Split, Tag 12
Heute ist zum ersten Mal so ein richtiger Mittelmeer-Sommertag, wie man sich das vorstellt. Nicht richtig heiß, aber herrlich warm und einfach den ganzen Tag blau. Ich glaube, die Möwen brüten doch nicht auf meinem Dach. Als ich heute Morgen rauskam, waren sie nicht da, ich konnte ganz unbehelligt auf die Terrasse, auch unter dem Dach hervor. Keine Möwe, nirgends. Irgendwann kam eine, setzte sich oben auf die Satellitenschüssel und plapperte ein bisschen vor sich hin, aber kein Geschrei, keine Aggression, nichts. Ich glaube, es geht einfach darum, wer zuerst sein Handtuch hinlegt, und heute war ich das. Wenn sie nach mir kommen, ist es okay, dass ich da bin. Ich werde das weiter beobachten.
„Habe wieder begonnen, morgens nackt ein wenig zu turnen.“ Thomas Mann, Tagebuch, 20. Juli 1934
Ich bin nicht Thomas Mann, ich habe angezogen geturnt und auch nicht wirklich morgens, aber draußen, das macht mir große Freude. Gegenüber ist zwar ein Haus, aber das ist erstens ein bisschen entfernt, zweitens habe ich noch nie eine Bewegung hinter den Fenstern bemerkt, ich glaube nicht, dass irgendjemand mir zuguckt. Und wenn, dann stört es vermutlich keinen großen Geist. Der Terrassenfußboden ist uneben und hart, ich habe mir tatsächlich extra eine Reise-Yogamatte gekauft, die natürlich eher dünn ist, aber es ist trotzdem so schön, es draußen zu machen!
Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse. Blöd, wenn man beschlossen und auch noch verkündet hat, täglich zu bloggen, denn dann muss man das ja auch einhalten, auch wenn nichts passiert. Die Ankündigung mit dem täglichen Eis war schlau, weil ich mir sonst zutraue, auch mal die Wohnung gar nicht zu verlassen, und das wäre wirklich bescheuert. Aber so habe ich eine Eisverpflichtung meinen Leser:innen gegenüber und muss einmal am Tag raus, das ist gut für mich. Ich versuche außerdem, mir für jeden Tag ein paar kleine Aufgaben zu geben, das Hauptprojekt, das Nebenprojekt, ein drittes, angefragtes Ding, über das ich nochmal nachdenken muss. Lesen. Turnen (angezogen). Bisschen was recherchieren. Sonst prokrastiniere ich ganze Tage weg, da bin ich schlimm. Hier gibt es einen ganzen Artikel darüber, warum Autor:innen besonders schlimm prokrastinieren, er ist allerdings hinter einer Bezahlschranke, und ich kann ihn nicht lesen. Ich habe noch neun Tage hier, und dann muss ich mit irgendeinem Ergebnis oder zumindest einem nennenswerten Schritt nach Hause kommen. Morgen, morgen wird hier SO RICHTIG was passieren, morgen bin ich fleißig und konzentriert und werde einen kreativen Durchbruch haben, aber sowas von, ischwör!

