Tirili-Nachlese

Unser Tonmann Lars hat wieder ganze Arbeit geleistet und sogar eine komplett neue Webseite eingerichtet für die Aufnahme der Tirililesung, und so gibt es jetzt den ganzen gestrigen Abend zum Nachhören. Bitteschön: Tirili!
Es war ein wundervoller Abend, wie immer, mit wirklich tollen Texten und zauberhaftem Publikum. Danke Euch allen!

Liebes Tagebuch,

heute ist Welttag des Buches. Man könnte an der Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ teilnehmen, man könnte an x anderen Aktionen zum Welttag teilnehmen, man könnte irgendetwas zum Thema Bücher oder Welttag schreiben, wenn man nicht Kopfschmerzen hätte. Außerdem ist auch Welttag des Urheberrechts und Welttag des Bieres. Bier mag ich nicht, ich könnte auch darüber schreiben, dass ich kein Bier mag und das manchmal total doof finde.
Morgen ist „Fashion Revolution Day“, Jahrestag des Einsturzes von Rana Plaza, darüber könnte man etwas schreiben, man könnte x Webseiten zum Thema verlinken und überhaupt mal wieder etwas zum Thema „Besser ist das“ machen und faire Kleidung und so weiter. Es gibt eine Aktion, dass man seine Kleidung morgen auf Links tragen soll, um sichtbar zu machen, woher sie kommt, aus Bangladesh zum Beispiel, oder eben nicht. Das könnte man alles erst nochmal nachlesen und dann entsprechend verlinken und zum Mitmachen aufrufen und was man nicht sonst noch alles könnte, wenn man nicht Kopfschmerzen hätte und irgendwie total k.o. wäre.
Ich weiß nicht, was das soll, wir haben irre viel für „Was machen die da?“ gemacht, aber das wäre ja nicht unbedingt ein Grund, so kaputt zu sein, und vor allem gibt es keinen vernünftigen Grund für Kopfschmerzen, niemals, Kopfschmerzen sind ja immer sinnlos. Aber so ist es nun, ich bin platt. Die normale Arbeit ist ja auch noch, ein Roman will fertiggeschrieben werden, und ich habe auch schon wieder mit dem Übersetzen angefangen, ganz zaghaft erstmal, aber der erste Abgabetermin dräut schon wieder, irgendwo da hinten am Horizont.
Statt also Welttage und Aktionen zu bloggen, werde ich jetzt meine Restkraft aufwenden, um ein gutes Kilo Spargel zu schälen und mich nach dem Verzehr desselben für den Rest des Tages in die Badewanne zu legen. Oder vielleicht noch ein bisschen zu schreiben, mal sehen. Einer muss ja.

Ach so, morgen ist Tirili, da kommt ihr ja alle, ne? Gut.

Was machen die da? Falk Schreiber, Kulturjournalist

Letzte Woche haben wir zwei Kulturjournalistinnen aus dem Fernsehen vorgestellt, diese Woche bleiben quasi wir beim Thema, wechseln aber in den Printbereich. Dochdoch, den gibt es noch. Und von der Literatur zum Theater.

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Ich kenne Falk aus dem Internet. Er schreibt das Blog Bandschublade, bloggt bei den Flaneuren mit und twittert als Zahnwart (da fällt mir ein, dass ich ihn schon immer mal fragen wollte, was es mit dem Namen auf sich hat). Hauptberuflich ist er Journalist, Kulturjournalist, genauer gesagt Theaterkritiker. Ich bin immer sehr beeindruckt von seinen klugen Texten über Stücke, die ich selbst gar nicht gesehen habe, ich weiß aber, dass mir nie im Leben so kluge Dinge dazu einfallen würden. So viel Hintergrundwissen!
Wir haben Falk im „Nachtasyl“ getroffen, der Bar hoch oben über dem Thalia-Theater. Und ich habe mal wieder gedacht: man fragt die Leute viel zu wenig aus. Ehrlich. Ich kenne Falk schon länger, wir treffen uns gelegentlich, essen zusammen oder gehen aus oder so, reden über alles mögliche … und dann frage ich ihn endlich über seine Arbeit aus, und er sagt mal wieder lauter tolle Sachen. Dinge, die mich überraschen. Zum Beispiel einen Satz, den zwei Wochen später (im Blog allerdings schon eine Woche früher) auch Julia Westlake sagt, und zwar quasi wörtlich.
Danke sehr, Falk!

Nach so viel Kultur wird es übrigens nächste Woche deutlich, äh, bodenständiger. Höhö. Und die Woche danach noch mal ganz anders. Hach, das macht alles so einen Spaß!

Neuerscheinung: Dagmara Dominczyk: Wir träumten jeden Sommer

DominczykSommerDon’t judge a book by its cover. Or by its title. Die drei Freundinnen Anna, Kamila und Justyna stehen vor den Trümmern ihrer respektiven Beziehungen. Und damit den Trümmern ihres Lebens. Anna ist bereits als Kind mit ihren Eltern aus Polen in die USA ausgewandert und hat nur die Sommerurlaube in Polen verbracht; sie ist inzwischen Schauspielerin, mittelmäßig erfolglos, und trennt sich nach einer Abtreibung von ihrem Freund.
Kamila, die gern Dichterin geworden wäre, hat endlich begriffen, dass ihr Mann schwul ist. Justyna ist die bodenständigste der drei, hat immer am heftigsten gefeiert und getrunken und war sehr früh schwanger. Ihr Mann wird ermordet.
Die drei könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch haben sie die Sommer ihrer Kindheit stets miteinander verbracht. Anna verbrachte die Sommerferien in Polen, Justyna und Kamila buhlten um ihre Freundschaft. Die drei machen erste Erfahrungen mit Jungs, gehen zelten, üben Trinken und Erwachsenwerden. Jetzt sind sie erwachsen und haben sich weitgehend auseinandergelebt, sie leben in ganz verschiedenen Welten. Aber als sie alle drei in der Krise stecken, suchen sie einander doch wieder. Und die sogenannten guten alten Zeiten, die so toll auch nicht immer waren.
Der Verlag verspricht mit Titel, Cover und Klappentext einen leichten Sommer-Freundinnenroman und tut ihm damit unrecht. Allerdings verliert der Roman bei aller Härte nie den Humor, und wahrscheinlich hat mir die Übersetzung deswegen so viel Spaß gemacht. Ich mochte die Mädels, alle drei, auch wenn man sie manchmal packen und schütteln will. Ich hatte Spaß daran, Justynas derbe, manchmal geradezu vulgäre Sprache zu übersetzen, und ich habe wochenlang Jolka Jolka vor mich hingesummt.
Ich wünsche dem Buch wirklich von Herzen Erfolg. Fürchte aber, dass viele, die es vielleicht gern lesen würden, es ind er Buchhandlung gar nicht erst in die Hand nehmen werden, weil es so viel seichter daherkommt, als es ist.

Dagmara Dominczyk: Wir träumten jeden Sommer. Insel, 285 Seiten, 19,95 €
Als E-Book 16,99 €.