Wunschzettel „Sachen machen“

Was mir zum Sachenmachen-Glück noch fehlt, also: was ich total gerne machen würde, aber nicht von allein rankomme, also: wenn Ihr vielleicht, Ihr wisst schon.

- Tupper-Party. Da muss man wohl eingeladen werden. Und/oder eine Manomama-Party. Letzteres auch aus Eigeninteresse, aber Tupper würde für eine lustige Kolumne wahrscheinlich mehr hergeben. Weil ich glaube, dass da auf sehr raffinierte Weise Bedürfnisse geweckt werden, die man vorher gar nicht hatte.

- Reiten. Wahrscheinlich könnte ich in eine beliebige Reitschule gehen und mal eine Stunde auf einem apathischen Schulpferd im Kreis in der Halle rumlatschen. Viel lieber würde ich aber ausreiten, in die Welt, in den Wald, auf einem Pferd, das zwar freundlich ist, aber nicht total stumpf. Wenn also zufällig jemand ein Zweitpferd übrig hätte und mit mir zusammen ausreiten wollte (weil, alleine traue ich mich nicht. Und na gut, meinetwegen auch in der Halle im Kreis), würde ich das sehr, sehr gern machen. Ich war ein Pferdemädchen, so mit 12, wenn man halt Pferdemädchen ist, das ist also 30 Jahre her. Seitdem habe ich vielleicht dreimal auf einem Pferd gesessen, ich „kann“ also durchaus nicht reiten, aber wenn man mir glaubhaft versichert, dass das Pferd freundlich ist, dann habe ich keine Angst. Wohl aber Respekt, ziemlichen.

- LARP. Ist jemand in der Hamburger Szene unterwegs und nimmt mich mal mit? Warnung: Ich habe Vorurteile. Ich glaube, LARPer haben einen an der Waffel. Aber das macht ja wahrscheinlich nichts, das dachte ich von den Leuten in Wacken auch. Und dann fand ich es super. (Und wer ist schon normal, ich wahrscheinlich nicht.)

- Geburt. Ich wäre wahnsinnig gerne mal bei einer Geburt dabei. Ich würde auf Wunsch einfach stumm in einer Ecke stehen und mich unsichtbar machen oder Händchen halten und beruhigend brummen oder die Glitzerpuschel schwenken und anfeuern. Und natürlich würde ich komplett anonymisiert schreiben und trotzdem nur Abgesegnetes veröffentlichen. Aber vermutlich wollt Ihr außer Euren Männern und medizinischem Personal alle niemanden dabeihaben, hm? Dachte ich mir.

Alles weitere gern unter ibogdan kringel gmx punkt de.

Zungenbrechercontest bei HoCa

Zum Erscheinen des Buches „Zungenbrecher“ von Gerhard Henschel fordert der Hoffmann und Campe-Verlag zum Zungenbrecher-Contest heraus. Die Mitarbeiter sind schon mal zauberhaft gescheitert.
Wer die fünf Zungenbrecher fehlerfrei aufsagen kann, darf sich das E-Book kostenlos herunterladen. Wundervolle Idee, alles weitere findet sich hier. Bisschen gemein: einer der Zungenbrecher ist auf Bayrisch, einer komplett und einer halb auf Englisch.

Der Preis der Leipziger Buchmesse

geht in der Kategorie Übersetzung an Christina Viragh für ihre Übersetzung von Péter Nadas‘ „Parallelgeschichten“, im Sachbuch an Jörg Baberowski für sein Buch „Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt“, und in der Belletristik an Wolfgang Herrndorf für „Sand“, das ich schändlicherweise immer noch nicht gelesen habe. Der Gatte fand es super, und ich lege es *jetzt* auf meinen Nachttisch. Aber mitfreuen tu ich mich auch ungelesen, ganz herzlichen Glückwunsch! Mit Konfetti und alles!

Schlamperei!

In meinem Teil des Internets geht gerade ein Link zu einer Sendung im Deutschlandradio Kultur um. Dort bemängelt Rolf Schneider, die Schlamperei der Verlage ließe den Druckfehlerteufel umgehen, und das sei eine Beleidigung des Lesers.
Wer sich das nicht alles durchlesen will: Schneider führt zunächst einige sinnentstellende Druckfehler an. Ja, lustig. Manchmal fehlen sogar ganze Wörter oder sind doppelt. Ja, Schlamperei. Ja, soll alles nicht passieren. Die Verlage, so Schneider, sparen sich das Korrektorat. Und ja, das ist mir auch schon aufgefallen, dass sich in vielen Büchern die Druck- und Tipp- und manchmal Denkfehler häufen.

[Einschub: Ich möchte hinzufügen, was Schneider gar nicht erwähnt: Mir fällt auch immer häufiger auf, dass schlampig lektoriert wird. Da sind Logikfehler und Sachfehler und Brüche in Büchern, die ein Lektor wirklich hätte sehen müssen – erst ist Weihnachten, dann kehrt jemand nach einem traumatischen Erlebnis so ganz langsam wieder ins Leben zurück, geht wieder an die Uni, geht wieder arbeiten, trifft wieder Leute, und dann ist plötzlich Silvestermorgen. Und man fragt sich, was an der Uni und im Arbeitsleben in den vier (!) Tagen zwischen den Jahren alles passiert sein mag, dass jemand nach einem Trauma so schnell wieder auf die Füße kommt. An der Uni zum Beispiel ist in der Zeit vorlesungsfrei, da kann die Figur gar nicht gewesen sein. Oder in einem Gespräch wird nicht immer dazugesagt, wer was sagt, sondern die wörtliche Rede wechselt sich einfach ab, aber am Ende stimmt es nicht. Irgendwo muss einer der beiden zweimal hintereinander etwas gesagt haben, oder wie? Ja, verdammt, ich lese sowas dreimal und zähle dreimal nach, wer jetzt was gesagt haben soll! Und dann passt es nicht! Das regt mich fei auch auf. Einschub Ende.]

Schneider jedenfalls kommt zu dem Schluss:

    Druckfehler sind eine elementare Beschädigung des Buches und eine Beleidigung des Lesers. Sie sind eine aus Gründen der Kostenersparnis betriebene Schlamperei.

Das ist wütend und vielleicht ein bisschen harsch formuliert, aber hey: Er hat vollkommen recht. Ich sehe das durchaus genauso. Dummerweise beendet er seinen Ausbruch dann folgendermaßen:

    Mutet man sie uns zu, da uns die stilistischen und orthografischen Fehlleistungen der Blogosphäre abgestumpft haben? Wenn wir Druckfehler in Mails und Blogs klaglos hinnehmen, werden wir auch – denkt man vielleicht – das E-Book samt seinen Druckfehlern tolerieren.
    Das E-Book ist eine Bedrohung des herkömmlichen Buchs. Wollen wir das herkömmliche Buch bewahren, und ich halte dafür, muss es sich durch Qualität auszeichnen. Das fehlerfreie Druckbild gehört dazu.

Da springen dann doch gleich mal meine Reflexe an.
Die Blogosphäre ist ja, um hier gleich mal die hohe Literatur zu zitieren, ein weites Feld. Ein Blog ist eine Veröffentlichungsmöglichkeit für jedermann, ist also gewissermaßen ein durch und durch demokratisches Medium. Jeder kann seine Meinung oder sein privates Tagebuch veröffentlichen, das ist doch erstmal super. Unter „jeder“ fallen dann halt auch Leute, die ihre Rechtschreibung und Grammatik nicht hundertprozentig im Griff haben. Oder womöglich nicht mal fünfzigprozentig. Und das muss noch nicht mal heißen, dass sie doof wären. Es sind außerdem auch Leute unter den Bloggern, die ein großes literarisches Talent haben, oder solche, die ausschließlich Sprach-Klugscheißereien bloggen. Und solche, die fundierte Meinungen zu irgendeinem Thema haben, sie aber vielleicht nicht umwerfend brillant formulieren können. Und so weiter. Die Welt ist bunt und spiegelt sich in der Blogosphäre.
Und Mails, ja, in Mails werden auch Tippfehler gemacht. Bevor es Mails gab, wurden diese Fehler in Briefen gemacht. Und in Tagebüchern. Und in sonstigen privaten Aufzeichnungen. Niemand hätte daraus abgeleitet, dass es mit den Büchern den Bach runtergeht, bloß weil Leute in privater schriftlicher Kommunikation Fehler machen.
Die Blogs, die ich lese, werden fast ausschließlich von Leuten geschrieben, die ein gewisses Schreibtalent haben und die Wert auf Rechtschreibung und sowas legen. Ich lege nämlich ebenfalls Wert darauf, sowohl bei dem, was ich lese, als auch bei dem, was ich schreibe. Wer zu schlampig schreibt, den lese ich nicht, so einfach ist das. Aber manchmal vertippe auch ich mich natürlich. Manchmal übersehe ich meine eigenen Tippfehler. Manchmal mache ich sogar echte Fehler, weil ich etwas nicht weiß (wobei ich hoffe, dass das nicht allzu oft passiert). Meine Blogeinträge werden von niemandem außer mir selbst korrekturgelesen. Wenn ich einen Eintrag fertig habe, dann veröffentliche ich ihn. Zack! Mitsamt den Fehlern, die ich übersehen habe. Schockschwerenot.
Das hat aber doch alles nichts damit zu tun, ob jemand von einem Buch erwartet, dass es gründlich und mehrfach lektoriert und korrigiert wurde. Und das E-Book hat damit schon gar nichts zu tun, das E-Book basiert auf derselben Vorlage wie das gedruckte Buch und wird dieselben Fehler drinhaben. Der Unterschied ist nur, dass man sie im E-Book schneller korrigieren kann (vermute ich jedenfalls, ich weiß aber über die Technik nicht Bescheid).
Ich kann natürlich nur von mir auf andere schließen. Ich lege Wert darauf, dass Bücher möglichst fehlerfrei sind, dass sie gut durchkorrigiert und lektoriert sind. Ich werde ungehalten, wenn zu viele Fehler in einem Buch stecken. Und das, obwohl ich bereit bin, in Mails und Blogs auch mal über Tippfehler hinwegzusehen. Meine eigenen Mails und meine eigenen Blogeinträge enthalten auch Fehler. Und von meinen eigenen Büchern erwarte ich auch, dass sie gründlich lektoriert und korrigiert werden.
Dass das E-Book eine „Bedrohung des herkömmlichen Buchs“ sei – ach herrje. Das E-Book ist doch nur eine andere Darreichungsform des herkömmlichen Buchs. Ich erwarte von einem E-Book – was Orthografie und so weiter betrifft – genau dasselbe wie von einem gedruckten Buch. Dass in Lektorat und Korrektorat zunehmend gespart und/oder schlampig gearbeitet wird, ist keine Frage. Was ich da oben als Beispiele für mangelndes Lektorat angeführt habe, ist mir in einem Buch aus dem Hanser-Verlag aufgefallen, also nicht aus irgendeiner billigen Unterhaltungsklitsche. Und ja, das prangere ich mit an.
Das hat aber nicht das Geringste damit zu tun, dass ich es als E-Book gelesen habe, und auch nicht damit, dass ich in privaten Mails über Tippfehler hinwegsehen kann.
Hugh, ich habe gesprochen.