Fastenzeit

So! Ab morgen ist wieder Fastenzeit. Das bedeutet: ich sperre mich aus Twitter und Facebook aus. Free at last! Bis Ostern. Gebloggt wird aber weiter, und die Blogeinträge werden auch weiterhin automatisch zu Facebook gebeamt. Wer sie allerdings dann dort kommentiert, darf keine Antwort erwarten, denn da bin ich nicht.
Und wo ich das jetzt so hintippe, fällt mir ein, dass ich letztes Jahr im Februar den Wegwerfmonat ausgerufen hatte. Dafür ist es jetzt ein bisschen spät, aber hey, man kann ja einfach die Fastenzeit auch zur Wegwerfzeit erklären. Also kein Twitter, kein Facebook, dafür jeden Tag was wegwerfen. YEAH.

Aber heute ist noch Remmidemmi! Superjeilezick!

Maximilian Buddenbohm: Marmelade im Zonenrandgebiet.

Und da ist gleich das nächste Bloggerbuch!
Zweierlei vorab. Erstens: Don’t judge a book by its cover. Auch nicht by its title und schon gar nicht by its Untertitel. Zweitens: wie die meisten wissen, bin ich mit Maximilian befreundet. Das bedeutet aber nicht, dass ich voreingenommen wäre *hust*. Ich bin sogar eine schlechte Freundin, sein letztes Buch, „Das Rosinenbrötchen“, habe ich gar nicht besprochen; allerdings nicht aus Gründen, sondern es fällt mir selbst gerade erst auf, als ich auf meine Leseliste gucke. Warum habe ich denn da nicht drüber geschrieben? SO eine Freundin bin ich. Asche auf mein Haupt.
 

 
Jedenfalls heißt das neue Buch nun also „Marmelade im Zonenrandgebiet“, was mit dem Inhalt rein gar nichts zu tun hat, und „Geschichten vom Erwachsenwerden“ sind es auch nicht. Es ist vielmehr ein autobiografischer Roman. Damit unterscheidet es sich wesentlich von Maximilians bisherigen Büchern, die teilweise eindeutig Blogtext-Sammlungen sind. Der zweite Unterschied ist, dass ich den Inhalt der bisherigen Bücher schon fast komplett kannte, weil die Geschichten schon alle im Blog standen. Hier ist jetzt alles neu; eine Geschichte hat Maximilian bei der letzten Tristesselesung gelesen, eine bei der Weihnachtslesung, und beide fand ich damals schon ganz besonders toll. Und so ging es mir jetzt mit dem ganzen Buch. Großartig!

„Marmelade“ erzählt Maximilians Lebensgeschichte in den ungefähr 20 Jahren nach dem Abitur. Da ist dieser junge Mann, der nach Hamburg zieht, in die Großstadt, und erstmal gar nicht recht weiß, was er will. Er bekommt einen Aushilfsjob, dann noch einen dazu, studiert schließlich irgendwas. Eine sehr schöne Frau tritt in sein Leben, er zieht aufs Land. Und so weiter. Er erlebt glückliche Zeiten und weniger glückliche, na gut, irgendwie wird er dabei auch erwachsen, begegnet den unterschiedlichsten Menschen … insgesamt also keine rasant ungewöhnliche Story, eher genau das, was wir alle in den zwanzig Jahren nach der Schule gemacht haben, aber eben eine individuelle Geschichte im unverkennbaren Buddenbohm-Sound. Und ach, wie wunderbar. Was für wunderbare Figuren da wieder auftauchen. Die Arbeitskollegen im Meinungsforschungsinstitut. Der Antiquar. Wiebke. Gottlieb. Dimitri. Stella. Lauter echte Typen, die meist für einen Typus stehen, den wir alle kennen, und die hier so wunderbar gezeichnet werden, so liebevoll, gelegentlich zwar leise ironisch, aber niemals überheblich. Und ich habe quasi in demselben Haus gewohnt, in dem auch Frau Dahlberg und Dimitri wohnten, nur ein bisschen anders und in einer anderen Kleinstadt, aber sonst fast genauso.
Und diese Szenen mit der schönen Frau! Erst die in der Pizzeria, später dann die im Wald. Das ist alles so großartig, so gerade richtig ein kleines bisschen skurril, aber nie unglaubwürdig, nie übertrieben, und immer von dieser sehr schönen Selbstironie durchdrungen. Vieles unglaublich tragikomisch. Wundervoll. Sagte ich schon, was für ein tolles Buch das ist? Hach. Wenn ich nicht sowieso schon in den Herrn verliebt wäre.
Im Regal wohnt Buddenbohm zwischen Nadja Budde und Charles Bukowski.

Maximilian Buddenbohm: Marmelade im Zonenrandgebiet. 253 Seiten. Rowohlt. 8,99 €. Auch als E-Book.

Und wer ein signiertes Buch haben möchte, kann es direkt bei Maximilian bestellen.

Frank Lachmann: Kann Spuren von Nüssen enthalten.

Verpackungsnonsens aus den Niederungen der deutschen Sprache. Von Zahnarztgattinnen empfohlen.

Hurra, schon wieder ein Bloggerbuch! Und zwar das Buch zum Blog Mindestens halbgar, in dem Frank Lachmann Bilder von Unfug auf Verpackungen sammelt. (Jedenfalls hauptsächlich Verpackungen, Ausnahmen bestätigen die Regel.) Sinnlose Grafiken, die veranschaulichen sollen, dass ein Shampoo die Haarstruktur kräftigt, Joghurt auf Frucht „ohne Frucht“, so Zeug halt. Manches davon ist ganz schön lustig, sowohl der Mann als auch ich haben mehrfach laut gelacht. Einer meiner Favoriten sind die „Gemüsenuggets mit Geflügelfleisch nach Art einer Frikadelle“. Und passt auf, jetzt kommt der Knaller: von mir ist auch ein Bild drin! Also keins, wo ich drauf bin, sondern eins, das ich gemacht habe. Ebenfalls super das Testimonial von Sarah Kuttner, die über dieses Buch sagt (ich zitiere den Volltext): „Tihihi. Lustig!“

Und: es sieht nicht nur super aus, sondern hat auch noch eine Prägung. Man kann die Nüsse quasi fühlen. Verrückt! [Wortspiel mit „nuts“ bitte selbst ausdenken.]

Frank Lachmann: Kann Spuren von Nüssen enthalten. 122 Seiten. Piper Taschenbuch, 8,99 €

Wirsingquiche

1 Wirsing (ist ein bisschen zu viel. Sagen wir: 2/3 – 3/4 Wirsing)
2-3 Frühlingszwiebeln
Butter
Öl
3 Eier
200 ml Milch
100 g Käse, gerieben
Salz
Pfeffer
Muskat
Blätterteig

Backofen auf 170 °C vorheizen.
Butter und Öl im Topf erhitzen. Frühlingszwiebeln schneiden und rein, andere Zwiebel geht bestimmt auch. Wirsing in Streifen schneiden und dazugeben. Ordentlich anbraten, kann ruhig ein bisschen braun werden. Schluck Wasser dazu, Deckel drauf, garen. Mit Pfeffer, Salz und Muskat würzen.
Springform mit fertigem Blätterteig auskleiden. Mit der Gabel mehrfach einstechen. Es könnte eine gute Idee sein, den Blätterteig schon mal ohne alles kurz vorzubacken. Bei mir war der Boden jetzt nämlich eher Matsch als Blätter-.
Eier, Milch, geriebenen Käse, Salz, Pfeffer und Muskat verklappern. Den etwas abgekühlten Wirsing dazugeben und alles auf den Blätterteig schütten.
Etwa 35 Minuten backen.

Yeah, Baby, yeah.

NACHTRAG: Geht auch mit Mangold. Ich platz gleich.

Tante Isas kleine Deutschstunde: beide / die beiden

Es fällt mir in letzter Zeit dauernd auf, und zwar vor allem in journalistischen Texten: geht der Unterschied zwischen „beide“ und „die beiden“ verloren? Oder ist der einfach unklar? Es ist nämlich so:
„Die beiden“ heißt, dass zwei Dinge in einer Beziehung stehen bzw. zusammengehören. „Beide“ heißt: sowohl der eine als auch der andere. Konkret: Zwei Männer sind aus dem Gefängnis ausgebrochen. Wenn es heißt: „Die beiden sind auf der Flucht“, kann man davon ausgehen, dass sie gemeinsam auf der Flucht sind. „Beide sind auf der Flucht“ heißt hingegen, dass sowohl der eine auf der Flucht ist als auch der andere. Einer ist nämlich schon in Südamerika, der andere hat es nur bis Oer-Erkenschwick geschafft. Womöglich kannten sie sich gar nicht und sind aus unterschiedlichen Gefängnissen geflohen.
In letzter Zeit gelesen: „Beide Höfe sind mit 110 bis 120 Milchkühen ungefähr gleich groß.“ Das zieht mir die Schuhe aus, denn gemeint ist natürlich: „Die beiden Höfe sind gleich groß, denn sie haben etwa gleich viele Kühe.“ So, wie es da steht, heißt es: der eine Hof ist gleich groß, und der andere ist auch gleich groß. Was wenig Sinn ergibt.
Das zweite Beispiel: „Beide Mannschaften haben schon zweimal gegeneinander gespielt.“ Ach ja? Die eine Mannschaft hat schon zweimal gegeneinander gespielt, und die andere hat auch schon zweimal gegeneinander gespielt? Eher nicht. Vielmehr haben „die beiden“ zweimal gegeneinander gespielt. Die eine gegen die andere.