Eisig

Seit ich denken kann, kann ich den Winter nicht leiden. Kalt, nass, bäh. Und dann war es vor zwei Jahren so richtig kalt, also: so richtig. Tagelang unter Null. Und plötzlich habe ich nicht mehr den Frühling herbeigesehnt, sondern gehofft, dass es noch lange genug kalt bleibt, dass die Alster zufriert und man darauf herumlaufen kann. Tagelang hatte ich am Schreibtisch die Alsterwetter-Webcams offen und habe der Alster beim Zufrieren zugeguckt, habe dauernd irgendwelche Wetter- und Nachrichtenseiten aufgerufen, auf denen die aktuelle Eisdicke gemeldet wurde, und es hat geklappt: die Alster fror zu. Ich war an einem der ersten Tage drauf, als nur ein paar Leute auf dem Eis herumschlidderten, es war herrlich. Dann hat es geschneit, da war nichts mehr mit Eis und Schliddern, es lag zu viel Schnee auf der Eisdecke, dafür gingen aber mehr und mehr Leute drauf, bestimmt zwei Wochen lang. Es war die meiste Zeit grau und schneite und war kein wirklich schönes Wetter, aber ich fand es so! schön!, auf der Alster herumzulaufen. So schön. Seitdem bin ich mit dem Winter versöhnt.
Letztes Jahr war es nicht kalt genug. Dieses Jahr … im Moment sieht es gut aus. Seit drei oder vier Tagen ist es durchgehend unter null Grad, das Wetter ist sonnig und herrlich klar. Ich war gestern schon mal gucken. Noch fahren die Schiffe, das Eis in der Mitte wird also immer wieder aufgebrochen. Aber am Rand ist es schon schön dick, Eisschollen schieben sich übereinander, es knackt und knistert, die Sonne scheint, es ist wirklich eisig kalt, und ich drücke die Daumen, dass es noch lange genug kalt genug bleibt. Und am liebsten trocken, kein Schnee aufs Eis. Fast spiele ich mit dem Gedanken, mir Schlittschuhe zu kaufen. Hach. Dass ich auf meine alten Tage noch den Winter lieben lernen würde! (Klick auf die Bilder macht sie groß.)

WRITING THE BLUES

Neulich empfahl ich hier Zora Neale Hurstons wundervolles Buch – und zack! gibt’s eine Lesung mit Übersetzer und Lektorin. Nächste Woche Dienstag in der Buchhandlung Christiansen in Ottensen. Das wird bestimmt sehr interessant.

WRITING THE BLUES
Zora Neale Hurstons großer Liebesroman „Vor ihren Augen sahen sie Gott“
Eine Klassikerin der schwarzamerikanischen Literatur, neu übersetzt von Hans-Ulrich Möhring.
Mit Hans-Ulrich Möhring und Karen Nölle

Dienstag, 7. Februar 2012, 20 Uhr
Ort: Buchhandlung Christiansen
Bahrenfelder Straße 79,
22765 Hamburg; Tel. (040) 3902072
www.buchhandlung-christiansen.de
Eintritt 5 Euro

Florida 1928. In einer einzigen Nacht erzählt Janie ihrer besten Freundin Pheoby, wie sie aufbrach, ein anderes Leben zu führen, wie sie mit dem viel jüngeren Tea Cake endlich das Glück fand und was geschah, als der große Hurricane kam. Mit Leidenschaft und Lebensweisheit zeichnet Zora Neale Hurston das Bild einer Liebe zwischen Frau und Mann, die zur alles verändernden Kraft wird. In ihrer Geschichte geht es nicht um die gegenseitige Anklage der Geschlechter, die der traditionelle Blues so häufig singt, sondern um die Feier der freien Begegnung.

Mit Ausschnitten aus dem Original und Musikbeispielen werden Übersetzer und Lektorin in dieser Lesung anschaulich machen, worin die besondere Herausforderung dieses Buches besteht. Kann man die Lebendigkeit eines Textes, der im Original weitgehend in schwarzer Mundart geschrieben ist, im Deutschen erhalten?

Gefördert durch die Robert Bosch Stiftung
Eine Veranstaltung der Weltlesebühne, edition fünf und Buchhandlung Christiansen

Tante Isas kleine Deutschstunde: zurecht / zu Recht

Das kleine Wörtchen zurecht gibt es eigentlich gar nicht. Jedenfalls nicht als eigenes Wort, sondern ausschließlich als Vorsilbe von Verben: zurechtkommen, zurechtrücken, zurechtbiegen, zurechtschneiden und so weiter. Es handelt sich bei all diesen Verben um sogenannte trennbare Verben, das heißt, in flektierten Formen zerfallen sie gegebenenfalls in zwei Teile:
Ich komme schon zurecht. Du rückst etwas zurecht. Er biegt ein Stück Draht zurecht. Die Schneider schnitten den Stoff zurecht. Und im Perfekt: hat zurechtgeschnitten.
Etwas ganz anderes ist die Wendung zu Recht. Sie bedeutet sowas wie: Mit einem gewissen Recht. Man kann sie von dem Verbbestandteil ganz einfach unterscheiden, in dem man ausprobiert, ob man es durch mit Recht ersetzen kann. Dieses Verbot besteht zu Recht. Das kommt nicht von „zurechtbestehen“! Sondern es besteht mit einem gewissen Recht.
Das ist zwar vollkommen logisch, ist aber offenbar doch nicht so einfach. Und deswegen behaupte ich, dass ich diesen Eintrag hier vollkommen zu Recht geschrieben und mir nicht einfach irgendwas zurechtgeschrieben habe! Im Zweifel immer einfach die Probe mit „mit Recht“ machen. Danke.

Apotheke

Ich: Guten Tag, ich habe die Rückenschmerzen aus der Hölle.
Apothekerin: …
I: Ich kann weder stehen noch sitzen noch liegen.*
A: …
I: Ich hätte dann wohl gern ein Schmerzmittel, es heißt doch immer, die Schonhaltung macht alles noch schlimmer.
A: Was zum Einreiben.
I: Das wird nicht reichen.
A: …
I: Kenne ich schon. Man soll doch Schmerzmittel nehmen, weil man sich ja total verkampft.
A: …
I: Schmerzmittel?
A: …
I: Ibu…
A: Wir haben auch Tabletten.
I: …
A: So gegen Entzündungen.
I: Entzündungen?
A: …
I: …
A: Für die Gelenke.
I: Voltaren-Tabletten?
A: *nickt*
I: Na, wenn sie meinen.
A: …
I: …
I: Ja, dann nehm ich die.
A: Voltaren?
I: Ja.
Mein Mann: Und die Salbe auch.
A: Die Salbe auch?
I: Die Salbe auch.
A: Voltaren?
I: Ja, bitte.
A: Die ist auch gerade im Angebot.
I: Mir egal, Hauptsache, sie hilft.
A: …

Draußen gleich eine kleine Flasche Apfelschorle gekauft, um gleich eine Tablette nehmen zu können. Auf der Packung steht: „Bei leichten bis mäßig starken Schmerzen“.
Sehe ich aus, als würde ich bei leichten bis mäßig starken Schmerzen in eine Apotheke gehen? Mannmann.

*Einmal kam der kleine Tiger aus dem Wald gehumpelt, konnte nicht mehr gehen und nicht mehr stehen und fiel einfach um. (Tschuldigung.)