Als dein Gesicht vor mir sich hob

Als dein Gesicht vor mir sich hob
und aufging über meinem Leben,
begriff ich erst: Erbärmlich arm
war ich. Nichts konnte ich dir geben.
Du schenktest mir den Wald, den Fluss,
das Meer in immer neuen Farben.
Durch dich erst war die Welt für mich
gemacht aus Regenbogengarben.
Jetzt hab ich Angst, es könnte sein,
der Sonnenaufgang geht zu Ende,
die Freudentränen trocknen ein.
Jetzt hab ich Angst. Und doch, ich wende
mich nicht dagegen, weil ich weiß:
Ich hab aus Liebe Angst. – Ich liebe.
Ich gäbe, gegen meine Art,
was drum, wenn diese Angst mir bliebe.
Von Angst bin ich gepackt. Von Angst,
wie schnell solch Augenblick vorüberweht.
Für mich sind alle Farben tot,
wenn dein Gesicht mir untergeht.

Jewgeni Jewtuschenko, Nachdichtung von Joachim Rähmer

Jewgeni Jewtuschenko ist gestorben.

Dieses Gedicht war einer meiner allerersten Blogeinträge, damals, 2005, weil der Rhythmus mich so begeisterte. Und heute ist ein guter Tag für ein Liebesgedicht im Blog, weil ich heute auf der Hochzeit eines Bloggers war. Lieber Bloggerfreund, wenn Du das hier liest, und deine zauberhafte Frau: Ich wünsche Euch, dass Ihr diese Angst nur im positiven Sinne habt.

Anderswo. Das Feuilleton

- Moderne Kunst? „Das hätte ich auch gekonnt.“ – Nein, hättest du vermutlich nicht. Kolja Reichert erklärt in der FAZ, warum „Das hätte ich auch gekonnt“ meistens eben nicht stimmt.

- Maximilian denkt über Punk nach.

- Suhrkamp baut in Berlin Mitte ein neues Verlagsgebäude.

- Weiß nicht recht, was ich davon halten soll: Martin Ebel im Tagesanzeiger über die Einteilung in E- und U-Literatur. Des Menschen Bedürfnis nach Schubladen scheint dringend. Zumindest hierzulande; im Angelsächsischen Raum ist das irgendwie nicht so wichtig.

- Anna Depenbusch hat eine neue Platte gemacht, und Hanna Klimpe hat sie in der taz portraitiert. Die CD erscheint am 17. März, ich werde sie sofort kaufen, wie bisher alles von Anna Depenbusch. Konzerttermine usw. gibt es hier.

- „Aber Singen ist Liebe, ist Enthusiasmus. Man muss Liebe geben. Und wichtig: Die anderen Musiker haben ein Instrument, wir Sänger nur uns selbst, und wir müssen uns selber gernhaben, sonst können wir nicht singen.“ Christa Ludwig im NZZ-Interview

- Guiseppe Verdi hat die Rechte an seinen Opern einem Altersheim für mittellose Musiker vermacht. Wie großartig ist das bitte? Der Schweizer Fotograf Eric Bachmann hat die Bewohner 1981 fotografiert, die Bilder sind jetzt in einem Buch erschienen.

- Und das hier ist der beste Song aller Zeiten, das beste Video sowieso.

Tadaaa! Der HörKules!

Der Pfau hat tatsächlich den HörKules gewonnen! Das ist der Publikumspreis für Hörbucher, also ganz herzlichen Dank allen, die abgestimmt haben! Es war nicht ganz herauszubekommen, ob „das Hörbuch“ den Preis bekommen hat oder Christoph Maria Herbst, er hat die ausnehmend geschmackvolle Trophäe jedenfalls aufs Charmanteste in Empfang genommen. Wie dem auch sei: Hier sehen wir zwei Honigkuchenpferde auf einem schlechten Handyfoto.

Es gab eine große Gala zur Verleihung aller Hörbuchpreise, der Hörkules ist da so ein bisschen angedockt und kommt ganz am Schluss: Nachzusehen hier, ab ca. 1:35. Ich freu mich wie verrückt! Oder wie meine Kollegin Katarina Ganslandt sagte: Crazy ist das neue Normal, aber es bleibt trotzdem crazy.

Was machen die da? Regula Venske ist Generalsekretärin des PEN Deutschland

Ich freu mich gerade ganz überdimensioniert, denn: Nach einem Jahr Pause geht es endlich weiter mit „Was machen die da“! Das hatte ich offenbar tatsächlich vermisst und merke es erst jetzt so richtig. Aber im letzten Jahr ging nichts, ich war ja dauernd unterwegs. Jetzt aber! Ich bin wieder hauptsächlich zu Hause, alles geht back to normal, und Maximilian und ich führen wieder Interviews. In welchem Rhythmus wir das schaffen, müssen wir mal sehen. Unsere Liste mit interessanten Leuten ist jedenfalls lang, wir haben jede Menge Pläne.
Zum Start haben wir gleich eine ganz besonders tolle Frau interviewt: Regula Venske ist Generalsekretärin des deutschen PEN, der wichtige politische Arbeit leistet. Bitte aufs Bild klicken.

Anderswo: Das Feuilleton

Huch, da ist doch glatt schon wieder ein kleines Feuilleton zusammengekommen.

- Ekkehard Knörer erzählt vom Krie, wie das früher mit den Blogs war. Ganz früher. So vor 10-15 Jahren, als das mit den Blogs erst anfing, als man dieses neue Phänomen noch mit „Internettagebuch“ erklärte, als es eine Antville-Community gab, als ich auch anfing mit dem Bloggen. Ich habe die auch alle gelesen, die da erwähnt werden. Das ist ein nostalgischer Text, ich weiß nicht, ob Leute was damit anfangen können, die nicht dabei waren, ich jedenfalls werde mit nostalgisch.

-Johann Dehoust erkundet den Hamburger Hansaplatz.

- Rainer Moritz in der NZZ über die Bedeutungslosigkeit des Literaturkritikers. Ach Mensch, das arme Hascherl! Hihi.

- Christopher Schmidt, leitender Literaturredakteur der Süddeutschen, ist gestorben.

- Klaus Ungerer hat jede Menge Buchideen. Und eine tolle Agentin.

- Nicht schön: Bei Hugendubel (mindestens in in Ulm und Frankfurt) werden rechtspopulistische und verschwörungstheoretische Bücher prominent präsentiert und beworben. Die Kette beruft sich auf Meinungs- und Pressefreiheit. Werte, die mir heilig sind. Das bedeutet für mich dann allerdings, vorerst nicht in einem Laden einzukaufen, der (meiner Meinung nach) menschenverachtende, wahrheitsverzerrende Werke promotet.

- Jan Wagner war eine Woche im Iran und erzählt im Deutschlandfunk von seinen Begegnungen. (Dönchen am Rande: neulich kam ich ins Wohnzimmer, wo der lustige Mann fernsah. Sagt er: „Wollen wir nicht mal in den Iran fahren?“ Ich: „Hä?“ Er: „Da lief gerade eine Reportage über junge Künstler im Iran, das ist alles so großartig! An den Kunsthochschulen sind lauter junge, ganz tolle Frauen, die machen SO tolle Sachen! Eine Frau hat aus ihren eigenen Haaren und denen ihrer Mutter ein Kopftuch gewebt. Wie großartig ist das denn bitte? Ich glaube, die rocken das da, die jungen Frauen. So super. Mal ehrlich: Diese bärtigen, alten Männer, die sind doch ein Auslaufmodell.“)

- Kaffee ist fertig! Oder halt nicht. Beim Hanser-Verlag.

- Youtube-Fundstück, beziehungsweise Elbphilharmonie-dann-doch-keine-Tickets-mehr-bekommen-Fundstück: Das Herbert Pixner Projekt.

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