Autoren verdienen Geld

Kürzlich landete jemand mit der Suchanfrage „wieviel verdient irr.mit einem.buch“ auf diesem Blog. Jetzt kann es natürlich sein, dass derjenige nur eine geerbte Kiste Bücher bei Ebay verhökern will, aber vielleicht ging es ja auch ums Bücherschreiben. Da stellt die Frage nach dem Verdienst sich ja durchaus, und es scheint erstaunlich oft gar nicht so klar zu sein, wie das funktioniert, das mit dem Geldverdienen. Und dass man als Autorin überhaupt Geld verdient und dieses Geld vom Verlag zu kommen hat. Deswegen wiederhole ich das hier gern noch einmal: Wer Bücher schreibt und das als Beruf ernst nimmt, bekommt dafür Geld vom Verlag. (Wie viel Geld er bekommt, ist noch eine andere Frage, dazu habe ich hier schon einmal etwas geschrieben.)
Jetzt gibt es aber auch sogenannte Druckkostenzuschussverlage. Das sind die, die ihre Dienste in Zeitungen und Zeitschriften anbieten, oft bei den Kleinanzeigen, unter Überschriften wie „Verlag sucht Autoren“. Diese Verlage behaupten gern von sich, sie würden alles sehr gründlich prüfen und nur ganz wenige Manuskripte annehmen, die sie dann gründlich lektorieren und so weiter. Tatsächlich nehmen sie aber jeden, der zahlt. Das Lektorat muss dann noch extra bezahlt werden, gleiches gilt für Satz und Covergestaltung. Kann man alles selbst machen, oder eben dafür zahlen. Der Verlag bietet einem lediglich die ISBN und gibt den Druck in Auftrag, und ab dann braucht man von diesen Verlagen nichts mehr zu erwarten. Jedenfalls sicher keinen Vertrieb oder das möglicherweise versprochene Marketing. Die Wahrscheinlichkeit, mit so entstandenen Büchern einmal Geld zu verdienen oder auch nur die getätigten Investitionen wieder hereinzubekommen, geht gegen Null. Da druckt man es wahrscheinlich besser zu Hause selbst aus und lässt es im Copyshop ein paar mal kopieren und binden, das ist deutlich weniger verlustreich. Und weniger frustrierend, weil nicht mit so vielen Hoffnungen verknüpft. Das Ganze ist jetzt übrigens auch amtlich, Mediafon meldet:

Bei Zuschussverlagen kann man kein Geld verdienen.

Wer das nicht alles lesen will: Da hat ein Logopäde Kurzgeschichten geschrieben, sie bei einem Zuschussverlag veröffentlicht, und wollte die Kosten dafür von der Steuer absetzen, weil es seine Absicht war, sich damit ein zweites berufliches Standbein aufzubauen. Hat aber nicht geklappt, weil es diesen Verlagen eben gar nicht darum geht, dass die Bücher wirklich verkauft werden, und deswegen hat es auch nicht geklappt, das steuerlich geltend zu machen. Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hat jetzt entschieden, dass bei einer Veröffentlichung in einem Zuschussverlag „keine Gewinnerzielungsabsicht erkennbar“ ist.

Warum ich das hier schreibe? Weil ich glaube, dass der in dem Fall geschilderte Autor möglicherweise absolut gutgläubig war und dachte, es wäre das normale Vorgehen, dass man als Autor erstmal für den Druck des eigenen Buchs zahlt. Als mein Buch erschien, wurde ich tatsächlich auch gefragt, was mich das denn gekostet habe. Es hat mich gar nichts gekostet, im Gegenteil, ich habe Geld dafür bekommen. Keine Unmengen, aber ich habe Geld bekommen. Der Verlag kauft von mir das Recht, mein Werk zu veröffentlichen, das ist der Deal (ob selbstgeschrieben oder übersetzt); ab diesem Moment liegt das Risiko beim Verlag. Ein Verlag verdient sein Geld nämlich mit dem Verkauf von Büchern; dafür muss er die Inhalte erstmal von den Autoren kaufen. Druckkostenzuschussverlage verdienen Geld mit einer Dienstleistung für Autoren, die dann mit dem Produkt alleingelassen werden. Daran, die Bücher auch zu verkaufen, haben diese Verlage gar kein Interesse, sie haben ihr Geld ja bereits bekommen. Also tun sie auch nichts dafür, sie vermarkten und vertreiben die Bücher nicht. Auch wenn sie es teilweise behaupten, sie tönen dann beispielsweise, dass sie das Cover auf ihrer Webseite zeigen, wo es „weltweit auffindbar“ ist. Yeah, wow.

Wer ein Buch veröffentlichen möchte, der soll sich sehr, sehr gut überlegen, ob er das bei einem Zuschussverlag macht. Es kostet einen Haufen Geld, und dieser Haufen Geld ist dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weg. Das ist noch nicht mal unseriös oder so, man bekommt ja vorher gesagt, was es kostet, aber es arbeitet doch stark mit unrealistischen Hoffnungen und läuft auf eine Riesenenttäuschung hinaus. Bücher, die in einem Druckkostenzuschussverlag veröffentlicht wurden, liegen nicht in Buchhandlungen, sie werden nicht rezensiert, nichts davon, sie werden schlicht nicht wahrgenommen. Sie liegen beim Autor zu Hause in Kartons, bis er sie vollkommen frustriert irgendwann wegwirft. (Und ja, ich weiß, dass es Gegenbeispiele gibt. Einzelfälle. Es gibt auch Leute, die im Lotto gewinnen.)

Vor ein paar Jahren haben drei Autoren (Tom Liehr, Michael „Kaelo“ Janßen, Michael Höfler) es mal ausprobiert und unter dem Namen Rico Beutlich ein Roman-Exposé bei Zuschussverlagen eingereicht. Die Story ist an Hanebüchizität nicht zu überbieten, dazu haben sie neun Seiten schlimmsten Unfug als Leseprobe mitgeschickt, alles so schlecht und fehlerhaft formuliert, wie sie es eben hinbekommen haben; die Reaktionen der Verlage sind hier und hier nachzulesen. „Rico Beutlich“ hat sogar eine eigene Webseite. Wundervoll.

Was man als hoffnungsfrohe Neu-Autorin tun kann, um in einem „richtigen“ (also: zahlenden) Verlag unterzukommen, das schreibe ich ein andermal.

**
NACHTRAG: Das Aktionsbündnis für faire Verlage nimmt sich genau dieses Themas an. Das Kernstück des Bündnisses ist die Erklärung „Gefahren einer Veröffentlichung in sog. Druckkostenzuschussverlagen / Selbstzahlerverlagen und Pseudoverlagen“.

18 Kommentare

  1. Jenny Samstag, 18. Januar 2014 um 22:59 Uhr [Link]

    Ich hab mir natürlich gleich eine Rico-Beutlich-Leseprobe reingezogen und lach mich hier kringelig:
    „Jetzt sitzt er da ohne Butter. Nur das trockene Brötchen und das kalte Messer. Aber dann isst er sein Aufschnitt ebend ohne Butter auf das Brötchen.“
    Großartig.

    • Isabel Bogdan Samstag, 18. Januar 2014 um 23:11 Uhr [Link]

      Ja, das ist alles sensationell. Ich mag auch Anschreiben und Exposé: „Ehrenamtliche Tätigkeit: Kostümwart vom Indianerclub Winnetou, Radebeul e.V.“

    • Isabel Bogdan Samstag, 18. Januar 2014 um 23:12 Uhr [Link]

      Oder hier: „Im Alter von zwölf hat er schon viertausend Bücher quer durch die Beete gelesen. Mit Vierzehn türmt er von zuhause weg. Er wandert von Stadt zu Stadt und verdient sich seinen Lebensunterhalt mit Vorträgen in Fussgängerzonen über alles was er gelesen hat, nämlich Hermeneutik, babylonischer Flottenbau, objektorientierte Programmierung, Kamasutra-Liebestechniken, Quantenphysik und Fernheilung.“

  2. frauziefle Samstag, 18. Januar 2014 um 23:57 Uhr [Link]

    Man kann das nicht oft genug sagen. Nicht oft genug.
    Dieses „wieviel musstest du bezahlen?“ ist die wahrscheinlich häufigste Frage, die ich bisher beantwortet habe. Neben „wo nimmst du die Zeit her, um Bücher zu schreiben?“. Oh, ich glaube, ich erkenne einen Zusammenhang.

  3. Nina Sonntag, 19. Januar 2014 um 11:17 Uhr [Link]

    Etwas anders ist es bei wissenschaftlichen Büchern, da ist es in Deutschland durchaus üblich (zumindest im Fall der Publikation von Dissertationen) die Veröffentlichung selbst finanzieren zu müssen, auch bei sehr renommierten Verlagen.

  4. slowtiger Sonntag, 19. Januar 2014 um 12:02 Uhr [Link]

    Man sollte durchaus erwähnen, daß es heutzutage verschiedene BoD-Möglichkeiten gibt, also eigentlich Selbstverlag, mit zumindest real existierender Chance auf Einnahmen. Und eBooks, sowieso.

  5. Isabel Bogdan Sonntag, 19. Januar 2014 um 15:25 Uhr [Link]

    Ja, klar. Es ging hier jetzt aber gerade um Zuschussverlage. Dissertationen sind ein Sonderfall, ich schätze, das hängt mit der Publikationspflicht zusammen.
    BoD / Selbstverlag ist klar, da geht man niemandem auf den Leim, sondern weiß schon vorher, dass es von Buchhandel und Feuilleton et. al. nicht wahrgenommen werden wird, sondern man im Normalfall für den eigenen Bekanntenkreis schreibt. E-Books keine Ahnung – gibt ein paar prominente Erfolgsgeschichten, aber in der Masse glaube ich da nicht recht dran. Aber vielleicht täusche ich mich da.
    Es ging mir hier nur darum, nochmal klarzustellen, wer bei einer klassischen, „normalen“ Buchveröffentlichung wen bezahlt.

    • Irene Freitag, 24. Januar 2014 um 01:56 Uhr [Link]

      Im Kindle-Shop bei Amazon bestehen die Top 100 rund zur Hälfte aus Selbstverlegern, das ist seit Monaten so. Fast alles leichte Unterhaltungsromane, nichts für den Literaturwettbewerb.

      Auch etwas weiter hinten kann man mit etwas Glück und Können noch Geld verdienen. Man sollte sich aber mit diversen Funktionen und Nichtfunktionen von Amazon befassen, wie ein Kleinverlag auch.

    • Isabel Bogdan Freitag, 24. Januar 2014 um 17:02 Uhr [Link]

      Ah, das ist interessant. Und weißt du, wie viele verkaufte Exemplare das bedeutet, wie viel Einkommen da also dranhängt?

    • Irene Samstag, 25. Januar 2014 um 02:33 Uhr [Link]

      Die meisten Autoren schweigen dazu, aber vorhin habe ich gesehen, dass Elke Becker (war mehrere Tage auf Platz 1) Zahlen nennt: „Innerhalb von 10 Wochen wurden auf KDP knapp 19.000 Exemplare verkauft (Die Ausleihen aus dem Select-Programm wurden in diese Zahl mit eingerechnet).“
      http://www.indie-autor-preis.de/titel-im-wettbewerb/details/yoga-ist-auch-keine-loesung.html (steht unten rechts)
      Ich habe nicht parat, inwieweit sie das Ganze mit vorübergehenden Preissenkungen gepusht hat.

      Keine Zahlen aus den Spitzentagen, aber detailreiche Erfahrungen eines Bestseller-Autors findet man bei Michael Meisheit: http://michaelmeisheit.de/

      Wenn es um das Mittelfeld geht, kann ich in meine eigene Statistik schauen: Mein gut laufendes E-Book pendelt diesen Monat meistens zwischen Rang 2.000 und 5.000, das entspricht rund 100 verkauften Exemplaren seit Jahresanfang. (Die Zahlen kann man nicht direkt auf gedruckte Bücher übertragen, da braucht man für denselben Rang noch mehr Verkäufe.)

      Für weitere Erfahrungen einfach mein Blog abonnieren, irgendwann gehts da wieder weiter ;-)

    • Señor Rolando Samstag, 25. Januar 2014 um 14:08 Uhr [Link]

      Wie slowtiger und Irene schon sagten: Dieses Selbstpublizieren ist eine durchaus valide Möglichkeit. Unter http://selfpublisherbibel.de/ veröffentlicht Matthias Matting recht regelmäßig Zahlen. Von ihm kommt auch die Statistik, dass meist knapp über 50% der Topp 100 E-Books bei Amazon von Selbstpublizierern kommen.

      Ich habe die Verkaufszahlen gerade nicht im Kopf, aber es sind wohl etwa 100 Exemplare pro Tag, die dafür verkauft werden, ggf. reicht die Anzahl auch schon für die Top 10.

      Bei 70% Ausschüttung für ein 2,99€-E-Buch kann sich jetzt jeder selbst ausrechnen, ob das lohnenswert ist oder nicht.

  6. Yvi Sonntag, 19. Januar 2014 um 17:54 Uhr [Link]

    Ja, Dissertationen müssen veröffentlicht werden und das kostet eben erstmal. Allerdings gibt es genug online Druckereien, die einem auch eine ISBN vergeben.

  7. Frank B. Sonntag, 19. Januar 2014 um 20:32 Uhr [Link]

    Rico Beutlich könnte – aufgrund der intelligenten Handhabung seiner
    steigenden Aufmerksamkeitskurve – der erste Zuschussautor sein, der
    mit seinem »Werk«, das ja keins sein will, Geld verdient. Pythonesk.

  8. Susanne Sonntag, 19. Januar 2014 um 21:59 Uhr [Link]

    neues lieblingswort: hanebüchizität!

  9. Phil Maloney Montag, 20. Januar 2014 um 12:18 Uhr [Link]

    Hm. Ob Dissertationen da wirklich separat zu betrachten sind, das ist die Frage.
    Ursprünglich stellte die Veröffentlichungspflicht ja (nach meinem Verständnis) einen Versuch dar, die Fachrelevanz einer Dissertation per verlegerischem Kalkül zu sichern – wenn jemand das Thema als Buch zu veröffentlichen bereit ist, dann doch offensichtlich deshalb, weil er hofft, dass es sich so gut absetzt, dass er zumindest die Unkosten wieder reinbekommt, und das wieder dokumentiert ein hinlänglich breites Interesse am Thema. Dieser Ansatz ist längst dahin und unterwandert, und die Veröffentlichungspflicht ist heute längst eine Tradition geworden, die mittlerweile keine Relevanz mehr sichert, sondern (immer meiner bescheidenen Meinung nach) in erster Linie eine Sumpfblütenbranche subventioniert.
    Relevanzüberprüfung von Dissertationsthemen kann man ja längst auf andere Weise machen – zum Beispiel mit Titelwürdigkeit nach Veröffentlichung von drei Artikeln in Fachzeitschriften mit peer review… (in Turku, wenn ich mich nicht täusche). Bloß dass das auch nicht mehr so ganz zuverlässig ist… es gibt immer mehr Fachzeitschriften, die dem Geschäftsmodell der Druckkostenzuschussverlage nachstreben (vgl. die oben verlinkte Diskussion).
    (Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es auf der akademischen Seite auch schon einige Entsprechungen zu dem Logopäden gibt, der glauben gemacht wurde, das müsse so sein… nur ist PoD-Veröffentlichung nach meinen bisherigen Beobachtungen für die Rezeption – und um die sollte es Akademikern eigentlich gehen – nur unwesentlich besser, als lebend eingemauert zu sein, Amontillado hin oder her.)
    Unterm Strich geht’s immer darum, dass Dinge durch ihre Veröffentlichung im Druck an Glaubwürdigkeit gewinnen (oder zu gewinnen scheinen) – ohne dass aber Glaubwürdigkeit je ein apriorisches Veröffentlichungskriterium gewesen wäre und ohne dass verlegerisches Interesse bestünde, irgendwen auf diesen Umstand aufmerksam zu machen…

  10. Mathilde Mittwoch, 22. Januar 2014 um 22:14 Uhr [Link]

    Es stimmt schon irgendwie, liest man nur die Butter-Passage hat das was von DADA. Oder von Hanebüchizität. Ich frage mich, ob ich schon im Januar ein „Wort des Jahres“ haben kann.

  11. Señor Rolando Samstag, 25. Januar 2014 um 14:09 Uhr [Link]

    Und, ähh, gibt’s diese Zuschusskostenverlage wirklich noch? Jetzt in Zeiten von KDP, Kobo Writinglife, Smashwords und Xinxii?

    Verrückt.

    • Irene Samstag, 25. Januar 2014 um 14:39 Uhr [Link]

      Ein RTL-Werbespot von Amazon und Createspace würde womöglich helfen, aber das will man auch nicht wirklich ;-)

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