auf Englisch ist auch schon der zweite Band da, „The Song of the Quarkbeast“.

  16. die vom zwischenbericht Donnerstag, 19. Januar 2012 um 14:38 Uhr [Link]

    alles klar, danke sehr. und viel erfolg mit dem nächsten projekt!

  17. Rezensiert: The Last Dragonslayer » Kulturblättchen Freitag, 15. Juni 2012 um 10:10 Uhr [Link]

    [...] Großartig! Lesen! Sofort auf Englisch, denn auch im Original ließ es sich leicht und verständlich, oder irgendwann in diesem Jahr auf Deutsch in der Übersetzung von Isabel Bogdan [...]

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