Liebes Tagebuch,

da sind wir wieder. Eine Woche lang waren wir in Tönning auf der Halbinsel Eiderstedt. Eine Woche lang war knallblauer Himmel und die Sonne hat geschienen, während ein Großteil meines Internets irgendwas von Regen und kalt jammerte. Wir saßen derweil im Strandkorb. Sind dem Erfinder des Strandkorbs schon genügend Denkmäler gesetzt worden? So ein Strandkorb ist eine tolle Sache, man sitzt darin so windgeschützt, dass man es auch dann noch herrlich warm hat, wenn man überall anders schon fröre. Und so saßen wir oft bis abends, bis die Sonne wirklich weg war, im schnuckligen Garten des schnuckligen Ferienhauses, das ich hier nochmal nachdrücklich lobpreisen möchte. Eingerichtet teils in IKEA, teils alt, teils auf Alt gemacht, hell, weiß gestrichenes Holz und hellblau. Supergemütlich, ganz klein, aber extrem großzügig ausgestattet, jede Menge Geschirr und Besteck und alles, was man in der Küche brauchen könnte, Sitzgelegenheiten en masse, auch im Garten, reichlich Kuscheldecken, alles. Und: einfach mal funktionierendes WLAN. Halleluja! Es gibt ja immer noch teure Hotels, in denen man das Internet noch extra stundenweise bezahlt. Dabei ist es so einfach. Wer einfach mal ein paar Tage im Strandkorb hinterm Deich verbringen möchte: hier. Optimal, um sich eine Woche einzumuckeln und nichts zu tun oder zu arbeiten. Es ist natürlich nicht direkt am Meer, sondern am Ortsrand von Tönning. Man braucht ein Auto.

Und ich habe richtig was geschafft. Mit dem Pfau bin ich ein Stück vorangekommen, habe aber auch gemerkt, dass noch ein bisschen was zu tun ist. Hier was kürzen, da was ändern. Aber wird schon. Gleichzeitig habe ich mit einer Übersetzung angefangen, die ich zwar erst zum 1. August abgeben muss, aber der Verlag hätte gern schon mal eine Leseprobe. Und natürlich haben wir auch manchmal was anderes gemacht:

Odin

Das ist Odin (unten). Odin ist ein Stoiker vor dem Herrn und sehr freundlich dazu. Die Idee war eigentlich der übliche Kleinmädchentraum vom Reiten am Strand, das wird dort in St. Peter Ording angeboten, aber Voraussetzung ist, dass man einigermaßen überzeugend behauptet, galoppieren zu können. Und zwar auch einen Kilometer am Stück, denn das passiert bei diesem zweistündigen Strandausritt, und man soll dann nicht die ganze Gruppe aufhalten. Ich bin zuletzt vor mehr als zwanzig Jahren geritten und runtergefallen, auch so eine Aktion im Nordseeurlaub. Davor das letzte Mal war als Pferdemädchen im Pferdemädchenalter, wahrscheinlich war ich höchstens 14. Jedenfalls kann ich keineswegs überzeugend behaupten, ich könnte galoppieren, also nahm ich erstmal eine Stunde Unterricht. Ohne Galopp, aber immerhin, ich bin getrabt, und alles war schön und gut und Odin wirklich ausnehmend freundlich und gehorsam. Trotz Mehlsack auf dem Rücken. Die „Stunde“ dauerte dreißig Minuten, der Muskelkater hinterher deutlich länger. Aber eigentlich … eigentlich fand ich, ich könnte mal wieder zum Pferdemädchen werden. Denn das war schon sehr, sehr schön, da oben auf Odin. Wie klein er ist, fiel mir erst hinterher auf, als ich die Bilder sah. Apropos Bilder: iPhoto hat die Bilder gefressen. Dieses hier hatte ich vorher schon auf Facebook geladen, daher war es noch da. Der ganze Rest ist weg, von mehreren Tagen. Grmbl.

Das war eine wirklich herrliche Woche. Erholt und was geschafft, viel Sonne bekommen, geritten, gearbeitet, spazoren, im Strandkorb gesessen, es war perfekt. Jetzt weiter im Text. Pfau fertigmachen, Übersetzungs-Leseprobe fertigmachen, das Wetter könnte dann bitte auch so weitergehen. Und als nächstes möchte ich einen großgenugenen Balkon oder Garten für einen Strandkorb.

Nonnengänse

Gaense1

Gaense2

Gaense3

Gaense6

Es sind jedenfalls Hunderte, wahrscheinlich eher Tausende. Die meiste Zeit sagen sie nichts, aber manchmal hebt ein Geschnatter an, ein Teil flattert dann auf, es dauert einige Minuten, bis sich alles wieder beruhigt hat. Manchmal fliegen kleinere bis mittelgroße Grüppchen eine Runde übers Land. Eindrucksvolles Spektakel. Gegen Abend rücken sie noch enger zusammen. Zwischen ihnen brüten Kiebitze, glaube ich. Ob sie sich vertragen?

Klausur

Toenning3

Toenning2

Toenning1

Ich habe meinen Arbeitsplatz mal kurz in ein Ferienhäuschen verlegt, beziehungsweise in eine Ferienhaushälfte, die an Schnuckeligkeit kaum zu überbieten ist. Vorne raus guckt man direkt auf den Deich, hinten ist ein Garten von ebenbürtiger Schnuckeligkeit, mitsamt zwei Strandkörben, Decken, Stühlen, Tischen und Kissen, man blickt über Felder und Wiesen, Schafe und Pferde und gelbleuchtenden Raps. Zu hören sind Vögel, Schafe und die Kinder, die drei Gärten weiter spielen. Dann und wann fährt hinten auf der Straße ein Auto vorbei oder ein Motorrad. Ich möchte behaupten, dass der Vollidiotenanteil unter Motorradfahrern signifikant über dem Durchschnitt liegt.

Toenning6

Toenning5

Ich betone die Schnuckeligkeit der Wohnung so, weil wir eigentlich nach Amrum wollten und dort nur schauderhafte Ferienwohnungen gesehen haben. Sofas von Poco Domäne auf weißem oder beigem Fliesenboden. Jetzt sind wir in Tönning, weil die Wohnung schon auf den Bildern hübsch aussah, aber in Wahrheit ist sie noch viel hübscher. Es ist zwar nicht direkt am Meer, aber am Eiderdeich, kurz vor dem Eidersperrwerk. Wir werden also gelegentlich ans Wasser fahren, auch ans richtige, nach St. Peter Ording zum Beispiel, und ansonsten wird gearbeitet. Auch gerne im Strandkorb in der Sonne, mit dem Blick auf Felder und Wiesen, Schafe und Pferde und gelbleuchtenden Raps. Heute ist geradezu eine Affenhitze, herrlich. Endlich wieder Luft an der Haut!
Eine Woche Klausur. Das Internet funktioniert prächtig, ich bin noch nicht sicher, ob das eine gute Nachricht ist. Grundsätzlich natürlich ja. Möglicherweise schließe ich Facebook ab und werfe den Schlüssel weg. Der Pfau muss jetzt endlich fertig werden. Der Roman spielt in Schottland, es schadet sicher nicht, wenn ich bei der Arbeit ein paar Schafe blöken höre.

Toenning8

Toenning7

Toenning4

Liebes Tagebuch,

heute ist Welttag des Buches. Man könnte an der Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ teilnehmen, man könnte an x anderen Aktionen zum Welttag teilnehmen, man könnte irgendetwas zum Thema Bücher oder Welttag schreiben, wenn man nicht Kopfschmerzen hätte. Außerdem ist auch Welttag des Urheberrechts und Welttag des Bieres. Bier mag ich nicht, ich könnte auch darüber schreiben, dass ich kein Bier mag und das manchmal total doof finde.
Morgen ist „Fashion Revolution Day“, Jahrestag des Einsturzes von Rana Plaza, darüber könnte man etwas schreiben, man könnte x Webseiten zum Thema verlinken und überhaupt mal wieder etwas zum Thema „Besser ist das“ machen und faire Kleidung und so weiter. Es gibt eine Aktion, dass man seine Kleidung morgen auf Links tragen soll, um sichtbar zu machen, woher sie kommt, aus Bangladesh zum Beispiel, oder eben nicht. Das könnte man alles erst nochmal nachlesen und dann entsprechend verlinken und zum Mitmachen aufrufen und was man nicht sonst noch alles könnte, wenn man nicht Kopfschmerzen hätte und irgendwie total k.o. wäre.
Ich weiß nicht, was das soll, wir haben irre viel für „Was machen die da?“ gemacht, aber das wäre ja nicht unbedingt ein Grund, so kaputt zu sein, und vor allem gibt es keinen vernünftigen Grund für Kopfschmerzen, niemals, Kopfschmerzen sind ja immer sinnlos. Aber so ist es nun, ich bin platt. Die normale Arbeit ist ja auch noch, ein Roman will fertiggeschrieben werden, und ich habe auch schon wieder mit dem Übersetzen angefangen, ganz zaghaft erstmal, aber der erste Abgabetermin dräut schon wieder, irgendwo da hinten am Horizont.
Statt also Welttage und Aktionen zu bloggen, werde ich jetzt meine Restkraft aufwenden, um ein gutes Kilo Spargel zu schälen und mich nach dem Verzehr desselben für den Rest des Tages in die Badewanne zu legen. Oder vielleicht noch ein bisschen zu schreiben, mal sehen. Einer muss ja.

Ach so, morgen ist Tirili, da kommt ihr ja alle, ne? Gut.