Stefanie de Velasco: Tigermilch

cleverprinting 2009Nini und Jameela sind allerbeste Freundinnen. Sie sind 14 und finden das erwachsen. Also ziehen sie sich Ringelstrümpfe an, trinken „Tigermilch“, die sie aus Mariacron, Maracujasaft und Milch zusammenpanschen, und gehen „ganz cool und pomade auf die Kurfürsten“, um für ihre Entjungferung zu üben. Also nicht gerade das, was ich mir unter einer behüteten oder wünschenswerten Kindheit vorstelle, aber ich bin natürlich auch ganz schön bürgerlich. Die beiden jedenfalls finden das völlig normal, sie wirken zwar in der Tat recht erwachsen für ihr Alter, im Sinne von: schon Dinge erlebt, vor denen man Kinder eigentlich gern beschützen möchte, aber sie sind nicht daran zerbrochen oder verbittert. Sie kennen das Leben, sie haben Spaß und haben Kummer und haben Freunde, und sie haben eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was Freundschaft ist. Und deswegen kümmern sie sich ein bisschen um ihren Freund Amir, in dessen Familie es kracht. Und dann passiert eine Katastrophe, und alles gerät dann doch nicht ganz so sehr aus den Fugen, wie man meinen könnte.
Was ich besonders mag, ist Stefanie de Velascos sehr eigene Sprache. Ich lese Bücher ja oft nicht in erster Linie wegen der Geschichte, sondern wegen der Sprache, und ich freue mich immer, wenn ein Buch einen besonderen Ton hat. In diesem Fall ist das eine, wie mir scheint, wirklich plausible Jugendsprache in genau der Dosierung, die nicht nervt, sondern die einfach einen überzeugenden Sound macht. Sehr, sehr wundervoll, wenn man es schafft, einen so eigenen Ton zu entwickeln, der ebenso hart wie poetisch ist und damit genau zu den beschriebenen Mädchen passt; auch sie sind hart im Nehmen und gleichzeitig doch zart und verletzlich. Und vor allem kokettieren weder die Mädchen noch die Autorin mit der Coolness der Kaputtheit, wie es oft in solchen Büchern passiert (was mich dann immer nervt). Dicke Leseempfehlung!

Stefanie de Velasco bekommt einen Regalplatz zwischen Birgit Vanderbeke und Dimitri Verhulst.

Stefanie de Velasco: Tigermilch. Kiepenheuer und Witsch, 288 Seiten. Gebunden, 16,99 €
E-Book, 14,99 €

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