Medienouting II: Film und Fernsehen

Nach dem großen Lese-/Nichtlese-Outing kommt hier mein Verhältnis zum nächsten Medium, nämlich zu Film und Fernsehen. Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: habe ich überhaupt keinen Bezug zu.
Als ich Kind war, hatten wir zu Hause keinen Fernseher. Meine Eltern waren der Überzeugung, dass Fernsehen schlecht sei und kein Mensch das braucht. Wir bekamen einen Fernseher, als ich ungefähr 16 war; ich erinnere mich, dass ich eine Weile lang halbwegs regelmäßig „Dallas“ geguckt habe, und ansonsten gelegentlich mit meiner Mutter zusammen mal eine 50er-Jahre-Komödie mit Peter Alexander und Lilo Pulver. Und vor Weihnachten Sissi. Meine Brüder guckten Wetten dass oder mal was von Otto, das fand ich alles eher langweilig und unlustig. Der Fernseher stand natürlich auch nicht im Wohnzimmer, wie bei anderen Leuten, sondern im Keller, und wurde angemacht, wenn man etwas Bestimmtes sehen wollte. Und wenn das zu Ende war, aus. (mehr …)

Best Exotic Marigold Hotel

Jawoll! Ich war im Kino. Dabei war ich schon letztes Jahr zweimal!
Jetzt also: Best Exotic Marigold Hotel. Das empfahl mir nachmittags eine Freundin am Telefon, abends sind wir gleich spontan hingegangen. Die Geschichte: ein runtergerocktes Hotel in Indien lockt alte Engländer damit, den Herbst ihres Lebens dort zu verbringen. Der hochmotivierte und etwas chaotische junge Hotelier will dem Haus wieder zu altem Glanz verhelfen. Sieben alte Engländer, unter anderem Bill Nighy und Judi Dench, reisen also an und richten sich in dem sehr fremden Land irgendwie ein. Und natürlich läuft alles ein bisschen anders als erwartet.

Ich dachte, das ist bestimmt schön leichte Unterhaltung, ein bisschen bunt, ein bisschen exotisch, bestimmt ein bisschen traurig und ein bisschen lustig. Tatsächlich fand ich es dann leider viel zu dick aufgetragen, was das „Bunte“ betrifft: ja, wir haben verstanden, dass Indien bunt und laut und voll und quirlig ist. Dafür hätten wir nicht hundert lautstarke und schnelle Kamerafahrten aus dem fahrenden Auto raus gebraucht, das ist anstrengend. Und es kam mir auch vor, als wäre übermäßig viel Farbe reingedreht, aber das kann natürlich auch daran liegen, dass ich gerade aus dem Hamburger Winter komme. Und die Story: hat schöne Momente. Aber auch da ist so viel verschenkt, da wäre so viel Platz für Witziges und Trauriges gewesen, stattdessen ist es recht vorhersehbar (an einer Stelle raune ich dem Mann zu „jetzt stirbt er gleich“, und dann geht die Kamera weg von der Figur und auf einen großen, weißen Kranich, der dann wegfliegt, in den Himmel, weiter und weiter weg … du meine Güte, können Autoren und Drehbuchautoren BITTE ENDLICH aufhören, Vögel wegfliegen zu lassen, wenn jemand stirbt oder beerdigt wird? Das haben wir doch jetzt echt oft genug gesehen und gelesen). Und die Dialoge sind zum Teil entsetzlich hölzern übersetzt. Beispielsweise schon dieser Satz im Trailer: „Nein, was ich nicht aussprechen kann, esse ich auch nicht.“ So spricht doch kein Mensch! Auch keine alte Zicke!)
Schade. Viele bunte Bilder gesehen, und ich mag Judi Dench und Bill Nighy gern und habe auch ein paarmal gelacht, aber in Erinnerung bleiben wird der Film eher nicht.

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