Glück auf.

Johannes Korten ist tot.

Hannes war in meinem Internet, seit ich im Internet bin. Er bloggte anfangs über Jazz, das interessierte mich nicht besonders, aber am Rande meiner Wahrnehmung war er immer da. Dann kamen Twitter und Facebook, und er war präsent, es ging längst nicht mehr nur um Jazz. Hannes war Markencoach und Social-Media-Mensch der GLS-Bank und war mit Leidenschaft bei der Sache; nicht zuletzt ihm ist es zu verdanken, dass mein Geld jetzt dort ist. Er hat die Anliegen der Bank mit jeder Faser seines Lebens geatmet, ihm lag daran, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen, und das hat er gemacht, nicht nur durch seine Arbeit bei der GLS, sondern auch durch Aktionen wie Ein Buch für Kai oder eine Spendenaktion für die Familie eines verstorbenen Freundes. Hannes war es, mit dem ich korrespondierte, als ich eine Zeitlang GLS-Werbung im Blog hatte, und Hannes war es, der uns für wasmachendieda Starthilfe gab, indem er auch dort GLS-Werbung schaltete. In einem Blog, das es noch gar nicht gab; nur, weil er uns kannte und vertraute. Die Zusammenarbeit mit ihm war schnell, unkompliziert, kompetent: Wollen wir? – Klar, machen wir, zackzack. Am Tag, als wasmachendieda online ging, war Hannes zufällig in Hamburg, zur TEDx-Konferenz. Wir haben zusammen Vorträge gehört und gleichzeitig die Statistik des neuen Projekts im Auge gehabt, und am Ende die Nachmittagsvorträge geschwänzt und lieber angestoßen. Hannes hat uns zur Bloggerlesung in der Bank nach Bochum eingeladen. Am nächsten Tag haben wir ihn für wasmachendieda interviewt.
Hannes war immer da, Hannes gehörte zum Internet. Er war einer von den Guten, von denen, die nachdachten und anpackten. Wenn wir uns gesehen haben, kam er mir vor wie jemand, der in sich ruhte. Im Internet konnte man in letzter Zeit ahnen, dass es ihm nicht sehr gut ging.

Hannes hinterlässt zwei Kinder, den Junior und das Mademoisellchen, die er sehr geliebt hat, das hat man immer deutlich gespürt. Ich wünsche den beiden und ihrer Mutter und wer auch immer noch an Familie da sein mag, für die kommende Zeit … ach, ich weiß es doch auch nicht. Es ist furchtbar, und ich habe keine Worte. Freunde wünsche ich ihnen, die sie da durchtragen. Und robuste Seelen, die nicht daran zerbrechen.

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Hannes schreibt:

Wenn ich einen letzten Wunsch hätte, dann wäre es der hier: Schaut in jeder Situation gemeinsam nach vorn. Seit achtsam mit euch selbst und dann aufeinander. Macht die Welt im Großen wie im Kleinen wieder zu einem guten Ort. Lebt den Gedanken, dass das gemeinsam im Miteinander möglich ist, weiter. Das wäre mir ein letzter Trost. Vielleicht bekommt mein Dasein dann doch noch einen Sinn.

Hannes, Dein Dasein hatte einen Sinn, immer, für alle, die dich kannten. Die Vorstellung, dass es für Dich keinen mehr hatte, bricht mir das Herz. Die Welt ist ein bisschen ärmer geworden. Ich wünsche Dir so sehr, dass Du Frieden gefunden hast. Glück auf.

Happy New Year!

Ein gutes neues Jahr Euch allen. Ein gesundes und glückliches. Seid nett zu einander. Seid nett zu allen. Passt auf Euch auf, aber nehmt euch selbst nicht zu wichtig. Seid neugierig. Seid mutig. Seid großzügig. Macht Sachen. Macht Unsinn. Denkt daran, dass die anderen auch alle ihre Kämpfe zu kämpfen oder ihr Päckchen zu tragen haben. Verzeiht. Lebt, lacht, liebt und küsst. Wear sunscreen.
Ich wünsche Euch ganz viele Tage, an denen Ihr einverstanden seid. Mit dem, was irgendwann sein kann, und allem, was war.

Tschüss, 2015

Du warst ein arbeitsreiches Jahr. Ich habe knapp zwei Bücher übersetzt, eins zu Ende geschrieben, also X mal überarbeitet und ergänzt, und eins herausgegeben (mit Anne von Canal). Ich habe zusammen mit Maximilian insgesamt achtzehn Was-machen-die-da-Interviews geführt und zu lesbaren Texten verarbeitet, davon sechs für die Zeitschrift Nido, also endlich mal bezahlt. Ich habe ein fünftägiges Seminar und einen halbtägigen Workshop geleitet, mehrere Vorträge gehalten und selbst ein Seminar für Seminarleiter besucht. Überhaupt war ich ganz schön viel unterwegs. Und ich habe festgestellt, dass es wohl Unsinn ist, wenn ich manchmal denke, ich kriege ich nichts auf die Reihe. Das stimmt nämlich gar nicht.
Seit 16 Jahren übersetze ich Bücher. Dieses Jahr hatte ich zum ersten Mal so richtig das Gefühl, dass meine Arbeit wahrgenommen wird, es gibt viel Lob für die Gardam-Übersetzung, und das tut mal richtig gut. Im Moment arbeite ich fast nur noch für KiWi und Hanser Berlin, und besser kann man es wohl kaum haben. Es macht mit beiden Verlagen großen Spaß, ich arbeite mit allen Beteiligten sehr gerne zusammen.
Das Aufregendste war natürlich Der Pfau. Und der hörte auch nicht auf, aufregend zu sein, auch als die eigentliche Schreib-Arbeit dann wirklich getan war und er in Satz und in Druck ging. Irgendwie passierte trotzdem immer noch was Neues, ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so dauerhaft auf Adrenalin gewesen wäre. Ein ganz großes Ding war natürlich die Meldung, dass Christoph Maria Herbst das Hörbuch lesen möchte – inzwischen hat er das tatsächlich getan, und ich habe es schon gehört und bin hingerissen, es ist wirklich großartig geworden.
Der andere große, aufregende Moment war der, in dem ich mein Buch zum ersten Mal in der Hand hatte. Ich habe mich noch nicht richtig getraut, darin zu lesen, aber es sieht unfassbar toll aus, und ich bin wirklich sehr glücklich damit, wie das bisher alles gelaufen ist. Wie es weitergeht, wird sich dann im nächsten Jahr weisen, wenn es erscheint.

Privat sind wir ebenfalls ein bisschen gereist. Im Januar waren wir für ein Wochenende in Wien, zusammen mit Falk und der schönen, klugen Frau. Kultur gucken und Mehlspeisen essen, hervorragendes Programm. Im März ein paar Tage auf Amrum, ich hatte ja keine Ahnung, wie schön es dort ist! Im April war für eine Woche meine Nichte hier, das habe ich sehr genossen. Im Mai war ich drei Tage auf Helgoland, um eine Inselgeschichte zu schreiben, was irgendwie nicht geklappt hat. Anfang Juli war ich wieder zum Bachmannwettbewerb in Klagenfurt, das war auch wieder sehr schön. So viele nette Leute, schönes Wetter, der Wörthersee. Für die Sommerferien waren wir lange unentschlossen und sind dann kurzfristig für ein paar Tage in der Normandie gelandet. Das war schön, aber wettermäßig wäre da noch was gegangen. Im Oktober war erst die Buchmesse, dann waren wir 10 Tage in Israel. Ich habe über fast nichts davon gebloggt, das ist wirklich blöd, denn eigentlich lese ich diese Sachen auch immer gern später noch mal nach. Ich kann mir ja mal wieder Besserung vornehmen. Seufz.
Auch nicht gebloggt habe ich darüber, dass ich im letzten Jahr mehrfach im Theater war. Dabei war es fast immer toll. Es war alles dabei, vom Kindermusical im Schmidt auf der Reeperbahn bis zum Wiener Burgtheater. Der Plan ist, das auch nächstes Jahr beizubehalten, ebenso wie gelegentliche Kinobesuche. Unsere Wohnzimmerlesungen hatten ein bisschen Pause, weil sich einfach wenig ergeben hat, aber zwei haben wir gemacht, und das war auch wieder sehr fein. Auch das soll nächstes Jahr weitergehen.
Es sind ein paar neue Menschen in mein Leben getreten, über die ich mich sehr freue, über Wasmachendieda, übers Internet oder sogar aus der Kohlenstoffwelt. Was für tolle Leute man da immer wieder kennenlernt! Und am allerliebsten habe ich es, wenn ich diese Leute miteinander verkuppeln kann, wenn ich sagen kann: Ich kenne da jemanden, der könnte das-und-das, ich geb dir mal die Mailadresse. Und wenn ich damit Leute glücklich machen kann.

Wir halten fest: es war ein rappelvolles Jahr. Ich habe viel gearbeitet, war viel unterwegs und bin tatsächlich ein wenig erschöpft. Erschöpft und sehr glücklich, denn es war alles tolle Arbeit, die ich gern gemacht habe und für die ich großartiges Feedback bekommen habe. Wenn es nervige Arbeit gewesen wäre, hätte ich sicher nicht so viel geschafft oder wäre jetzt nicht „ein wenig erschöpft“, sondern fix und fertig.
Sowieso bin ich ein Glückskind und habe ein schönes Leben. Danke, Leben.

Flashback

Ich sitze auf dem Balkon und arbeite und werde von Mücken zerstochen. Irgendwo müssen doch noch … es gibt wahrscheinlich nur ein einziges Wort, das ich nur auf Japanisch kenne, aber nicht auf Deutsch oder Englisch. Irgendwo müssten doch noch Katorisenkô sein, nicht mehr aus Japan, sondern von Korfu vor ein paar Jahren. Ich suche sie, und tatsächlich ist da eine ganze Packung, auf Englisch heißen sie also mosquito coil, und jetzt sitze ich mit Katorisenkô auf dem Balkon und es riecht total intensiv nach Japan. Das passt ein bisschen, weil ich in der Übersetzung gerade in Hongkong bin, ich war noch nie in Hongkong, aber vielleicht riecht es da auch nach Katorisenkô.
Jetzt hätte ich vielleicht gern ein paar Sushi oder eine schöne Nudelsuppe, dazu würde man das Ding-ding-ding des nahegelegenen Bahnübergangs und die Zikaden hören.

Was ich so mache

Bloggen jedenfalls nicht, wie Ihr möglicherweise gemerkt habt. Manchmal frage ich mich selbst, was ich eigentlich mache, ich habe zum Beispiel in diesem Frühjahr gar kein Buch übersetzt, was mache ich eigentlich den ganzen Tag?

Mal kurz nachgezählt: Ich bin dieses Jahr schon 15 Mal verreist. Davon einmal für ein Interview nach Mannheim, mit Maximilian zusammen, morgens hin, Interview, nachmittags zurück. Alle anderen Reisen bedeuteten eine bis sieben Übernachtungen irgendwo, fast alle waren beruflich. Seminare, Workshops, Vorträge, Recherchen, Lektorat, und auch mal privat zu Eltern oder Schwiegereltern. Gerade war ich wieder in Klagenfurt, das war wieder super, mal sehen, ob ich noch darüber schreibe. Außerdem hatten wir zusammengerechnet mehr als zwei Wochen Besuch hier bei uns.

Wir haben neben unseren üblichen Wasmachendieda-Interviews noch sechs Folgen an Nido verkauft, da waren wir ein paarmal da, haben alles besprochen, die ersten Interviews sind geführt und befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Papierwerdung, weitere sind angeleiert oder geplant. Das wird alles total super, ich freue mich sehr.

Dann gebe ich zusammen mit Anne von Canal eine Anthologie heraus, die im nächsten Frühjahr erscheint (keine Ahnung, wie viel ich schon verraten darf, Ihr werdet es natürlich rechtzeitig erfahren), mit lauter Originalbeiträgen, also mit Geschichten, die eigens dafür geschrieben werden. Was bedeutet: Sack Flöhe. Ein Autor sagt erst zu, dann doch wieder ab. Eine sagt ab, und als wir alle beisammen haben, fragt sie, ob sie doch noch mitmachen kann. Einer schickt den Vertrag seinem Agenten, der dann Sonderkonditionen haben möchte. Eine gibt und gibt nicht ab, ich schicke alle zwei Tage freundliche Auf-die-Füße-tret-Mails. Einer gibt eine halbe Seite ab, was nicht ganz das war, was wir uns unter „nicht mehr als 15 Seiten“ vorgestellt hatten, aber wenn Ihr später seht, wer das war, wisst Ihr auch, dass es trotzdem in Ordnung ist. Und so weiter. Dann will das alles lektoriert und mit den Autoren besprochen werden, und dann muss ich auch selbst noch eine Geschichte schreiben. Oh. Ähm. Nun ja. Bisher jedenfalls haben wir nur tolle Geschichten, das wird ein wirklich schönes Buch.

Und schließlich das Größte: Ich bin mitten im Pfau-Lektorat, beziehungsweise kurz vor fertig. Alles wird noch mal gründlich überarbeitet. Am 13. August muss er endgültig abgegeben werden, dann geht er in Satz. Das ist eine tolle Arbeitsphase, mein Lektor hat mir Anmerkungen reingeschrieben, wo er meint, dass ich eine Szene noch auserzählen könnte, wo noch etwas unklar ist, wo mehr Pfeffer dran muss, das ist total hilfreich und super. Gleichzeitig habe ich natürlich das Gefühl, dass es nicht reicht, dass das alles nicht gut genug ist.
Die wundervolle Smilla Dankert hat sensationelle Autorenfotos von mir gemacht, wir denken über ein Bild für die Umschlagklappe und eins für die Vorschau nach, es wird plötzlich alles sehr konkret und greifbar. Und: Wir haben einen unfassbar schönen Coverentwurf, da kommt jetzt die Feinarbeit, und ich bin sehr glücklich und sehr aufgeregt. Es ist noch so entsetzlich lange hin, bis es endlich erscheint! Februar! Sieben Monate! Mannmann, kann mal jemand vorspulen, bitte?

PfauIsa

Nee, halt, doch nicht. Bis dahin muss ich ja auch noch zwei Bücher übersetzen. Ob ich bekloppt bin? Ach, naja.