Lies doch mal in Bamberg!

Gestern haben Maximilian und ich im Schuhgeschäft gelesen, und hinterher passierte auf Facebook, was in dem Kontext andauernd passiert: „Lest doch mal in Bottrop!“ oder „Wann kommt Ihr denn mal nach Borkum?“
Sagt der Buddenbohm zur Bogdan: das müssen wir nochmal bloggen, wie das ist, mit dem „Lies doch mal in Bielefeld“. Deswegen gilt das hier also für uns beide, einzeln und zusammen. Es ist nämlich so: Wir würden sehr gern in Bedburg lesen. Wir sind Rampensäue, wir lesen gern, wir täten quasi nichts lieber, als in Besenstedt zu lesen. Wir würden auch in Bochum, Brauweiler oder Bad Bevensen lesen, ja, sogar in Städten, die gar nicht mit B anfangen.
Aber wir können uns den Veranstaltungsort in Buxtehude nicht gut selbst aus dem Telefonbuch suchen und da mal nachfragen. Wir können uns das nicht selbst organisieren. Anders gesagt: ladet uns ein, zwingt eure Lieblingsbuchhandlungen und -kneipen und Literaturhäuser, uns einzuladen, und wir fliegen auch auf die Bahamas. Da kennen wir nix.

Was wir brauchen:
- Fahrtkosten. (In meinem Fall mit Bahncard50.)
- Je nach Entfernung eine Unterkunft. Das muss nicht schickimicki sein, ich nehme notfalls auch das Gästesofa der Buchhändlerin. (Wobei gegen Schickimicki natürlich auch nichts zu sagen ist.)
- Honorar. Die Höhe ist im Einzelfall auszuhandeln – eine Konzernzentrale wird sicher mehr zahlen können als eine kleine Dorfbuchhandlung, das ist klar. Aber ein Honorar muss sein, wir machen das schließlich beruflich, und wenn es weiter weg ist und wir übernachten müssen, geht ja auch mindestens ein Arbeitstag dabei drauf.
- Tisch, Stuhl, Mikro. (Ja, Mikro, bitte. Auch wenn die Kneipe klein ist.)

Und dann lesen Bogdan und Buddenbohm gerne in Baden-Baden, einzeln oder zu zweit, ganz wie’s beliebt.

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Man könnte sowas natürlich ein bisschen so organisieren, dass man ein paar Städte miteinander verbindet. Wie es der Zufall will, bin ich beispielsweise Mitte November für zwei Wochen in Bamberg. Von da aus könnte man bestimmt mit der Bahn mal kurz hier- und dorthin fahren.

Tirili-Nachlese

Ach, das war eine schöne Lesung gestern! Kann ich endlich mal aus vollem Herzen sagen, denn ich habe nicht mitgelesen, wie sonst immer, und Maximilian auch nicht. Wir haben nur ein bisschen moderiert, und gelesen haben Katrin Seddig (als Vertretung für Pia Ziefle), Bov Bjerg und Stevan Paul, ein Text toller als der andere, es war wirklich großartig. Und in der Kaschemme ist es sowieso immer nett. Nachhören kann man die Lesungen auch schon; leider ist bei der Aufnahme von Katrins Text etwas schiefgegangen, aber die beiden anderen kann man sich hier anhören. Danke sehr, Lars!
Und nebenan bei Maximilian gibt es auch Bilder.

Terminerinnerung

Bogdan und Buddenbohm lesen vor und trinken Wein.

MaxIsaSerioes

Am Freitag, dem 5. April, lesen Maximilian und ich in Rindchens Weinkontor in Eppendorf, Christoph-Probst-Weg 3. Eintritt 7,50.
Herr Buddenbohm wird verdursten, weil er gar keinen Wein mag, und ich werde kichern, weil ich seinen Wein mittrinken muss. Es wird also alles gewohnt seriös.

Wisster, ne? Ihr kommt auch alle, ne? Jippie!

Nora Gomringer meets Wortart Ensemble

Lyrik ist ja immer so eine Sache. Für mich ist Lyrik ja sowas wie Pralinen. Also: schwierig.
Und jetzt bin ich letzte Woche mehr oder weniger zufällig bei Nora Gomringer im Hamburger Literaturhaus gelandet, wo sie zusammen mit dem Wortart Ensemble auftrat. Und wenn selbstgelesene Lyrik schon schwierig ist, dann sind Dichterlesungen noch eine Nummer schwieriger – oft genug bin ich schon nach einem halben Gedicht nicht mehr bei der Sache. Meine drei Begleiter – der lustige Mann, Maximilian und Ina – sagen, es geht ihnen genauso.
Aber an diesem Abend kommt Nora Gomringer, und dann kommt das Wortart Ensemble, und wir sitzen anderthalb Stunden am Stück vorne auf der Stuhlkante und hören gebannt zu und sind hinterher erstmal sprachlos. Anders gesagt: wow. Alles.
Keine Ahnung, wie Nora Gomringers Gedichte sind, wenn man sie selbst liest. Aber wenn sie sie vorliest, dann … schon die falsche Vokabel. Das ist kein Vorlesen, das ist ein Vortrag, das ist Deklamieren im allerbesten Sinne, es ist, als hätte sie nebenbei auch noch eine Schauspielausbildung, und es ist, nun ja, wahrscheinlich ist es genau das: sie steht hinter jedem Wort, das sie geschrieben hat. Nora Gomringer hat etwas zu sagen. Sie liest vor, sie schreit und flüstert und raunt, sie plaudert und freut sich und lacht und weint fast, und zwischendurch singt sie sogar, und das Publikum hängt ihr an den Lippen und ist durch und durch fasziniert und mucksmäuschenstill, außer wenn es lachen muss.
Zwischendurch singt das Wortart Ensemble – fünf erstaunlich junge Leute aus Dresden, drei Frauen und zwei Männer, die auf ihre Weise Lyrik vertonen und a capella singen. Gedichte von Mascha Kaléko und Wolf Wondratschek und Nora Gomringer. Und da bekommt jedes Gedicht einen eigenen Sound, der aber gleichzeitig der eigene Sound des Wortart Ensembles ist, und dieses Ensemble ist unfassbar großartig. Rhythmisch und harmonisch ist das alles höchst anspruchsvoll, und sie singen so wunderbar, so überzeugt und so überzeugend, und so voller Wärme und Begeisterung für das, was sie da tun, dass mir zwischendurch kurz das Wasser in die Augen steigt, weil das alles so unglaublich großartig ist. Und sich so toll mit Nora Gomringer ergänzt, die teilweise ein paar Töne mitsingt, teilweise reinspricht, die meiste Zeit aber nur zuhört und genauso gebannt ist wie der Rest des Publikums – aber sie und das Ensemble sind schon eine Weile lang zusammen unterwegs, sie kennt das alles schon, aber das macht nichts, man merkt ihr an, wie begeistert sie immer noch von der Arbeit dieses Ensembles mit ihren Texten ist.
Und inhaltlich – kein Marzipan. Nora Gomringers Gedichte sind nun wirklich alles andere als platt oder oberflächlich, aber sie haben eben auch nicht dieses Bedeutungsschwangere, dieses demonstrativ Tiefsinnige, dieses „seht her, wie klug und intellektuell und voller Schmerz ich bin“, das so viele Gedichte haben. Sondern sie haben ganz viel Herz und Hirn und Humor, und vor allem, und das ist ja immer das allerwichtigste an Lyrik: der Rhythmus. Der Rhythmus! Boah, wow, der Rhythmus.
Und als wäre das nicht alles schon großartig genug, erzählt sie zwischendurch auch noch die zauberhaftesten Dichter-Dönchen, die ich je gehört habe. Von der Abiturientin, die sie anrief, weil der Deutschlehrer mit ihrer Interpretation von Das Herz nicht einverstanden war, und die sich jetzt Rückendeckung von der Dichterin selbst holte. Oder von dem Gynäkologen, der ihr Gedicht Bilderbuchuterus in seiner Praxis unter die Decke geschrieben hat. Ich schätze, ich bin jetzt ein bisschen in Nora Gomringer verliebt. Was für eine Frau.

Und ihr müsst jetzt leider kurz stark sein: der Auftritt im Hamburger Literaturhaus war der letzte der gemeinsamen Reise. Aber sowohl Nora Gomringer als auch das Wortart Ensemble treten natürlich weiterhin auf: hier sind Noras Termine und hier die des Wortart Ensembles. Geht da hin, wenn es geht. Ehrlich.

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