Nach der Party

Wir hatten also mal wieder eine Party hier, es war wieder voll, es war wieder super, ich liebe das, wenn die Bude voll ist und alle essen und trinken und sich unterhalten und die Kinder zwischendrin herumwuseln. Als sie alle noch kleiner waren, musste man immer ein bisschen gucken, dass sie nicht zu stürmisch um den Weihnachtsbaum herumtobten, denn da sind immer echte Kerzen drin, aber inzwischen sind alle Freundeskinder groß genug, dass sie sich auch gut allein beschäftigen oder einfach bei den Erwachsenen sind und mitessen oder sich mit unterhalten, und dann verschwinden sie wieder und machen ihr eigenes Ding. Zwischendurch kommen sie zu mir und fragen, ob ich Papier und Stifte habe, und eine Stunde später wollen sie Tesa, und natürlich bekommen sie Papier und Stifte und Tesa, wenn sie das brauchen.

Irgendwann gehen sie, sie sind dann doch noch so klein, dass sie auch mal ins Bett müssen, und es ist sind nur noch ein paar vereinzelte Gäste da. Der lustige Mann geht kurz ins Bad und kommt zurück und sagt: Komm mal mit. Und dann klebt das hier von innen an der Badezimmertür. Wie geheimnisvoll! Wer mag Manfred sein?

Ich weiß natürlich, dass in Abstellkammern nicht nur wertlose Sachen sind. In unserer Speisekammer zum Beispiel sind lauter tolle Sachen. Aber vielleicht ist das ja ein Hinweis! Vielleicht können wir ja in der Speisekammer herausfinden, was es mit Manfred auf sich hat! Immerhin haben wir genug Wegzehrung für den weiten Weg zur Speisekammer, es sind nämlich auch noch ein paar Chips in dem Umschlag. Und da, tatsächlich! In der Speisekammer ist auch ein Hinweis!

Wo Axel seine Gitarren versteckt, das ist einfach. Zum Glück haben wir auch für den Weg dorthin wieder Chips bekommen. Und sogar auch ein bisschen Schokolade! Im Musikzimmer *hust* finden wir dann ein richtiges Rätsel:

Aber wir sind ja schlau. Das Sofa? Nein, erstmal gucken wir unter unser Bett: DA! EIN SCHATZ! Ein echter Schokoladenschatz unter unserem Bett! Jetzt wissen wir zwar immer noch nicht, wer Manfred ist, haben aber so eine Ahnung, wer in Wahrheit einen Schatz für uns versteckt hat.

Boah. Sowas Tolles! Da meint man nach einer Party, jetzt müsste man nur jede Menge Zeug aufräumen, und auf einmal ist man in der eigenen Wohnung mitten in einer Schatzsuche. Wie super ist das denn bitte! Wir haben uns vielleicht gefreut, vielen Dank an Jojo und K.!

Lesebändchen

Ich habe hier (und auf Facebook) ja schon ein paarmal auf die Lesebändchen hingewiesen, die ich so gerne mag. Seit ich zum ersten Mal so eins benutzt habe, klebe ich in jedes frische Hardcover eins ein, denn, wie Torsten einmal sinngemäß und aus dem Gedächtnis zitiert sagte: „Ich halte den Lesebändchengeiz für eins der Grundübel des Buchmarkts“. Jawohl, das ist es! Ein anständiges Hardcover, das auf sich hält, hat doch wohl bitte ein Lesebändchen! Echtjetzma. Und wenn es keins hat, dann klebe ich eben eins rein.
Die Lesebändchen kommen in bunt gemischten Farben in Fünferpacks, und es gibt immer mal wieder Angebote, bei denen fünf Fünferpacks etwas günstiger sind. Wenn man einmal welche bestellt hat, bekommt man zwei-drei Mal im Jahr eine Mail, dass es wieder Angebote gibt. Ich gehe dann immer unverzüglich in den Webshop und bestelle, es liegt hier immer ein Vorrat an Lesebändchen, sie sind nämlich auch super Mitbringsel. Ich bin sonst eher schlecht in sowas, wenn ich irgendwo eingeladen bin, denke ich nie vorher dran, eine Kleinigkeit zu besorgen oder so, sondern immer erst im letzten Moment. Hab ich noch ein von mir übersetztes Buch, das denjenigen interessieren könnte? Nein? Okay, dann Lesebändchen. Kommt immer super an.

unserewahlklein-300x276Was ich jetzt aber eigentlich sagen wollte: Es gibt gerade Weihnachtsangebote. Habe ich natürlich sofort bestellt, keine Unmengen, weil ich noch so viele habe, nur zwei Päckchen mit je 5 Fünferpacks. Die Lieferung kam, wie immer, postwendend, allerdings war nur ein Päckchen drin. Kann ja mal passieren, Menschen machen Fehler. Ich schrieb also eine Mail, dass da ein Päckchen gefehlt habe und bekam wiederum postwendend eine Antwort mit einer netten Entschuldigung und dem Versprechen, sich zu kümmern und das fehlende Päckchen nachzuliefern. Heute kam ein Umschlag mit *zwei* Fünferpacks drin, obwohl ja nur einer gefehlt hatte. Ich habe noch eins geschenkt bekommen, einfach so, weil es ein Versehen gab und in der ersten Lieferung eins fehlte.
Liebe andere Unternehmen: so macht man das. Gutes Produkt, immer prompt geliefert, und bei einem Versehen einfach entschuldigen und den Fehler korrigieren. Und wenn man dann noch ein Entschuldigungsgeschenkchen mitschickt, bekommt man glatt noch einen Blogeintrag dafür.

Und jetzt geht alle mal schön hierhin und kauft Lesebändchen. Weihnachten, Ihr wisst schon.

Lesebändchen

Lesebaendchen2Lesebändchen sind die Guten. Jedes anständige Buch sollte eins haben, das predige ich ungefähr seit der Erfindung des Buchdrucks. Aber auf mich hört ja keiner, erschütternd viele Bücher haben keins, man muss irgendwelche Lesezeichen nehmen, schlimmstenfalls Postkarten oder Tempotücher oder Kassenbons oder Schmierzettel, das ist doch entwürdigend für so ein Buch. Nein, ein schönes Hardcover mit einem schönen Schutzumschlag braucht ein Lesebändchen, da führt doch eigentlich kein Weg dran vorbei. Vor einem halben Jahr habe ich irgendwo unter ferner liefen schon einmal die lose zu kaufenden und selbst einzuklebenden Lesebändchen verlinkt; da hatte ich sie gerade erst entdeckt (ich glaube, durch einen Tweet von Anke Gröner) und mir sofort welche bestellt, sie aber noch nicht ausprobiert. Aber jetzt! Seitdem sind hier nämlich immer Lesebändchen vorrätig, für mich und zum Verschenken. Wenn ich ein neues Buch habe, ein schönes, gebundenes, von dem abzusehen ist, dass ich es mögen werde, freue ich mich, ein passendes Lesebändchen dazu auszusuchen und es einzukleben. Funktioniert super, geht ganz einfach, und wenn man nicht gerade dran zerrt, hält es auch wunderbar. Das mit dem Zerren habe ich nicht ausprobiert. Soll heißen: Praxistest bestanden, super Sache. Und nun geht hin und macht den Versender reich, er hat es verdient. Die Bändchen gibt es in unterschiedlichen farblichen Sortierungen zu jeweils fünf Stück à 4,95 €, oder man nimmt gleich fünf dieser Fünferpacks, dann wird es ein bisschen günstiger. (Dies ist kein gesponsertes Posting.)

NACHTRAG: Herr Schneider, der Fuchs, hat natürlich gleich welche selbst gebastelt und logischerweise viel schönere Bilder gemacht als ich.

Geständnis

Ich habe mich verliebt. In einen 85jährigen.

Gestern Abend war er in Hamburg und hat seine Autobiografie vorgestellt. Ein Mann, der quasi alle großen Gestalten des 20. Jahrhunderts kennengelernt hat. Der mit Marlon Brando, Tony Curtis und Walter Matthau zusammen die Schauspielschule von Erwin Piscator besucht hat; der mit Bobby Kennedy und mit Martin Luther King befreundet war und Sätze sagt wie: „Jemand wie Dr. King ist mir nicht mehr begegnet, bis ich Nelson Mandela kennenlernte“; der bei seinem ersten Auftritt als Sänger von Max Roach und Charlie Parker begleitet wurde; der Miriam Makeba und Nana Mouskouri und Bob Dylan in ihrer Anfangszeit unterstützt hat; der in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung sehr aktiv mitgearbeitet hat; und der außerdem wunderbare Musik macht und seit Jahrzehnten ein Weltstar ist.

So alte Männer neigen ja oft dazu, ein bisschen selbstgefällig zu werden und hauptsächlich zu erzählen, was für ein toller Hecht sie sind. Was bei diesem Herrn sogar gestimmt hätte. Er ist ein so dermaßen toller Hecht, dass das Publikum aufsteht, als er den Saal betritt. Das finde ich erstmal ein bisschen übertrieben, standing ovations, ohne dass er auch nur ein Wort gesagt hätte. Das liegt aber nur daran, dass ich eigentlich gar nichts über den Mann weiß, ich weiß nur, dass er tolle Musik macht. So tolle Musik, dass wir sogar eine ganze CD von ihm besitzen, eine „Best of“ oder „Greatest Hits“ oder so, und die hören wir auch ganz regelmäßig, nämlich ungefähr einmal im Jahr in einer Sommerlaune.
Der alte Mann bleibt auf dem Weg zu seinem Platz auf der Bühne stehen und sieht ins Publikum. Er geht mit einem Gehstock, aber unglaublich aufrecht, er sieht das Publikum an und lächelt; ich weiß immer noch nichts über ihn, aber ich sehe diesen aufrechten alten Mann da stehen und lächeln und denke: wow. Harry Belafonte. Drei Meter vor mir. Und dann stehe ich auch auf.

Harry Belafonte singt an diesem Abend nicht. Er singt überhaupt nicht mehr, und das ist ebenso schade wie verständlich, der Mann ist 85. Er ist hier, um seine Autobiografie vorzustellen. Und das tut er mit einem Charme und einer Ausstrahlung, dass zwei Stunden lang alle an seinen Lippen hängen, obwohl der Abend auf Englisch abläuft. Er spricht langsam und deutlich, man versteht ihn gut, und er ist außerdem sehr strukturiert und konzentriert – alles nicht selbstverständlich in dem Alter. Und ungeheuer beeindruckend.
Zwischendurch liest Christian Brückner zwei- oder dreimal ein Stück aus der deutschen Übersetzung. Und da passiert es – ich habe überlegt, ob ich das hier rauslasse und es in einen eigenen Eintrag packe, weil es so gar nicht zu meiner sonstigen Begeisterung für diesen Abend und diesen Mann passt. Aber es gehört ja doch irgendwie hierher. Jedenfalls liest Christian Brückner also, Harry Belafonte hört ganz gebannt zu, obwohl er kein Wort versteht, und fragt Brückner, als er fertig ist: Wow, wer hat das denn geschrieben? Klang toll. Und dann witzeln die drei – Brückner, Belafonte und Moderator Christoph Amend –, haha, ja, wer hat das denn wohl geschrieben, Herr Belafonte? Aber nicht einer der drei kommt auf die Idee, dann doch mal zu sagen, von wem es denn nun ist, denn der deutsche Text ist ja in der Tat nicht von Belafonte (sondern von Kristian Lutze, Silvia Morawetz und Werner Schmitz), und dass das jetzt genau der Moment wäre, in dem man die Urheber der deutschen Fassung nennt. Sie werden auch zu keinem anderen Zeitpunkt des Abends genannt, ebensowenig wie Belafontes Co-Autor. Das regt mich uff, Entschuldigung, Berufskrankheit. Aber ist doch wahr!

Aber dann zwinge ich mich dazu, mich wieder abzuregen. Denn ansonsten ist der Mann wirklich umwerfend. Man bekommt den Eindruck, dass Körperhaltung und geistige Haltung miteinander einhergehen, und dass Harry Belafonte einfach ein aufrechter Mensch ist. Ja, ich weiß, wie groß das klingt. Außerdem ist er auch noch klug und charmant und hat einen guten Humor, ach, und übrigens sieht er auch noch sensationell aus. Und dieses Lächeln! Und dann spricht er über Liebe und Moral, über Moral in der Politik und über Gerechtigkeit. Die großen Themen, und Themen, bei denen normalerweise gleich meine Kitschalarmglocken schrillen würden, aber nicht bei Harry Belafonte, denn alles, was er sagt, wirkt: aufrecht. Und aufrichtig. Und durchdacht, und als hätte er danach gelebt, 85 Jahre lang. Und außerdem sagt er kein Wort zuviel.
Hinzu kommen ein paar kleine Gesten. Als Harry Belafonte darauf hinweist, wie wunderbar er Christian Brückner findet. Oder als seine Frau vorgestellt wird, die in der ersten Reihe sitzt, und das Publikum ihr applaudiert, und er ihr mitapplaudiert. Oder dass er, als drei junge MusikerInnen ihm überraschend zwei Lieder singen, darauf besteht, dass sie zu ihm kommen, dass er aufsteht, um sich bei ihnen zu bedanken, und ein paar Sätze mit ihnen wechselt. Dass er zum Schlussapplaus ebenfalls aufsteht, um sich für den Applaus zu bedanken.
Das wirkt alles nicht wie falsche Bescheidenheit oder gespielte Demut oder sonst ein Theater, sondern wie echte Freundlichkeit und Dankbarkeit ohne Übertreibung. Bisher mochte ich nur die Musik ganz gerne, aber jetzt weiß ich um Harry Belafontes wirklich unermüdliches und eigentlich unfassbares Engagement für Gerechtigkeit und Bürgerrechte. Die Geschichten, die er erzählt, kommen aus einer ganz anderen Welt; Rassentrennung, die ganz reale Gefahr durch den Ku Klux Klan, mein Gott, das ist doch total irre. Es steht im Buch, und er sagt es: dass er zornig ist, und dass der Zorn auf die Ungerechtigkeiten der Welt sein Handeln angetrieben hat. Zu spüren ist von diesem Zorn allerdings nichts. Zu spüren sind Freundlichkeit und Güte und eine Art Grund-Vergnügtheit. Und ein funkelnd humorvoller, klarer Verstand. Ein ebenso berührender wie inspirierender Abend.

Nachhören kann man den Abend am Ostersonntag Abend um 20.00 Uhr im NDR-Radio.
Joachim Mischke vom Abendblatt hat Belafonte nachmittags schon interviewt. (Bezahlschranke umgehen: „So und nicht anders, ein Leben lang“ googeln.) Meine Lieblingssätze aus dem Artikel:
„Die Jahrhundert-Persönlichkeit sagt genau so lange nichts, wie es braucht, um am liebsten von ihm adoptiert zu werden und Nachhilfeunterricht zum Thema Coolness zu erflehen.“
Und „einen jüngeren 85jährigen muss man sehr lange suchen.“
Ja. Und ja. Was für ein Mann.

Harry Belafonte, Michael Shnayerson (Kristian Lutze, Silvia Morawetz und Werner Schmitz): My Song. Die Autobiographie. Kiepenheuer und Witsch, 24,99 €
E-Book 21,99 €

Und im April kommt der Film Sing your Song in die Kinos. Will ich sehen!

Noch eine schöne Geschichte: Herr Paulsen hat ihn mal getroffen.

NACHTRAG: Benjamin Hüllenkremer war auch da und hat Fotos gemacht. Ich finde, auf den Bildern sieht man schon, was ich meine.

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