Adam Davies (Hans M. Herzog): Froschkönig

Irgendjemand hat mir dieses Buch empfohlen, ich weiß nicht mehr, wer. Und, äh: ich weiß auch nicht, warum. Ich habe es nach 50 Seiten beiseitegelegt. Der Erzähler ist ein ziemlich unangenehmer Typ – was allein kein Grund wäre, ein Buch nicht weiterzulesen, aber stilistisch ist es ebenso unangenehm, krampfhaft auf Pointe angelegt und vollgestopft mit Adjektiven und kruden Vergleichen. „Der Mond treibt sich wie ein billiger Freier um den Kirchturm herum“, du meine Güte! Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass verschiedene im Klappentext zitierte Rezensenten anderer Meinung sind, Meike Fessmann (SZ) beispielsweise hält es für „eine intelligente und originelle Liebesgeschichte mit betörenden Details“. Ich, öh, nicht.
Adam Davies kommt im Regal zwischen Rev. Christian Dabeler / Almut Klotz und Daniel Defoe. Und jetzt fragt bloß nicht wieder, warum ich Bücher, die ich nicht mochte, ins Regal stelle, statt sie gleich wegzuwerfen. *augenroll*

Adam Davies (Hans M. Herzog): Froschkönig. 382 Seiten. Diogenes Taschenbuch, 9,90 €.

Robert Williams (Brigitte Jakobeit): Luke und Jon

Oje, schon wieder eine tote Mutter. Beziehungsweise gleich zwei. Und jäi, schon wieder ein wundervolles Buch. Lukes Mutter kommt bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Der Vater fällt in ein tiefes Loch, trinkt, arbeitet nicht, kümmert sich nicht um Luke. Die beiden müssen ihr Haus verkaufen und in ein ziemlich heruntergekommenes Haus in einem gottverlassenen Kaff ziehen, in dem sie niemanden kennen, und wo klar ist, dass Luke ein Außenseiter sein wird.
Und dann lernt er Jon kennen, einen ebenfalls elfjährigen Jungen, der, wie sich herausstellt, noch schlimmer dran ist als er selbst. Die beiden freunden sich an, und langsam findet auch Lukes Vater wieder zu sich zurück. Ein großes Thema ist also neben dem Verlust auch die Freundschaft, das andere ist die heilsame Kraft der Kunst, denn Luke malt, und sein Vater stellt Holzspielzeug her. Und dann noch etwas Anderes, Großes.

In dieser Nacht drängte sich mir immer wieder eine Frage auf: wenn ich mir hätte aussuchen können, wer mich an jenem Tag vom Kunstunterricht abholt, hätte ich dann lieber Mum oder Dad das Auto fahren lassen? Es war ein schrecklicher Gedanke, aber ich konnte die Frage nicht abschütteln. Sie kam mir immer wieder in den Sinn, und es schien, als könnte ich nur eines tun, nämlich mich ihr stellen, damit sie mich endlich nicht mehr quälte und zur Ruhe kommen ließ.

Wundervolles Buch. Wer Tschick von Wolfgang Herrndorf mochte (das sind, soweit ich weiß, alle, die es gelesen haben), der wird das hier auch lieben. Die Jungs in „Tschick“ sind ein bisschen älter und machen sich auf den Weg, diese beiden hier, Luke und Jon, bemühen sich eher ums Ankommen, um einen Platz im Leben, trotzdem fühlte ich mich irgendwie daran erinnert. Vielleicht einfach, weil es ein Jugendbuch über zwei Jungs ist. Diesen beiden hier möchte man am liebsten mal einen ordentlichen Eintopf kochen. Sehr intensives und in all seinem Elend irgendwie schönes Buch. Man könnte ihm höchstens vielleicht vorwerfen, dass das Ende ein bisschen … ach, egal. Das ist schon alles richtig so. Lesen!
Robert Williams bekommt einen Regalplatz zwischen Oscar Wilde und Tennessee Williams.

Robert Williams (Brigitte Jakobeit): Luke und Jon. 186 Seiten. Berlin Verlag, Taschenbuch, 8,95 €.