Geld. Falsch.

Ich habe mir eine Fahrkarte gekauft, der Automat hat mir Wechselgeld zurückgegeben. Hinter mir am Mülleimer war gerade ein Pfandflaschensammler, dem wollte ich zwei Euro in die Hand drücken. Er trug einen abgeschabten Anzug und hat wortlos, mit entsetztem Blick und einer deutlichen Geste abgelehnt. Dann hat er in den nächsten Mülleimer geguckt, ob Pfandflaschen drin sind. Mein Almosen wollte er nicht.
Zehn Minuten später stieg ich aus der Bahn, am Straßenrand stand eine Frau mit einem Schild „Ich habe Hunger“. Ich habe ihr nichts gegeben, weil ich es inzwischen etwas eilig hatte und erst mein Portemonnaie wieder aus der Tasche hätte kramen müssen.
Viel falscher wäre es wohl nicht gegangen.

Was machen die da? Stevan Paul und Andrea Thode

Stevan Paul war einer der ersten Menschen, die ich im Internet kennenlernte. Und einer der ersten, die ich dann in Hamburg „in echt“ traf. Wir haben jahrelang zusammen Kaffee.Satz.Lesen organisiert (zu dritt mit Sven Heine), haben ziemlich genau gleichzeitig angefangen zu bloggen und haben schon sehr viel und sehr gut zusammen gegessen.
Essen ist auch sein Beruf, er hat Koch gelernt und arbeitet heute als Foodstylist und Autor. Er denkt sich – beispielsweise für Zeitschriften – Rezepte aus, bereitet sie zu, sorgt dafür, dass es hübsch aussieht, und Andrea Thode fotografiert das Ergebnis. Normalerweise machen sie das in der Redaktion, aber die zog just gerade um, sodass sie ausnahmsweise bei Stevan zu Hause arbeiteten, als wir zu Besuch kamen. Das Schönste war, dass wir die Sachen danach essen durften. Nein, halt, das Schönste war zu sehen, wie entspannt und professionell die beiden zusammen arbeiten. Bitte aufs Bild klicken:

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PS: Meistbenutztes Kochbuch in diesem Haushalt seit einem halben Jahr: Deutschland Vegetarisch von Stevan Paul.

Mustafa

Das Projekt „Herzbrücke“ der Albertinen-Stiftung ermöglicht herzkranken Kindern aus Krisen- und Kriegsgebieten lebensrettende Operationen, die zum Großteil im Albertinen-Krankenhaus, aber auch im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie anderen Hamburger Kliniken durchgeführt werden. Dabei engagiert sich das Herzbücke-Team weit über das normale Maß hinaus für die Kinder. Ärzte und Pflegende geben darüber hinaus ihr Wissen auch an Kollegen aus der Heimat dieser Kinder weiter, um die medizinische Versorgung vor Ort zu verbessern. Gastfamilien aus der Metropolregion Hamburg nehmen die Herzbrücke-Kinder bei sich auf.

Morgen kommen wieder sieben Kinder aus Afghanistan in Hamburg an. Sie haben vier Wochen Zeit, sich in ihren Gastfamilien einzugewöhnen, dann werden sie operiert, und dann bleiben sie noch zwei weitere Monate hier. Nach drei Monaten fliegen sie zurück in ihre Heimat, hoffentlich gesundoperiert, und werden das bisschen Deutsch, das sie hier lernen, bestimmt schnell wieder vergessen.
Eins dieser Kinder ist Mustafa, er ist sechs Jahre alt und hat ein Loch im Herzen. Mustafa wird die drei Monate bei Gesa und ihrer Familie verbringen. Die Kinder kommen allein, ohne ihre Eltern. Sie sprechen kein Wort Deutsch. Ich finde es vollkommen unvorstellbar, wie so ein Kind das wegstecken soll. Manchmal verkraften Kinder sowas ja viel besser, als man meint. Manchmal aber auch nicht.
Gesa ist super, ihre Familie vermutlich auch, ich zweifle nicht daran, dass Mustafa es bei ihnen so gut wie möglich haben wird. Ich bin voller Bewunderung für alle Beteiligten.

Hier ein Bericht des NDR über Razia, die letztes Jahr in Hamburg operiert wurde.

Finanziert werden die Operationen übrigens durch Spenden. Die Kontonummer steht auf der Webseite der Herzbrücke.