Autorenstimme des Monats

„Jede noch so kritische Frage eines Übersetzers ist Ausdruck von Respekt – nur in der Hinterfragung liegt die Erfahrung von Sprache, die Möglichkeit zur Bildung jenseits der Einbildung: zur gegenseitigen Aus- und Fortbildung, daraus wächst manchmal innige Freundschaft. Es gibt wohl keinen genaueren Leser als den Übersetzer, der durch seine Zweifel jedes Luftloch eines Textes aufspürt. Wäre da nicht das Herr-Diener-Gefälle und die Unzulänglichkeit jeder Analogie, so würde ich den Schriftsteller gern als Don Quichotte und seinen Übersetzer als Sancho Pansa bezeichnen. In Wirklichkeit aber hat der Übersetzer mit seinem Werk in seiner Sprache eine weit größere Macht: er kann einem Text Eleganz verleihen, er kann ihn ebenso zerstören.“
Julia Franck

(Aus dem VdÜ-Pressenewsletter.)

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