Tante Isas kleine Deutschstunde: Café/Kaffee

In ein Café kann man sich setzen und etwas bestellen. Zum Beispiel Kaffee und Kuchen.
Kaffee ist ein Getränk, man stellt es aus Kaffeebohnen her.

Anders gesagt: Das Getränk heißt Kaffee. Nicht Café. Ein Café ist ein Lokal.

Und nein, es klingt nicht „irgendwie edler“, es liest sich auch nicht „irgendwie edler“, wenn man Kaffee meint und Café schreibt. Man *kann* Kaffee auch wie Café aussprechen (in Österreich nur so), aber bitte nicht so schreiben. Danke.

Tante Isas kleine Deutschstunde: Katheder / Katheter

Ein Katheder ist ein Lehrerpult. Mit D hinten, wie beispielsweise „desk“. Das kommt vom Lateinischen cathedra, was Lehrstuhl oder Bischofssitz bedeutete. Das Wort Kathedrale kommt ebenfalls daher, das ist nämlich eine Kirche, in der sich ein Bischofssitz befindet. Kirche und Schule war ja früher quasi das gleiche, kann man sich also gut merken.

Ein Katheter hingegen ist, ich kopier das mal eben: Röhrchen aus Metall, Glas, Kunststoff od. Gummi zur Einführung in Körperorgane (z.B. in die Harnblase), um sie zu entleeren, zu füllen, zu spülen od. zu untersuchen. (© 2000 Dudenverlag)

Merken: das mit T hinten tut, jedenfalls heutzutage, körperlich mehr weh, und das hört man schon. Katheter kann man knallhart schmerzhaft aussprechen, während ein Katheder nach hinten hin geradezu weich wird. Quasi Kuschelpädagogik. Mit D hinten wie „desk“.

Nora Gomringer meets Wortart Ensemble

Lyrik ist ja immer so eine Sache. Für mich ist Lyrik ja sowas wie Pralinen. Also: schwierig.
Und jetzt bin ich letzte Woche mehr oder weniger zufällig bei Nora Gomringer im Hamburger Literaturhaus gelandet, wo sie zusammen mit dem Wortart Ensemble auftrat. Und wenn selbstgelesene Lyrik schon schwierig ist, dann sind Dichterlesungen noch eine Nummer schwieriger – oft genug bin ich schon nach einem halben Gedicht nicht mehr bei der Sache. Meine drei Begleiter – der lustige Mann, Maximilian und Ina – sagen, es geht ihnen genauso.
Aber an diesem Abend kommt Nora Gomringer, und dann kommt das Wortart Ensemble, und wir sitzen anderthalb Stunden am Stück vorne auf der Stuhlkante und hören gebannt zu und sind hinterher erstmal sprachlos. Anders gesagt: wow. Alles.
Keine Ahnung, wie Nora Gomringers Gedichte sind, wenn man sie selbst liest. Aber wenn sie sie vorliest, dann … schon die falsche Vokabel. Das ist kein Vorlesen, das ist ein Vortrag, das ist Deklamieren im allerbesten Sinne, es ist, als hätte sie nebenbei auch noch eine Schauspielausbildung, und es ist, nun ja, wahrscheinlich ist es genau das: sie steht hinter jedem Wort, das sie geschrieben hat. Nora Gomringer hat etwas zu sagen. Sie liest vor, sie schreit und flüstert und raunt, sie plaudert und freut sich und lacht und weint fast, und zwischendurch singt sie sogar, und das Publikum hängt ihr an den Lippen und ist durch und durch fasziniert und mucksmäuschenstill, außer wenn es lachen muss.
Zwischendurch singt das Wortart Ensemble – fünf erstaunlich junge Leute aus Dresden, drei Frauen und zwei Männer, die auf ihre Weise Lyrik vertonen und a capella singen. Gedichte von Mascha Kaléko und Wolf Wondratschek und Nora Gomringer. Und da bekommt jedes Gedicht einen eigenen Sound, der aber gleichzeitig der eigene Sound des Wortart Ensembles ist, und dieses Ensemble ist unfassbar großartig. Rhythmisch und harmonisch ist das alles höchst anspruchsvoll, und sie singen so wunderbar, so überzeugt und so überzeugend, und so voller Wärme und Begeisterung für das, was sie da tun, dass mir zwischendurch kurz das Wasser in die Augen steigt, weil das alles so unglaublich großartig ist. Und sich so toll mit Nora Gomringer ergänzt, die teilweise ein paar Töne mitsingt, teilweise reinspricht, die meiste Zeit aber nur zuhört und genauso gebannt ist wie der Rest des Publikums – aber sie und das Ensemble sind schon eine Weile lang zusammen unterwegs, sie kennt das alles schon, aber das macht nichts, man merkt ihr an, wie begeistert sie immer noch von der Arbeit dieses Ensembles mit ihren Texten ist.
Und inhaltlich – kein Marzipan. Nora Gomringers Gedichte sind nun wirklich alles andere als platt oder oberflächlich, aber sie haben eben auch nicht dieses Bedeutungsschwangere, dieses demonstrativ Tiefsinnige, dieses „seht her, wie klug und intellektuell und voller Schmerz ich bin“, das so viele Gedichte haben. Sondern sie haben ganz viel Herz und Hirn und Humor, und vor allem, und das ist ja immer das allerwichtigste an Lyrik: der Rhythmus. Der Rhythmus! Boah, wow, der Rhythmus.
Und als wäre das nicht alles schon großartig genug, erzählt sie zwischendurch auch noch die zauberhaftesten Dichter-Dönchen, die ich je gehört habe. Von der Abiturientin, die sie anrief, weil der Deutschlehrer mit ihrer Interpretation von Das Herz nicht einverstanden war, und die sich jetzt Rückendeckung von der Dichterin selbst holte. Oder von dem Gynäkologen, der ihr Gedicht Bilderbuchuterus in seiner Praxis unter die Decke geschrieben hat. Ich schätze, ich bin jetzt ein bisschen in Nora Gomringer verliebt. Was für eine Frau.

Und ihr müsst jetzt leider kurz stark sein: der Auftritt im Hamburger Literaturhaus war der letzte der gemeinsamen Reise. Aber sowohl Nora Gomringer als auch das Wortart Ensemble treten natürlich weiterhin auf: hier sind Noras Termine und hier die des Wortart Ensembles. Geht da hin, wenn es geht. Ehrlich.

Belauscht

Vater: Und wie heißt die Mutter von der Emma*?
Sohn: Mama. Die heißt Mama.
Vater: Mama? Die heißt doch nicht Mama, das ist doch nicht ihr Name.
Sohn: Doch, die Mutter von der Emma heißt Mama.
Vater: Ja, für die Emma. Aber für dich doch nicht, wie hast Du denn zu ihr gesagt?
Sohn: (nicht verstanden)
Vater: (nicht verstanden)
Sohn: Dann heißt sie bestimmt Frau Hansen.
Vater: Frau Hansen? Wieso Frau Hansen, hat sie denn keinen Vornamen?

Pause

Sohn: Papa?
Vater: Ja?
Sohn: In Wirklichkeit weiß ich gar nicht, wie sie heißt.

*Gibt es eigentlich sowas wie einen Elternkonsens, Kinder erst in höherem Alter in die Geheimnisse des Genitivs einzuweihen? Und noch dazu Vornamen mit Artikeln zu versehen, wie es sonst nur in ein paar Dialekten gemacht wird? Oder anders gesagt: warum sagen fast alle Eltern kleiner Kinder „Die Mutter von der Emma“ statt ganz normal „Emmas Mutter“?