Anderswo – Das Feuilleton

- Neues von Suhrkamp: Ulla Unseld Berkéwicz zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück und wechselt in den Aufsichtsrat. Das ist offenbar eine gute Nachricht, wenn ich das richtig verstanden habe, können sich jetzt wieder alle aufs Büchermachen konzentrieren und müssen nicht dauernd wegen Streitereien in der Presse sein. Hallelujah!

- Hurra, Linguistenhumor! Gnome Chomsky, The Garden Noam.

- Der Deutschlandfunk zum 10. Todestag von Ephraim Kishon.

- Jörg Sundermeier im Buchmarkt über den Zustand der Literaturkritik.

- Gesine von Prittwitz hat Daniel Beskos und Peter Reichenbach vom Mairisch-Verlag interviewt.

- Und heute zur Abwechslung gleich zwei Videos: Eine Vorstellung des Verlags Hermann Schmidt, der wirklich ganz und gar wundervolle Bücher macht.

… und zum Schluss lernen wir noch ein einziges Wort Schwedisch (via Liisa):

Service für Google-Suchende

Folgende Suchanfragen landeten in letzter Zeit bei mir, und weil das hier ein kundenorientiertes Serviceblog ist, antworte ich natürlich gern.

manche menschen veraendern sich haben mich zu dem gemacht was ich bin
Dann hast du dich wohl auch verändert, hm? q.e.d. Man stelle sich nur vor, wie langweilig es wäre, wenn Menschen sich nicht veränderten. Aber was war jetzt die Frage?

wie viel geld kann man als geht so autorin verdienen
Geht so. (Wobei – möglicherweise kann man als Geht-so-Autorin mehr Geld verdienen als als gute oder schlechte. Der Massengeschmack ist ja manchmal auch eher geht so.)

was passiert wenn man was in den verkehrten fadenlauf macht
Ich würde annehmen, dass dann der Faden verkehrt läuft, aber ich kenne mich nicht aus. Ich weiß nicht mal, womit ich mich nicht auskenne. Nähmaschinen? Und was kann man da in den Fadenlauf machen, außer einem Faden?

für dich doch alles
Awwwwww, danke!

geschenke machen freundschaft
Nein. Es wäre aber auch schrecklich, wenn es so einfach wäre.

was denkt sich ein mann wenn eine frau ihn duzt
Ganz im Ernst, manchmal tun mir die Googler auch leid. So viel soziale Unsicherheit ist ja schrecklich! Und lässt sich mit Googeln auch nicht beheben.

stimmt es, dass schwäne eigentlich nicht fliegen dürfen?
Ja, das stimmt. Schwäne dürfen eigentlich nicht fliegen, man hat Ende des 18. Jahrhunderts nämlich geglaubt, das führe zur Verunsicherung kleinerer Vögel. Deswegen wurde damals das Flugverbot für Schwäne beschlossen, zum Schutz kleinerer Singvögel. Das Gesetz gilt als das allererste Tierschutzgesetz überhaupt. Allerdings ist der Begriff „Tierschutz“ hier umstritten, weil es den Schwänen ein Verbot aufzwingt. Schwäne brauchen seitdem eine Sondergenehmigung, die ist aber heutzutage relativ leicht zu bekommen, etwa bei Fernbeziehungen. Man weiß ja, dass Schwäne ein Leben lang einem Partner treu sind, und wenn der in einem anderen Gewässer lebt, dann ist eine Fluggenehmigung heutzutage kein Problem mehr. Oder wenn der Arbeitsplatz in einem anderen Gewässer liegt. Überhaupt besteht das Gesetz eigentlich nur noch, weil niemand daran gedacht hat, es zu streichen, inzwischen gilt es nämlich als erwiesen, dass fliegende Schwäne die anderen Vögel gar nicht verunsichern. Die kommen damit prima zurecht. Daher werden die Fluggenehmigungen auch heute nicht mehr kontrolliert, das Gesetz ist de facto obsolet.

die da da da da de de
Schubi dubi du-wap!

Liebes Tagebuch,

mimimimi! Das war’s dann mit der lockeren Jahresplanung. „Locker“ heißt in dem Fall, dass ich neulich ins Blog schrieb: „Der Ausblick auf 2015 macht mich ein bisschen schwindelig, das Jahr ist nämlich quasi schon durchgeplant.“
Allerdings war es so durchgeplant, dass ich bis zu den Sommerferien ordentlich zu tun habe, und dann wollte ich in den Sommerferien Sommerferien haben, danach den zweiten Band der Trilogie übersetzen, vielleicht so ab Mitte August, September, Oktober, November, schön entspannt. Und dann vor Weihnachten ein bisschen Ruhe, es ein bisschen langsamer gehen lassen, nett Weihnachtsgeschenke einkaufen und mich mit Freunden zum Glühwein treffen, statt, wie sonst immer, eine Buchabgabe vor Weihnachten zu haben und zu gar nichts zu kommen. Das war der Plan, ich hatte fest vor, sowohl Sommerferien als auch eine Vorweihnachtszeit zu haben.

Tja.

Dann kam ein Anruf aus dem Verlag, sie fänden den ersten Band der Trilogie alle so super, dass sie die Bände zwei und drei jetzt doch nicht im Jahresrhythmus veröffentlichen wollen, sondern alle halbe Jahr einen. Was bedeutet, ich muss dieses Jahr nicht noch einen Band übersetzen, sondern beide. Das ging einher mit einem dicken Lob für die Übersetzung des ersten Bandes, das mich wahnsinnig freut. Und „muss“ ist natürlich auch übertrieben, sie haben gefragt, ob ich das hinkriege. Hey, es ist Hanser Berlin, es ist Jane Gardam, sie wollen was draus machen, der Vertrieb liebt es, ich auch. Da sage ich natürlich nicht „Och nee, lasst ma, ich will im Dezember Glühwein trinken.“ Sondern, „Ja, kriege ich hin.“
Es ändert nichts dran, dass bis zum Sommer gar nichts geht. Und dann also: Arbeit mit in die Sommerferien nehmen und dann durcharbeiten bis Mitte Januar. Sechseinhalb Monate für 600 Seiten, klar geht das, aber dann ist nicht viel Entspannung zwischendrin. Dafür die Buchmesse. Und vermutlich kommt ja auch noch das ein oder andere dazwischen. Kleinere Arbeiten, das Leben, sowas halt.
Also Abgabe im Januar, und im Februar 2016 erscheint dann mein eigener Roman. Ich hoffe natürlich auf eine kleine Lesereise. Vielleicht könnte man noch irgendwo ein-zwei Monate einschieben? Vielleicht einen zwischen August und September, und dann nochmal einen zwischen Januar und Februar, damit ich dann wieder halbwegs frisch bin?

Neue Jahreslosung also: Nichts mehr annehmen, nichts mehr aufhalsen, zu nichts mehr überreden lassen, nicht noch mehr machen.
Ich fahre nicht zur Mitgliederversammlung des VdÜ in Freiburg. Ich fahre nicht auf die Leipziger Buchmesse. Wir machen in den Märzferien keine kleine Städtereise, sondern vielleicht ein paar Tage an der Ostsee. Vielleicht Wellness oder Ferienhaus mit W-LAN (und Arbeit). Ich fahre durchaus zur Übersetzertagung nach Wolfenbüttel, weil ich einen Workshop zugesagt habe. Alle weiteren Anfragen, die womöglich noch kommen, werde ich absagen. Also, fast alle. Je nachdem. Logisch.
Es gibt keine Tirili-Lesung, und wir organisieren keine Bloggerreise. Das kann auch alles mal jemand anders machen, aber wenn ich das sage, werde ich nur groß angeguckt.
Wasmachendieda geht natürlich weiter, das finden wir selbst immer noch super. Morgen!

Nächste Woche geht’s los mit dem Pfau-Lektorat. Sehr aufregend! Ich freu mich!

*krempelt die Ärmel hoch*

Film: The Great Gatsby

Jetzt wollte ich gerade darauf verweisen, dass ich ja letztes Jahr zu Beginn des Jahres mit dem sogenannten „Filmprojekt“ angefangen habe, das vorsah, jede Woche einen Film zu gucken. Das kam mir nicht sooo schwierig vor. Aber wo ich das gerade verlinken will, sehe ich: stimmt ja gar nicht, das ist schon zwei Jahre her. Zwei Jahre sind 104 Wochen, ich habe in dieser Zeit 12 Filme gesehen, also ungefähr beinahe fast nahezu einen pro Woche. (Stimmt nicht, ich habe noch ein paar wenige mehr gesehen, z.B. Boyhood, aber nicht drüber geschrieben.)

MV5BMjY4NDQ3OTk1OF5BMl5BanBnXkFtZTgwMjQ3NzMxMDE@._V1_SX214_AL_Nun ja, ich gebe nicht auf und habe also mal wieder einen Film geguckt: The Great Gatsby, und zwar die Version von Francis Ford Coppola von 1974. Hier kommt schon gleich wieder eine Beichte: Ich kannte die Geschichte nicht. Buch nicht gelesen, keine der zahllosen Verfilmungen gesehen, shame on me. Es war mir also ganz neu.
Worum es geht? Um reiche Leute in herrlichen Anwesen an einem Meeresarm, die permanent Partys feiern. Man bekommt nicht so richtig heraus, woher das Geld eigentlich kommt, am allerwenigsten beim Großen Gatsby (Robert Redford) selbst. Vermutlich vom Alkoholschmuggel, aber nichts Genaues weiß man nicht. Er ist jedenfalls irgendwie ein Guter. Auch wenn er hier und da ein wenig lügt, über seine Vergangenheit und das, was er macht. Und Liebeswirrungen gibt es natürlich auch zuhauf, Gatsby ist nämlich nur deswegen in die Gegend gezogen, um seiner alten Liebe Daisy (Mia Farrow) nahe zu sein, die aber dummerweise mit einem Mann mit einem schauderhaften Schnäuzer verheiratet ist (Bruce Dern), der zwar selbst ebenfalls eine Geliebte hat (Karen Black), es aber trotzdem nicht so super findet, dass seine Frau mit diesem Gatsby turtelt. Und am Ende sind welche tot.
Es wird viel angedeutet, viel schweigend bedeutungsvoll geguckt (die Männer) und viel gequietscht (die Frauen). Überhaupt, die Frauen: Wunderschön, tolle Kleider, aber leider total überkandidelt, teils geradezu hysterisch gespielt, was ich nicht gut ertragen kann. Ich kann aber sehr gut schöne Menschen angucken (Sam Waterston!), schöne Kleider, schöne Autos, schöne Häuser, schöne Partys mit tollen Tänzen. Insgesamt also: Schön anzusehen, aber leider unerträgliche Frauenfiguren. Und die Geschichte … vielleicht sollte ich mal das Buch lesen, um herauszukriegen, warum das eigentlich so berühmt ist. Den Film kann man schon gucken, muss man jetzt aber auch nicht so fürchterlich dringend. Jedenfalls nicht, wenn man ein Problem mit quietschenden Frauen hat.

Bechdel-Test:
Mehr als zwei Frauen in Hauptrollen: Ja.
… die miteinander sprechen: Kann mich nicht erinnern. Vielleicht einen Satz, aber kein Gespräch.
… über etwas anderes als einen Mann: Nö.