- Praktisch: das mitwachsende Bücherregal.
- Lesebändchen! Zum Einkleben! Wie toll ist das denn! Ich habe gleich mal welche bestellt und eins schon eingeklebt, allerdings noch nicht wirklich dem Alltagstest unterzogen. Ich bin ja schon immer der Meinung, dass ein anständiges Buch ein Lesebändchen haben soll.
- Vor sechs Wochen kündigte Verleger Christoph Schroer in einem offenen Brief die Zusammenarbeit mit Amazon. Jetzt zieht er im Börsenblatt Bilanz.
- Meine Freundin und Kollegin Katy Derbyshire auf „Authors and Translators“ über ihre Arbeit als Übersetzerin deutscher Literatur ins Englische. ♥♥♥
- Jan Karsten über den neuen Verlag CulturBooks im Buchreport.
- Pablo Neruda wird exhumiert – „wegen Mordverdacht“, wie die FAZ so schön irreführend schreibt. (Und, liebe FAZ: Urne? Leiche? Was denn jetzt? In Urnen ist ja üblicherweise Asche, kann man die noch auf Mord untersuchen? Eher nicht, oder?)
- Ich hatte noch ungefähr vier Tabs offen mit Seiten, die ich hier verlinken wollte. Und dann ist Safari abgestürzt. Was war das denn noch? Keine Ahnung. Deswegen nur Quatsch zum Schluss: Flamingo Pride. Der einzige heterosexuelle Flamingo auf der Suche nach der Liebe.
Hurra! Die beste Jenny von allen und ihr Mann machen einen Selbstversuch und wollen einen Monat lang vegan leben. Wie das so läuft, wird sie hier gelegentlich berichten. Ich freu mich sehr – dass sie es versuchen wollen (ich bin ja noch zu bequem dazu), und dass sie uns hier teilhaben lassen. Here goes:
***
Von wegen vegan
von Jenny Merling
Tag 1 (08.04.)
Hochmotiviert sieht anders aus, ich geb’s zu. Es ist eher ein vorsichtig-freundliches Entgegensehen. Dem veganen Monat nämlich, auf den gemeinsam durchzustehen der Mann und ich uns gestern die Hand gegeben haben. Wir wollen einfach wissen, wie es ist. Wollen es mal gemacht haben. Meine Erwartungen sind einige frustrierende Momente, aber meine Hoffnung ist auch eine Bereicherung des Speiseplans und ein generelles ernährungsbezogenes Umdenken. Weil Umdenken und neue Erkenntnisse ja eigentlich immer gut sind.
Wir haben uns als Rezept-Inspiration „Vegan for fit“ von Attila Hildmann gekauft. Die Rezepte darin klingen gut (und was wir bis jetzt ausprobiert haben, schmeckt auch); die Philosophie hingegen kann ich nicht gut ertragen, wenn ich ehrlich bin. Ich finde die Attitüde dieses Buchs zu verbissen, was vielleicht daran liegt, dass es dem Autor stark um Gewichtsreduktion dank veganer Lebensweise geht. Vor dem Kapitel mit den Rezepten für vegane Desserts erfolgt beispielsweise noch einmal die Erinnerung des Autors, dass ein Dessert eine Belohnung darstellt und eine Belohnung gibt’s nur, wenn man davor Sport gemacht hat. Das regt mich auf. Ich will ein Dessert essen, weil ich da Lust drauf habe, ich finde die Vorstellung gruselig, mir mein Essen „verdienen“ zu müssen. Der Mann nimmt’s – Überraschung! – gelassener. Aber gut.
Zum Frühstück gibt’s heute Sojajoghurt mit Amaranth und Kokoschips, gesüßt mit Agavendicksaft, dazu Banane und Heidelbeeren. Das Rezept ist aus „Vegan for fit“, schmeckt super, der Mann und ich haben es schon ein paar Mal gegessen, leckeres Frühstück. Doch dann die erste Hürde: der Kaffee. Den ich immer mit Milch trinke. Nun also stattdessen mit Haferdrink. Ich rechne mit dem Schlimmsten, koste, finde die Angst bestätigt, und überlege kurz, ob ich vielleicht ganz auf den Kaffee verzichten sollte. Dann übernimmt aber mein innerer Homer Simpson, der sich ja bekanntlich auch gern gegen die vernünftige Variante entscheidet und einstmals seinen Durst lieber mit Krabbensaft als mit Wasser löschte, und ich stürze den Haferdrink-Kaffee. Woraufhin es mich vor Ekel aktiv durchschüttelt. Werde die Vielfalt der Soja- und Getreidedrinks noch ein bisschen erkunden. Habe generell ein Problem mit diesem leicht nussigen Beigeschmack, um den man bei Getreidetrinkprodukten aber wohl nicht herumkommt, da kommen harte Zeiten auf mich zu.
Der Mann trinkt seinen Kaffee vergnügt schwarz. Der hat’s gut.
Als Snack gibt’s am Vormittag zwischendurch Birne und Möhre sowie eine Scheibe selbstgebackenes Brot mit Paprika-Nuss-Aufstrich (von DM und sehr lecker).
Zum Mittag ein Rezept aus dem Internet: Quinoa-Salat mit Walnüssen, Radieschen, Frühlingszwiebeln, Erbsen und Schalotten. Da wir keinen Quinoa auftreiben konnten, haben wir das Ganze stattdessen mit Wildreis gemacht. Der Salat klang gut, frisch, frühlingshaft, ungewöhnlich. Stattdessen die ebenso überraschende wie bittere Erkenntnis für mich: This is what evil must taste like. Also noch eine Scheibe Brot mit Paprika-Aufstrich.
Mein Problem am Nachmittag: Ich bin leidenschaftlicher Snacker. Fünf Seiten übersetzt, Kopf leer, Bauch grummelig, zwei Kekse eingefahren, weiter geht’s. So läuft das normalerweise bei mir. Statt Keksen gern auch mal Lakritze oder diese Schlümpfe, die einem noch eine Stunde später in Teilen an den Backenzähnen hängen. Ich bin da flexibel, ich bin da nicht so, die Auswahl ist ja groß. Bis gestern.
Heute ist das Schlumpf-Lakritz-Keksregal tabu. Das krieg ich auch so hin, denke ich noch. Schiebe mir in der Kopf-leer-Pause einen Riegel Sesamkrokant ein (schmecken die bei anderen auch immer ein bisschen schimmlig oder liegt das an mir?). Und esse gegen den unweigerlich um den Nachmittag herum einsetzenden Süß-Appetit eine Kiwi. Hm. Netter Versuch, Obst. Und jetzt? Die Kiwi hilft tatsächlich eine Weile, wenn ich ehrlich bin. Aber eben nicht so, wie ich mir das vorstelle. Also ohne Süßkram weiterarbeiten? Ohne Süßkram weiterarbeiten.
Um 17:30 Uhr stehe ich mit irrem Blick bei Rossmann vorm „gesund“-Regal und lese mich durch die Zutatenliste jeglicher Produkte, die auch nur im entferntesten süß klingen. Nichts. Überall ist Molkepulver oder was ähnliches drin. Da erspähe ich Quinoa-Kekse mit Zartbittercreme. Der geschulte Konsument erkennt in der Füllungsbeschreibung natürlich sofort eine diplomatische Formulierung für „soll nach Schokolade klingen, hat aber eigentlich nichts damit zu tun“. Ich greife geradezu siegestrunken nach der Packung und scanne die Rückseite. Kein Milchpulver, nur Kakao (sogar fair trade!), Pflanzenfett, alles super. Doch da. Ha! Honig. Honig ist ein tierisches Lebensmittel. Aber nun ja, denke ich, muss man denn päpstlicher sein als … Aber nee. Ich kann nicht schon am ersten Tag schummeln. Ich sinke in mich zusammen und schleppe mich zur Kasse, links einen Reisdrink, rechts einen Dinkeldrink in der Hand.
Zu Hause kippe ich grimmig eine Packung Edel-Nuss-Mix und eine Tüte getrocknete Cranberries zusammen. Ja, ist ja lecker. Ich geb’s zu. Aber bei Gott, Kekse sind was anderes.
Abends dann Brot mit Curry-Mango-Streich, Tomaten und Bulgursalat. Das einzige Manko: Heute nichts Warmes gehabt.
Wie oft man an Sachen denkt, sobald man sie nicht mehr „darf“. Fühle mich wie damals, als ich mit dem Rauchen aufgehört habe. Das war für alle Beteiligten eine recht … intensive Zeit. Aber damals isses irgendwann besser geworden und das muss auch hier so sein. Sag ich mir.
Heutiger negativer Aspekt für mich: Die Sache mit dem Kaffee. The need is strong in this one. Morgen neuer Versuch mit dem von Isa empfohlenen Reisdrink. Wünscht mir Glück.
Heutiger positiver Aspekt für mich : Kiwis helfen tatsächlich ein bisschen über den Süß-Appetit hinweg.
Motivation: 7/10
Zitat des Mannes zum heutigen Tag: „Außerhäusisch kommt man bei ausreichendem, jedoch unspezifischen Appetit schnell an den Punkt, den Gang durch eine Einkaufspassage als Vor-der-Nase-Dengeln von Köstlichkeiten wahrzunehmen, die man aber nicht essen darf. Menno!
Andererseits würde ich es nicht als unerstrebenswert erachten, in eben diesem Aspekt etwas duldsamer und weniger impulsiv zu werden. Und wenn das auch nur heißt, eben doch das (vegane oder irgendwann mal wieder nicht-vegane) Mitgebrachte zu essen, auch wenn was anderes einen anlächelt.“
Motivation: 7/10
(Einleitung: Besser ist das)
Angefangen hat es bei mir mit dem Fleisch. Wahrscheinlich war mal wieder das Internet schuld, wo lauter kluge Leute zunehmend über das Thema Ernährung schrieben; ich weiß es nicht mehr. Als ich den Auftrag bekam, Foers „Tiere essen“ mitzuübersetzen, rannte das Buch jedenfalls schon offene Türen ein und hat mich schwer beeindruckt. Ich habe viel recherchiert, viele Filme auf Youtube geguckt, gelesen, mich intensiv mit dem Thema beschäftigt.
Ich esse leider sehr gern Fleisch, und ich bin auch nach der Übersetzung nicht Vegetarierin geworden, auch wenn Teile meines Umfelds das zu glauben scheinen. Wann immer ich auf Facebook irgendwas von Fleisch schreibe, kommentiert jedenfalls ziemlich sicher jemand „das ist aber nicht vegetarisch“ oder „was sagt denn Herr Foer dazu?“ (weiterlesen …)
Ein paar Tage hatte ich so richtig schlechte Laune. Einigermaßen grundlos eigentlich, ich habe halt mal wieder weniger geschafft, als ich mir vorgenommen hatte, ich will Frühling, ich war zu wenig draußen. Also Jammern auf hohem Niveau, aber manchmal ist man eben scheiße drauf. Vorgestern Abend las ich dann im Jazzlog den Eintrag über die Virtuelle Möhre. Hat mir sofort eingeleuchtet. Natürlich ist das ein alter Trick gegen schlechte Laune, sich auf irgendwas zu freuen, aber das Bild von der virtuellen Möhre kannte ich nicht, und es hat mir so gut gefallen, dass ich es gleich twittern musste.
Das Internet ist einer der besten Orte der Welt. Und das liegt an Leuten wie Giardino. Heute bekam ich nämlich Post, ein kleines, weiches Päckchen. Danke, lieber Giardino, ich bin mal wieder sehr gerührt. Und werde mir etwas einfallen lassen, wie ich sie mir vor die Nase hänge, die unvirtuelle Möhre.
