Der kurioseste Buchtitel des Jahres

Und noch ein Preis: der offiziell kurioseste Buchtitel des Jahres ist Zehn Tipps, das Morden zu beenden und den Abwasch zu beginnen von Hallgrímur Helgason (Kristof Magnusson). Aus der Begründung der Jury (Luzia Braun, Bodo Mrozek und Eckart von Hirschhausen): „Der Titel nimmt die Diktion eines erfolgreichen Genres, des Ratgebers, auf, verknüpft dann aber auf gänzlich überraschende Weise die Themen Haushalt und Pazifismus und steckt gewissermaßen eine sprachliche Prilblume in die Pistolenmündung. Schwerter zu Abwaschbürsten!“

Ich mag den Titel auch gern, habe über das Buch ansonsten aber noch gar nichts gehört. Kennt es jemand? Soll ich es wunschzetteln?

Der deutsche Buchpreis 2010

… geht an Melinda Nadj Abonji für „Tauben fliegen auf“. Herzlichen Glückwunsch!
„Melinda Nadj Abonji erzählt, aus der Perspektive der Tochter Ildiko, die Geschichte einer ungarischen Familie aus der serbischen Vojvodina, die sich eine Existenz in der Schweizer Gastronomie gründet. Sie erzählt es mit einer eigenen und äußerst lebendigen Stimme, zunächst noch mit dem Blick des Kindes auf die Welt, dem alles neu ist und sich doch von selbst versteht, dann der jungen Frau, die allmählich die Brüche in und zwischen diesen sehr verschiedenen Welten wahrnimmt, immer aber mit einer großen Empathie und Humanität. Was als scheinbar unbeschwerte Balkan-Komödie beginnt, wenn die Familie mit einem klapprigen braunen Chevrolet die sommerliche Reise in die alte Heimat antritt – darauf fallen bald die Schatten der Geschichte und der sich anbahnenden jugoslawischen Kriege. So gibt das Buch ,Tauben fliegen auf’ das vertiefte Bild eines gegenwärtigen Europa im Aufbruch, das mit seiner Vergangenheit noch lang nicht abgeschlossen hat“, so die Begründung der sieben Jury-Mitglieder.
Ich habe das Buch nicht gelesen, kann also nichts dazu sagen, außer: war Melinda Nadj Abonji nicht die Heulsu Dame, die, nachdem sie beim Bachmannpreis vor ein paar Jahren nichts gewonnen hatte, ans Mikro trat und die Ungerechtigkeit der Welt im Allgemeinen und des Bachmannpreises im Besonderen beklagte? Ah, genau, das war sie (danke, Aleks). Äh, nun ja. Allerdings sollte man Leuten vielleicht nicht ihre gekränkten Reaktionen von Vorgestern vorwerfen, denn das hat ja nichts damit zu tun, dass das bestimmt ein toller Roman ist.
Immerhin heißt die Protagonistin Ildiko, und ich habe heute morgen diesen meinen Text in diese tolle Maschine eingegeben, und dabei kam heraus, dass ich schreibe wie Ildiko von Kürthy. Da war ich erst ein bisschen, äh, dings, nachdem aber dieselbe Maschine behauptete, dieser Text sei geschrieben wie von Franz Kafka und der Lotterlebentext wie Charlotte Roche, war ich versöhnt. Oder, naja.
Wo war ich? Buchpreis. Von den Buchpreisträgern der letzten Jahre gelesen habe ich Arno Geigers „Es geht uns gut“ (2005), das fand ich, glaube ich, so ganz okay, aber nicht herausragend. „Die Mittagsfrau“ von Julia Franck (2007) fand ich sprachlich irgendwie unzulänglich, sodass ich schon keinen Blick mehr für den Inhalt hatte, erinnere mich aber an einzelne Szenen, die offenbar doch ganz eindringlich waren. Außerdem war ich dem Buch sowieso schon nicht wohlgesinnt, weil ich in dem Jahr wollte, dass Katja Lange-Müller den Preis bekommt. Und schließlich „Du stirbst nicht“ von Kathrin Schmidt (2009), das hat mich schon beeindruckt, wurde dann aber immer zäher, sodass ich es schließlich nicht mal zu Ende gelesen habe.
Man könnte, wenn man wollte, ein System erkennen: dass ich den Preisträger nämlich nur in ungeraden Jahren lese. Mal sehen. Es gab auf der diesjährigen Shortlist Bücher, die mich mehr interessieren, allerdings ohne dass ich das triftig begründen könnte. Und ich lasse mich natürlich auch gern eines Besseren belehren. Hat jemand das Buch schon gelesen?

NACHTRAG: Hier gibt es eine Leseprobe, und hier einen Artikel von FOCUS-Redakteur und Jury-Mitglied Jobst-Ulrich Brand „über eine kleine Sensation und ein großes Buch“. Klingt wirklich spannend. Und wieder eins mehr auf dem Wunschzettel.

Wilhelm-Raabe-Preis

Der Wilhelm-Raabe-Preis der Stadt Braunschweig und des Deutschlandfunks geht dieses Jahr an Andreas Maier für Das Zimmer. Eine Leseprobe gibt es hier. Herzlichen Glückwunsch! Ich geh dann mal meinen Amazon-Wunschzettel aktualisieren.

EDIT: Ich WÜRDE meinen Wunschzettel aktualisieren, aber Amazon führt das Buch nicht mal auf. Was sonderbar ist, denn normalerweise wird es doch immer angezeigt, auch wenn es vergriffen sein sollte. Hallo, Suhrkamp? Ich würde auch ein Rezensionsexemplar nehmen. Danke.

Nochmal EDIT: Das Buch gibt es doch, es wird nur über die Suche nicht gefunden. Sonderbar.

Nominierungen für den Wilhelm-Raabe-Preis

Im Herbst ist es immer grauenhaft, man kann gar nicht gegen all die Nominierungen und Long- und Shortlists und Preise und Lobehudeleien und überhaupt Neuerscheinungen anlesen. (Vor allem dann nicht, wenn man selbst gerade so viel zu tun hat.)

Der Wilhelm-Raabe-Literaturpreis wurde bislang alle zwei Jahre verliehen und war mit 25.000 € dotiert. Ab diesem Jahr wird er jährlich verliehen, und die Kooperationspartner Stadt Braunschweig und Deutschlandradio haben ihn auf 30.000 € aufgestockt.

Folgende Autoren und Bücher (in alphabetischer Reihenfolge) sind nominiert:

Iris Hanika: Das Eigentliche (Literaturverlag Droschl)

Thomas Hettche: Die Liebe der Väter (Kiepenheuer & Witsch)

Paulus Hochgatterer: Das Matratzenhaus (Deuticke)

Georg Klein: Roman unserer Kindheit (Rowohlt)

Rolf Lappert: Auf den Inseln des letzten Lichts (Carl Hanser Verlag)

Thomas Lehr: September. Fata Morgana (Carl Hanser Verlag)

Andreas Maier: Das Zimmer (Suhrkamp)

Alain Claude Sulzer: Zur falschen Zeit (Galiani Berlin)

Davon gelesen habe ich noch keins, aber zwei besitze ich immerhin schon mal. Weitere Informationen zu den Büchern finden sich beim Lesekreis.

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