Jonathan Coe (Walter Ahlers): Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim

Lieber Herr Handfeger, wir zwei haben irgendwie Pech. Du bist mein treuster Wunschzettelgeschenkemacher (zusammen mit Therealstief), und ich habe das Gefühl: immer geht es irgendwie schief. Mal mag ich das Buch dann doch nicht, mal lese ich es gar nicht erst. Das ist natürlich komplett ganz und gar meine Schuld, offenbar schreibe ich die falschen Sachen auf meinen Wunschzettel. Auf dieses hier hatte ich mich sehr gefreut, es klang lustig: Maxwell Sim, dem Frau und Tochter davongelaufen sind und der auch sonst ein paar Probleme hat, bekommt das Angebot, für eine PR-Aktion mit dem Auto an den nördlichsten Punkt Großbritanniens, auf die Shetlandinseln, zu fahren, um dort eine neue Superzahnbürste zu verkaufen. Der Klappentext verspricht „eine höchst vergnügliche Tour de Force“, ich würde es aber leider eher eine höchst geschwätzige Tour de Schnarch nennen. Kostprobe:

“Welcome Break 5000 m“ stand auf einem Schild; ich beschloss, kurz von der Autobahn abzufahren und etwas zu essen. Bis zur übernächsten Raststätte – betrieben von Moto – waren es noch dreißig Kilometer, und dann kam auf sechzig Kilometern überhaupt keine mehr. So lange wollte ich nicht warten. Und auch wenn ich im Augenblick nicht sehr auf Kentucky Fried Chicken stand, hatte das Gesicht von Colonel Sanders, das mir vom Begrüßungsschild entgegenstrahlte, eine beruhigende Wirkung. Also bog ich in die Ausfahrt 8 A, lavierte mich durch die Serie von Mini-Kreisverkehren und suchte nach einer Lücke auf dem Parkplatz, der schon zu dieser Tageszeit berstend voll war. Nachdem ich den Prius zwischen einen Ford Fiesta und einen Fiat Punto gequetscht hatte, schaltete ich mit einer gewissen Erleichterung den Motor aus.

Waaaah. Und dann? Hast Du auch den Schlüssel abgezogen, fragt man sich? Die Tür aufgemacht, erst die Beine rausgestellt, und DANN bist Du ausgestiegen? Und hast die Tür hinter Dir zugeschlagen? Entschuldigung, aber das ist doch alles too much information. Fünf Seiten später hat Max einen Burger gegessen und fährt vom Raststättenparkplatz wieder runter, und wir wissen genau, wie diese Raststätte aussieht, aber nicht, warum die ganze Szene überhaupt da steht. Vielleicht hat es mit den Selbstzweifeln und der allgemeinen Zögerlichkeit des Protagonisten zu, aber zum Lesen ist das leider ziemlich redundant.
Der Autor hat mehrere Preise bekommen, zwei seiner Romane wurden verfilmt – vielleicht liegt es an mir. Ich will auch gar nicht das ganze Buch beschimpfen, es hat auch lustige Momente. Das Marketinggeschwätz über diese Superzahnbürste zum Beispiel ist schon witzig. Ich gebe trotzdem auf Seite 191 von 405 auf und stelle Jonathan Coe ins Regal zwischen Stephen Clarke und … nee, das ist mir zu peinlich. Ehrlich, ich habe keine Ahnung, wie dieser südamerikanische Eso-Schwätzer in unser Bücherregal kommt!

Jonathan Coe (Walter Ahlers): Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim. DVA, 405 Seiten, 22,99 €

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4 Kommentare

  1. Wortschätzchen Dienstag, 5. April 2011 um 12:36 Uhr [Link]

    Aus meinem Regal flog er raus. Es ging nicht. Auch nicht im zweiten Anlauf. Autsch. Tschüss. Ne.

  2. Isabel Bogdan Dienstag, 5. April 2011 um 17:51 Uhr [Link]

    Hm, dann liegt es ja vielleicht doch nicht an mir. Beruhigend.

  3. handfeger Mittwoch, 6. April 2011 um 12:00 Uhr [Link]

    Ja, tut mir leid. War gut gemeint. Vielleicht klappt es beim nächsten Versuch besser. Schluchz.

  4. Isabel Bogdan Mittwoch, 6. April 2011 um 13:40 Uhr [Link]

    Neinnein, Du kannst ja überhaupt nichts dafür! Alles meine Schuld, ich muss an meiner Wünschtechnik arbeiten.

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