Tirililesungsnachlese

Jippie! Die Lesungsnachlese ist da: Hier gibts Fotos von Klaus Friese, und hier alle Geschichten zum Nachhören. Vielen Dank, Lars und Klaus!

(Achtung: meine Geschichte ist die Fortsetzung der Geschichte, die ich vor einem halben Jahr an gleicher Stelle vorgelesen habe. Ohne den ersten Teil versteht man den zweiten nicht, man muss also zuerst Teil 1 hören, dann erst Teil 2. Wenn man das will. Und, äh, zu Ende ist die Sache dann auch nicht.)

Rafael Yglesias (Cornelia Holfelder-von der Tann): Glückliche Ehe

Glückliche Ehe, ja. Aber zu kurz. Enrique und Margaret lernen sich mit Anfang zwanzig kennen, Margaret studiert, Enrique hat die Schule abgebrochen und schon die ersten Romane veröffentlicht. Eine leichte, sehr romantische, aber auch von Selbstzweifeln geplagte Kennenlerngeschichte, wie sowas eben so ist. Diese Geschichte wird kapitelweise im Wechsel erzählt mit der anderen Geschichte, der Geschichte des Endes dieser glücklichen Ehe: neunundzwanzig Jahre später stirbt Margaret an Krebs. Es gibt keine Hoffnung, es ist von Beginn des Buches an klar, dass es keine Heilung gibt, dass Margaret sterben wird. Sie selbst beschließt, dass sie nicht weiterbehandelt werden, sondern zu Hause sterben möchte. Enrique organisiert generalstabsmäßig die Abschiedsbesuche von Verwandten und Freunden durch und wartet darauf, dass sein Moment kommt, sein Abschied von seiner Frau, sein letztes Gespräch mit ihr. Er hat ihr doch noch so viel zu sagen. Gleichzeitig will er es nicht wahrhaben, natürlich nicht, wie soll man sowas denn auch akzeptieren.
Yglesias verwebt die beiden Geschichten, den Anfang und das Ende, schließlich auch Teile aus der Mitte dieser Ehe, und ich war beim Lesen heilfroh um dieses Wechselbad – aus reinem Eigennutz, denn die Kennenlerngeschichte verschafft einem immer wieder so etwas wie kleine Pausen von all dem Grauen des Sterbens. Was für eine Liebesgeschichte. Und dass man dem Klappentext entnehmen kann, dass das alles nicht wirklich ein Roman ist, sondern vermutlich nahezu eins zu eins die Geschichte des Autors, macht es nicht leichter zu ertragen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so viel geweint hätte. Und deswegen kann ich auch irgendwie nicht viel mehr zu dem Buch sagen. Tolles Buch, schreckliches Buch, unfassbar trauriges Buch.

Rafael Yglesias (Cornelia Holfelder-von der Tann): Glückliche Ehe. Klett-Cotta, 427 Seiten, 22,95 €

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Sprichwortrekombinator

Sen-sa-tio-nell. Der Sprichwortrekombinator remixt nach dem Zufallsprinzip Sprichwörter, und ich kann mich gar nicht sattklicken. Eins besser als das andere, die sollte es alle wirklich geben. Kann. nicht. aufhören. Muss. arbeiten.

Morgenstund will Weile haben.
Vorsicht sollte nicht mit Steinen werfen.
Kleinvieh trifft keinen.
Viele Köche erhalten die Freundschaft.
Zufriedenheit kommt vor dem Fall.
Stillstand tut selten gut.
Adel hat Gold im Mund.
Was dem einen recht ist, das füg‘ auch keinem andern zu.
Der Blitz ist der beste Koch.
Torheit und Stolz ziehen sich an.
Jedes Ding kommt selten allein.
Eine Schwalbe wird Sturm ernten.
Unkraut geht über studieren.
Wer ernten will, hat seine zwei Seiten.
Was man sich eingebrockt hat, wird endlich gut.
Ein leichter Schlag auf den Hinterkopf kommt von oben.
Guter Rat währt am längsten.
Geteiltes Leid ist die Wurzel allen Übels.
Wer Anderen eine Grube gräbt, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Rhabarbercrumble

Ich kann das gern nochmal wiederholen:

1 kg Rhabarber
75 g Zucker
Saft von einer Orange (oder auch nicht)

230 g Mehl
100 g weiche Butter
75 g Zucker

Backofen auf 180°C vorheizen.
Rhabarber waschen, in Stücke schneiden und in eine Auflaufform geben. Zucker drüberstreuen, mit dem Saft einer Orange übergießen, oder auch nicht, der Rhabarber hat genug Saft.
Mehl, Butter und Zucker mit den Händen zu Streuseln kneten, Streusel über das Obst geben. Backen, bis die Streusel goldgelb und der Rhabarber gar sind.
Warm essen und pausenlos „ist! das! lecker!“ rufen. Dazu nach Belieben Vanillesoße, Vanilleeis, Sahne. Muss aber nicht.

Und: geht auch mit praktisch jedem beliebigen anderen Obst.

[Fotografisch Minderbegabte wie ich sollten wohl gar nicht erst versuchen, ein schönes Foto davon zu machen.]

NACHTRAG: Rezept von Serotonic

Rhabarber kleinschneiden, mit 1 Tütchen Vanillezucker bestreuen und in eine Auflaufform geben.

100 g Mehl mit 75 g Butter, 50 g Zucker, 1 TL Gemahlener Vanille und einer Prise Zimt zu Streuseln verarbeiten und auf dem Rhabarber verteilen.

Bei 180 Grad Ober- und Unterhitze 35-40 Minuten backen.