Wunsch

Unfassbar, wie beknackt ist das denn! Kostet leider 55,- €, das ist für den kleinen Gag zwischendurch ein bisschen viel, aber was! für! eine! sensationelle! Idee! Großartig!

(Bestellbar zum Beispiel bei Kohlibri.)

Sonderausgabe Bücherstöckchen: Von der Schule, Büchern und dem Erwachsenwerden

In der siebten oder achten Klasse mussten wir Bücher vorstellen. Man sollte sich selbst ein Buch aussuchen, kurz etwas über Inhalt und Autor sagen und warum man das Buch mag, und dann ein Stück vorlesen. Jeweils zwei oder drei Schüler zu Beginn einer Stunde, dann normaler Unterricht. Es zog sich über einige Wochen hin, bis die ganze Klasse durch war.
Mein Nachname war weit vorne im Alphabet, ich war eine der ersten, mit mir zusammen waren Nicola und Anouschka dran. Anouschka stellte „Die Akte Odessa“ von Frederick Forsyth vor. Ein Thriller. Ich kannte nicht mal das Wort „Thriller“. Ein richtiges Erwachsenenbuch, es klang irgendwie spannend und nach einer vollkommen fremden Welt.
Nicola hatte „Verwirrung der Gefühle“ von Stefan Zweig dabei. Eine Dreiecksgeschichte! Und dann kommt auch noch raus, dass einer schwul ist! Unfassbar. Klang ebenfalls sehr erwachsen, sehr beeindruckend und sehr fremd.
Während die beiden vortrugen, wurde ich auf meinem Stuhl immer kleiner. Das Buch, das ich mitgebracht hatte, hieß „Britta und ihr Pony“*. Es war aber nicht nur irgendein blödes Pferdebuch! Sondern es ging unter anderem um ein blindes Mädchen, das trotzdem reiten konnte, obwohl es nichts sah. Das fand ich total toll und interessant, sie hat zum Beispiel eine Uhr zum Tasten, und wenn sie auf dem Platz reitet, hängt sie so knackende Dinger in zwei Ecken, damit sie immer hören kann, wo sie ist. Und dann passiert irgendwas Gefährliches, habe ich jetzt vergessen, und am Ende rettet das Pony das blinde Mädchen irgendwie, glaube ich. Das war damals mein Lieblingsbuch, und ich fand, man könnte sich auch ruhig mal damit beschäftigen, wie es ist, blind zu sein. Und dann auch noch Pferde, ist doch super.
Bis zu dem Morgen war ich überzeugt gewesen, dass dieses Buch eine gute Wahl war. Ich hatte mir die rührendsten Stellen über das blinde Mädchen rausgesucht, sie gekürzt, um möglichst viel unterzubringen, ohne zu lang zu werden, und das Vorlesen geübt. Ich habe mich darauf gefreut, meiner Klasse dieses tolle Buch vorzustellen. Während Anouschka und Nicola ihre Bücher vorstellten, merkte ich sehr genau, dass ich jetzt würde tapfer sein müssen. Augen zu und durch.

*Laut Amazon stimmt das anscheinend gar nicht, es dürfte ein anderer Band aus der Britta-Reihe von Lisbeth Pahnke gewesen sein. Vielleicht „Britta reitet in den Sommer“, da kommt mir das Cover so bekannt vor. Ist aber auch nicht so wichtig.

Tag 20 – Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast

Hans Peter Richter: Damals war es Friedrich
„Damals war es Friedrich“ war, glaube ich, meine allererste Schullektüre, es wird in der fünften Klasse gewesen sein. Ich habe es sehr gemocht, das weiß ich noch, und ich weiß auch noch den ersten Satz: „Irgendwer hatte ihn Polycarp getauft.“ Polycarp war der Gartenzwerg im Vorgarten des Mietshauses, und der Name war unter anderem deswegen ein bisschen lustig, weil jemand in meiner Klasse mit Nachnamen Carp hieß. In der Geschichte geht es um die Freundschaft zweier Jungen in der Nazizeit; es stellt sich dann heraus, dass einer der beiden Jude ist. Mehr weiß ich nicht mehr, ich habe das Buch auch nicht mehr. Wir hatten auch nicht diese Ausgabe, sondern eine andere. Aber ich fand es toll und habe es gerne gelesen und fand es auch super, ein ganzes Buch zusammen mit der Klasse zu lesen. In der Schule Bücher lesen: super Sache.

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Kunst

„Was Kunst ist, wissen Sie ebensogut wie ich, es ist nichts weiter als Rhythmus. Wenn das aber wahr ist, so beschwer ich mich nicht mit Imitation oder mit Seele, sondern gebe schlicht und einfach Rhythmus mit jedem beliebigen Material, Straßenbahnfahrscheinen, Ölfarbe, Holzklötze, ja, da staunen Sie Bauklötze, oder mit dem Wort in der Dichtung, dem Ton in der Musik, oder wie Sie wollen. Darum sehen Sie sich nicht das Material an, denn das ist unwesentlich. Suchen Sie nicht versteckt irgendeine Imitation von Natur, fragen Sie nicht nach Seelenstimmungen, sondern suchen Sie trotz des ungewöhnlichen Materials, den Rhythmus in Form und Farbe zu erkennen. Mit Bolschewismus hat das ebensowenig zu tun wie der moderne Bubikopf. Dafür ist es die Essenz aller Kunst, das heißt, jedes Kunstwerk aller Zeiten musste diese primäre Forderung erfüllen, Rhythmus zu sein, sonst war es nicht Kunst.“??

Kurt Schwitters, 1926

(Schon mal gebloggt. Aber egal. Kann man nicht oft genug sagen.)

Tag 19 – Ein Buch, das du schon immer lesen wolltest

Lolita. Lolita wollte ich schon immer mal lesen. Um klassische Bildung nachzuholen. Und weil es alle toll finden, ich kenne niemanden, der es gelesen hat und nicht liebt. Man hat es mir hundertmal ans Herz gelegt. Wie man sieht, besitze ich es ja auch schon. Aber jetzt übersetze ich gerade ein Buch über die erwachende Sexualität dreizehnjähriger Mädchen, die sich in mitte-vierzig-jährige Männer verlieben, und das ist alles sehr unangenehm, die Männer ebenso wie die Mädchen, die ganze Atmosphäre ist schmierig. Soll ja bei Lolita nicht so sein. Schaumermal. Nach dieser Übersetzung brauche ich jedenfalls erstmal was ohne Pädophile.

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