Anderswo (Der Literaturteil)

- Das Wichtigste zuerst: Die Rede von Navid Kermani bei der Kölner Demo nach den Attentaten von Paris.

Die Terroristen wollen einen Keil zwischen uns treiben, sie wollen uns in eine Entscheidung zwingen, ob wir Europäer oder Araber sind, Westler oder Orientalen, Gläubige oder Ungläubige. Nach dem 11. September 2001 war ihnen das fast schon gelungen, als der Terror mit Kriegen beantwortet wurde, mit Folter, mit der Aushöhlung des Rechtsstaats. Die unweigerliche Folge waren noch mehr Gewalt und Gegengewalt, noch mehr Feindbilder und noch mehr Hass, noch mehr Anschläge und Hunderttausende weitere Tote. Heute muss die Antwort auf den Terror eine andere, eine im besten Sinne aufklärerische sein: Nicht weniger, sondern mehr Freiheit! Nicht Ausgrenzung, sondern gerade jetzt Gleichheit! Und vor allem: Nicht Feindschaft, sondern Brüderlichkeit!

Als Text und Video bei Der ZEIT.

- Super Überleitung zum Literaturteil: Helge Malchow berichtet von den Ereignissen um das Erscheinen von Rushdies „Satanischen Versen“ 1989.

- Gabriele Haefs über die Freuden des Übersetzens schlechtlektorierter Bücher.

- The one and only Pia Ziefle bereitet sich auf eine Lesung vor. Wow.

- Thomas Glavinic ebenfalls über Getränke bei Lesungen und über das Schreiben.

- Eine kleine Sammlung wundervoller Widmungen in Büchern. (Auf Englisch.)

- Und noch eine Sammlung, ebenfalls auf Englisch: Fragen, die in der New York Public Library gestellt wurden (bevor es Google gab).

- Schöne Bilder von schönen Bibliotheken.

- Der Hanser-Verlag hat Literaturblogger zu einem Verlagsbesuch eingeladen, und das war wohl sehr toll, schreibt Sophie Weigand.

- Und ein sehr schönes Lyrik-Übersetzungsvideo: Anna Crowe übersetzt Odile Kennel, featuring charming Katy:

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- Es ist jetzt ein bisschen blöd, das erst nach Weihnachten zu posten, aber: wer über die Anschaffung eines Readers nachdenkt, möchte vielleicht lieber einen Unbeleuchteten nehmen.
UPDATE: Vielleicht ist das auch Kokolores. Also: Kein iPad mit ins Bett. Beleuchtete Reader weiß man nicht.

- Einmal im Monat treffen sich zwölf Schülerinnen und Schüler der Frankfurter Schillerschule mit der S. Fischer-Lektorin Julia Bong, um gemeinsam Texte zu schreiben und darüber zu reden. Dabei passiert Erstaunliches.

- Stefan Mesch hat die bemerkenswertesten Buchcover des Frühjahrs 2015 gesammelt und gruppiert. Großartig, vielen Dank!

- Das Verlagsbüro Philipp hat ebenfalls gesammelt, und zwar die Träger von Literaturpreisen 2014.

- Die zauberhafte Karen Köhler hat mal wieder ein Interview gegeben, drüben bei Gérard Otremba. So toll wie immer.

- Und auch Paul Auster spricht über das Schreiben. Arrogant und interessant und am Ende ein bisschen rührend.

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- Karla Paul leitet seit dem Sommer den Bereich Digitales Publizieren beim Verlag Hoffmann und Campe und erzählt davon im Buchreport. Satz des Jahres: „Die Pessimisten sollen sich bitte endlich ein Hobby suchen.“

- Den Optimismus verlieren kann man allerdings so langsam wirklich bei Suhrkamp. Ich staune weiterhin, dass sie immer noch tolle Bücher machen.

- Der wundervolle Roman „Der Grund“ von Anne von Canal wurde ins Estnische übersetzt, hier gibt es eine lange Lesung daraus. Ich verstehe natürlich kein Wort, finde es aber total toll. Und stelle überrascht fest: Man kann super dazu übersetzen, das hat so einen schönen Rhythmus, aber es stört nicht, weil ich halt nichts verstehe. Musik hören beim Übersetzen kann ich überhaupt nicht, höchstens etwas ohne Text, so Sigur-Ros-Gewimmer oder so. Ab sofort werden zum Arbeiten estnische Lesungen gehört.

- Auch so ne Marke: Reinhold Joppich, langjähriger Vertriebsleiter bei KiWi, weit über Köln hinaus bekannter Schnäuzerträger, Buchbranchenurgestein, geliebt und gefürchtet, wenn ich das richtig verstanden habe, geht in Rente. Gisela Steinhauer hat ihn aus diesem Anlass getroffen und eine ganze Stunde lang mit ihm gesprochen.

- Zu den Deutschen Schreibtagen 2014 in Berlin-Wannsee hielt die internationale Bestsellerautorin und Bücherfrau Nina George vor 140 Teilnehmerinnen, Autoren und Autorinnen in Ausbildung, die Keynote mit dem Titel: „On Writing / Was ist Schreiben?“
Im BücherFrauen-Blog sind jetzt Auszüge der Rede erschienen.

- Wär ich in Berlin, würde ich diesen Schreibkurs bei Susanne Englmayer besuchen. Der wird bestimmt super und kostet quasi nix: 100,- € für 10 Abende, alle 14 Tage montags.

- Marie Marcks ist gestorben. Meine Verehrung.

- Und das Dollste zum Schluss: 54 Stories. Im Advent erscheint dort jeden Tag eine kurze Geschichte, danach geht es aber weiter. Wenn auch nicht täglich. Hurra! Mehr Geschichten für alle!

Lesebändchen

Ich habe hier (und auf Facebook) ja schon ein paarmal auf die Lesebändchen hingewiesen, die ich so gerne mag. Seit ich zum ersten Mal so eins benutzt habe, klebe ich in jedes frische Hardcover eins ein, denn, wie Torsten einmal sinngemäß und aus dem Gedächtnis zitiert sagte: „Ich halte den Lesebändchengeiz für eins der Grundübel des Buchmarkts“. Jawohl, das ist es! Ein anständiges Hardcover, das auf sich hält, hat doch wohl bitte ein Lesebändchen! Echtjetzma. Und wenn es keins hat, dann klebe ich eben eins rein.
Die Lesebändchen kommen in bunt gemischten Farben in Fünferpacks, und es gibt immer mal wieder Angebote, bei denen fünf Fünferpacks etwas günstiger sind. Wenn man einmal welche bestellt hat, bekommt man zwei-drei Mal im Jahr eine Mail, dass es wieder Angebote gibt. Ich gehe dann immer unverzüglich in den Webshop und bestelle, es liegt hier immer ein Vorrat an Lesebändchen, sie sind nämlich auch super Mitbringsel. Ich bin sonst eher schlecht in sowas, wenn ich irgendwo eingeladen bin, denke ich nie vorher dran, eine Kleinigkeit zu besorgen oder so, sondern immer erst im letzten Moment. Hab ich noch ein von mir übersetztes Buch, das denjenigen interessieren könnte? Nein? Okay, dann Lesebändchen. Kommt immer super an.

unserewahlklein-300x276Was ich jetzt aber eigentlich sagen wollte: Es gibt gerade Weihnachtsangebote. Habe ich natürlich sofort bestellt, keine Unmengen, weil ich noch so viele habe, nur zwei Päckchen mit je 5 Fünferpacks. Die Lieferung kam, wie immer, postwendend, allerdings war nur ein Päckchen drin. Kann ja mal passieren, Menschen machen Fehler. Ich schrieb also eine Mail, dass da ein Päckchen gefehlt habe und bekam wiederum postwendend eine Antwort mit einer netten Entschuldigung und dem Versprechen, sich zu kümmern und das fehlende Päckchen nachzuliefern. Heute kam ein Umschlag mit *zwei* Fünferpacks drin, obwohl ja nur einer gefehlt hatte. Ich habe noch eins geschenkt bekommen, einfach so, weil es ein Versehen gab und in der ersten Lieferung eins fehlte.
Liebe andere Unternehmen: so macht man das. Gutes Produkt, immer prompt geliefert, und bei einem Versehen einfach entschuldigen und den Fehler korrigieren. Und wenn man dann noch ein Entschuldigungsgeschenkchen mitschickt, bekommt man glatt noch einen Blogeintrag dafür.

Und jetzt geht alle mal schön hierhin und kauft Lesebändchen. Weihnachten, Ihr wisst schon.

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- Bachmannpreis-Juror Arno Dusini hat jetzt auch einen offenen Brief zur Causa Strigl an den ORF/3sat geschrieben. Nachzulesen bei Sopran, der unermüdlichen Kämpferin für das Gute, Wahre, Schöne in Klagenfurt.

- Die neue französische Kulturministerin liest keine Bücher. Skandal!

- Ruth Klüger hingegen liest bekanntlich eine Menge, und spricht hier über die Gebrüder Grimm und ihre Märchen, genauer gesagt: die Mädchen-Märchen. Sehr spannend.

- Stephan Porombka über Poetry Slams.

- Och nee: die Berliner Buchhandlung ocelot ist insolvent. Der Geschäftsbetrieb soll aber weitergehen, das heißt: Alle Mann schnell eine Ladung Bücher bei ocelot kaufen! Weihnachtsgeschenke! Kann man auch online bestellen! (Mehr dazu: Tagesspiegel, Morgenpost.)

- Schon älter, aber jetzt erst zufällig gefunden: Sabine Scho im Gespräch mit Denis Scheck über den Zoo als Metapher für den auktorialen Erzähler. Wow.

- Und damit gehen wir weg vom Literaturbetrieb, bleiben aber bei Tieren: Echter Pelz ist billiger als Kunstpelz. Bitte angucken (Allerdings: Triggerwarnung. Teilweise sehr fies). Und dann keine Fellkapuzen mehr kaufen.