Wandroman

Oh, wie hübsch! Der Dumont-Verlag hat fünf Wandromane produziert: Alice im Wunderland, Gefährliche Geliebte, Romeo und Julia, Robinson Crusoe, Faust. Jeweils der komplette Roman oder das komplette Drama auf einem großen Poster, 70 x 100 cm, mit einem passenden Motiv, das durch entsprechende Zeilenumbrüche entsteht. Wunderschön. Also, unterschiedlich schön, finde ich. Aber wundervolle Idee. Alice gefällt mir am besten. Leider steht nicht dabei, welche Übersetzung sie genommen haben.

Ken Follett über das Schreiben

„Albert hat mir elf eiserne Regeln beigebracht. Erstens: Das Buch soll dir Mühe machen, nicht dem Leser. Zweitens: Sprache ist Mittel zum Zweck. Vergiss deshalb Wortakrobatik und metaphysischen Blumenkohl und schreibe eine Geschichte, die den Leser zum Umblättern zwingt. Drittens: Nach vier bis sechs Seiten muss die Story eine überraschende Wendung nehmen, sonst langweilt sich der Leser. Viertens: Frage dich als Autor immer, wo die größte Angst deiner Figur liegt, denn Angst ist unsere stärkste Antriebsfeder. Fünftens: Jeder großartige Roman ist ein Familienroman. Sechstens: Schriftsteller sind keine gesegneten Stenografen, die ein göttliches Diktat empfangen. Deshalb musst du so lange recherchieren, bis du mit dem Stoff vertraut bist, intim wie Haut auf Haut. Siebtens: Beende einen langen Roman nie mit einer jähen Überraschung. Das empfindet der Leser als rüpelhaften Rauswurf. Achtens: Du musst deine Story mit dem Hammer redigieren: Hau drauf und horch, wo sie hohl klingt. Neuntens: Kürzen ist literarisches Viagra. Zehntens: Schreibe niemals einen Bauernroman, denn Landwirtschaft hat null Glamour. Elftens: Halte dich nie zu lange mit Personenbeschreibungen auf. Eine Figur ist das, was sie tut.“

Interessantes Interview mit Ken Follett in der WELT.

Tagwerk

Estaunlich, was sich über den Winter an Müll angesammelt hat. Von ganz allein! Vertrockente, staubige, wurzeldurchdrungene Erde. Tote Pflanzen. Vom Frost geplatzte Tontöpfe. Alles kein Wunder, wenn man im Winter den Balkon nicht betritt und ganz vergisst, dass man sich da vielleicht mal um dies oder jenes kümmern könnte. Ob die Erdbeeren nochmal kommen? So richtig super sehen sie nicht aus. Aber ich warte mal ab, vielleicht werden sie ja noch. Estragon, Thymian und ein bisschen Schnittlauch haben es über den Winter geschafft. Auch die Pfingstrose treibt wieder aus; ich habe sie schon seit Jahren, sie bekommt jedes Jahr zuverlässig genau eine Blüte. Weil Pfingstrosen nicht gut in Töpfen gedeihen, sagte mir mal jemand, sie brauchen mehr Platz für Wurzeln und so. Ich habe sie jetzt in einen etwas größeren Topf gesetzt und werde sie mal etwas eifriger düngen, vielleicht kommen ja ein paar mehr Blüten. Sonst schenke ich sie meinen Vermieter, dann kann er sie sich in den Garten pflanzen.
Hach, Frühling. Wie wunderbar.

Ein Geschenk, ein Geschenk!

Von meinem Wunschzettel! Vielen Dank, beste Serotonic von allen, für „Die Umarmung“ von David Grossman (Ü Michael Krüger. Übersetzt aus dem Englischen. Also echt.)

Ben geht mit seiner Mutter spazieren. Die Mutter sagt Ben, dass sie ihn liebhat, und dass er einzigartig auf der ganzen Welt ist. Ben kommt ins Grübeln: wenn er einzigartig ist, dann ist er auch ganz allein. Meint er. Darüber denken die beiden ein bisschen nach. Aber es gibt ja eine Lösung für dieses Alleinsein, nämlich die Umarmung.

Das ist ganz schön schön. Illustriert ist das ganze von Michal Rovner – ebenfalls schön, aber irgendwie nicht besonders kindgerecht. Ich finde, es könnte ein bisschen bunter sein, ein bisschen positiver; diese Schwarzweiß-Zeichnungen machen die Einsamkeit schon sehr deutlich.

Danke, sero! Ich freu mich sehr! Geschenke sind super.